Gasterfeld

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Philippinendorf)
Wechseln zu: Navigation, Suche

51.3396472222229.1294694444444305Koordinaten: 51° 20′ 23″ N, 9° 7′ 46″ O

Gasterfeld
Stadt Wolfhagen
Höhe: 280–315,6 m
Einwohner: 392 (30. Jun. 2014)
Postleitzahl: 34466
Vorwahl: 05692

Gasterfeld, aus den Ortsteilen Philippinendorf und Schanze bestehend, ist ein nordwestlicher Stadtteil von Wolfhagen im Landkreis Kassel in Nordhessen.

Im Bereich der Ortschaft befanden sich von 1938 bis 1945 eine Munitionsanstalt der Luftwaffe (Lufthauptmunitionsanstalt Wolfhagen) und von 1960 bis 2008 die Pommernkaserne.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Gasterfeld liegt am Nordostrand des Langen Walds im Dreieck zwischen der Wolfhager Kernstadt im Südosten, dem südwestlich gelegenen Bühle (zu Bad Arolsen) und dem Wolfhager Stadtteil Viesebeck im Norden. Nördlich wird die Ortschaft, die sich am Westrand des Naturparks Habichtswald auf 280 bis 315,6 m ü. NN befindet, vom Viesebeckerbach passiert, nach Süden fällt die Landschaft zum Dusebach ab.

Gasterfeld besteht aus den örtlich etwas versetzten Siedlungen Philippinendorf (siehe hierzu Philippinenburg und -thal) und Schanze, die von der durch das Dorf führenden Bundesstraße 450 voneinander getrennt sind. Philippinendorf liegt südlich und Schanze nördlich dieser Straße, die Wolfhagen im Südosten und Landau (zu Bad Arolsen) im Westen miteinander verbindet.

Geschichte[Bearbeiten]

Der älteste Siedlungsplatz im Bereich der heutigen Ortschaft ist Philippinendorf, das im Jahr 1778 im Rahmen der Siedlungspolitik des hessischen Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Kassel von Siedlern aus dem Darmstädter Raum errichtet und nach Friedrichs II. Gattin Philippine von Brandenburg-Schwedt benannt wurde.

Im Rahmen der Aufrüstung der Wehrmacht durch das NS-Regime wählte die deutsche Luftwaffe 1938 das Gasterfelder Holz, einem Teil des Langen Walds, für den Bau einer Munitionsanstalt (kurz Muna) aus, der noch im gleichen Jahr begann. Zugleich wurde ein Gleisanschluss an die Bahnstrecke Volkmarsen–Vellmar-Obervellmar erstellt. Am Südwestrand der Schanze entstand eine Wohnsiedlung mit vier Häusern für Offiziere der Muna. Die Gesamtfläche der Muna betrug etwa 277 ha. Neben den Wohn- und Arbeitsbereichen wurde ein großer Teil dieser Fläche von rund 110 oberirdischen Bunkern zur Lagerung von Munition eingenommen.

Die Luftmunitionsanstalt Wolfhagen diente, wie alle Luftwaffen-Hauptmunitionsanstalten, vorwiegend zur Fertigung von Flakmunition. Hierfür waren eine Arbeitshausgruppe mit Hülsenreinigungsanlage und eine Vielzahl von Lagerhäusern und Werkstattgebäuden im Arbeitsbereich vorhanden. Das Personal der Muna bestand überwiegend aus zivilen Dienstverpflichteten und im Verlauf des Zweiten Weltkrieges zunehmend auch aus Zwangsarbeitern. Unmittelbar vor dem Herannahen amerikanischer Fronttruppen wurden ein Großteil der Bunker und andere Gebäude der Muna am 31. März 1945 von der sich zurückziehenden deutschen Wehrmacht gesprengt.

In den Nachkriegsjahren wurde ein Teil des Muna-Geländes entmunitioniert. Die erhaltenen Gebäude der Muna wurden für gewerbliche und Wohnzwecke genutzt. Ab 1948 wurden auf der Schanze weitere Häuser erbaut. Damit entstand in den 1950er-Jahren eine eigenständige Siedlung nördlich von Philippinendorf. Die sich abzeichnende Entwicklung der Muna zu einem zivilen Mischgebiet (vergleichbar anderen ehemaligen Munas) wurde mit der Aufstellung der Bundeswehr im Jahr 1956 jedoch beendet. Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurden Philippinendorf und Schanze im Jahr 1972 unter dem Namen Gasterfeld (nach einer mittelalterlichen Wüstung) zusammengefasst.

Bis 1960 entstand unter Nutzung verbliebener Gebäude der Muna die Pommernkaserne. Diese beherbergte bis zur Schließung am 30. Juni 2008 zunächst das Panzerbataillon 54 und die Panzerjägerkompanie 50, dann das Panzerbataillon 64 („Die Wölfe“). Bis zur Schließung war die Kaserne ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die nahegelegene Stadt Wolfhagen. Nach der Demilitarisierung sollen hier zukünftig eine Bildungseinrichtung und mehrere mittelständische Unternehmen angesiedelt werden.

Von der 1989 errichteten Grillhütte, die am Südrand des Ortsteils Schanze steht, kann man einen bemerkenswerten Blick über das Wolfhager Land genießen. Die Reservistenkameradschaft Wolfhagen, 1983 gegründet, besitzt ein eigenes Vereinshaus auf dem Gelände der ehemaligen Pommernkaserne. Ein 2001 gegründeter Verein „Zur Förderung der Dorfentwicklung und -Erneuerung“ hat sich zum Ziel gesetzt, einen Kinder- und Jugendfreizeitplatz in Eigenleistung zu errichten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Klinkhardt: Lufthauptmunitionsanstalt Wolfhagen LHMa 1/XII Wn: Geschichte und Gegenwart einer ehemaligen Munitionsfabrik, Wolfhagen 2004

Weblinks[Bearbeiten]