Paul-Hermann Gruner

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Paul-Hermann Gruner (* 28. September 1959 in Rüsselsheim) ist ein deutscher Politikwissenschaftler, Journalist, Schriftsteller und bildender Künstler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul-Hermann Gruner wird geboren als drittes Kind des Internisten Paul Gruner und der Kinderkrankenschwester Gabriele Gruner. Er kommt in der Opelstadt Rüsselsheim zur Welt und schreibt darüber später so: „In dieser Stadt wird man entweder Auto oder Autor“.[1] Abitur an der Immanuel-Kant-Schule (Rüsselsheim). Nach Absolvierung des Zivildienstes studierte Gruner von 1981 bis 1987 Politikwissenschaft, Geschichte und Allgemeine Pädagogik an der heutigen Technischen Universität Darmstadt, Abschluss Magister Artium (M.A.). Seine Magisterarbeit mit dem Haupttitel "Die inszenierte Polarisierung" (ein sprach- und ideologiekritischer Vergleich der Wahlkampfsprache in den Bundestagswahlkämpfen 1957 und 1987) erscheint 1990 als Buch im Peter Lang-Verlag (Frankfurt a.M.).

Seit dem 15. Lebensjahr schreibt Gruner erst auf die Rückseite der Din A 3-Blätter von Schul-Zeichenblöcken lange Balladen mit Bleistift, später auf einer ausgemusterten alten Reiseschreibmaschine Erzählfragmente und Kurzgeschichten, danach auf einer ihm zum 17. Geburtstag geschenkten, soliden mechanischen „Monica“ (Olympia) seine ersten beiden phantastisch-satirischen Früh-Romane (unveröffentlicht). Erstmals werden seine Texte 1984 publiziert. Später erscheinen Texte in Literaturzeitschriften wie Lichtungen (Graz) und Neue Deutsche Literatur (ndl, Berlin).

Gleichzeitig mit der literarischen Neigung geht Gruner autodidaktisch seiner Faszination für das Bildnerische nach. Angeregt von den Bildwelten des Dada (Marcel Duchamp, Max Ernst, Kurt Schwitters), der polnischen Plakatkunst, den gestalterischen Experimenten in Bildjournalismus und Plakatgestaltung der Weimarer Republik (vor allem: Heartfield, Umbo) der politischen Karikatur der Bundesrepublik (vor allem Horst Haitzinger) sowie der sich politisch direkt einmischenden Plakatkunst der frühen 1970er Jahre (Klaus Staeck, Ernst Volland, Tomi Ungerer) entwickelt Gruner über Papierarbeiten (Collage: Chiasmage, Konfrontage, Assemblage), über Objekt-Montage und Ready-made bis zum dreidimensionalen Objekt und zur Installation seinen kritisch-expressiven Personalstil. Mit einer ersten großen Einzelausstellung tritt er 1981 an die Öffentlichkeit. Thematisch ist aber nicht nur das Gesellschaftliche sichtbar in seinen Arbeiten (Ideologie, Gewalt, Reichtum vs. Armut, Technik vs. Natur): „Alles ist politisch“, sagt er, „selbst Gummibären essen“[2]

Von 1985 bis 1996 arbeitet Gruner als freiberuflicher Journalist. Er verfasst Schallplatten-, CD-, Konzert- und Buchkritiken sowie Texte zur Kultur- und Mentalitätsgeschichte für regionale und überregionale Zeitungen und Zeitschriften, darunter Neue Politische Literatur, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Darmstädter Echo, Mainzer Allgemeine Zeitung, Mannheimer Morgen, Rheinischer Merkur, Jazz-Thetik, BÜCHNER Kulturmagazin, Vorwärts, seltener auch fürs Radio (NDR, Hessischer Rundfunk).

Aufsehen erlangte Gruner mit dem satirischen Roman „Wunderlich und die Logik“ (2012). Die Sprachnachrichten (Dortmund) stellten fest: „Wäre Salvador Dali Krimiautor geworden, herausgekommen wäre vielleicht ein Buch wie dieses.“[3] Ein „Fabuliermeisterwerk“, resümiert die Rezensionsplattform culturmag.de und schreibt zu Ton und Stil des Buches, das die Handlungsschemata von Sex & Crime karikiert: „Gruner ist ein gesegneter Stilist, der seine Sprachmuskeln schön locker hält und damit – das eine bedingt das andere – schlagfertig bleibt. Keine Floskel trübt den Erzählduktus und fast kein Stereotyp verdirbt einem selbst in der maximal klischeeträchtigen Disziplin Kopulationsgeschehen beschreiben die Leselust.“[4]

Den 2014 entstandenen Band mit Kurzgeschichten („La Tour du Mariage“) sah die Rezensionsplattform faustkultur.de als literarische Reise ins „Zwischenreich von Fiktion und Wirklichkeitsabbildung und […] der ins Fantastische fortgesponnenen Exegese von Begriffen, Wendungen, Worten.“[5] Die FAZ sah eine Literatur „in einem Duktus, den man als Gruners Markenzeichen“ sehen könne, „in einer Mischung aus sprachlicher und philosophischer Reflexion der menschlichen Alltäglichkeit, die stets satirisch gebrochen ist“.[6]

Er ist seit 1996 Redakteur der Tageszeitung Darmstädter Echo. Gruner schrieb Texte u.a. für den Kabarettisten Dieter Hildebrandt, den Cicero, Deutschlandradio Kultur und das Munzinger-Archiv. Er ist Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland und im Verband deutscher Schriftsteller (VS). Als Geschäftsführer fungiert er für die Gesellschaft Hessischer Literaturfreunde e.V. Seit 1977 ist Gruner als bildender Künstler tätig (Objekt, Montage, Installation). Er lebt seit den frühen 1980er Jahren in Darmstadt.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kriege bescheren Frieden. 6 Balladen. Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-88323-471-0.
  • Über die Kunst. Berlin 1989, ISBN 3-89009-052-4.
  • Die inszenierte Polarisierung. Die Wahlkampfsprache der Parteien in den Bundestagswahlkämpfen 1957 und 1987. Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-631-41831-0.
  • Made in Germany. Eine szenische Collage. Theaterstück. 1995. (mehrmals aufgeführt, nicht publiziert).
  • Frauen und Kinder zuerst. Denkblockade Feminismus. Eine Streitschrift. Reinbek 2000, ISBN 3-499-60946-0.
  • Die Pisa-Lösung. Epigramme, Gedichte, Kurztexte. München 2002, ISBN 3-935977-13-1.
  • 25 Lieblingsorte. Stadtfeuilletons. Darmstadt 2007, ISBN 978-3-87390-243-5.
  • Pullover für Pinguine. Querschüsse, Glossen, Satiren. Darmstadt 2009, ISBN 978-3-87390-278-7.
  • Wunderlich und die Logik. Darmstadt 2012, ISBN 978-3-87390-314-2.
  • La Tour du Mariage/Der Hochzeitsturm. Sieben Kurzgeschichten des 1. Darmstädter Turmschreibers mit einer fotografischen Hommage an das Wahrzeichen Darmstadts. Darmstadt 2014, ISBN 978-3-939855-35-4
  • Zikaden mit Zahnrad. Querschüsse, Glossen, Satiren. Darmstadt 2015, ISBN 978-3-87390-357-9

als Herausgeber oder Mit-Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1981 Stadttheater Rüsselsheim, Foyers
  • 1985, 1986, 1987 Galerie Perspektive, Darmstadt
  • 1994 Ausstellungshallen Mathildenhöhe, Darmstadt (B)
  • 1994 2. Bundesdeutsche Satirewoche, Reinheim (B)
  • 1994 Galerie der Romanfabrik, Frankfurt am Main
  • 1995 Ausstellung zum Kunstpreis der Stadt Obernburg (B)
  • 1995 Kommunale Galerie Darmstadt
  • 1996 Atelierhaus Vahle, Darmstadt
  • 1999 Haus der Wirtschaft und Industrie, Düsseldorf (B)
  • 1999 Galerie im Keller-Klub, Darmstadt
  • 2000 European Youth Circus, Mail-Art-Projekt: Wiesbaden und Brüssel (B)
  • 2001 Rosenborn-Galerie, Kelkheim (B)
  • 2001 Galerie Trigon, Darmstadt
  • 2002 Galerie des Regierungspräsidiums Darmstadt
  • 2004 Galerie im E.T.A. Hoffmann-Haus, Plock, Polen (B)
  • 2004 Bewohnte Kunst-Installation (bki), Darmstadt (B)
  • 2006 Atelierhaus Vahle/ Galerie C. Klein, Darmstadt (B)
  • 2006 Universitätsbibliothek Frankfurt am Main (B)
  • 2006 3. Internationaler Waldkunstpfad, Darmstadt (B)
  • 2007 Vogelfrei 7: WintergARTen, Kunst-Biennale, Darmstadt (B)
  • 2007 Egon Schiele Art Centrum, Krumau, Tschechien (B)
  • 2008 Galerie im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK), Wiesbaden (B)
  • 2009 Kunst-Archiv Darmstadt, Darmstadt (B)
  • 2012 Earl-Street Galerie, Darmstadt (B)
  • 2015 Atelier M, Darmstadt (B)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1990: Preis der Albert-Osswald-Stiftung (Technische Universität Darmstadt)
  • 2006: Ernst Elias Niebergall-Preis für Printmedien-Journalisten
  • 2007: Egon-Schiele-Stipendium der Hessischen Landesregierung / HMWK
  • 2009: Litauen-Stipendium des Hessischen Literatur-Rates
  • 2010: Egon-Schiele-Stipendium der Hessischen Landesregierung / HMWK
  • 2013: Literatur-Stipendium: 1. Darmstädter Turmschreiber[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Paul-Hermann Gruner: Pullover für Pinguine. Darmstadt 2009, S. 157.
  2. Kunstszene A-Z. Darmstadt 1997, S. 140.
  3. Sprachnachrichten, Nr. 60., IV 2013, S. 23.
  4. „Wittgenstein und die Stubentiger“, in: culturmag.de/rubriken/buecher, Seitenabruf 17.11.2012.
  5. faustkultur.de/2019-0-PH-Gruner-La-Tour-du-Mariage,, Seitenabruf 10.11.2014.
  6. Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 245, 22.10.2014, S. 38.
  7. Paul-Hermann Gruner zum 1. Darmstädter Turmschreiber ernannt. In: Focus. 29. April 2013.