Orăștie

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Orăștie
Broos
Szászváros
Wappen von Orăștie
Orăștie (Rumänien)
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Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Siebenbürgen
Kreis: Hunedoara
Koordinaten: 45° 50′ N, 23° 12′ OKoordinaten: 45° 50′ 25″ N, 23° 11′ 58″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 220 m
Fläche: 38,62 km²
Einwohner: 18.227 (20. Oktober 2011[1])
Bevölkerungsdichte: 472 Einwohner je km²
Postleitzahl: 335700
Telefonvorwahl: (+40) 02 54
Kfz-Kennzeichen: HD
Struktur und Verwaltung (Stand: 2016)
Gemeindeart: Munizipium
Bürgermeister: Ovidiu-Laurențiu Bălan (PSD)
Postanschrift: Piața Aurel Vlaicu, Nr. 3
loc. Orăștie, jud. Hunedoara, RO–335700
Website:

Orăștie (veraltet Oroșteiu; deutsch Broos oder Brosz, ungarisch Szászváros)[2] ist eine Kleinstadt im Kreis Hunedoara in Siebenbürgen, Rumänien.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage von Orăștie im Kreis Hunedoara
Wappen von Orăștie in der Zwischenkriegszeit

Die Kleinstadt Orăștie liegt im Süden des Siebenbürgischen Beckens, ca. 4 Kilometer südlich des Flusses Mureș (Mieresch), nördlich vom Șureanu-Gebirge (Mühlbacher Gebirge) im sogenannten Unterwald. An der Mündung des Sibișel in den Orăștie - ein linker Zufluss des Mureș -, der Europastraße 68 und der Bahnstrecke Arad–Alba Iulia, befindet sich die Stadt etwa 30 Kilometer östlich von der Kreishauptstadt Deva (Diemrich) entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erwähnt wurde die Stadt bereits 1224 im Goldenen Freibrief des ungarischen Königs Andreas II., der grundlegenden Urkunde, die den deutschen Einwanderern (Siebenbürger Sachsen) ihren rechtlichen Sonderstatus verlieh. In der Urkunde wird der Ort - auf Latein noch als Waras bezeichnet - als westlichster Punkt des Königsbodens genannt. Orăștie befindet sich am Westrand Siebenbürgens und als Verwaltungsort war er einer der historischen Sieben Stühle des Königsbodens. Von Deutschen gegründet, war der Ort im Mittelalter Handwerkerzentrum, vor allem der Schmiede- und der Kürschnerzunft. Unweit vom Ort, bei Unterbrodsdorf (heute Șibot, Kr. Alba), fand am 13. Oktober 1479 am Ufer des Mureș die Schlacht auf dem Brodfeld statt. Anschließend wurde der Ort mehrmals von den Türken heimgesucht und geplündert.

Da Broos auch ein geistlich und kulturell wichtiger Ort für die auf dem Königsboden frei lebenden Rumänen war, wurde hier 1582 die Palia (Palia de la Orăștie) – die erste rumänische Übersetzung des Alten Testaments – von Șerban Coresi gedruckt. 1663 ließ Fürst Michael Apafi eine reformierte Schule errichten; diese wurde 1910 das Gymnasium des Ortes.

Im Jahr 1999 wurden sechs befestigte Anlagen der Daker in den Bergen Orășties von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung von Orăștie entwickelte sich wie folgt:

Volkszählung Ethnische Zusammensetzung
Jahr Bevölkerung Rumänen Ungarn Deutsche andere
1850 3.961 1.904 823 1.026 208
1900 6.934 3.619 1.884 1.321 110
1941 9.751 7.995 682 807 267
1977 17.845 16.670 647 399 129
1992 24.174 22.548 632 235 759
2002 21.213 19.697 523 104 889
2011 18.227 15.781 279 66 2.101

Die höchste Einwohnerzahl und gleichzeitig die größte Zahl der ethnischen Rumänen seit 1850 wurde in Orăștie 1992 ermittelt. Die höchste Bevölkerungszahl der Deutschen (1.467) wurde 1880 und die der Roma (988) 2011[3] registriert. 1900 und 1910 bekannten sich 80 bzw. 78 Einwohner als Tschechen. Bei fast jeder Volkszählung wurden auch Serben (höchste Einwohnerzahl 17 im Jahr 1930), Ukrainer (höchste Einwohnerzahl 10 im Jahr 1992) und auch Slowaken (höchste Einwohnerzahl 40 im Jahr 1930) registriert.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Burg von Orăștie, 1544 erstmals urkundlich erwähnt, wurde 1561 während der Türkenzeit erobert, 1631 renoviert.[5] Heute ist die Ruine der Burg im Zentrum der Stadt zu sehen.
  • Die Kirchenburg, Ende des 14. Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet, steht unter Denkmalschutz.[6] Von einer Mauer umschlossen, stehen die Kirchen der evangelischen Gemeinde A. B. (deutsche Verkündigungssprache) und die der reformierten Gemeinde (ungarische Verkündigungssprache) nebeneinander.
  • Die reformierte Kirche – eine ehemalige romanische Basilika –, im 14. Jahrhundert errichtet, wurde im 16. Jahrhundert in eine gotische umgebaut. Nach dem Zerfall des Turms der Kirche (1839), wurde dieser (nach unterschiedlichen Angaben) 1752[6] oder 1840–1843[7] erneut aufgebaut. Die Kirche hat den größten Chor der Kirchen in Siebenbürgen.[8]
  • 1820 wurde die evangelische Kirche neben der reformierten, 1839–1842 der Turm aufgebaut.[7]
  • Die Synagoge, im 18. Jahrhundert errichtet, steht unter Denkmalschutz.[6]
  • Die Ruine der 1810 durch einen Brand zerstörten rumänisch griechisch-katholischen Kirche, im 18. Jahrhundert errichtet, steht unter Denkmalschutz.[6] 1935 errichtete die griechisch-katholische Kirchengemeinde eine neue Kirche, musste diese aber nach Untersagen der Ausübung ihren Glaubens durch das kommunistische Regime Rumäniens an die orthodoxe Kirchengemeinde abgeben. Ende 2000 begann die Kirchengemeinde erneut mit einem Bau einer Kirche, die 2008 fertiggestellt wurde.[9]
  • Die römisch-katholische Kirche Mănăstirea Franciscană, im 13. Jahrhundert errichtet, wurde in der Türkenzeit und auch durch einen Brand zerstört,[10] im 18. Jahrhundert erneut aufgebaut und steht unter Denkmalschutz.[6]
  • Die orthodoxe Kirche Adormirea Maicii Domnului,[11] im 17. Jahrhundert errichtet, steht unter Denkmalschutz.[6]
  • Die orthodoxe Kathedrale Sf. Arhangheli Mihail şi Gavriil,[12] mit eindrucksvollen Freskomalereien, wurde in der Zwischenkriegszeit (ab 1936) errichtet und am 2. September 1945 eingeweiht.[5]
  • Das Museum der Stadt, 1952 eröffnet, 1999 neu gestaltet, enthält zahlreiche archäologische Funde der Region.[5]
  • Im Zentrum des Ortes die Statue von Burebista, König der Daker.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nicolaus Olahus (1493–1568) - Sohn von Stephan Olahus, dem Stadtrichter von Broos[8] - verbrachte hier seine Kindheit. Der Humanist schrieb das historisch- ethnographische Werk „Hungaria“.[13]
  • Albert Amlacher[14] (1847–1939), war evangelischer Theologe, Historiker und Schriftsteller.[13]
  • András Szőllősy (1921–2007), Komponist und Musikwissenschaftler

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angaben der offiziellen Homepage von Orăștie:[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Orăștie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volkszählung 2011 in Rumänien bei citypopulation.de
  2. Wörterbuch der Ortschaften aus Siebenbürgen
  3. Volkszählung 2011 in Rumänien (MS Excel; 1,3 MB)
  4. Volkszählung, letzte Aktualisierung 2. November 2008, S. 11 (ungarisch; PDF; 1,1 MB)
  5. a b c Webpräsenz von Orăștie, Sehenswürdigkeiten, abgerufen am 28. Dezember 2010
  6. a b c d e f Liste historischer Denkmäler des rumänischen Kulturministeriums, 2010 aktualisiert (PDF; 7,10 MB)
  7. a b Bilder und Angaben zur Kirchenburg auf der Website des Kulturministeriums des Kreises Hunedoara, abgerufen am 28. Dezember 2010
  8. a b Heinz Heltmann, Gustav Servatius (Hrsg.): Reisehandbuch Siebenbürgen. Kraft, Würzburg 1993, ISBN 3-8083-2019-2.
  9. Webpräsenz von Orăștie, griechisch-katholische Kirche, abgerufen am 28. Dezember 2010
  10. Webpräsenz von Orăștie, römisch-katholische Kirche, abgerufen am 28. Dezember 2010
  11. Webpräsenz von Orăștie, orthodoxe Kirche, abgerufen am 28. Dezember 2010
  12. Bild der orthodoxen Kathedrale (Memento vom 12. August 2012 im Internet Archive)
  13. a b Webpräsenz von Orăștie, Persönlichkeiten, abgerufen am 28. Dezember 2010
  14. http://www.orastieinfo.ro/personalitati/albert_amlacher/albert_amlacher.html (Memento vom 15. April 2009 im Internet Archive) (rumänisch)
  15. a b Webpräsenz von Orăștie, Partnerschaften, abgerufen am 11. Januar 2011
  16. Webpräsenz von Helmstedt, Tourismus, abgerufen am 11. Januar 2011