OVB Holding

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OVB Holding AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0006286560
Gründung 1970
Sitz Köln, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Mario Freis, Vorstandsvorsitzender
Mitarbeiterzahl 505[1]
Umsatz 231,3 Mio. (2018)[1]
Branche Finanzvertrieb
Website www.ovb.eu
Stand: 31. Dezember 2018

Die OVB Holding AG ist ein Finanzvertrieb, der mit Tochtergesellschaften in 15 Ländern Europas tätig ist. Mit fast 3,5 Millionen Kunden[1] ist OVB nach eigenen Angaben einer der größten Finanzvermittlungskonzerne in Europa.[2] Das Unternehmen ist börsennotiert. Bedeutende Großaktionäre sind mit einer Beteiligung von rund 53 % Unternehmen wie die Signal Iduna-Gruppe, die Basler Beteiligungsholding GmbH mit 33 % sowie die Generali Lebensversicherung AG mit 11 %. Zum Streubesitz zählen aktuell ca. 3,0 % der Aktien. Die OVB Holding AG ist bei der Industrie- und Handelskammer zu Köln gemäß der EU-Vermittlerrichtlinie als Versicherungsvertreter registriert.[3][4]

Als Allfinanzunternehmen vermittelt die OVB Dienstleistungen von Banken, Versicherungen, Bausparkassen und Fondsgesellschaften. Dazu arbeitet die OVB europaweit mit rund 5.000 hauptberuflichen Finanzvermittlern zusammen. Zielgruppen sind vor allem private Haushalte sowie kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Die Finanzvermittler sind als selbstständige Handelsvertreter auf der Basis von Provisionen für die vermittelten Finanzprodukte in Form eines Strukturvertriebs tätig.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1970 von Otto Wittschier (1938–2008), einem ehemaligen Regionalmanager der Investors Overseas Services, gemeinsam mit Bert Schwarz und Bruno Tönnes (1939 – 2018) mit Firmensitz in Köln gegründet. Der Name OVB leitete sich ursprünglich als Abkürzung von „Organisation zur Vermittlung von Bausparverträgen“ ab, da die OVB ihre Unternehmertätigkeit mit der Vermittlung von Bausparverträgen startete. Um dem Allfinanzgedanken Rechnung zu tragen, erfolgte jedoch bereits früh die Benennung „OVB Organisation für Vermögensberatung und Finanzierungen“. Heute wird das Kürzel OVB als eigenständige Firmenbezeichnung verwendet.

1983 erfolgte die Gründung des OVB Hilfswerkes „Menschen in Not e. V.“, das vornehmlich in Deutschland verschiedene soziale Projekte unterstützt. Nach eigenen Angaben finanziert es sich hauptsächlich aus Spenden der Mitarbeiter.[5]

In den Jahren 1985 bis 1995 erfolgte ein Verkauf sämtlicher Gesellschaftsanteile der Gründergesellschafter an der OVB Allfinanzvermittlungsgesellschaft mbh & Co. KG an mehrere Versicherungsgesellschaften. Gleichzeitig übergaben die bisherigen Gesellschafter-Geschäftsführer die Führung an eine neue Geschäftsführung.

Die OVB Allfinanzvermittlungs GmbH & Co. KG, die früher ausschließlich in Deutschland tätig war, wurde am 4. Dezember 2000 in die OVB Vermögensberatung Aktiengesellschaft umgewandelt. Damit änderte sich die Rechtsform des Unternehmens.

In den darauf folgenden Jahren erfolgte eine Umstrukturierung des gesamten Unternehmens mit dem Ziel der Entflechtung der Auslandstochtergesellschaften. In diesem Zuge erhielt das Unternehmen eine Konzernstruktur. Muttergesellschaft wurde die OVB Holding AG, die 100 Prozent der Anteile jeder Tochtergesellschaft hält. Beteiligungen zwischen den Tochtergesellschaften existieren seitdem nicht mehr. Die Tochtergesellschaften sind die jeweiligen Vertriebsgesellschaften der OVB in den verschiedenen Ländern. Die deutsche Landesgesellschaft firmiert unter OVB Vermögensberatung AG und ist gleichfalls Tochter der OVB Holding AG.

Im Juli 2006 erfolgte der Börsengang. Die Erstnotierung erfolgte im Prime Standard, dem deutschen Börsensegment mit den höchsten Transparenzanforderungen. Vom 22. Juni 2009 bis zum 19. November 2009 notierte die Aktie der OVB Holding AG im SDAX.

Vorstandsmitglieder der Konzernmutter OVB Holding sind Mario Freis, Oskar Heitz und Thomas Hücker. Mario Freis wurde 2010 zum Vorstand (Ressort Vertrieb) berufen und ist seit Februar 2016 Vorsitzender des Vorstands.[6] Oskar Heitz, der seit 1991 im Unternehmen tätig ist, verantwortet den Bereich Finanzen; Thomas Hücker ist Vorstand Operations.

Aufsichtsratsvorsitzender war seit Umfirmierung zur Aktiengesellschaft der Vorstandsvorsitzende des Aktionärs Deutscher Ring, zunächst Wolfgang Fauter, der zudem das Amt des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden bei dem Deutscher Ring Krankenversicherungsverein a. G. innehatte. 2010 übernahm Michael Johnigk, Mitglied im Vorstand der Signal Iduna-Gruppe das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden.

Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß einer Pressemitteilung der OVB Holding AG hat der Konzern im Geschäftsjahr 2018 Provisionserlöse von rund 231,3 Millionen Euro (Vorjahr 225,3 Millionen Euro) erzielt.[7] Das operative Ergebnis (Gewinn vor Zinsen und Steuern, EBIT) erreichte 13,2 Millionen Euro (Vorjahr 16,0 Millionen Euro). Das Konzernergebnis erreichte 9,6 Millionen Euro (Vorjahr 12,1 Millionen Euro). In Mittel- und Osteuropa wurden Gesamtvertriebsprovisionen in Höhe von 116,3 Millionen Euro (Vorjahr 109,0 Millionen Euro) erzielt. In Deutschland lagen die Gesamtvertriebsprovisionen bei 59,4 Millionen Euro (Vorjahr 59,1 Millionen Euro). In Süd- und Westeuropa lag der Umsatz bei 55,6 Millionen Euro (Vorjahr 57,2 Millionen Euro). Die EBIT-Marge des Konzerns – bezogen auf die Gesamtvertriebsprovisionen – belief sich analog zum Vorjahr auf 5,7 Prozent.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die OVB gilt als einer von mehreren Strukturvertrieben, bei denen Mitarbeiter unter Druck gesetzt werden und insbesondere zu Beginn an ihre Freunde und Bekannte Finanzprodukte vermitteln sollen. So sollen im dieser Art des Vertriebs neue Mitarbeiter anfangs in ihrem Freundes-, Verwandten- und Bekanntenkreis das vorhandene Vertrauen ausnutzen. Die Wirtschaftswoche berichtete 2010 davon, dass neue Mitarbeiter in eine Liste Namen von Freunden und Bekannten eintragen sollen, die entweder ebenfalls als Berater rekrutiert werden könnten oder aber die an Finanz-Dienstleistungen interessiert sein könnten und denen der neue Mitarbeiter ein Finanzprodukt vermitteln soll (z. B. eine Lebensversicherung). Trägt der Mitarbeiter keine Namen in die Liste ein, würde er dazu gedrängt.[8] Stiftung Warentest hat bereits 2004 die Methoden von Finanzvermittlern (darunter auch die OVB) kritisiert:

  • die Mitarbeiter müssen keine Vorkenntnisse mitbringen, da der Titel Finanzvermittler nicht geschützt sei und
  • die Mitarbeiter werden in Abhängigkeit ihrer Verkäufe in Form von Provisionen vergütet (somit ist der Anreiz für Fehlberatung besonders groß; so werden z. B. Fonds auch vermittelt, wenn diese für den Kunden womöglich unrentabel sind – Beratungen finden ungenügend statt und Risiken des Geldverlustes werden nicht erwähnt oder heruntergespielt).

Durch die sogenannten Finanzvermittler gab es Geschädigte, auch bedingt durch die Fehlberatungen (wobei hier die OVB ebenso in der Kritik stand wie auch andere Firmen wie der von Carsten Maschmeyer gegründete AWD (heute Swiss Life Select und somit ein Teil von Swiss Life) oder die Deutsche Vermögensberatung).[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c OVB-Geschäftsbericht 2018 In: ovb.eu, 21. März 2019, abgerufen am 17. April 2019.
  2. Finanzkalender und Finanzberichte. 21. März 2019, abgerufen am 17. April 2019.
  3. Impressum OVB Holding AG - Registrierungsnummer nach § 34d GewO: D-7IZ9-L8YFB-01. In: ovb.eu. Abgerufen am 8. März 2017.
  4. Vermittlerregister: Recherche. In: vermittlerregister.info. Deutscher Industrie- und Handelskammertag, abgerufen am 8. März 2017.
  5. Das OVB-Hilfswerk „Menschen in Not e. V.“ abgerufen am 28. September 2018.
  6. Mario Freis neuer CEO der OVB Holding AG In: ovb.eu, 5. Februar 2016, abgerufen am 26. September 2018. (PDF; 52 kB)
  7. OVB im Geschäftsjahr 2018 mit Umsatz- und Kundenwachstum In: ovb.eu, 21. März 2019, abgerufen am 17. April 2019.
  8. Ingrid Herden: Umstrittene Methoden: Die OVB-Masche. In: wiwo.de. 10. Februar 2010, abgerufen am 24. September 2018.
  9. Finanzberater: Verwirrspiel mit Kunden. In: test.de. 14. September 2004, abgerufen am 24. September 2018.