Karl-Heinz Paqué

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Paqué auf dem Landesparteitag der FDP Baden-Württemberg 2015

Karl-Heinz Paqué (* 4. Oktober 1956 in Saarbrücken) ist ein deutscher Volkswirt und Politiker (FDP).

Wissenschaftliche Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl-Heinz Paqué studierte von 1975 bis 1980 Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Saarbrücken und Kiel sowie der University of British Columbia; 1980 schloss er sein Studium in Kiel als Diplom-Volkswirt ab. In den folgenden Jahren arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel und, gefördert vom DAAD, als Research Fellow am Center for Study of Public Choice in Blacksburg (Virginia) (Leitung: James M. Buchanan). 1983 kehrte er als Wissenschaftlicher Assistent an die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Kiel zurück, wo er 1986 mit der Arbeit Philanthropie und Steuerpolitik: Eine ökonomische Analyse der Förderung privater Wohltätigkeit summa cum laude promoviert wurde. Bis 1989 war er dort als Hochschulassistent tätig. Sein wichtigster akademischer Lehrer war Herbert Giersch.

Nach einem Stipendium der DFG im Jahr 1990 leitete er von 1991 bis 1996 als Wissenschaftlicher Direktor und später Professor die Forschungsabteilung I Wachstum, Strukturpolitik und internationale Arbeitsteilung im Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel. 1995 habilitierte er sich und wurde 1996 „in Anerkennung und in Würdigung seiner herausragenden Verdienste um das Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel und um die empirische Wirtschaftsforschung“ mit der Ehrenprofessur des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet.[1] Im selben Jahr wurde er auf den Lehrstuhl für Internationale Wirtschaft der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg berufen. Nach seiner Wahl in den Landtag Sachsen-Anhalt 2002 bis 2008 ruhte diese Tätigkeit. Paqué kehrte zum Sommersemester 2008 auf seinen Lehrstuhl an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zurück. Seit Juli 2010 ist er auch Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft; dabei trat er die Nachfolge von Birgitta Wolff an, die als Kultusministerin ins Kabinett Böhmer II wechselte.

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1999 trat Paqué der FDP bei. Von 2001 bis 2007 war Paqué stellvertretender Landesvorsitzender der FDP in Sachsen-Anhalt.

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2002 wurde er in den Landtag Sachsen-Anhalt gewählt. In der Koalition aus CDU und FDP wurde er am 17. Mai 2002 zum Finanzminister des Bundeslandes Sachsen-Anhalt ernannt. Paqué kandidierte als Spitzenkandidat für die FDP bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2006, bei der die FDP ihren Stimmenanteil von 2002 halbierte. Dennoch wurde Paqué in einer Kampfabstimmung gegen den bisherigen Amtsinhaber Veit Wolpert zum Fraktionsvorsitzenden der FDP-Landtagsfraktion gewählt. In einer von der Linkspartei.PDS eingereichten Klage wurde dem Ex-Finanzminister Paqué vom Landesverfassungsgericht 2006 bestätigt, er hätte das Mietgeld für das Landesvermessungsamt nicht am Finanzausschuss des Landtages vorbei freigeben dürfen. Das Urteil hat (so die Magdeburger Volksstimme) wegweisende Bedeutung, weil die Befugnisse der Regierung beschränkt, die Macht des Landtages in Finanzfragen ausgeweitet wurde. Von 2003 bis 2007 war und seit Dezember 2013 ist Paqué Mitglied im Bundesvorstand der FDP. Er ist stellv. Vorsitzender des Bundesfachausschusses Wirtschaft und Arbeit sowie Mitglied des Bundesfachausschusses Finanzen und Steuern der FDP.

Paqué hatte zum 1. April 2008 seinen Rückzug aus der Landespolitik vollzogen: Er legte den Fraktionsvorsitz nieder und gab sein Landtagsmandat zurück, und zwar mit folgender Begründung: „Die Gründe für meine Entscheidung sind vor allem persönlicher Art. Politik ist nicht alles. Nach sechs Jahren in der Landespolitik – vier Jahre als Finanzminister und zwei Jahre als Fraktionsvorsitzender – kommt für mich die Zeit, meine Arbeit als Wissenschaftler und akademischer Lehrer ... wieder aufzunehmen.“

Am 28. Januar 2017 wurde Karl-Heinz Paqué zum Direktkandidaten des Wahlkreise 69 zur Bundestagswahl am 24. September 2017 gewählt[2].

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paqué ist verheiratet mit Sabine Paqué. Sie ist Kunsthistorikerin, aber seit längerer Zeit vor allem im Bereich der Sozialdienste und Sozialpolitik tätig. Sie war für die FDP von 2004 bis 2009 Mitglied im Magdeburger Stadtrat. Sie war Initiatorin des Hospizkreises Magdeburg. Sie ist Vorsitzende des Seniorenbesuchdienstes, Mitglied der Demenz-Initiative Magdeburg und Mitglied des Seniorenbeirats der Stadt Magdeburg.

Weitere Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paqué ist ehrenamtlich in verschiedenen Vereinen und Stiftungen tätig. Unter anderem war er Vorstandsmitglied des Vereins für Socialpolitik. Er ist Vorstandsvorsitzender der Herbert Giersch Stiftung, Mitglied des Vorstands der Gesellschaft für Deutschlandforschung e. V., Mitglied des Konvents für Deutschland, der Atlantikbrücke und der Hayek-Gesellschaft sowie Kurator der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und der Deutschen Gesellschaft e. V. Er war bis 2014 Vorsitzender des Beirats Zivilgesellschaft in Zahlen des Stifterverbandes der Wissenschaft. Er war als Sachverständiger Mitglied zweier Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages: 1999 bis 2002 in der Enquete Globalisierung der Weltwirtschaft und von Januar 2011 bis April 2013 in der Enquete Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität. Er ist seit 2010 Mitglied des Kleinen Gremiums des Bremer Tabak-Collegiums und seit 2012 Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Seit 2013 ist er Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Agenda Austria. Er war 2013-14 Kurator und Mitglied des Programmausschusses der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit und ist seit 2014 stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung. Er ist seit 2013 federführender Herausgeber der Perspektiven der Wirtschaftspolitik, der wirtschaftspolitischen Fachzeitschrift des Vereins für Socialpolitik.

Bis zum 23. April 2006 war Paqué – qua Amt als Finanzminister Sachsen-Anhalts – auch Vorsitzender des Präsidialausschusses und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Nord/LB.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl-Heinz Paqué: Philanthropie und Steuerpolitik. Eine ökonomische Analyse der Förderung privater Wohltätigkeit. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1986, ISSN 0340-6989. (Kieler Studien 203)
  • Herbert Giersch, Karl-Heinz Paqué, Holger Schmieding: The Fading Miracle. Four Decades of Market Economy in Germany. Cambridge University Press, Cambridge (UK) 1992, ISBN 0-521-35351-3.
  • Karl-Heinz Paqué: Structural Unemployment and Real Wage Rigidity. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1999, ISSN 0340-6989. (Kieler Studien 301)
  • Karl-Heinz Paqué: Die Bilanz: Eine wirtschaftliche Analyse der Deutschen Einheit. Carl Hanser Verlag, München 2009, ISBN 978-3-446-41958-2.
  • Karl-Heinz Paqué: Wachstum! Die Zukunft des globalen Kapitalismus. Carl Hanser Verlag, München 2010, ISBN 978-3-446-42350-3.[3]
  • Karl-Heinz Paqué: Vollbeschäftigt: Das neue deutsche Jobwunder. Carl Hanser Verlag, München 2012, ISBN 978-3-446-43211-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karl-Heinz Paqué – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ehrentitel „Professorin“ oder „Professor“. In: schleswig-holstein.de. Archiviert vom Original am 22. März 2015. Abgerufen am 16. Oktober 2014.
  2. Neuer Kreisvorstand und Prof. Dr. Paqué zum Direktkandidaten für die BTW 2017 gewählt. 29. Januar 2017, abgerufen am 4. Februar 2017 (deutsch).
  3. Wachstum mit Ausrufezeichen. In: FAZ. 27. November 2010, S. 12.