Petra Bahr

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Petra Bahr (* 29. April 1966 in Lüdenscheid) ist eine deutsche evangelische Theologin und war als Oberkirchenrätin der EKD von 2006 bis 2014 Kulturbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). In diesem Amt vertrat Petra Bahr das Kulturengagement und die kulturpolitischen Positionen der EKD und ihrer Landeskirchen. Seit Januar 2017 ist sie Landessuperintendentin für den Sprengel Hannover der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.[1] Zudem ist sie die Beauftragte für Freiwilligendienste des Rates der EKD.[2]

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer journalistischen Ausbildung studierte Petra Bahr von 1989 bis 1996 Theologie und Philosophie und arbeitete im Anschluss an ihrer Promotion, während der sie Stipendiatin des Evangelischen Studienwerks Villigst war, als Unternehmensberaterin.

Petra Bahr promovierte 2002 mit einer religionsphilosophischen Arbeit zur Kritik der Urteilskraft von Immanuel Kant und brachte als freie Autorin zahlreiche Publikationen zum Verhältnis von Kirche und Künsten, darüber hinaus zum Spannungsfeld von Recht-Religion-Politik, von Religion und Vernunft sowie zur Rückkehr des Religionsthemas heraus. Regelmäßig schreibt Petra Bahr für überregionale Zeitungen und macht Verkündigungssendungen für Deutschlandradio und den RBB.

Von 2000 bis 2005 war sie Referentin für Theologie an der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) in Heidelberg mit den Forschungsschwerpunkten „Verhältnis von Recht und Religion“, „Das theologische Gespräch mit den Kulturwissenschaften“ und „Protestantismus und Kultur“. 2006 wurde sie zur ersten Kulturbeauftragten des Rates der EKD berufen. 2010 war Petra Bahr Eisenhower-Fellow im Multi Nation Program.[3]

Im Juni 2011 unterlag sie in der Wahl zur Nachfolge der zurückgetretenen Bischöfin Maria Jepsen der Nordelbischen Kirche der Theologin Kirsten Fehrs.[4][5]

Als Leiterin des Kulturbüros der EKD, das seinen Sitz in Berlin hat, förderte sie den kulturpolitischen Dialog und den Dialog mit den Künsten, regte Gedenkkultur und Bildungsprojekte an und brachte Traditionen und aktuelle Themen des Protestantismus in die öffentliche Diskussion. Zum 1. September 2014 wechselte sie in neuer Funktion zur Konrad-Adenauer-Stiftung.[6] Hier übernahm sie die Leitung der Hauptabteilung Politik und Beratung. Seit Januar 2017 ist sie die Landesuperintendentin für den Sprengel Hannover.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stiftungsrat der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung
  • Stiftungsrat der Gedenkstätte Berliner Mauer
  • Jury des Robert-Geisendörfer-Preis – Medienpreis der Evangelischen Kirche
  • Kuratorium der Hanns-Lilje-Stiftung Hannover
  • Kuratorium der Stiftung Bibel und Kultur
  • Beirat der Zeitschrift „Kunst und Kirche“
  • Kulturpolitischer Arbeitskreis der CDU
  • Fachausschuss Europa des Deutschen Kulturrats e.V.

Position[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Wer die Kirche im Dorf lassen will, ohne sie in ein Museum zu verwandeln, sollte ihre Türen weit öffnen, nicht nur, um die Welt hereinzulassen. Der christliche Glaube gehört nicht in dunkle, stickige Gebäude – er lebt von der engagierten Zeitgenossenschaft an der frischen Luft, auch wenn es mal etwas zugig werden kann. Christlicher Glaube, der seine kulturelle Verantwortung wahrnimmt, setzt gegen den ‚Kampf der Kulturen‘ einen Kampf um Kultur.“ (Petra Bahr)

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahr ist seit 1996 mit dem Juristen Hans Michael Heinig verheiratet. Das Paar hat einen Sohn.

Publikationen in Auswahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Darstellung des Undarstellbaren. Religionstheoretische Studien zum Darstellungsbegriff bei A. G. Baumgarten und I. Kant. Tübingen 2004 (Dissertation).
  • Paul Gerhardt – Geh aus mein Herz. Leben und Wirkung. Freiburg im Breisgau 2007.
  • Freiheit im Dialog. Dialogpredigten zum 20. Jahrestag der friedlichen Revolution. Petra Bahr, Christhard-Georg Neubert (Hg.), Berlin 2010.
  • Protestantismus und Dichtung. Petra Bahr, Aleida Assmann, Wolfgang Huber und Bernhard Schlink (Hg.), Protestantismus und Kultur, Band 2, Gütersloh 2008.
  • Vaterunser. Einübung im Christentum. Petra Bahr, Joachim von Soosten (Hg.), edition chrismon, Frankfurt am Main 2008.
  • Protestantismus und europäische Kultur. Petra Bahr, Aleida Assmann, Wolfgang Huber und Bernhard Schlink (Hg.), Protestantismus und Kultur, Band 1, Gütersloh 2007.
  • Menschenwürde in der säkularen Verfassungsordnung. Petra Bahr und Michael Heinig (Hg.), Religion und Aufklärung 12, Tübingen 2006.
  • Fremde Orte. Die Kirche als Heterotopos in der Stadt. In: Im Auge des Flaneurs. Fundstücke zur religiösen Lebenskunst. Christentum und Kultur Bd. 11. David Plüss, Tabitha Walther, Adrian Portmann (Hg.), Zürich 2009, S. 77–84.
  • Europäer und Weltbürger. Gelehrsamkeit und Toleranz waren eine seltene Kombination zur Zeit der Religionskriege. In: Melanchthon. Das Magazin zu seinem 450. Todesjahr, Kirchenamt der EKD und Beauftragter der EKD in Wittenberg, Stephan Dorgerloh (Hg.), Frankfurt am Main 2009, S. 70–74.
  • Barmen I: Worauf hören? Die Kirche des Wortes und die Macht der Bilder. In: Begründete Freiheit. Die Aktualität der Barmer Theologischen Erklärung. Union Evangelischer Kirchen in der EKD, Martin Heimbucher (Hg.), Neukirchen 2009, S. 13–28.
  • Jetzt ist es raus. Die Beichte floriert – in den Medien. Das Fiese daran verweist auf das Nötige. In: zeitzeichen, 9/2009, S. 30–32.
  • Er steckt in jedem von uns. In: Die Macht des Bösen. In: Rheinischer Merkur, 5. März 2009, S. 7.
  • Kehrt das Heilige zurück? Religion in der Gegenwartskultur und ihre Herausforderung für religiöse Bildungsprozesse. In: Religious literacy und evangelische Schulen. Münster 2008, S. 43–51.
  • Eine Frage der Ehre. Verletzte Gefühle: Was darf die Kunst im Umgang mit Religion? In: zeitzeichen 8/2008, S. 47–49.
  • Vom Sinn öffentlicher Religion. In: Staatskirchenrecht oder Religionsverfassungsrecht? Ein begriffspolitischer Grundsatzstreit. H. M. Heinig / C. Walter (Hg.), Tübingen 2007, S. 74–89.
  • Schmuggelpfad der Bilder. Über die Beziehung zwischen Malerei, Kino und dem Christentum. In: epd-Film, 7/2007, S. 16–17.
  • Die Zeichensprache der Liebe. In: Publik Forum, 24/2006, S. 26.
  • Denkerin der Lücke. Hannah Arendt. In: zeitzeichen, 10/2006, S. 67–68.
  • Protestantische Theologie im Horizont der Kulturwissenschaften. In: Handbuch der Kulturwissenschaften Bd. 2. Paradigmen und Disziplinen. Friedrich Jaeger, Jürgen Straub (Hg.), Stuttgart 2004, S. 656–670.
  • Wiederkehr der Gotik. Die Lust der neuen Bürgerlichkeit am Religiösen. In: polar. Zeitschrift für politische Philosophie und Kultur, Ausgabe # 3, polarkreis e.V. (Hg.), 2007.
  • Orientierungsgewinne durch Lebenswissen. Über die religiöse Grammatik kultureller Bildung. In: politik und kultur. Zeitung des Deutschen Kulturrates, Berlin Sept./Okt. 2006, S. 6.
  • Gott verträgt Kritik. In: Rheinischer Merkur, 9. März 2006, S. 23.
  • Lasst die Kirchen im Dorf! Wie bürgerschaftliches Engagement Kirchen rettet. In: Magazin für Denkmalkultur in Deutschland, Tag des offenen Denkmals 9. September 2007, Deutsche Stiftung Denkmalschutz (Hg.), Bonn 2007, S. 14.
  • Die Kapelle der Versöhnung, Berlin. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2008, ISBN 978-3-89870-410-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.landeskirche-hannovers.de/evlka-de/presse-und-medien/nachrichten/2017/01/2017_01_25_3
  2. https://www.ekd.de/Bahr-Dr-Petra-13692.htm
  3. 2010 Eisenhower Fellow. 2010 Multi Nation Program. Rev. Dr. Petra BAHR (PDF-Datei, 56 kB; englisch)
  4. Daniel Kummetz: Insiderin gegen Intellektuelle, taz, 16. Juni 2011
  5. Kirsten Fehrs zur neuen Bischöfin gewählt (Memento vom 20. August 2011 im Internet Archive), NDR.de, 17. Juni 2011, abgerufen am 21. Juni 2011
  6. Michael Brinkmann: EKD-Kulturbeauftragte wechselt zur Konrad-Adenauer-Stiftung, Pressestelle der EKD, 2. Juni 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]