Obere Jagstbahn

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Goldshöfe–Crailsheim
Strecke der Obere Jagstbahn
Streckennummer (DB):4940
Kursbuchstrecke (DB):786 (Stuttgart–Nürnberg)
Streckenlänge:30,4 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Stromsystem:15 kV 16,7 Hz ~
Höchstgeschwindigkeit:130 km/h
Strecke – geradeaus
Riesbahn von Aalen Hbf
Bahnhof, Station
0,0 Goldshöfe (Keilbahnhof) 469 m
   
Riesbahn nach Donauwörth
Haltepunkt, Haltestelle
3,7 Schwabsberg 454 m
Haltepunkt, Haltestelle
7,2 Schrezheim 437 m
Brücke über Wasserlauf (groß)
Jagst
Straßenbrücke
Bundesstraße 290
Bahnhof, Station
9,1 Ellwangen 432 m
   
12,7 Schönau 430 m
Brücke über Wasserlauf (groß)
Jagst
Straßenbrücke
Bundesstraße 290
   
15,8 Schweighausen 423 m
Brücke (groß)
Bundesstraße 290
Bahnhof, Station
17,8 Jagstzell 421 m
   
21,1 Stimpfach 413 m
   
23,5 Steinbach 410 m
Bahnhof ohne Personenverkehr
25,2 Jagstheim 410 m
Bahnübergang
25,6 Bundesstraße 290
   
von Heilbronn
Bahnhof, Station
30,4 Crailsheim 409 m
   
nach Nürnberg
Strecke – geradeaus
Taubertalbahn nach Wertheim

Die Obere Jagstbahn ist die Bahnstrecke vom Bahnhof Goldshöfe nach Crailsheim. Sie ist Teil des Fahrwegs der Intercity zwischen Karlsruhe und Nürnberg, eingleisig ausgebaut und elektrifiziert. Die Strecke folgt dem Flussverlauf der oberen Jagst und erhielt daher ihren Namen. Der Zusatz dient zur Unterscheidung von der Unteren Jagstbahn, das ist der Abschnitt Bad Friedrichshall–Osterburken der heutigen Frankenbahn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1863 wurde die Bahnstrecke von Aalen nach Nördlingen eröffnet. Da damals schon der Bau der Strecke nach Crailsheim geplant war, wurde in Goldshöfe ein Trennungsbahnhof gebaut. Die beiden Strecken teilen sich dabei noch vor dem Empfangsgebäude, welches zwischen den beiden Strecken liegt, das heißt, es handelt sich um einen Keilbahnhof. Die Strecke von Goldshöfe nach Crailsheim wurde 1866 eröffnet. Bereits 1870 gab es Bestrebungen, von Ellwangen eine Verbindung nach Dinkelsbühl zu errichten und bis Nürnberg weiterzuführen. Allerdings wurden diese Pläne wegen der sehr viel kürzeren Streckenführung über Crailsheim und Ansbach wieder verworfen. Im Jahre 1939 sollte schließlich die eingleisige Strecke der Oberen Jagstbahn zweigleisig ausgebaut werden. Diese Planungen scheiterten aufgrund des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs.

Ende 1982 wurde mit der Elektrifizierung des rund 30 km langen Abschnitts zwischen Goldshöfe und Crailsheim (sowie weiterer rund 10 km zwischen Crailsheim und Schnelldorf) begonnen; die Nachrüstung eines zweiten Gleises wurde dabei offengehalten. Damit wurde die letzte Elektrifizierungslücke zwischen Nürnberg und Stuttgart geschlossen. Bis dahin verkehrten durchgehende Züge zwischen Stuttgart und Nürnberg mit Dieselloks.[1] Der elektrische Zugbetrieb auf der Oberen Jagstbahn wurde am 14. Mai 1985 aufgenommen, zum Fahrplanwechsel am 2. Juni 1985 folgte der reguläre Verkehr.[2]

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Strecke ist elektrifiziert und eingleisig ausgebaut sowie komplett mit H/V-Lichtsignalen ausgestattet. Lediglich der Bahnhof Goldshöfe besitzt noch Formsignale, die durch zwei mechanische Stellwerke bedient werden. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke beträgt 130 km/h, die südlich des Bahnhofs Crailsheim erreicht werden. Der Regionalplan der Region Ostwürttemberg sieht vor, die Trasse für einen zweigleisigen Ausbau freizuhalten[3].

Zwischen Goldshöfe und Crailsheim existieren in den Bahnhöfen Ellwangen, Jagstzell und Jagstheim (kein Personenverkehr) Überholgleise. Im Zuge der Elektrifizierung wurden 1985 die Ausweichgleise in Stimpfach und Schwabsberg abgebaut. Sämtliche Ladegleise für den Güterverkehr in Ellwangen wurden im September 2003 beseitigt.

Einige Haltestellen entsprechen nicht dem heutigen Standard. So liegt die Höhe der Bahnsteige in Goldshöfe unter dem Mindeststandard von 38 cm über Schienenoberkante. Die Zwischenbahnsteige dort sowie in Ellwangen (Reisendensicherung durch vom Fahrdienstleiter bediente manuelle Schranke) und Jagstzell sind nur durch das Überqueren der Gleise zu erreichen.

In Schrezheim soll ein Bahnübergang durch eine Unterführung ersetzt werden.

In zweijähriger Bauzeit wurde in Ellwangen-Rindelbach eine Unterführung ausgebaut, so dass sie seit Oktober 2012 zwei Bahnübergänge ersetzt.[4]

Im Sommer 2010 wurden die Bahnsteige in Jagstzell modernisiert, von Herbst 2010 bis Frühjahr 2011 die Bahnsteige in Ellwangen[5].

Seit einiger Zeit gibt es Bestrebungen, den nicht mehr für den Personenverkehr genutzten Bahnhof Jagstheim und den aufgelassenen Bahnhof Stimpfach zu reaktivieren. Des Weiteren wird von der Stadt Ellwangen die Neueinrichtung eines Haltepunkts in Ellwangen-Rindelbach vorangetrieben. Die vom Regionalverband Ostwürttemberg im November 2009 beauftragte Machbarkeitsstudie zum zweigleisige Ausbau der Strecke und zur Einrichtung zusätzlicher Haltepunkte zwischen Ellwangen und Crailsheim[6] bescheinigt nur Rindelbach ausreichende Nachfrage für die Fortsetzung der Bemühungen.[7]

Regionalverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regional-Express-Züge der Relation Ulm–Crailsheim verkehren im Stundentakt von Ulm bis Ellwangen, wobei jeder zweite Zug bis Crailsheim verlängert ist. Die Fahrtzeit beträgt von Aalen nach Crailsheim 41 Minuten. In Gegenrichtung sind die Züge 45 Minuten unterwegs, die notwendigen Zugkreuzungen finden meist in Jagstzell statt. Die vorherrschenden Fahrzeuge im Regionalverkehr auf der Strecke sind Dieseltriebwagen der Baureihe 644. Außerdem kommen vereinzelt Regio-Shuttles der Baureihe 650 und Triebwagen der Baureihe 628 zum Einsatz.

Ab 2019 soll statt der DB Regio das britische Unternehmen Go-Ahead den Regionalverkehr auf der Strecke von Crailsheim über Aalen nach Stuttgart betreiben.[8]

Bahnhof Ellwangen vor der Modernisierung

Der Bahnhof Goldshöfe hatte bei seinem Bau keine Funktion der Anbindung einer Ortschaft, wenngleich er nach dem direkt südlich vom Bahnhof gelegen Gehöft Goldshöfe (heute ein Teil der Stadt Aalen) benannt ist. Er dient lediglich als Trennungsbahnhof zwischen den Bahnstrecken von Aalen nach Nördlingen und Crailsheim. Heute nutzen viele Bürger der umliegenden Gemeinden Rainau-Buch und Hüttlingen den Bahnhof Goldshöfe. Zusätzlich dient er auch als Umsteigehaltepunkt zwischen den Linien Aalen–Donauwörth und (Ulm)–Aalen–Crailsheim.

Fern- und Güterverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1991 bis 2002 fuhren auf der Strecke der Oberen Jagstbahn auch die Züge der Interregio-Linie Stuttgart–Aalen–Crailsheim–Nürnberg.[2] Seit 2002 verkehren Intercity der Linie 61 Karlsruhe–Stuttgart–Nürnberg–(Passau) im Zwei-Stunden-Takt. Zugkreuzungen finden meist im zweigleisigen Abschnitt zwischen den Bahnhöfen Goldshöfe und Aalen statt. Im März 2013 kündigte die Deutsche Bahn AG an, auf dieser Linie ab 2017 anstatt der bisherigen Reisezugwagen neue doppelstöckige IC einzusetzen. Zudem fahren einzelne Güterzüge der Relation Stuttgart–Nürnberg auf der Oberen Jagstbahn.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Seidel: Hundert Jahre Obere Jagstbahn. Theiss, Stuttgart 1967

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Obere Jagstbahn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Söhner: Der erste Mast wurde gesetzt – Strecke Goldshöfe–Crailsheim wird elektrifiziert. In: Die Bundesbahn. Band 58, Nr. 12, 1982, ISSN 0007-5876, S. 995 f.
  2. a b Die Jagsttalbahn steht seit 25 Jahren unter Strom. Ipf- und Jagst-Zeitung/Aalener Nachrichten, Freitag, 14. Mai 2010, Nr. 109.
  3. Regionalverband Ostwürttemberg: „Verkehrswesen“ im Regionalplan 2010.
  4. Sicherheit erheblich verbessert, Schwäbische Post vom 30. Oktober 2012.
  5. Bahnhof jetzt in Schuss, Schwäbische Post vom 22. April 2011.
  6. „Schnellen Eppmann“ öfter haben, Gmünder Tagespost vom 27. November 2009.
  7. Perspektiven der Entwicklung des Schienenverkehrs in der Region Ostwürttemberg, Dr. Brenner Ingenieurgesellschaft mbH + DB International GmbH, Oktober 2012 (http://www.ostwuerttemberg.org/global/files/projekte/bericht_spnvostalb.pdf).
  8. Endgültig: Go-Ahead fährt auf der Remsbahn. In: Schwäbische.de. 29. April 2016, abgerufen am 19. Juni 2016.