Peter Menke-Glückert

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Peter Menke-Glückert (* 27. März 1929 in Karlsruhe; † 7. September 2016[1]) war ein deutscher Ministerialbeamter und liberaler Politiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Menke-Glückert war der Sohn von Emil Menke-Glückert. Er studierte Geschichte, Psychologie, Jura und Volkswirtschaft in Leipzig, Berlin, Göttingen und Berkeley. 1950 legte er das Erste und 1955 das Zweite Staatsexamen ab.

Menke-Glückert war seit 1955 Referent der westdeutschen Rektorenkonferenz, seit 1960 Verwaltungsbeamter an der Universität Tübingen, seit 1964 Leiter des Referats Forschungsplanung im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung und seit 1966 Leiter der Hauptabteilung Wissenschafts-Ressourcen der OECD in Paris. Von 1970 bis 1975 war er als Ministerialdirektor Leiter der Abteilung Umweltangelegenheiten im Bundesinnenministerium unter den Ministern Hans-Dietrich Genscher und Werner Maihofer und hatte so großen Anteil an der Etablierung der Umweltpolitik in der Bundesrepublik. 1975/76 wurde er Leiter der Abteilung Sport und Medienpolitik, seit 1977 leitete er die Abteilung Zivile Verteidigung, bevor er 1978 unter Gerhart Baum erneut die Abteilung Umweltangelegenheiten übernahm. Innenminister Friedrich Zimmermann entließ ihn bei seinem Amtsantritt 1982.[2]

Menke-Glückert war Vorsitzender des Bundesfachausschusses für Umwelt der FDP. Er war Vorsitzender der Gesellschaft für Zukunftsfragen. Von 1965 bis 1983 war er Mit-Herausgeber der Zeitschrift „liberal“, in deren Redaktions-Beirat er anschließend bis 1991 saß. Er war von 1964 bis 1985 Mitglied im Vorstand der Friedrich-Naumann-Stiftung, gehörte vorher 1963/64 und dann ab 1985 für weitere 29 Jahre deren Kuratorium an, davon von 1985 bis 2009 als stellvertretender Vorsitzender. Sein weiteres Engagement bei dieser Stiftung bezogen sich auf deren Programmausschuss (1991–2014) und den Beirat (1964–1985). Bis zu seinem Tod war er Mitglied des Kuratoriums der Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnisstiftung, die den Wolf-Erich-Kellner-Preis verleiht.

Menke-Glückert war seit 1955 mit der Journalistin Wanda verheiratet. Aus der Ehe ging der Sohn Peter Christian hervor.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menke-Glückert setzte sich für die Information, Förderung und Stärkung von Bürgerinitiativen ein. Er kritisierte die Bürokratisierung der Verwaltungen sowie seine Beamtenkollegen als „Bürofaschisten“.[3] Er stieß die Umweltthematik in den Freiburger Thesen an und prägte 1970 den Satz „Das Vietnam-Erlebnis der Bourgeoisie ist das Umweltproblem“.[4] Als Geschäftsführer der Bonner Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt mahnte Menke-Glückert 1989: „Die beste Verpackung erzeugt erst gar keinen Müll.“[5] Er kritisierte 1995 das Duale System als untauglich. („Das Duale System zur Erfassung von Verpackungsabfällen mit dem Grünen Punkt ist ein untauglicher Notbehelf von Handel und Industrie, drohenden Auflagen des Umweltministers zu entgehen und sich Innovationen zu ersparen.“[6]) Er übte 1995 Kritik an der Medienorientiertheit von Greenpeace: „Statt die wesentlichen Prioritäten einer modernen Umweltpolitik zu erkennen, läuft ununterbrochen ein grünes Geräuschband ab.“[6] Klaus Kinkel würdigte ihn zum 80. Geburtstag als „Umweltaktivisten der ersten Stunde“ und „lautstarken Vorkämpfer der Entbürokratisierung“.

Menke-Glückert stiftete als langjähriger Präses des Verbandes Liberaler Akademiker den Arno-Esch-Preis.[7]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedensstrategien. Wissenschaftliche Techniken beeinflussen die Politik. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1969.
  • Bürgeranwälte, Beamte von morgen. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1984, ISBN 978-3-421-02652-1.
  • Kommentar Großfeuerungsanlagenverordnung. Instrumentarium der Luftreinhaltepolitik, Werner, Düsseldorf 1985, ISBN 978-3-8041-2672-5.
  • Der Medienmarkt im Umbruch. Ein aktueller Leitfaden. Luchterhand Verlag, Neuwied 1995, ISBN 978-3-7875-1113-6.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Trauer um Liberalen. In: Bonner General-Anzeiger, 8. September 2016, S. 21.
  2. In seinen Memoiren kritisierte Zimmermann Menke-Glückert scharf. Friedrich Zimmermann: Kabinettstücke. Politik mit Strauß und Kohl. Ullstein, Frankfurt a. M. und Berlin 1994, S. 128, ISBN 3-548-33175-0.
  3. Joachim Radkau: Die Ära der Ökologie. Eine Weltgeschichte. C. H. Beck, München 2011.
  4. Die Zeit, 1980 (online).
  5. Der Spiegel, 1989 (online).
  6. a b Der Spiegel, 1985 (online).
  7. Arno-Esch-Preis – Verband Liberaler Akademiker. In: Verband Liberaler Akademiker. (liberale-akademiker.de [abgerufen am 22. Januar 2018]).