Pier (Inden)

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Koordinaten: 50° 51′ 46″ N, 6° 23′ 47″ O

Pier
Gemeinde Inden
Höhe: 106 m
Fläche: 9,06 km²
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 52459
Vorwahl: 02465
Karte
Lage von Inden-Pier im Rheinischen Braunkohlerevier
Ortsdurchfahrt Höhe Friedhof
Katholische Pfarrkirche
Feuerwehrhaus
Verlassenes Anwesen in Pier
Ortsausgang Richtung ehem. Inden (ehem. B56) im Jahr 2009

Pier war ein Ortsteil der Gemeinde Inden im Kreis Düren, Nordrhein-Westfalen.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Pier handelte es sich um ein Straßendorf auf der Echtzer Lößplatte in der niederrheinischen Bucht.

Der Ort lag an der ehemaligen B 56 von Inden nach Merken und der Landstraße von Lucherberg nach Schophoven. Pier gliederte sich in drei Teile: Das eigentliche Pier, das ursprünglich aus Pier und Bonsdorf bestand, sowie Pommenich am Ortsrand und Vilvenich an der Straße nach Merken. Alle drei fielen 2014 bis 2015 dem Braunkohletagebau Inden zum Opfer; allein das nahe Krauthausen gelegene Gewerbegebiet blieb verschont.

Die offizielle Ersatzsiedlung liegt in Jüngersdorf bei Langerwehe, erhebliche Teile der Bevölkerung haben sich jedoch auch in Schophoven und Lamersdorf niedergelassen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römische Siedlungen konnten schon nachgewiesen werden. Die ersten schriftlichen Quellen datieren von 873. In einer Urkunde wurde die Gründung des adligen Stiftes Gerresheim bestätigt. In dieser Urkunde hat die erste Äbtissin Regenberga sich die Kirche in Pier mit der Hälfte des Zehnten vorbehalten.

Im 14. Jahrhundert wurde Pier erstmals als Hauptort des Dingstuhles Pier-Merken erwähnt. Dieser Dingstuhl ist erst 1794, also während der französischen Besatzung des Rheinlandes, aufgelöst worden.[1]

Pier bestand bis 1806 aus zwei einzelnen Dörfern: Pier und Bonsdorf. Beide Orte hatten einen eigenen Pfarrbezirk mit Kirche und Friedhof. 1844 wurde die alte Bonsdorfer Kirche abgerissen; der Friedhof blieb jedoch bestehen. Beerdigt wurde hier noch bis 1947. Bonsdorf umfasste lediglich die spätere Bonsdorfer Straße und die Jakobstraße sowie Haus Pesch.

Ab 1908 war Pier Endpunkt der meterspurigen Bahnstrecke von Düren und Birkesdorf der Dürener Eisenbahn. 1927 wurde die Strecke bis Inden verlängert. Der Bahnverkehr wurde am 30. Juni 1965 endgültig eingestellt und durch eine Buslinie ersetzt. Zuletzt verkehrte die Linie 216 der Dürener Kreisbahn mindestens im Stundentakt zwischen Düren und Inden.

Am 1. Januar 1972 wurde Pier nach Inden eingemeindet.[2] Eine kleine Fläche mit damals nur fünf Einwohnern wurde in die Gemeinde Niederzier umgegliedert.[3]

Aufgrund der geplanten Beanspruchung durch den Tagebau, der sich von Nordwesten auf den Ort zubewegte, begann am 1. März 2005 die Umsiedlung.[4] Zuvor waren bereits die Nachbarorte Inden und Altdorf umgesiedelt und zu diesem Zeitpunkt bereits zum Teil abgerissen worden. Von 1291 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2005) sank die Einwohnerzahl auf 486 (Stand 30. Juni 2008). Im Mai 2010 wohnten nur noch 50 bis 70 Personen im sterbenden Ort.

Am 20. Dezember 2013 wurden die Zufahrtswege sowie die Straßen und Wege im Ort entwidmet, sodass er nicht mehr erreichbar war. Anschließend erfolgte der vollständige Rückbau.[5] Der Tagebau erreichte die ehemalige Ortslage im Jahr 2014; alle Gebäude wurden bis dahin abgerissen.[6]

Bedeutende Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Pier befand sich die römisch-katholische Pfarrkirche St. Mariä unbefleckte Empfängnis, eine ehemalige Synagoge sowie die Herrenhäuser Haus Pesch und Haus Verken.

→ siehe auch Liste der Baudenkmäler in Inden (Rheinland)

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Pier geborene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.inden.de/allgemeines/ortschaften/Pier.php (abgerufen am 15. August 2014)
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 306.
  3. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 62.
  4. Rahmendaten der Umsiedlung auf den Seiten des Tagebaubetreibers: http://www.rwe.com/web/cms/de/1140314/umsiedlung/meine-umsiedlung/pier/rahmendaten/
  5. Tagebau Inden: Rückbau der Landesstraße L 12 zwischen Lucherberg und Krauthausen beginnt auf den Seiten von RWE Power vom 6. Dezember 2013, abgerufen am 14. April 2014
  6. Ein Dorf verschwindet – Teil 1 auf rtl-west.de vom 2. Januar 2015, abgerufen am 19. Januar 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pier (Inden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien