Richelsdorfer Gebirge

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Das Richelsdorfer Gebirge ist eine bis 478,2 m ü. NHN hohe und durch Bergbau (Kupferschiefer, Cobalt, Nickel) geprägte Landschaft im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, Osthessen. Entgegen der Bezeichnung Gebirge steht der Name nicht für ein in sich geschlossenes Mittelgebirge, sondern meint eine Kulturlandschaft.[1] Umgangssprachlich umfasst dies auch die gesamte umgebende Mittelgebirgslandschaft im Südosten des Fulda-Werra-Berglandes; Teile vom südlichen Werra-Meißner-Kreis und der äußerste Nordwesten des thüringischen Wartburgkreises kommen hinzu.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das eigentliche Richelsdorfer Gebirge liegt vollständig im Altkreis Rotenburg und wird von den Orten Nentershausen (im Nordwesten), Richelsdorf (im Südosten), Hönebach (im Süden) und Iba (im Westen) eingerahmt. Zentraler Ort ist Süß. Die bewaldeten Gebirgsteile liegen überwiegend auf Buntsandstein, im Gebiet zwischen Nentershausen und Süß sowie im Ibaer Hügelland herrschen Zechstein und Rotliegend vor.[2]

Orographische Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landläufig wird das Richelsdorfer Gebirge häufig weiter definiert als die ursprüngliche Bergbauregion, wobei als orographische (auf Höhenstrukturen bezogene) Grenzen in etwa die folgenden angenommen werden können:

  • Nordwestgrenze ist der Maßholder Bach von der Quelle bei Dens bis zur Mündung in die Hasel, der Unterlauf der Hasel bis zur Mündung in die Sontra und die Sontra bei über den gleichnamigen Ort Sontra bis zur Mündung der Ulfe
  • Nordostgrenze zum Ringgau ist die Ulfe flussaufwärts von der Mündung über Breitau bis Ulfen und diese Linie in etwa verlängert um die deutliche Höhenstufe des Ringgaus bis westlich Unhausen, fortan der Breitzbach über Unhausen und Breitzbach bis zur Mündung in die Nesse in Nesselröden sowie der Unterlauf der Nesse bis zur Mündung in die Werra
  • Südostgrenze ist in etwa die Trasse der A 4 über Gerstungen und Obersuhl bis Hönebach, die dem Tälern von Werra und Suhl flussaufwärts folgt
  • Südgrenze zum Seulingswald ist das Tal der Ulfe über Ronshausen bis zur Mündung in die Fulda südlich Bebras.
  • Südwestgrenze zum Stölzinger Gebirge ist die Solz von der Mündung in die Fulda in Bebra bachaufwärts bis zur Quelle bei Solz

Neben dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg haben der ebenfalls hessische Werra-Meißner-Kreis (Norden) und der thüringische Wartburgkreis (Osten) Anteil an dieser Mittelgebirgsregion.

Berge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Bergen des orographischen Richelsdorfer Gebirges gehören[3] (Höhe, Naturraum, Landkreis):

Berg Höhe
(m ü. NHN)
Naturraum Landkreis
Herzberg 478,2 m Solztrottenwald Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Armsberg 470,6 m östlicher Solztrottenwald Werra-Meißner-Kreis
Mühlberg 467,3 m östlicher Solztrottenwald Werra-Meißner-Kreis
Kleiner Armsberg 465,8 m östlicher Solztrottenwald Werra-Meißner-Kreis
Holstein 462,6 m Hosbach-Sontra-Bergland Werra-Meißner-Kreis
Spitzhütte 461,5 m Solztottenwald Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Großer Armsberg 459,7 m östlicher Solztrottenwald Wartburgkreis
Rotestock 455,7 m Solztrottenwald Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Hohe Süß 454,0 m Solztrottenwald Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Hohe Buche 439,2 m südliche Nahtstelle des Sontraer Landes zu Ibaer Hügelland und Solztrottenwald Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Schniedsberg 428,8 m südliche Nahtstelle des Sontraer Landes zu Ibaer Hügelland und Solztrottenwald Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Langhellsberg 421,7 m Hosbach-Sontra-Bergland Werra-Meißner-Kreis
Flötschkopf 421,2 m östlicher Solztrottenwald Wartburgkreis
Stillmes 419,5 m östlicher Solztrottenwald Wartburgkreis
Vogelheerd 418,9 m Solztrottenwald Werra-Meißner-Kreis
Schiffskopf 417,5 m östlicher Solztrottenwald Wartburgkreis
Hühnerkopf 417,0 m Westen des Solztrottenwaldes Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Ratzbusch 408,4 m nordwestliche Nahtstelle des Solztrottenwaldes zum Sontraer Land Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Heßberg 405,3 m östlicher Solztrottenwald Werra-Meißner-Kreis
Hesselkopf 403,4 m Ibaer Hügelland Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Auerhansberg 403,2 m Solztrottenwald Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Stubbachshöhe 403,1 m Süden des Solztrottenwaldes Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Hegeküppel 399,7 m Ibaer Hügelland Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Borkhahn 391,8 m östlicher Solztrottenwald Wartburgkreis
Heiligenberg 379,2 m östlicher Solztrottenwald Wartburgkreis[4]
Iburg ca. 380 m[5] Ibaer Hügelland Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Kesselkopf 378,1 m östlicher Solztrottenwald Wartburgkreis
Schösserberg 377,9 m östlicher Solztrottenwald Wartburgkreis
Brodberg 376,5 m Sontraer Land Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Reichenberg 365,8 m Sontraer Land Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Fuldaischer Berg 332,0 m östlicher Solztrottenwald Wartburgkreis
Weinberg 298,7 m östlicher Solztrottenwald Wartburgkreis
Straßberg 258,1 m östlicher Solztrottenwald Wartburgkreis
Lindig 247,2 m östlicher Solztrottenwald Wartburgkreis

Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Flüsse entspringen im Inneren des (orographischen) Richelsdorfer Gebirges (im Uhrzeigersinn geordnet, beginnend im Nordwesten):

Zu nennen ist ferner der Denser See, ein kleiner Teich, der über durchlässigem Zechsteinsalz liegt, weswegen sein Wasserinhalt aufgrund recht großer Versickerung stark schwankt.

Naturräumliche Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Richelsdorfer Gebirge in den oben genannten orographischen Grenzen besteht naturräumlich in der Hauptsache aus dem Solztrottenwald (357.21) und dem sich westlich anschließenden, weitgehend gerodeten Ibaer Hügelland (357.30), welches weitgehend den Einzugsgebieten von Iba und Solz entspricht und daher nach Westen (rechts der Solz) etwas über diese Grenzen hinausgeht.

Im Nordwesten kommen südöstliche Teile des gerodeten Sontraer Landes (357.31) hinzu und im äußersten Norden der Südosten des weitgehend bewaldeten Hosbach-Sontra-Berglandes (357.90).

Alle genannten Landschaften gehören zum Fulda-Werra-Bergland (Haupteinheit 357).[6]

Kulturgeografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Ortschaften des Richelsdorfer Gebirges gehören:

Burgen und Schlösser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgen und Schlösser oder derartige Ruinen im Richelsdorfer Gebirge sind:

drei Ruinen im Gemeindegebiet von Wildeck:

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa entlang der südöstlichen Begrenzung des Richelsdorfer Gebirges führt zwischen den Anschlussstellen Wommen und Wildeck-Hönebach ein Abschnitt der A 4. Von dieser Autobahn zweigt bei Wommen in Richtung Nordwesten die B 400 ab, die nahe Sontras auf die nordwärts nach Eschwege und süd-südwestwärts nach Bebra führende B 27 stößt. In Planung/Bau befindet sich das Teilstück Sontra−Herleshausen der A 44. Von diesen Straßen zweigen zahlreiche durch das Gebirge führende Landes- und Kreisstraßen ab.

Stationen an der Thüringer Bahn bestehen in Hönebach und Ronshausen.

Bergbaugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bergbau im Richelsdorfer Gebirge ist urkundlich seit 1460 belegt.[7][8] Es wurde nach Kupfer, Cobalt und Schwerspat gegraben. Die im Jahre 1499 festgelegte Bergwerksordnung von Sontra war Vorbild vieler andere Bergwerksordnungen in Deutschland.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein, in den späten 1930er Jahren und nach dem Zweiten Weltkrieg nochmals bis 1955[9] wurde Kupferschiefer und Sanderz abgebaut (beide ca. 1 % Kupfer). Zeitweise war die Gewinnung von Kobalt erfolgreich (auf Verwerfungen des Kupferschiefers, sogenannte Rücken), zum Schluss wurde ab dem 19. Jahrhundert bis etwa 1965 noch Baryt (Schwerspat) abgebaut. Der Schwerpunkt des Bergbaus fand vorwiegend im Süden des Gebirges statt (Südmulde des Zechsteins, nur der Reichenbergschacht zwischen Dens und Weissenhasel war in der Nordmulde gelegen). Der Reichenbergeschacht förderte trotz hoher Investitionen insgesamt nur kurze Zeit ab den 1940er Jahren und musste schließlich wegen massiver Wassereinbrüche aufgegeben werden.

Die Gegend zwischen der Richelsdorfer Hütte und der Friedrichshütte bei Iba (heute Stadtteil von Bebra) bildete später immer den Abbauschwerpunkt, so dass in der Mitte des 17. Jahrhunderts das Bergamt von Sontra nach Richelsdorf verlegt wurde. Für den Bergbau des 20. Jahrhunderts[10] im Rahmen des Vierjahresplans des Dritten Reichs wurde auf dem Brodberg südwestlich von Sontra die Hessenhütte errichtet. Das Sanderz wurde flotiert (die Rückstände liegen immer noch am Brodberg) und das Konzentrat bei Schmelzen des Kupferschiefers auf Kupferrohstein zugeschlagen. Der Rohstein wurde zur weiteren Verhüttung nach Hettstedt im Mansfelder Land gebracht. Die beim Schmelzen des Kupferschiefers anfallende Schlacke (ca. 95 % des anfallenden Materials) wurde zu Schlackesteinen gegossen, aus denen heute noch die Pflasterung der Straße auf den Brodberg besteht.

Die letzten Bergwerke wurden bis 1955 (Kupferschiefer im Schacht Wolfsberg und Schnepfenbusch) bzw. 1965 (Baryt, Gr. Franziska, Gr. Münden schon 1951) geschlossen. Der Kupferschieferbergbau war im 20. Jahrhundert nicht mehr wirtschaftlich und wurde unter hohem Subventionsbedarf betrieben (ähnlich wie der Bergbau im Mansfelder Land ab 1930 und bei Sangerhausen bis 1991, obwohl der Kupferschiefer dort mehr Kupfer enthielt). Aus den ehemaligen Hütten und Grubenstandorten wurden Industriegebiete, in denen zum Teil noch heute Nachfolgeunternehmen der ehemaligen Hütten tätig sind.

Die Restvorräte des Kupferschiefers im Richelsdorfer Gebirge (besonders bei Ronshausen) werden derzeit wegen der zu geringen Vorräte als nicht mehr abbauwürdig angesehen. Zudem existiert in wirtschaftlicher Nähe keine Hütte mehr, die Kupferschiefer verarbeitet.

Anhang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nationalatlas Deutschland, Band 2, Institut für Länderkunde, Leipzig, ISBN 3-8274-0953-5
  2. „Geologische Übersichtskarte von Hessen“. Geschichtlicher Atlas von Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. Kartendienste des BfN, DVD „Hessen3D“ (ISBN 978-3-935603-73-7) und „Thüringen3D“ (ISBN 978-3-935603-79-9)
  4. In der Karte „Waldhessen (Östlicher Teil)“ (ISBN 978-3-89446-306-9) ist dieser Berg als Kirchwaldskopf verzeichnet und auch in diesen Karten als Kirchwaldskopf zu finden: „Deutschland-Viewer“ (379 m), Haupka-Radtourenkarte „Knüllgebirge-Kassel“ (ISBN 3-88495-105-x; 379 m); „Meißner-Kaufunger Wald“ (ISBN 3-89446-318-x; MK-TF50; 379 m). In der DVD „Hessen3D“ (ISBN 978-3-935603-73-7) und in der Karte „Thüringen3D“ (ISBN 978-3-935603-79-9) hingegen ist der Berg als Heiligenberg ausgewiesen.
  5. Der auf Karten mit 346 m angegebene Punkt steht für die Höhenlage eines Naturdenkmals auf dem Westhang der Kuppe
  6. Karte und Legende zum Fulda-Werra-Bergland (357) und den Unter-Naturräumen im Umweltatlas Hessen des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie – Achtung: Weblinks ohne Rückweg!
  7. Klaus Sippel: Der Kupferschieferbergbau im Richelsdorfer Gebirge. Führungsblatt zu spätmittelalterlichen Relikten bei Iba und Nentershausen, Kreis Hersfeld-Rotenburg, Reihe Archäologische Denkmäler in Hessen, Heft 134, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden, 1999, ISBN 3-89822-134-2
  8. Gerhard Seib: 500 Jahre Bergbau im Richelsdorfer Gebirge 1460–1960, Selbstverlag, Nentershausen, 1960, auf hdl.handle.net (PDF; 11,34 MB)
  9. Micha Röhring: Bergbau im Richelsdorfer Gebirge im 20. Jahrhundert: Die Gewinnung von Kupferschiefer und Schwerspat bei Sontra in Hessen, Verein für hessische Geschichte und Landeskunde (Hessische Forschungen zur geschichtlichen Landes- und Volkskunde), Band 33, Kassel 1998, ISBN 978-3-925333-33-0
  10. vergleiche: M. Röhring, 1998

Allgemeine Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 51° 0′ N, 9° 56′ O