Zum Inhalt springen

PZL W-3 Sokół

Gesichtet
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
PZL W-3
PZL W-3P
TypMittelschwerer Mehrzweckhubschrauber
Entwurfsland

Polen Polen

Hersteller PZL
Erstflug 16. November 1979
Indienststellung 1987
Stückzahl >150

Der PZL W-3 Sokół (dt. Falke) ist ein polnischer Mehrzweckhubschrauber, der von PZL Świdnik gefertigt wird. Der PZL-3 ist der erste Hubschrauber, der komplett in Polen entwickelt und gefertigt wurde. Die Maschine ist, bis auf die Rotorblätter von Haupt- und Heckrotor, konventionell aus Metall gefertigt. Das Fahrwerk ist nicht einziehbar. Die Maschine verfügt über zwei Gasturbinen als Antrieb des vierblättrigen, aus Glasfaser-Verbundwerkstoff gefertigten Rotors. Der Rotor verfügt über ein Enteisungssystem. Der zulässige Temperaturbereich für den PZL W-3 liegt dabei zwischen −40 und +43 °C.

Die Passagierkabine für zwölf Personen ist über zwei Schiebetüren von beiden Seiten zu betreten. Das Gepäckabteil befindet sich hinter der Kabine und ist während des Fluges zugänglich.

Mit einem zusätzlichen Unterrumpftank ist der W-3 auch als Feuerlöschflugzeug einsetzbar.

1970 wurde der Vertrag über die Zusammenarbeit über Konstruktion und Entwicklung eines Mehrzweckhubschraubers zwischen Polen und der UdSSR unterzeichnet. Die Entwicklungsarbeiten begannen 1973 unter der Leitung von Stanisław Kamiński und dauerten die 1970er-Jahre über an. 1976 war ein Mock-Up fertig. Der Erstflug des Prototyps fand am 16. November 1979 statt, es wurden insgesamt sechs Prototypen gefertigt. Die Produktion lief zunächst in kleiner Stückzahl bis 1985.

W-3PL der polnischen Luftwaffe

Mit der Auflösung des Warschauer Paktes öffnete sich PZL dem Westen und 1989 begannen Konstruktionsarbeiten für eine neue Variante. Dieser auch von der FAA (US FAR Pt 29, Mai 1993) zugelassene PZL W-3A, der am 30. Juli 1992 zu seinem Erstflug startete, ist die derzeit in Fertigung befindliche zivile Variante. Die militärische Variante wird auch exportiert.

Die aktuelle Version W-3A2, welche die polnische Zulassung am 7. März 2003 erhielt, verfügt über ein EFIS, einen 4-Achsen-Autopilot, der zusammen mit dem GPS in der Lage ist, eine vorgesehene Route selbstständig zu fliegen. Auch ist für Rettungs- und Transportaufgaben ein automatisches Fliegen auf der Stelle möglich.

Bis zum 13. September 2005 waren in acht Serien insgesamt 146 Maschinen und fünf Kabinen des W-3 gebaut worden.

Die Maschine wird sowohl zivil als auch militärisch in der Tschechischen Republik, Spanien, Myanmar, Polen (Siły Powietrzne Rzeczypospolitej Polskiej), Portugal, Südkorea, Russland, den Vereinigten Arabischen Emiraten und ehemals in Deutschland (zwei Hubschrauber mit den Kennzeichen D-HSNA und D-HSNB bei der Polizei Sachsen[1]) verwendet. D-HSNB ging am 17. Januar 2005 durch einen Unfall verloren, D-HSNA wurde 2012 durch einen Eurocopter EC135 ersetzt.

Am 11. Februar 2011 erhielt die polnische Armee vier modernisierte Hubschrauber der Version W-3PL, welche mit neuen Avionik- und Einsatzsystemen ausgerüstet wurden, wozu ein FADEC für das Triebwerk und ein nachtsichtgerätetaugliches Cockpit gehören. Die Bewaffnung beinhaltet ein 12,7-mm-MG im Bug sowie ungelenkte Raketen bzw. 23-mm-Kanonenbehälter an Außenlaststationen.[2]

W-3P der polnischen Regierung

Quelle:[3][4]

  • W-3 zivile Basisversion , 30 Maschinen gebaut
  • W-3A – zivile Basisversion mit FAR-29 Zertifizierung, 9 Maschinen gebaut
  • W-3A2 – Version des W-3A mit automatischem 4 Achsen Flugkontollsystem. Eine Maschine gebaut.
  • W-3AS – W-3 Machienen die ursprünglich für spanische Kunden, später auch für die polnischen Streitkräfte auf W-3A Standard gebracht wurden. 22 Maschinen umgebaut
  • W-3AM – zivile W-3A Version mit zusätzlichen aufblasbaren Auftriebskörpern, 13 Maschinen gebaut. (Morski = Meer)
W-3RM Anakonda der polnischen Marine
  • W-3 / -3T – Basis Version die unbewaffnet ist
  • W-3A – die bewaffnete Version des W-3A. Mit Maschinengewehren in den Türen.
  • W-3P / S / A – sind die VIP Versionen des W-3 der polnischen Luftwaffe, 8 Stück gebaut.[5] (Pasażerski = Passagier)
  • W-3W / WA – bewaffnete Version mit Stummelflügeln die über insgesamt 4 Pylone zur Waffenaufnahme dienen. Werden von den polnischen Heeresfliegern genutzt. WA ist nach FAR-29 zertifiziert. 34 Maschinen gebaut. (Wielozadaniowy = Multifunktional)
  • W-3AE – die Rettungshubschrauber Version für die polnischen Landstreitkräfte, 3 W-3WA umgebaut. (Aero Ewakuacja = Luftrettung)
  • W-3R – die Rettungshubschrauber Version für die polnische Luftwaffe. 2 Maschinen gebaut. (Reanimacyjny = Reanimation)
  • W-3RL Anakonda – die SAR Version für die polnische Luftwaffe. 6 Maschinen gebaut. (Ratownictwa lądowego = Landrettung)
  • W-3RM Anakonda – die Marine SAR Version für die polnische Marine. 1 Prototyp und 8 Serienmaschienen wurden zwischen 1991 und 2002 gebaut.
  • W-3SP Anakonda – W-3RM Version für Sondereinsatztkärfte. Eine Maschine gebaut. (Specjalnego Przeznaczenia = Spezielle Zwecke)
  • W-3ARM – ist eine W-3A die zu einem Seenotrettungshubschrauber umgebaut wurde. Erstflug 2006. Eine Maschine gebaut.
  • W-3WARM – die modernisierte SAR Version des -3RM für die polnische Marine. Es wurden 8 Maschinen auf diesen Stand bebracht (zwei W-3 und sechs W-3RM). Wurden zwischen 2017 und 2020 in Dienst gestellt. (RM für Ratownictwa Morskiego = Seenotrettung)
  • W-3PPD / PSOT Gipsówka – die Gipsblume war als PPD Version (Powietrzny Punkt Dowodzenia = Luftkommandostelle) der fliegende Kommando Posten für das polnische Heer. Wurde im Jahr 2006 diese Maschine mit zu der Zeit moderner Elektronik und Beobachtungsausrüstung modernisiert. Ebenfalls wurden die Stummelflügel der W-3W montiert. Aber nur 2 der statt 4 Pylone können genutzt werden. Sie wird als PSOT (Powietrzne Stanowisko Obserwacji Terenu = Luftgestützte Gelände-Beobachtungsstelle) bezeichnet. Eine Maschine wurde gebaut.
  • W-3RR Procjon – der Waschbär ist die Version zur elektronischen Aufklärung, 3 Maschinen wurden gebaut. (Rozpoznanie Radioelektroniczne = Radioelektronische Aufklärung)
  • W-3PL Głuszec – bei dem Auerhuhn handelt es sie um modernisierte W-3WA die für das moderne Gefechtsfeld bereit gemacht wurden. Dazu zählt ein Glascockpit mit MFD, ein Elbit Toplite FLIR, INS/GPS, VOR/ILS, DME und TACAN Navigationssysteme. Ein HUD sowie ein IFF System. Das ganze wurde mit einem HOCAS und FADEC kombiniert. Die Maschinen sind voll Nachtflugtauglich. Diese Maschinen wurden von Anfang an auch für die CSAR Aufgaben vorgesehen. Der erste Prototyp flog im Jahr 2009. 8 Maschinen wurden auf diesen Stand gebracht.[6]
W-3W / WA der polnischen Heeresflieger

Prototypen und angedachte Versionen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • W-3B – angedachte bewaffnete Version mit Tandemcockpit
  • W-3K / W-3WB Huzar – angedachte bewaffnete Version mit südafrikanischen Waffen und Elektronik von Kentron (heute Denel). Wurde 1993 in Südafrika getestet. Einige Elemente wie die Stummelflügel wurden später in den W-3W / -3WA Varianten übernommen. 1 Maschine wurde gebaut.[7] (Wsparcia Bojowego = Kampfunterstützung)
  • W-3L Sokół Long – angedachte verlängerte Version mit Platz für 14 Passagiere. Es wurde nur ein Mockup gebaut.
  • W-3MS / -3WS – angedachte Version als reiner Kampfhubschrauber
  • W-3MW – angedachte Version eines reinen Kampfhubschraubers für die polnische Marine.
  • W-3U Salamandra – der Salamander hatte die Avionik und die Bewaffnung einer Mi-24V. Eine Maschine wurde gebaut. Später zu einer Transportversion (W-3A) umgebaut und nach Myanmar verkauft.
  • W-3U-1 Alligator – angedachte Version zur Uboot Jagd
  • W-3PL / N – angedachte Version für den Einsatz auf Schiffen der polnischen Marine. Mit einklappbaren Hauprotor, Tauchsonar, Luft-Boden Raketen und Torpedos. Stattdessen wurde die Kaman SH-2G Seasprite beschafft.[8]
Polnische Luftwaffe
Polnisches Heer
Polnische Marine

Ehemalige Nutzer

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Technische Daten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Kenngröße Daten[18]
Besatzung2
Passagiere12
Länge18,985 m
Rumpflänge15,03 m
Hauptrotordurchmesser15,07 m
Heckrotordurchmesser3,30 m
Höhe4,2 m
Leermasse3300 kg
max. Startmasse6400 kg
Höchstgeschwindigkeit260 km/h
Reisegeschwindigkeit235 km/h
Dienstgipfelhöhe4520 m
Normale Reichweite734 km
Maximale Reichweite1244 km
Anfängliche Steigrate8,5 m/s
Triebwerke2 PZL-10W-Gasturbinen mit je 662 kW (900 PS)

Für die leichten Angriffshubschrauber W-3W und W-3PL ist eine Bewaffnung adaptierbar.

beweglich installierte Bewaffnung in Kinnlafette (nur W-3PL)

  • 1 × 12,7-mm-Maschinengewehr ZMT Tarnow WKM-Bz mit 350 Schuss Munition in einem Trommelmagazin[19]

Fest installierte Bewaffnung an Steuerbordseite (nur W-3WA)

Bewaffnung in Tür, Fenstern und Toren
  • 6 × auf Kugellagerlafette montiertes 7,62-mm-Maschinengewehr-Kalaschnikow PKB in den Fenstern
Bewaffnung bis zu 2 000 kg an vier Außenlaststationen an einem Gestell
Luft-Luft-Lenkflugkörper
  • 2 × GAD-Doppelstarter mit je 2 × 9K32 Strela-2M – infrarotgelenkt für Kurzstrecken
Ungelenkte Luft-Boden-Raketen
  • 4 × MARS-2M-Raketen-Rohrstartbehälter mit je 16 ungelenkten Luft-Boden-Raketen S-5; Kaliber 57 mm
  • 4 × W8-10-Raketen-Rohrstartbehälter für je 10 ungelenkte Luft-Boden-Raketen S-8 im Kaliber 80 mm
Raketenbehälter MARS-2
Externe Behälter

Selbstverteidigungssysteme

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Aktive Maßnahmen
Passive Maßnahmen

Vergleichbare Modelle

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Michał Fiszer, Jerzy Gruszczyński: Anakonda snakes into service In: Air International. März 2021, Band 100, Nr. 3, ISSN 0306-5634, S. 42–43.
  • Paul Jackson: Jane’s All The World’s Aircraft 2003–2004. Jane’s Information Group, Coulsdon (UK) 2003, ISBN 0-7106-2537-5.
  • Tim Ripley: Middle East Air Power in the 21st Century. Pen & Sword Aviation, Barnsley (South Yorkshire) 2010, ISBN 978-1-78346-111-0.
  • Jeffery Simon: Poland and NATO: A Study in Civil-military Relations. Rowman & Littlefield Publishers, Lanham 2004, ISBN 0-7425-2994-0.
Commons: PZL W-3 Sokół – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Polizei Sachsen: Technische Ausrüstung der Sokol W-3A.
  2. Fliegerrevue: Polen erhält vier W-3PL. April 2011, S. 8.
  3. Lista PZL W-3 Sokół. In: Gdzie zaczyna się wojsko… 25. Dezember 2010, abgerufen am 23. Mai 2026 (polnisch).
  4. Thomas Girke: Helicopter DataBase – PZL W-3. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 30. März 2009; abgerufen am 23. Mai 2026.
  5. Sokół W-3WA VIP po oblocie – Altair Agencja Lotnicza. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 19. September 2013; abgerufen am 23. Mai 2026 (englisch).
  6. PZL-Świdnik Signs Contracts For Five New Helicopters and 14 Heli. EOL Group, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 28. Januar 2012; abgerufen am 23. Mai 2026 (englisch).
  7. Poland studies Mi-24 upgrade possibility – Flight International. In: Flightglobal.com. 21. März 2000, abgerufen am 23. Mai 2026 (englisch).
  8. PZL-Świdnik SA Starts Development of the W-3PL/N Naval Helicopte. EOL Group, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 5. März 2016; abgerufen am 23. Mai 2026.
  9. CONAF ENAJENARÁ HELICOPTERO SW-3A SOKOL. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 28. Februar 2014; abgerufen am 23. Mai 2026 (es-CL).
  10. Carlos Ay: Aviación ejecutiva llega a su madurez en FIDAE 2012. In: Gaceta Aeronautica. 9. Juli 2012, abgerufen am 23. Mai 2026 (spanisch).
  11. Department of Defense of the Republic of the Philippine: Notice of Award to PZL Swidnik. (Memento vom 29. Dezember 2009 im Internet Archive; PDF; xxx kB)
  12. Philippines to buy 8 W-3A Sokols. In: Air Forces Monthly. Nr. 4, April 2010, S. 27.
  13. Hispánica de Aviación SA. Abgerufen am 23. Mai 2026 (englisch).
  14. Guy Martin: Uganda orders W-3A, A109 helicopters | defenceWeb. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 23. Juli 2014; abgerufen am 23. Mai 2026 (englisch).
  15. Thomas Girke: Helicopter-DataBase – PZL W-3. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 20. September 2017; abgerufen am 23. Mai 2026.
  16. SP-SSL | PZL W-3A2 Sokół | Helibravo Aviation – Helicopter-DataBase. Abgerufen am 23. Mai 2026.
  17. W-3AS der Xunta de Galicia. In: airhistory.net. Abgerufen am 23. Mai 2026 (englisch).
  18. Flugzeuginfo.net: flugzeuginfo.net.
  19. kamov.net.