Patrick Cramer

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Patrick Cramer (* 3. Februar 1969 in Stuttgart) ist ein deutscher Chemiker, Strukturbiologe und Molekularbiologe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Patrick Cramer studierte von 1989 bis 1995 Chemie an den Universitäten Stuttgart und Heidelberg.[1] Einen Teil des Studiums absolvierte er als Erasmus-Stipendiat an der University of Bristol in Großbritannien. Die Forschungsarbeiten für seine Diplomarbeit führte er bei Sir Alan Fersht in Cambridge, Großbritannien, durch, wo er die Strukturbiologie und das Laboratorium für Molekularbiologie (LMB) kennen lernte. 1995 schloss er sein Studium an der Universität Heidelberg mit dem Diplom ab. Von 1995 bis 1998 war Cramer als Doktorand in der Arbeitsgruppe von Christoph W. Müller am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Grenoble, Frankreich tätig. Er promovierte 1998 als Doktor der Naturwissenschaften (Dr. rer. nat.) an der Universität Heidelberg. In den Jahren 1999–2001 war Cramer als Postdoktorand[1] und Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Labor des späteren Nobelpreisträgers Roger D. Kornberg an der Stanford-Universität in den USA tätig.

Im Jahr 2001 kehrte Patrick Cramer nach Deutschland zurück, wo er eine Tenure-Track-Professur für Biochemie am Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München erhielt.[1] Dort wurde er 2004 zum Ordentlichen Professor für Biochemie und Leiter des Genzentrums ernannt.[1] Cramer leitete das Genzentrum der Universität München für 10 Jahre, von 2004 bis 2013. Cramer war an der Universität München zudem von 2007 bis 2009 als Dekan der Fakultät für Chemie und Pharmazie, 2010 bis 2013 als Direktor des Fachbereichs Biochemie,[1] 2007 bis 2013 als Mitglied des Forschungsausschusses und 2008 bis 2013 als Sprecher des Sonderforschungsbereiches 464 der Deutschen Forschungsgemeinschaft tätig.

Zum 1. Januar 2014 wurde Patrick Cramer als Direktor an das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen berufen,[1] wo er die Abteilung "Molekularbiologie" leitet.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Patrick Cramer ist vor allem als Grundlagenforscher, Hochschullehrer und Wissenschaftsmanager tätig. Als Postdoktorand in Stanford ermittelte Cramer die dreidimensionale Struktur der RNA-Polymerase II, eines der größten Enzyme im Zellkern. Für „fundamentale Forschungen der molekularen Basis der eukaryotischen Transkription“ erfolgte die Vergabe des Nobelpreises für Chemie an Roger Kornberg im Jahr 2006.[2]

Das Labor von Patrick Cramer untersucht zum einen die molekularen Mechanismen der Gentranskription in eukaryontischen Zellen. Dazu werden strukturbiologische Methoden verwendet, insbesondere die Röntgenkristallographie und die Kryo-Elektronenmikroskopie. Zum anderen erforscht die Arbeitsgruppe von Patrick Cramer die systemischen Prinzipien der Genregulation in lebenden Zellen mit Hilfe von funktionaler Genomik und Bioinformatik.[3]

Cramers Arbeitsgruppe erzeugte den ersten molekular aufgelösten Film der Transkriptions-Initiation und -Elongation. Zudem entwickelte Cramer Methoden, um fundamentale Aspekte des RNA-Stoffwechsels in Zellen zu analysieren. Cramer trägt zur Entwicklung der molekularen Systembiologie bei, indem er Ansätze der Molekular- und Systembiologie integriert. Das Langzeitziel von Patrick Cramer ist es, die Expression und die Regulation des Genoms zu verstehen.

Zudem widmet sich Cramer der weiteren Entwicklung der Naturwissenschaften in Deutschland und Europa. In seiner Zeit in München trug er zum Ausbau der Lebenswissenschaften bei, indem er unter anderem den Exzellenzcluster "Center for Integrated Protein Science (CIPSM)" mitgründete und den Forschungsneubau "Munich Research Center for Molecular Biosystems (BioSysM)" initiierte. Zudem war Cramer im wissenschaftlich-technischen Beirat der bayerischen Staatsregierung und im Bereich der Bioethik im Institut TTN tätig. Er ist aktiv als Organisator internationaler Konferenzen, als Gutachter, und in mehreren wissenschaftlichen Gremien und Beiräten. Seit 2016 hat Cramer den Vorsitz im Rat (Council) des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL)[4].

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Original-Forschungsarbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit B. Schwalb, M. Michel, B. Zacher, K. Frühauf, C. Demel, A. Tresch und J. Gagneur: TT-seq maps the human transient transcriptome. In: Science. 352, 2016, S. 1225–1228.
  • mit C. Plaschka, M. Hantsche, C. Dienemann, C. Burzinski und J. Plitzko: Transcription initiation complex structures elucidate DNA opening. In: Nature. 533, 2016, S. 353–358.
  • mit C. Bernecky, F. Herzog, W. Baumeister und J. M. Plitzko: Structure of transcribing mammalian RNA polymerase II. In: Nature. 529, 2016, S. 551–554.
  • mit C. Plaschka, L. Larivière, L. Wenzeck, M. Seizl, M. Hermann, D. Tegunov, E. V. Petrotchenko, C. H. Borchers, W. Baumeister, F. Herzog und E. Villa: Architecture of the RNA polymerase II-Mediator core initiation complex. In: Nature. 518, 2015, S. 376–380.
  • mit D. Schulz, B. Schwalb, A. Kiesel, C. Baejen, P. Torkler, J. Gagneur und J. Soeding: Transcriptome Surveillance by Selective Termination of Noncoding RNA Synthesis. In: Cell. 155, 2013, S. 1075–1087.
  • mit D. Kostrewa, M. E. Zeller, K. J. Armache, M. Seizl, K. Leike und M. Thomm: RNA polymerase II-TFIIB structure and mechanism of transcription initiation. In: Nature. 462, 2009, S. 323–330.
  • mit D. A. Bushnell und R. D. Kornberg: Structural basis of transcription: RNA polymerase II at 2.8 angstrom resolution. In: Science. 292, 2001, S. 1863–1876.
  • mit D. A. Bushnell, J. Fu, A. L. Gnatt, B. Maier-Davis, N. E. Thompson, R. R. Burgess, A. Edwards, P. R. David und R. D. Kornberg: Architecture of RNA polymerase II and implications for the transcription mechanism. In: Science. 288, 2000, S. 640–649.

Übersichtsartikel zur Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit C. Plaschka und K. Nozawa: Mediator Architecture and RNA Polymerase II Interaction. In: Journal of Molecular Biology. 28, 2016, S. 2569–2574.
  • mit S. Sainsbury und C. Bernecky: Structural basis of transcription initiation by RNA polymerase II. In: Nature Reviews Molecular Cell Biology. 16, 2015, S. 129–143.
  • A tale of chromatin and transcription in 100 structures. In: Cell. 159, 2014, S. 985–994.
  • mit A. C. Cheung: A Movie of RNA Polymerase II Transcription. In: Cell. 149 2012, S. 1431–1437.
  • Deciphering the RNA polymerase II structure: a personal perspective. In: Nature Structural & Molecular Biology. 13, 2006, S. 1042–1044.

Andere Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aufbruch in die molekulare Systembiologie. - Essay für die Jubiläumsausgabe "20 Jahre Laborjournal", Laborjournal vom 11. Juli 2014.
  • Entwicklungen in der Biomedizin: Genom-Sequenzierung in Diagnose, Prävention und Therapie; Systembiologie und Medizin. In: T. Rendtorff (Hrsg.): Zukunft der biomedizinischen Wissenschaften. Nomos, 2013, ISBN 978-3-8487-0849-9.
  • mit O. Primavesi, R. Hickel, T. O. Höllmann und W. Schön: Lob der Promotion. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 19. Juli 2013.
  • mit J. Hacker, T. Rendtorff, M. Hallek, K. Hilpert, C. Kupatt, M. Lohse, A. Müller, U. Schroth, F. Voigt, M. Zichy: Biomedizinische Eingriffe am Menschen - Ein Stufenmodell zur ethischen Bewertung von Gen- und Zelltherapie. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021306-5.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]