Otto Scheel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Otto Scheel (* 7. März 1876 in Tondern, Nordschleswig; † 13. November 1954 in Kiel) war ein deutscher Theologe, Landeshistoriker und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab dem Sommersemester 1895 studierte Scheel an der Friedrichs-Universität Halle evangelische Theologie. 1897 wechselte er an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Er wurde Mitglied des Vereins Deutscher Studenten Kiel.[1] Er legte die beiden Kirchlichen Examen ab und wurde 1900 zum Lic. theol. promoviert.[2] 1901 – im Alter von 25 Jahren – habilitierte er sich für Systematische Theologie. 1906 wurde er als a.o. Professor für Kirchengeschichte an die Eberhard Karls Universität Tübingen berufen. Zum 1. April 1924 übernahm er den neu geschaffenen Lehrstuhl für Schleswig-Holsteinische Landesgeschichte, Reformationsgeschichte und nordische Geschichte in Kiel.[3] Von 1925 bis 1927 war er Vorsitzender des Verbandes Deutscher Hochschulen. Vom 5. März bis zum 27. April 1933 war Otto Scheel Rektor der CAU.[4] 1945 wurde er emeritiert. Er amtierte von 1931 bis 1946 als Vorsitzender des Vereins für Reformationsgeschichte.

Scheel hatte während des Ersten Weltkriegs zeitweise als Lazarettpfarrer und in der Abteilung III b gearbeitet. Zugleich veröffentlichte er eine Biographie Martin Luthers, mit der er seinen Ruf als einer der führenden Kirchenhistoriker untermauerte. Scheel engagierte sich im liberalen Verbandsprotestantismus und war in der Weimarer Republik Mitglied der Deutschen Volkspartei. In Kiel betrieb er „Landesgeschichte als politische Geschichte“.[5] Nach ihrem Wahlsieg bei der Reichstagswahl März 1933 trat er im Mai 1933 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bei. Er verfasste zunehmend populärwissenschaftliche Schriften mit völkischer Rhetorik. Seine dezidiert antiwestliche Lutherdeutung stellte er vorbehaltlos in den Dienst der nationalsozialistischen Geschichtspolitik. Auch wissenschaftspolitisch engagiert, übernahm er 1938 das Kieler Institut für Volks- und Landesforschung und das Deutsche Wissenschaftliche Institut in Kopenhagen (1941–1943).[6]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Akademisches Deutschland (1931)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Grüttner: Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik (= Studien zur Wissenschafts- und Universitätsgeschichte. Bd. 6). Synchron, Wissenschaftsverlag der Autoren, Heidelberg 2004, S. 146.
  • Karl-Heinz Fix: Otto Scheel (1876–1954). Der vergessene zweite bzw. erste Vorsitzende (1918–1946). In: Luise Schorn-Schütte (Hg.): 125 Jahre Verein für Reformationsgeschichte (= Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte. Bd. 200). Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2008, ISBN 978-3-579-05764-4, S. 60–99.
  • Oliver Auge, Martin Göllnitz: Landesgeschichtliche Zeitschriften und universitäre Landesgeschichte: Das Beispiel Schleswig-Holstein (1924–2008), in: Thomas Küster (Hg.): Medien des begrenzten Raumes. Landes- und regionalgeschichtliche Zeitschriften im 19. und 20. Jahrhundert (= Forschungen zur Regionalgeschichte. Bd. 73). Schöningh, Paderborn u.a. 2013, ISBN 3-506-77730-0, S. 69–125.
  • Carsten Mish: Otto Scheel (1876–1954). Eine biographische Studie zu Lutherforschung, Landeshistoriographie und deutsch-dänischen Beziehungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Louis Lange (Hg.): Kyffhäuser-Verband der Vereine Deutscher Studenten. Anschriftenbuch 1931. Berlin 1931, S. 194.
  2. Die Anschauung Augustins über Christi Person und Werk : unter Berücksichtigung ihrer verschiedenen Entwicklungsstufen und ihrer dogmengeschichtlichen Stellung.
  3. Oliver Auge, Martin Göllnitz: Landesgeschichtliche Zeitschriften und universitäre Landesgeschichte: Das Beispiel Schleswig-Holstein (1924–2008). In: Thomas Küster (Hg.): Medien des begrenzten Raumes. Landes- und regionalgeschichtliche Zeitschriften im 19. und 20. Jahrhundert. Paderborn u.a. 2013, S. 69–125, hier: S. 73f.
  4. Rektoratsreden (HKM)
  5. Oliver Auge, Martin Göllnitz: Landesgeschichtliche Zeitschriften und universitäre Landesgeschichte: Das Beispiel Schleswig-Holstein (1924–2008). In: Thomas Küster (Hg.): Medien des begrenzten Raumes. Landes- und regionalgeschichtliche Zeitschriften im 19. und 20. Jahrhundert. Paderborn u.a. 2013, S. 69–125, hier: S. 74f.
  6. Frank-Rutger Hausmann:„Auch im Krieg schweigen die Musen nicht“. Die Deutschen Wissenschaftlichen Institute im Zweiten Weltkrieg (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Bd. 169). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001 ISBN 3-525-35357-X, S. 183–210.