Oberstein (Adelsgeschlecht)

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Stammwappen derer von Oberstein
Die Felsenkirche Idar-Oberstein; rechts darüber Burg Bosselstein, links Schloss Oberstein

Die Herren von Oberstein waren ein südwestdeutsches Uradelsgeschlecht, das Ende des 17. Jahrhunderts ausstarb.

Familiengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herren von Oberstein bzw. ursprünglich nur „von Stein“ oder „Bossel von Stein“ stammten aus dem Bereich der heutigen Stadt Idar-Oberstein und hatten ihren Stammsitz auf Burg Bosselstein. Zuvor sollen sie unterhalb davon eine Höhlenburg am Platz der heutigen Felsenkirche (Idar-Oberstein) bewohnt haben. Erster urkundlich erwähnter Angehöriger ist „Everhardus de Steina“, 1075. Im Jahre 1197 trugen ein Eberhard und sein Bruder Werner von Stein ihre Burg Bosselstein dem Erzbischof Johann I. von Trier zu Lehen auf.

Ein Enkel des genannten Eberhards verheiratete seine Tochter Gud 1250 mit Wirich von Daun. Durch diese Einheirat teilte sich das Geschlecht in die beiden Hauptlinien der „Herren von Oberstein“, auf Burg Bosselstein und der später dominierenden „Herren von Daun-Oberstein“, auf dem neu erbauten Schloss Oberstein. Während die Daun-Obersteiner das Dauner Gitter im Wappen führten, zeigte das der Obersteiner einen schreitenden, gekrönten Löwen in rot, auf silbernem Grund.[1]

Die Herren von Oberstein lagen in fortwährenden Streitigkeiten mit den benachbarten Daun-Obersteiner Verwandten. Nach einer 1364 erfolgten Besitzteilung zwischen den Brüdern Andreas und Syfried[2] spalteten sie sich nochmals in eine Gundheimer, sowie eine Kredenburger Linie zu Alsterweiler und gaben schließlich 1435 ihre Stammburg Bosselstein auf.

Kredenburger Linie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kredenburger Linie zu Alsterweiler starb 1602 im Mannesstamm aus. An der kath. Pfarrkirche von Maikammer haben sich aufwändige Grabmäler des Familienzweiges aus dem 16. Jahrhundert erhalten. [3] Von ihrem Sitz, der Kredenburg, gibt es nur noch geringste Reste, u. a. einen Wappenstein des Viax von Oberstein aus dem Jahr 1548.[4][5][6] Aus diesem Zweig stammten der Mainzer Domdekan Richard von Oberstein († 1487) und sein Bruder, der Speyerer Archidiakon Andreas von Oberstein († 1450).

Gundheimer Linie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obersteiner Wappen vom Grabmal des Domherrn Eberhard von Heppenheim genannt vom Saal († 1559), im Wormser Dom

Die Gundheimer Linie saß auf der Burg Gundheim, von der ebenfalls nur noch geringe Reste existieren.[7][8] Dieser Zweig erlosch 1683 mit Wolf-Ernst von Oberstein, Domherr zu Mainz, Worms, Speyer und Würzburg. Die Familie war schon vor 1405 in Gundheim ansässig. In jenem Jahr belehnte König Ruprecht den Syfried vom Stein mit der Reichsburg Gundheim und seinen Anteilen am Dorf. Die Familie baute diesen Besitz in den folgenden Generationen noch aus, so dass sie zur dominierenden Kraft im Ort wurde und diese Stellung bis zu ihrem Aussterben behielt. Rosine, die Schwester des Domherrn Wolf Ernst hatte 1650 Georg Philipp von Greiffenklau geheiratet. Deren Sohn Johann Erwein von Greiffenklau wurde am 3. Dezember 1699, im Rahmen der Erbfolge, von Kurfürst Johann Wilhelm mit den bisher Obersteinischen Gütern zu Gundheim belehnt. Kaiser Leopold I. bestätigte dies und Gundheim blieb bei der Familie Greiffenklau bis zum Ende der Feudalzeit.[9] Ein stark verwitterter Wappen-Grabstein bei der kath. Kirche und ein ebenfalls teilweise verwitterter und falsch bemalter Allianzwappenstein von 1506 sind die erhaltenen Obersteiner Relikte in Gundheim. Der bedeutende Speyerer Domdekan Andreas von Oberstein (1533–1603) entstammte dem Gundheimer Zweig des Geschlechtes. Diesem Familienteil gehörte auch die Ortsherrschaft in Steinbach am Donnersberg, wohin die Ritter Siegfried und Johannes von Oberstein ein Marienbild stifteten und 1450 bis 1452 die dortige Dorfkirche erbauen ließen.[10] Hier weist eine gotische Gedenkinschrift auf die Stiftung und den daraus resultierenden Neubau hin.[11]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Silber ein golden gekrönter roter Löwe. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken als Helmzier ein roter, golden gekrönter Löwenrumpf wachsend zwischen zwei silbernen Federstößen.[12]

Historische Wappendarstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Heinz Armknecht: Die Wappen der Oberstein-Grabmäler in Maikammer, in: Pfälzische Familien- und Wappenkunde, Z 539, Band 6, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für pfälzische Familien- und Wappenkunde e.V. Ludwigshafen, 1967–1969, Band VI, S. 208–209
  • Johannes Leonhardt: Das Grabmal der Grafen von Oberstein zu Maikammer, Pf. M. 1909, S. 9 ff.
  • Gerhard Fouquet: Das Speyerer Domkapitel im späten Mittelalter (ca. 1350–1540) , Verlag der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte, Mainz, 1987, S. 692 u. 693
  • Mainzer Zeitschrift, Band 81, S. 50, Mainzer Altertumsverein, 1986, (Ausschnittscan)
  • Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demand GmbH, Norderstedt 2009, Tafel 248 ( ISBN 978-3-8370-5292-3 )

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Farbige Wappendarstellung
  2. Geschichtlicher Atlas der Rheinprovinz, Band 6, 1914, S. 490, Band 12 von: Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde; (Ausschnittscan)
  3. Webseite zu den Oberstein-Grabmälern in Maikammer
  4. Webseite zur Kredenburg
  5. Nahaufnahme des dortigen Wappensteins
  6. Biografische Webseite zu Viax von Oberstein
  7. Webseite zur Burg Gundheim
  8. Eintrag von Reinhard Friedrich zur Burg Gundheim in der EBIDAT, der wissenschaftlichen Datenbank des Europäischen Burgeninstituts, abgerufen am 14. September 2016.
  9. Chronik von Gundheim
  10. PDF-Dokument zu den Obersteinern in Steinbach
  11. Die Inschriften der protestantischen Kirche in Steinbach
  12. Bernhard Peter, Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1244/Maikammer (Pfalz): Die Oberstein-Grabmäler an der Pfarrkirche St. Kosmas und Damian in Maikammer (abgerufen am 16. Januar 2015)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]