Otto Lenel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Otto Lenel (* 13. Dezember 1849 in Mannheim; † 7. Februar 1935 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Rechtshistoriker des römischen Rechts. Seine Bedeutung auf dem Gebiet des Römischen Rechts, insbesondere der Auffindung späterer Interpolationen der ursprünglichen Texte, gilt als überragend. Insbesondere erforschte er die Rekonstruktion des Edictum perpetuum und der Palingenesia.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familiengrab auf dem Freiburger Hauptfriedhof

Otto Lenel wurde geboren als Sohn von Moritz Lenel und Caroline, geb. Scheuer. Er studierte Rechtswissenschaft an den Universitäten Heidelberg, Leipzig und Berlin. Am Preußisch-französischen Krieg beteiligte er sich als Kriegsfreiwilliger. Lenel absolvierte 1871 die Erste juristische Staatsprüfung und promovierte im folgenden Jahr. 1874 absolvierte er die Zweite juristische Staatsprüfung. Er habilitierte sich 1876 an der Universität Leipzig. 1882 wurde er auf einen Lehrstuhl der Universität Kiel berufen. 1884 wurde er Professor an der Universität Marburg. Ab 1885 lehrte er an der Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg, im Studienjahr 1896/97 war er ihr Rektor.[1] 1907 erhielt er einen Ruf der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Als einer der großen deutschen Rechtshistoriker, bekannt geworden vor allem durch seine Forschungen zur römischen Rechtsgeschichte, wurde er zu seinem 80. Geburtstag 1929 mit einer Glückwunschadresse geehrt, in der 20 Länder verschiedener Erdteile und 100 Universitäten vertreten waren.

Gedenktafel vor Lenels Wohnhaus in Freiburg im Breisgau

1933 trafen den Ehrenbürger der Stadt Freiburg die Auswirkungen nationalsozialistischer Rassenpolitik; seine Tochter wurde aus ihrem Beruf als Krankenschwester verdrängt. Diese schweren Schicksalsschläge brachen Lenel. In den letzten anderthalb Jahren seines Lebens konnte er sich nicht mehr der Wissenschaft widmen. Am 7. Februar 1935 starb er und wurde im Familiengrab auf dem Hauptfriedhof Freiburg im Breisgau beigesetzt.

Seinem Wunsche entsprechend wurde er in aller Stille bestattet und in Deutschland kein Nachruf veröffentlicht. Die über 80-jährige Witwe, Luise geb. Eberstadt (* 25. Februar 1857 in Frankfurt) und die Tochter Bertha Lenel (* 7. März 1882 in Freiburg) wurden am 22. Oktober 1940 im Rahmen der Wagner-Bürckel-Aktion aus Freiburg in das Lager Camp de Gurs in Frankreich verschleppt. Die Witwe starb im Lager († 7. November 1940). Bertha Lenel überlebte († 13. August 1973).

Zu Otto Lenels 50. Todestag wurde am 7. Februar 1985 an seinem letzten Wohnsitz in der Holbeinstraße 5 in Freiburg eine Gedenktafel angebracht. Des Schicksals der Familie Lenel wird auch im Rahmen des Projekts Stolpersteine gedacht.

Otto Lenel war vom 19. Januar 1867 bis zum 8. Januar 1868 und dann nochmals vom 18. Januar 1887 bis zum 19. Mai 1920 Mitglied der Burschenschaft Allemannia Heidelberg. 1903 wurde er als korrespondierendes Mitglied in die Bayerische Akademie der Wissenschaften aufgenommen.[2] Seit 1909 war er außerordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.[3] 1928 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.[4] 1932 wurde er korrespondierendes Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften.[5]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Über Ursprung und Umfang der Exceptionen, 1876
  • Parteiabsicht und Rechtserfolg, 1881
  • Das Edictum perpetuum. Ein Versuch zu seiner Wiederherstellung, mit dem für die Savigny-Stiftung ausgeschriebenen Preise gekrönt, Leipzig 1927; zuerst 1883 (Digitalisat; PDF; 54,6 MB)
  • Palingenesia juris civilis, 2 vols., 1887–1889
  • Die Lehre von der Voraussetzung (im Hinblick auf den Entwurf des bürgerlichen Gesetzbuches), AcP 74 (1889), 213–239.
  • Stellvertretung und Vollmacht, 1896
  • Ueber die Reichsverfassung, 1920

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rektoratsrede (HKM)
  2. Otto Lenel Nachruf bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (PDF-Datei).
  3. Mitglieder der HAdW seit ihrer Gründung im Jahr 1909. Otto Lenel. Heidelberger Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 24. Juni 2016.
  4. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751-2001. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 148.
  5. Mitglieder der SAW: Otto Lenel. Sächsische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 9. November 2016.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Göppinger: Juristen jüdischer Abstammung im „Dritten Reich“, München 1990, 2. Auflage, S. 225,
  • Beiträge zur Freiburger Wissenschafts- und Universitätsgeschichte, 13. Heft: Freiburger Professoren des 19. und 20. Jahrhunderts, hrsg. von Johannes Vincke (1957), S. 77ff.: Elmar Bund, Otto Lenel (insbes. S. 99),
  • Beiträge zur Freiburger Wissenschafts- und Universitätsgeschichte, 15. Heft: Aus der Geschichte der Rechts- und Staatswissenschaften zu Freiburg i. Br. hrsg. v. H.J. Wolff (1957), S. 115 ff.: Fritz Pringsheim, Römisches Recht in Freiburg nach 1900 (insbes. S. 126)
  • Elmar BundLenel, Otto. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 204 f. (Digitalisat).
  • Sinzheimer, S. 97 ff., insbes. S. 110
  • Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 1931, 1935;
  • Paul Sauer, S. 258 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]