Olgahöhle

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Olgahöhle
Olgahöhle

Olgahöhle

Lage: Honau bei Lichtenstein Landkreis Reutlingen, Baden-Württemberg
Geographische
Lage:
48° 24′ 36″ N, 9° 15′ 35″ OKoordinaten: 48° 24′ 36″ N, 9° 15′ 35″ O
Olgahöhle (Baden-Württemberg)
Olgahöhle
Geologie: Tuffsteinhöhle im Kalktuff
Typ: Primärhöhle, Naturhöhle
Entdeckung: 24. Oktober 1874
Schauhöhle seit: 1875
Beleuchtung: elektrisch (seit 1884)
Gesamtlänge: etwa 170 m
Niveaudifferenz: etwa 11 m
Länge des Schau-
höhlenbereiches:
120 m
Mittlere jährliche Besucherzahl: 2.589 (2010–2014)
Besucher aktuell: 2.466 (2014)[1]
Besonderheiten: Primärhöhle, Tuffsteinhöhle

Die Olgahöhle ist die größte Kalktuffhöhle Deutschlands. Sie befindet sich im Ortsteil Honau der Gemeinde Lichtenstein im Echaztal, am Rande der Schwäbischen Alb unterhalb von Schloss Lichtenstein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höhle wurde am 24. Oktober 1874 von Johann Ziegler in einem der bei Honau gelegenen Kalktuff-Steinbrüche entdeckt. Der als Baumaterial beliebte Kalktuff (nicht vulkanischen Ursprungs!) wurde im 19. Jahrhundert in zahlreichen Steinbrüchen der Gegend abgebaut. Die Höhle fand schnell große Beachtung; am Pfingstmontag 1875 wurde sie am Tag des Nebelhöhlenfestes als beleuchtete Schauhöhle eröffnet. Bereits 1884 wurde die Kerzenbeleuchtung der Höhle durch elektrisches Licht ersetzt. Die nach der württembergischen Königin Olga benannte Höhle war damit die erste elektrisch beleuchtete Schauhöhle Deutschlands. Vorausgegangen war ihr 1883 die österreichische Kraushöhle bei Gams in der Steiermark; im gleichen Jahr 1884 erhielten die Adelsberger Grotten (Postojnska Jama) im heutigen Slowenien eine elektrische Beleuchtung.

In den Jahren 1901 bis 1903 wurden auf dem Platz bei der Höhle die Lichtensteinfestspiele abgehalten. Eigens für die Aufführung von Wilhelm Hauffs Werk Lichtenstein wurde hier ein Bühnenhaus errichtet, welches nach Beendigung der Spiele aber wieder abgerissen wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Höhle für einige Jahre geschlossen, da keiner der Erben mehr in Honau wohnte. Schließlich ging das Grundstück mit dem Gasthaus in die Hand der evangelisch-methodistischen Kirche über. Heute steht hier ein Seniorenzentrum. Der Schwäbische Albverein betrieb die Wiedereröffnung, die 1972 erfolgte. Heute wird die Olgahöhle gemeinsam von der Ortsgruppe Honau des Schwäbischen Albvereins und der Höhlenforschungsgruppe Pfullingen betreut. Geöffnet ist die Olgahöhle zwischen März und November jeweils am ersten Sonntag des Monats.

Lage und Anordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Olgahöhle handelt es sich um eine der seltenen Primärhöhlen (Tuffhöhlen), das heißt, sie ist gleichzeitig mit dem umgebenden Gestein entstanden. Sie besteht aus zwei parallelen, quer zum Echaztal verlaufenden Gängen, die trotz der Nähe der Echaz völlig trocken sind. Beide Gänge wurden nach der Entdeckung der Höhle tiefer gelegt, so dass der untere Teil fast überall aus standfestem Kalktuffsand besteht. Die Decke wird durch halbkugelförmige Kalotten von Blaualgentuff[2] gebildet. An mehreren Stellen haben sich an der Wand und der Decke Stalaktiten gebildet. Die Wände sind von bizarren Gesteinsformen, mächtigen Moostuffklotzen und Kalktuffkalotten überzogen. Es wird vermutet, dass die Höhle nicht einfach durch den über den Rand der Kalktuffbarre hinauswachsenden Kalktuff aufgebaut worden ist, sondern dass auch Verschiebungen oder Verwerfungen eine Rolle gespielt haben.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Olgahöhle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angabe vom Schwäbischen Albverein Ortsgruppe Honau
  2. Cyanobakterien, früher den Blaualgen zugerechnet, besitzen wie Moose und Algen die Fähigkeit zur Photosynthese, also zur Aufnahme von CO₂

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Abhandlungen zur Karst- und Höhlenkunde. Reihe A: Speläologie. Heft 7. Mangold, Blaubeuren 1972, ISSN 0567-4956.
  • Hans Binder, Anke Luz, Hans Martin Luz: Schauhöhlen in Deutschland. Aegis, Ulm 1993, ISBN 3-87005-040-3.