Oliver Reese

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Oliver Reese (* 1964 in Schloß Neuhaus bei Paderborn) ist ein deutscher Theaterregisseur, Dramaturg und Autor. Seit der Spielzeit 2009/10 ist er Intendant des Schauspiel Frankfurt. Reese ist designierter Nachfolger von Claus Peymann als Intendant des Berliner Ensembles.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oliver Reese wurde 1964 in Schloss Neuhaus bei Paderborn geboren. Bereits als Schüler begeisterte er sich für die Welt des Theaters und knüpfte Kontakte mit Schauspielern der Westfälischen Kammerspiele, dem Theater seiner Heimatstadt. [1] Nach dem Zivildienst studierte er in München Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Theaterwissenschaft und Komparatistik und arbeitete als Regieassistent an den Münchner Kammerspielen, dem Schauspielhaus Düsseldorf und am Bayerischen Staatsschauspiel, wo er 1989 Dramaturg wurde. 1991 wechselte er als Chefdramaturg an das Ulmer Theater. 1994 bis 2001 war Oliver Reese Chefdramaturg am Maxim Gorki Theater Berlin, danach Chefdramaturg und Stellvertretender Intendant unter Bernd Wilms am Deutschen Theater Berlin. Am DT arbeitete er unter anderem mit Hans Neuenfels, Robert Wilson, Michael Thalheimer und Jürgen Gosch zusammen. In der Spielzeit 2008/2009 war Reese Interimsintendant am Deutschen Theater Berlin. Seit der Spielzeit 2009/2010 leitet er das Schauspiel Frankfurt in Frankfurt am Main. Oliver Reese lehrte von 2002 bis 2004 an der Freien Universität Berlin Theaterwissenschaften. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste.

Neben zahlreichen Inszenierungen brachte Reese eigene Dramatisierungen (»Berlin Alexanderplatz« von Alfred Döblin, »Lolita« nach Nabokov) und Stücke nach biografischen Texten auf die Bühne (»Bartsch, Kindermörder«, »Emmy Göring an der Seite ihres Mannes«). »Emmy Göring« wurde 1999 mit dem Friedrich-Luft-Preis der Berliner Morgenpost ausgezeichnet. In den Kammerspielen des Deutschen Theaters inszenierte er »Goebbels« auf Grundlage der Tagebücher des NS-Propagandaministers sowie »Der Mann ohne Eigenschaften« nach Robert Musil. In Frankfurt dramatisierte er Vaslav Nijinskys Tagebücher, die er unter dem Titel »Ich bin Nijinsky. Ich bin der Tod.« im Rahmen des Musikfestivals »Le Sacre du Printemps« in der Alten Oper Frankfurt zu Beginn der Saison 2013/14 zur Uraufführung brachte. In der gleichen Spielzeit entstand »Wille zur Wahrheit ─ Bestandsaufnahme von mir«, eine Theaterfassung von Thomas Bernhards fünfbändiger Biografie. Zuletzt erarbeitete Reese eine eigene Fassung von Günter Grass´ Roman »Die Blechtrommel«. Der Monolog, gespielt von Nico Holonics, kam am 11. Januar 2015 zur Premiere.

In der Spielzeit 2017/18 löst Oliver Reese als Intendant des Berliner Ensembles Claus Peymann ab. Seine Pläne für das Brecht-Theater beschrieb er in der Frankfurter Rundschau: „Was mir als zentrales Anliegen für das Berliner Ensemble vorschwebt, ist, Stücke für das Große Haus zu entwickeln, die hier und heute geschrieben werden. Dafür habe ich auch Moritz Rinke ins Team geholt. Zentral ist für mich, neue Stücke zu machen. Ich glaube, dass wir Autoren für das Theater begeistern müssen, die in letzter Zeit lieber für den Film, für das Fernsehen oder Prosa geschrieben haben. Wir müssen eine Art Aufbauarbeit machen, um das Stückeschreiben wieder zukunftsfähig zu machen.“[2]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bartsch, Kindermörder (1992), Ulmer Theater, Regie: Oliver Reese
  • Emmy Göring an der Seite ihres Mannes (1994), Ulmer Theater, Regie: Oliver Reese
  • Goebbels (2005), Deutsches Theater Berlin (Kammerspiele), Regie: Oliver Reese
  • Bacon talks (2012), Schauspiel Frankfurt (im Frankfurter Städel Museum), Regie: Oliver Reese
  • Ich bin Nijinsky. Ich bin der Tod. (2013), Schauspiel Frankfurt (in der Alten Oper Frankfurt), Regie: Oliver Reese

Dramatisierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inszenierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bartsch, Kindermörder (1992), Ulmer Theater
  • Emmy Göring an der Seite ihres Mannes (1994), Ulmer Theater
  • Einzelgespräche (Ingmar Bergman) (1999), Maxim Gorki Theater Berlin
  • Der Zimmerspringbrunnen (Jens Sparschuh) (1996), Maxim Gorki Theater Berlin
  • Lolita (Vladimir Nabokov) (2003), Deutsches Theater Berlin (Kammerspiele)
  • Goebbels (2005) Deutsches Theater Berlin (Kammerspiele)
  • Treulose (Ingmar Bergman) (2006) Düsseldorfer Schauspielhaus
  • Der Mann ohne Eigenschaften (2007), Deutsches Theater Berlin (Kammerspiele)
  • Warum tanzt ihr nicht, nach Erzählungen von Raymond Carver (2007), Düsseldorfer Schauspielhaus
  • Ritter, Dene, Voss (2009), Deutsches Theater Berlin (Kammerspiele)
  • Phädra von Jean Racine (2009), Schauspiel Frankfurt (Kammerspiele)
  • Die Frau, die gegen Türen rannte (Roddy Doyle), deutschsprachige Erstaufführung 2010, Schauspiel Frankfurt (Kammerspiele)
  • Der nackte Wahnsinn von Michael Frayn (2011), Schauspiel Frankfurt (Schauspielhaus)
  • Hamlet, Prinz von Dänemark (2011), Schauspiel Frankfurt (Schauspielhaus)
  • Wir lieben und wissen nichts von Moritz Rinke, (2012), Schauspiel Frankfurt (Kammerspiele)
  • Wahlverwandtschaften nach dem Roman von Johann Wolfgang Goethe (2013), Düsseldorfer Schauspielhaus (Kleines Haus)
  • Wille zur Wahrheit – Bestandsaufnahme von mir nach der fünfbändigen Autobiografie von Thomas Bernhard (2013), Schauspiel Frankfurt (Schauspielhaus)
  • Kunst von Yasmina Reza (2014), Schauspiel Frankfurt (Schauspielhaus)
  • Die Blechtrommel (2015), Schauspiel Frankfurt (Schauspielhaus)
  • Die Wiedervereinigung der beiden Koreas von Joël Pommerat (2015), Schauspiel Frankfurt (Kammerspiele)
  • Der zerbrochne Krug (2015), Schauspiel Frankfurt (Schauspielhaus)
  • Terror nach Ferdinand von Schirach (2015), Schauspiel Frankfurt (Schauspielhaus)
  • Eine Familie (August: Osage County) von Tracy Letts (2017), Schauspiel Frankfurt (Schauspielhaus)

Artikel über Oliver Reese[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernd Wilms: „Mit der Schere schreiben. Der Autor und Regisseur Oliver Reese, der ein Dramaturg ist.“ In: R. Koberg, B. Stegemann, H. Thomsen (Hg.): „Autoren am Deutschen Theater“. Berlin, 2006. S. 77 – 81.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oliver Reese: Vom Autozubehörhandel zum Theater. In: Darmstädter Echo vom 5. Mai 2012
  2. "Berlin hat Berlin zu bieten", von Claus-Jürgen Göpfert und Christian Thomas, Frankfurter Rundschau vom 3. Dezember 2014