Heimkehle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Heimkehle

Blick in den großen Dom der Heimkehle (2009)

Blick in den großen Dom der Heimkehle (2009)

Lage: Uftrungen, Sachsen-Anhalt, Deutschland
Geographische
Lage:
51° 29′ 49,1″ N, 10° 57′ 16,8″ OKoordinaten: 51° 29′ 49,1″ N, 10° 57′ 16,8″ O
Heimkehle (Sachsen-Anhalt)
Heimkehle
Typ: Karsthöhle
Entdeckung: 1357[1]
Schauhöhle seit: 1920[1]
Beleuchtung: elektrisch (seit 1920)
Gesamtlänge: 2000 Meter[2]
Länge des Schau-
höhlenbereiches:
750 Meter[2]
Mittlere jährliche Besucherzahl: ca. 16.600 (2012–2016)[3]
Besucher aktuell: 15.704 (2016)[3]
Website: Die Heimkehle

Die Heimkehle im Harz ist eine von zwei großen Gipshöhlen Deutschlands, die als Schauhöhlen zugänglich sind. Sie liegt östlich von Nordhausen bei Uftrungen, auf der Grenze zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt. Die Höhle wurde in der Zeit des Nationalsozialismus als Waffen-Produktionsstätte ausgebaut und genutzt, wobei KZ-Häftlinge eingesetzt wurden – viele starben.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heimkehle liegt im Südharz im Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt nahe der Grenze zum westlich gelegenen Naturpark Südharz im Reesberg (325,2 m ü. NHN), einer Erhebung des Höhenzugs Alter Stolberg (357,7 m). Sie befindet sich etwa 11 km östlich von Nordhausen (Thüringen), 2,2 km südsüdöstlich von Rottleberode und 1,8 km (jeweils Luftlinie) westlich von Uftrungen (beide in Sachsen-Anhalt). Die Höhle gehört zu den Gemarkungen[2] Uftrungen, Urbach und Görsbach (beide in Thüringen). Ihr heutiger Eingang (ca. 200 m),[4] der den Zugang über einen schmalen Stollen ermöglicht, liegt in Sachsen-Anhalt etwa 100 m westlich der Mündung des Krummschlachtbachs in die Thyra. Auf sachsen-anhaltischer Seite befinden sich das Naturschutzgebiet Gipskarstlandschaft Heimkehle und das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz.

Angaben zur Höhle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heimkehle ist eine etwa 2000 m[2] lange Gips-/Ganghöhle. Davon sind 750 m[2] begehbar; 2008 waren es wegen Bauarbeiten nur 600 m. Der größte Raum, der Große Dom, hat einen Durchmesser von rund 65 Metern[5] und ist etwa 22 Meter[5] hoch. Durch die hohe Löslichkeit des Gipses kommt es zu einer intensiven Verkarstung und zur Bildung großräumiger Höhlensysteme. Durch die Nähe zum Grundwasser sind bzw. waren viele Räume mit Wasser gefüllt.

Führungen und Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Teile der Höhle können im Rahmen von 45-minütigen Führungen besichtigt werden, dabei sieht man unter anderem auch einige Seen. Die jährlichen Besucherzahlen liegen bei durchschnittlich rund 16.600.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heimkehle wurde 1357[1] erstmals urkundlich erwähnt. 1649 besuchte sie der Prinz von Anhalt. Erst 1920[1] erfolgte die Erschließung durch Theodor Wienrich, wobei auch elektrisches Licht installiert wurde; am 12. September 1920[1] wurde sie als Schauhöhle eröffnet. Da der größte Teil der Heimkehle zu dieser Zeit von einem zusammenhängenden See bedeckt war, befuhr man sie mit Booten.

Quelle: Höhle Heimkehle Uftrungen (Höhlenbetreiber)[3]

Ab 1944 richteten die Nationalsozialisten in der Höhle eine bombensichere Produktionsstätte für die Junkerswerke Dessau (Tarnname Thyrawerk) ein, die dort vom 12. März 1944 bis 4. April 1945[1] unter anderem Teile für die Kampfflugzeuge Ju 88 und Ju 188 bauen ließen. Außerdem sollten dort die V-Waffen produziert werden. Zunächst wurden große Teile des Sees zubetoniert und anschließend drei Produktionshallen und mehrere Tunnel gebaut, von denen der größte auch mit Lastwagen befahrbar war. Die Tunnel und Zugangsstollen konnten wegen der Weichheit des Gipses in relativ kurzer Zeit angelegt werden. Zur Arbeit in den unterirdischen Produktionsanlagen wurden Häftlinge des Mittelbaues vom KZ-Außenlager Rottleberode herangezogen. Wegen der Brutalität der SS-Wachmannschaften und der klimatischen Bedingungen in der Höhle war die Sterblichkeit unter den Häftlingen sehr hoch. Zum Kriegsende wurde die Höhle evakuiert, die Häftlinge wurden auf Todesmärschen in andere KZ verlegt. Ein großer Teil von ihnen kam ums Leben.

Nach dem Krieg betrachteten die Alliierten die Höhle als Kriegsanlage. Sie ließen 1946[1] alle Fertigungsanlagen und Zugangsstollen sprengen. Dabei wurde die Höhle durch Deckenabstürze und den Einsturz von Seitenteilen stark beschädigt. Ab 2. November 1953[1] erfolgte die Wiedererschließung der Heimkehle. Es wurden neue Ein- und Ausgangsstollen angelegt und die Einbauten, soweit nicht bereits zerstört, entfernt. Man findet in der Höhle heute daher kaum noch Spuren davon. Die zubetonierten Seen konnten nicht wiederhergestellt werden, da die Mächtigkeit und Qualität des von den Nazis eingebrachten Betons die Beseitigung nicht zuließen. Sprengarbeiten hätten zu einer weiteren Zerstörung der Heimkehle geführt. So kann die Höhle jetzt zu Fuß begangen werden. Am 25. April 1954[1] erfolgte die Wiedereröffnung als Schauhöhle und 1979 die Einweihung des Karstmuseums. Im Kleinen Dom, wo sich auch Produktionsstätten befunden hatten, errichtete die DDR eine Gedenkstätte für die KZ-Häftlinge. Im Großen Dom mit nur noch wenigen Spuren von Produktionseinrichtungen wurde 1990[1] eine Laser- und Lichtshow installiert. Bis 1996 fand alljährlich an Heiligabend[1] das Fest der 1000 Lichter statt. Im Außengelände gibt es eine Ausstellung über den Missbrauch der Heimkehle in den Jahren 1944/45.[1]

Verkehrsanbindung und Wandern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heimkehle ist von der Landesstraße 236 aus zu erreichen. Etwa auf halber Strecke zwischen Rottleberode und Uftrungen führt eine Stichstraße südwestwärts zum Parkplatz an der Höhle. Dort führt der Karstwanderweg vorbei. Die Höhle war bis 2016 als Nr. 214[6] in das System der Stempelstellen der Harzer Wandernadel einbezogen. Vor der Höhle steht das Restaurant zur Höhle Heimkehle.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l Heimkehle: Geschichte, auf hoehle-heimkehle.de
  2. a b c d e Heimkehle: Geologie, auf hoehle-heimkehle.de
  3. a b c d Besucherzahlen im Jahresdurchschnitt: 19.300 (2005–2010)
  4. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  5. a b Heimkehle: Wissenswertes, auf hoehle-heimkehle.de
  6. Harzer Wandernadel: Veränderte Stempelstellen seit 16.04.2016, auf harzer-wandernadel.de;
    siehe hierzu auch ehemalige Stempelstelle 214 – Heimkehle (Memento vom 11. Februar 2013 im Webarchiv archive.is), aus harzer-wandernadel.de

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Heimkehle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien