Plav (Montenegro)

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Plav
Плав
Wappen von Plav (Montenegro)
Plav (Montenegro) (Montenegro)
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Basisdaten
Staat: Montenegro
Koordinaten: 42° 36′ N, 19° 57′ O42.59555555555619.945945Koordinaten: 42° 35′ 44″ N, 19° 56′ 42″ O
Höhe: 945 m. i. J.
Fläche: 486 km²
Einwohner: 3.615 (2003)
Bevölkerungsdichte: 7 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+382) 051
Kfz-Kennzeichen: PL
Struktur und Verwaltung
Bürgermeister: Orhan Šahmanović (DPS)
Webpräsenz:

Plav (serbokroatisch für „blau“; kyrillisch Плав, albanisch Plava resp. Plavë, deutsch veraltet Plaugratz) ist eine Kleinstadt mit etwa 3600 Einwohnern im Osten Montenegros. Die Gemeinde Plav, zu der auch der Ort Gusinje gehört, hatte gemäß Volkszählung 2011 13.108 Einwohner.

Bekannt ist der Ort für den See Plavsko jezero, der die Grundlage für den lokalen Tourismus ist. Am See findet man Strände und einige Hotels für Sommergäste. Auf dem See lassen sich auch Wassersportarten ausüben. Die Stadt wird von der Gebirgskulisse des Prokletije eingerahmt. Die Bergwelt eignet sich gut für Wanderungen und ist als Nationalpark Prokletije geschützt.

Auf dem Gebiet von Plav besteht teilweise Minengefahr.[1]

Bevölkerung[Bearbeiten]

In der Stadt, die sich nur einige Kilometer von der albanischen Grenze befindet, machen die Muslime etwa zwei Drittel der Bevölkerung aus. Daneben gibt es eine bedeutende christliche Minderheit.

Zur Volkszählung von 2011 hatte die Gemeinde Plav 13.108 Einwohner, von denen sich 6.803 (51,9 %) als Bosniaken, 2.475 (18,88 %) als Albaner, 2.098 (16,01 %) als Serben, 822 (6,27 %) als Montenegriner und 727 (5,55 %) als ethnische Muslime bezeichneten. Daneben leben in der Gemeinde noch weitere kleinere Bevölkerungsgruppen.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis 1912 und den Balkankriegen gehörte der Sandschak Novi Pazar zum Osmanischen Reich. Nachdem infolge des Berliner Kongress im Jahr 1878 Montenegro Gebietsansprüche auf Plav und Gusinje erhoben hatten, besetzten albanische Truppen der Liga von Prizren unter Führung des lokalen Herrschers Ali Pascha Gucia. In der Schlacht von Nokšić im Dezember 1879 und im Januar 1880 erlitt die montenegrinische Armee – auch von russischen Truppen unterstützt – zwei schwere Niederlagen.[2] Die Einwohner von Gusinje konnten so bis zum Zusammenbruch des Osmanischen Reichs erfolgreich verhindern, dass das Gebiet an Montenegro abgetreten wurde. Plav wurde 1913 im Frieden von London endgültig Montenegro zugesprochen. Ein Schweizer beschrieb den Ort von seiner Reise im Jahr 1914 folgendermaßen:

„In dieser ausgedehnten Mulde liegen die beiden Städte Gussinje im Westen mit etwas 1500 Einwohnern und Plawa im Osten, das ungefähr 400 Häuser und vor dem Krieg etwa 2000 Einwohner zählte. Infolge der neuen Herrschaft sind viele Einheimischen ausgewandert, so daß nunmehr bloß noch etwa 400–700 Menschen Zivilbevölkerung verbleiben (die mir gewordenen Angaben schwanken …), wozu ein Bataillon Infanterie und eine Abteilung Artillerie hinzukommen, die in einer schadhaft gewordenen türkischen Kaserne untergebracht sind. … Eine während des Krieges zum Teil zerstörte serbische Kirche vor der Stadt beweist, daß die Bevölkerung nicht ausschließlich dem Islam huldigt. Die Stadt selbst dagegen … zeigt völlig türkisches Gepräge: Wachthäuser am Eingang, entsetzlich holprige Pflastersteine, Moscheen und Minarets, Turbane und verschleierte Weiber, hölzerne Bazare und die hübschen Landhäuser einiger reichen Großgrundbesitzer. Das Telephon haben die Montenegriner eingerichtet, ebenso eine kleine Schenke, die dem Militär und den Reisenden als Versammlungsort dient. Ein Gasthaus besteht zur Zeit noch nicht.“

Dr. C. Täuber, 1914[3]

Bilder[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Plav – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reisehinweise Montenegro. In: Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten. 12. März 2013, abgerufen am 5. Februar 2014.
  2.  Karl Kaser: Hirten, Kämpfer, Stammeshelden: Ursprünge und Gegenwart des balkanischen Patriarchats. Wien 1992, ISBN 9783205055457.
  3. C. Täuber: Meine Durchquerung der nordalbanischen Alpen im April 1914, in: Jahrbuch des Schweizer Alpenclub, 50. Jahrgang 1914 und 1915, Verlag des Schweizer Alpenclub, Bern 1916