Otto Böcher

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Otto Hermann Konrad Böcher (* 12. März 1935 in Worms; † 27. Februar 2020 in Mainz) war ein deutscher evangelischer Theologe und Professor für Neues Testament an der Universität Mainz.

Lebenslauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Hermann Konrad Böcher wurde 1935 als Sohn eines Diakons in Worms geboren. Nach seinem Abitur, das er 1954 am Wormser Rudi-Stephan-Gymnasium ablegte, studierte er Evangelische Theologie, Kunstgeschichte und Philosophie an den Universitäten Mainz und Heidelberg. Während seiner Studienzeit wurde er Mitglied der christlichen Studentenverbindungen Mainzer Wingolf (1954) und Heidelberger Wingolf (1956).[1] 1958 wurde er im Fach Kunstgeschichte zum Dr. phil. promoviert, 1963 im Fach Neues Testament zum Dr. theol. Von 1962 bis 1964 war als Pfarrer in Selzen in Rheinhessen tätig. Von 1963 bis 1968 war er wissenschaftlicher Assistent an der Universität Mainz. 1968 habilitierte er sich für das Fach Neues Testament in Mainz und wurde dort Privatdozent, 1971 außerplanmäßiger Professor. Er lehrte von 1975 bis 1978 in Saarbrücken Religionspädagogik und war von 1978 bis zu seiner Emeritierung 2003 in Mainz als Professor für Neues Testament tätig. Kurz vor seinem 85. Geburtstag ist Otto Böcher 2020 in Mainz gestorben.[2] Böcher war verheiratet und hinterlässt drei Söhne und eine Tochter.[3]

Böcher war Mitglied der Hessischen Historischen Kommission, der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, des Herold zu Berlin und der Humboldt-Gesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Bildung.

Wissenschaftliche Leistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Böcher veröffentlichte zahlreiche Beiträge zur neutestamentlichen Johannesoffenbarung, zum Dämonismus, zur Taufe und – über das Neue Testament hinaus – zum antiken und mittelalterlichen Judentum und zur mittel- und oberrheinischen Kunstgeschichte. Er trat regelmäßig als Autor studentengeschichtlicher Texte hervor. Bekannt ist er auch als Autor des Kleinen Lexikons des studentischen Brauchtums, das bisher in drei Auflagen erschien.

Ehrungen und Widmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Würdigung seiner Verdienste um Genealogie und Heraldik wurde Otto Böcher 1985 zum Korrespondierenden Mitglied des Herold, Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften zu Berlin ernannt.[4]

Am 27. Juni 2014 wurde ihm der Ehrenring der Stadt Worms verliehen.

Am 10. Dezember 2014 wurde ihm der Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz verliehen.

Im Johanniterorden wurde er 1976 Ehrenritter, 1987 Rechtsritter und 2002 Ehrenkommendator.

Herrn Prof. Dr. Dr. Otto Böcher gewidmet: Elmar Worgull: Frankenthals romanische Klosterbasilika und ihre überregionale Bedeutung. Neueste bau- und kunstgeschichtliche Erkenntnisse. In: Der Wormsgau: Wissenschaftliche Zeitschrift der Stadt Worms und des Altertumsvereins Worms e. V. Stadt Worms und Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2015. 31 (2014/15), S. 19–32.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der alte Judenfriedhof in Worms. Ein Führer durch seine Geschichte und Grabmäler. 1960 (2e Aufl.)
  • Die Alte Synagoge zu Worms. Worms 1960.
  • Der johanneische Dualismus im Zusammenhang des nachbiblischen Judentums. Gütersloh 1965.
  • Dämonenfurcht und Dämonenabwehr. Ein Beitrag zur Vorgeschichte der christlichen Taufe. Stuttgart 1970.
  • Christus Exorcista. Dämonismus und Taufe im Neuen Testament. Stuttgart 1972.
  • Die Johannesapokalypse, Darmstadt 1975, 4. Auflage 1998.
  • Kirche in Zeit und Endzeit. Aufsätze zur Offenbarung des Johannes. Neukirchen-Vluyn 1983.
  • Johannes-Apokalypse, in: Reallexikon für Antike und Christentum Band 18, 1998, 595–646.
  • Das beglaubigende Vaticinium ex eventu als Strukturelement der Johannes-Apokalypse, in: Revue d’Histoire et de Philosophie Religieuses 79, 1999, S. 19–30.
  • Apokalyptische Strukturen in der Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit, in: Zeitschrift für Bayerische Kirchengeschichte 69, 2000, S. 1–18.
  • Das himmlische Jerusalem und seine Wirkungsgeschichte in der Kunst unter besonderer Berücksichtigung des Gebrauchs der Edelsteine, Waltrop 2004.
  • Kleines Lexikon des studentischen Brauchtums. Edition Piccolo, Hannover 1985, 2. Auflage 2001, 3. Auflage 2009, ISBN 978-3-931892-06-7.
  • Johannes-Offenbarung und Kirchenbau. Das Gotteshaus als Himmelstadt. Neukirchen-Vluyn 2010.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm Horn, Michael Wolter (Hrsg.): Studien zur Johannesoffenbarung und ihrer Auslegung. FS für Otto Böcher, Neukirchen-Vluyn 2005 (darin S. 433–460 Bibliografie seiner Schriften).
  • Michael Wolter, Marco Frenschkowski: Bibliographie Otto Böcher [in Auswahl; ohne Buchbesprechungen]. In: Der Wormsgau 16 (1992–1995), S. 47–67 (Digitalisat).
  • Fritz Reuter: Prof. Dr. Dr. Otto Böcher – Kunsthistoriker und Theologe. In: Der Wormsgau 16 (1992–1995), S. 45–46.
  • Böcher, Otto, in: Friedhelm Golücke: Verfasserlexikon zur Studenten- und Hochschulgeschichte. SH-Verlag, Köln 2004, ISBN 3-89498-130-X. S. 49.
  • Wolfgang Weiß (Hrsg.): Exegese und Religionspädagogik. Otto Böcher zum 60. Geburtstag, Oldenburg 1995 (Oldenburger Universitätsreden 67).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verband Alter Wingolfiten e. V. (Hrsg.): Vademecum Wingolfiticum, 17. Aufl., Lahr/Schwarzwald 1974, S. 99.
  2. Friedrich Wilhelm Horn: Prof. Dr. phil. Dr. theol. Otto Böcher gestorben. In: ekhn.de. 28. Februar 2020, abgerufen am 1. März 2020.
  3. Joachim Kleintitschen: In memoriam Prof. Dr. theol. Dr. phil. Otto Böcher (Mz 54, Hg 56) in: Wingolfsblätter, 139. Jahrgang, Heft 1/2020, S. 54–58, 54.
  4. Vgl. Der Herold. Vierteljahrsschrift für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften, Neue Folge, Bd. 11 (1984–1986), S. 100*.