Obersuhl

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Koordinaten: 50° 57′ 2″ N, 10° 2′ 7″ O

Obersuhl
Gemeinde Wildeck
Höhe: 217 (215–250) m ü. NHN
Fläche: 10,36 km²[1]
Einwohner: 2900 ca.[1]
Bevölkerungsdichte: 280 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36208
Vorwahl: 06626

Obersuhl ist der größte Ortsteil der Gemeinde Wildeck im Landkreis Hersfeld-Rotenburg im Nordosten von Hessen und auch Sitz der Gemeindeverwaltung.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obersuhl liegt südöstlich des Richelsdorfer Gebirges im Berka-Gerstunger-Becken und wird vom westlichen Weihe-Zufluss Suhl durchflossen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DDR-Beobachtungsturm
Grenzpfosten am Grenzlehrpfad
Grenzöffnung in Obersuhl auf einer Briefmarke der Bundespost

In Urkunden des Bistums Fulda aus dem 10. Jahrhundert werden Güter in Sulaha oder Sulaho erwähnt. Möglicherweise handelt es sich um die ersten urkundlichen Erwähnungen des Ortes. Ab 1323 gehörte Obersuhl zum Verwaltungsbezirk Schloss und Burg Wildeck, dem "Amt Wildeck". Nachdem im Jahr 1363 der Ort Hönebach zum Amt Wildeck kam, wurde dieses vom Abt von Fulda im Jahr 1364 an die Trotte zu Lehen gegeben. Beide Orte waren durch das thüringische Amt Gerstungen (Bosserode, Raßdorf, Großensee) voneinander getrennt. Das Amt Wildeck und damit auch Obersuhl fiel 1412 an die Landgrafschaft Hessen. Mit der 1567 erfolgten Erbteilung gehört Obersuhl zur Landgrafschaft Hessen-Kassel. Ab 1579 wurde das Gericht Obersuhl zum Amt Rotenburg gerechnet.[2] Von 1627 bis 1835 wurde es als Teil der Rotenburger Quart Bestandteil von Hessen-Rotenburg.

1849 wurde die hessische Nordbahn in Betrieb genommen. Erst nach erheblichen Bemühungen wurde 1890 ein Haltepunkt in Obersuhl eingerichtet. Die Eisenbahn führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung des Ortes. Bis zur Wiedervereinigung lag der Ort direkt an der Grenze zur DDR, nahe dem nordöstlich in Thüringen gelegenen Untersuhl. Die Lage im extremen Zonenrandgebiet führte zu massiven wirtschaftlichen Nachteilen und einer Vielzahl von durch den Eisernen Vorhang getrennten Familien. Am 31. Dezember 1971 wurde die neue Gemeinde Wildeck durch den Zusammenschluss von Obersuhl mit vier weiteren Gemeinden gebildet.[3] Obersuhl wurde zum Verwaltungssitz der neu gebildeten Gemeinde bestimmt.

Ehemalige innerdeutsche Grenze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die innerdeutsche Grenze lag unmittelbar an der Ortsgrenze. Der Grenzverlauf war so geschnitten, dass das letzte Haus der Straße teilweise auf DDR-Gebiet lag und die Grenze die Straße nach Untersuhl diagonal trennte, dass ein Befahren der letzten Meter bis zur Grenzbefestigung mit dem einen Rad auf dem Gebiet der Bundesrepublik und dem anderen auf dem der DDR erfolgte. Im Rahmen eines Gebietstausches wurde daraufhin eine Arrondierung des Gebietes vorgenommen.

Die Grenze zerschnitt nicht nur die Straße nach Untersuhl sondern auch die daneben verlaufende Eisenbahnstrecke. Zur Sicherung der Grenze wurde neben der Bahnlinie ein runder Beobachtungsturm des Typs BT-11 errichtet. 1982 wurde dieser durch einen viereckigen Turm des Typs BT-9 ersetzt. Während die Grenzbefestigungen nach der Wende und friedlichen Revolution abgerissen wurden, ist der BT-9 erhalten und Teil des Grenzlehrpfades.

An die innerdeutsche Grenze erinnern der Grenzlehrpfad Obersuhl sowie das Grenzmuseum. Der Grenzlehrpfad verläuft entlang der ehemaligen Grenze und zeigt Grenzsteine aus preußischer Zeit, die Grenzbefestigungen der DDR sowie den Beobachtungsturm. Auf verschiedenen Informationstafeln sind Aspekte des Grenzregimes dargestellt. Eine Tafel erinnert an die Toten an der innerdeutschen Grenze in Obersuhl.

Das Grenzmuseum ist eine private Einrichtung. Die Sammlung von Exponaten rund um die Grenze ist sonntags kostenfrei zu besichtigen.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. August 1968 wurde der Gemeinde Obersuhl im damaligen Landkreis Rotenburg ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: Im schräglinks von Gold und Grün geteilten Schild oben eine grüne Krämerwaage, unten drei schräg übereinandergestellte, senkrechte goldene Ähren. Den Schild umgibt – ausgenommen am Schildhaupt – ein rot-weiß gestückter Faden.[4]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über das nahegelegene Natur- und Vogelschutzgebiet Rhäden informiert ein Infozentrum in Obersuhl.

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Obersuhl

Die Kirche der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Obersuhl ist die älteste und größte Kirche des Ortes. Turm und Chorraum stellen die ältesten Teile des Sandsteingebäudes dar und stammen aus dem Jahr 1518. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Kirchenschiff abgerissen und durch einen größeren Neubau ersetzt. Eine Sanierung des Kirchturms erfolgte in den Jahren 1996 bis 2000. 2002 wurde der Kirchenraum renoviert. Moderne Decken- und Wandmalereien des Künstlers Tobias Kammerer wurden bei dieser Renovierung angebracht.

Daneben besteht die evangelisch-methodistische Kirche in Obersuhl.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obersuhl verfügt über einen evangelischen Kindergarten, eine Grundschule und die integrierte Gesamtschule Blumenstein.

In Obersuhl besteht ein Bürgerhaus. Im Rathaus befindet sich die öffentliche Bibliothek. Eine Jugendbegegnungsstätte bietet 40 Betten.

Im Ort gibt es folgende Sportanlagen:

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Obersuhl verläuft die Landesstraße 3251. Im Norden liegt die Autobahnausfahrt Nr. 35 Wildeck-Obersuhl der Bundesautobahn 4. Obersuhl ist auch Haltepunkt an der Thüringer Bahn.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b „Die Gemeinde“ in Internetauftritt der Gemeinde Wildeck, abgerufen im Februar 2016.
  2. „Rotenburg an der Fulda, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 4. Dezember 2015)
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 406.
  4. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 21. August 1968 (StAnz. S. 1382) Seite 2 der tif-Datei 4,37 MB

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]