Próspera

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Próspera
Próspera (Honduras)
Próspera
Próspera auf der Karte von Honduras
Koordinaten 16° 22′ 15″ N, 86° 28′ 7″ WKoordinaten: 16° 22′ 15″ N, 86° 28′ 7″ W
Basisdaten
Staat Honduras
Departamento Islas de la Bahía
Detaildaten
Vorwahl (+504)
Zeitzone UTC−6

Próspera ist eine Sonderwirtschaftszone auf der Insel Roatán in dem mittelamerikanischen Staat Honduras. Die Stadt soll einen quasi unabhängigen Stadtstaat mit privater Regierung und eigener steuerlicher, regulatorischer und rechtlicher Architektur bilden.[1][2] Geplant ist eine ganze Reihe solcher Siedlungen nach einem gemeinsamen Modell namens ZEDE, welches in der Verfassung Honduras verankert ist.

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Próspera soll eine privat verwaltete Stadt mit moderner Infrastruktur werden. Die ursprüngliche Fläche der Stadt beträgt 58 Acres (entspr. 23,5 ha) auf der Touristeninsel Roatán in der Karibik und soll später durch Landkäufe erweitert werden. Auch Gebiete auf dem Festland von Honduras sollen später als Exklaven Teil von Próspera werden können. Verwaltet wird das Projekt von dem privaten Unternehmen Honduras Próspera Inc., welche von Pronomos Capital finanziert wird. Pronomos Capital wurde von dem Anarchokapitalisten Patri Friedman gegründet und Peter Thiel gehörte zu den Investoren in Pronomos.[3] In Próspera soll es deutlich einfacher sein ein Unternehmen zu gründen, und es soll eine Flat Tax von 10 % gelten. Die Siedlung soll eine eigene rechtliche und regulatorische Struktur aufweisen und von den Gesetzen von Honduras quasi unabhängig sein, sowie expandieren können. Vorbild sind dabei erfolgreiche Sonderwirtschaftszonen wie Shenzhen in der Volksrepublik China oder Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Bewohner müssen den sozialen Kontrakt der Stadt unterschreiben und eine Gebühr entrichten, wenn sie in Próspera leben wollen, welche bei 260 US-Dollar für Einheimische und bei 1300 US-Dollar für Ausländer liegt.[4] Soziale Dienstleistungen wie Gesundheit und Bildung sollen privatisiert werden und aus Steuern, Gebühren und den Verkäufen von Land an neue Bewohner und Investoren finanziert werden. Es können auch virtuelle Residenzen an Personen verkauft werden, welche hier Unternehmen registrieren können und von der lokalen steuerlichen und regulatorischen Struktur profitieren möchten.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grundlage für das Projekt als ZEDE (Deutsch: „Zonen für Arbeit und wirtschaftliche Entwicklung“) wurde 2011 unter Präsident Porfirio Lobo Sosa gelegt, allerdings 2012 von dem Obersten Gerichtshof von Honduras für ungültig erklärt, da es die nationale Souveränität von Honduras verletzten würde. Daraufhin wurde ein modifizierter Plan von dem Obersten Gerichtshof genehmigt, nachdem die Richter vorher ausgetauscht wurden.[1] Der US-amerikanischen Ökonom Paul Romer war anfangs an dem Projekt beteiligt, schied allerdings bald darauf aus.

Anfang 2021 wurden die ersten Gebäude der Stadt errichtet. Am Design der Wohnungen ist der deutsche Architekt Patrik Schumacher beteiligt.[4]

Regierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt soll von einem Rat aus neun Mitgliedern regiert werden, von denen drei von den Einwohnern gewählt werden, zwei von den Landbesitzern in Abhängigkeit der Größe des Landes und vier von der Honduras Próspera Inc. ernannt werden.[5] Beschlüsse sollen dabei mit einer Mehrheit von zwei Dritteln gefällt werden, was der Honduras Próspera Inc. ein Veto verschafft. Die Stadt wird zwar dem Strafjustizsystem von Honduras unterstehen, allerdings über ein eigenes Zivilrecht verfügen.[4]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritisiert wird an dem Projekt die Intransparenz bei der Durchführung. Es handelt sich um ein Großprojekt ausländischer Investoren, bei dem einheimische Gesetze quasi außer Kraft gesetzt werden. Bei der Errichtung und möglichen Erweiterung der Stadt wird auch befürchtet, dass es zur Enteignung der lokalen Bevölkerung und Menschenrechtsverletzungen kommt.[1]

Die Anthropologin Beth Geglia kritisiert, dass Mitbestimmung für die lokale Bevölkerung nicht vorgesehen sei.[6]

Die Technische Universität München zog sich aufgrund von Bedenken hinsichtlich Menschenrechten von einer Kooperation mit dem Projekt zurück.[7]

Der links-liberale Blogger Scott Alexander setzte sich mich Argumenten für und wider auseinander. Alexander betont, dass bei aller Kritik Prospera immer noch eine winzige Fläche ist, um einen Versuch zu starten, es besser zu machen als auf dem Festland: "Wenn du ein gewöhnlicher Einwohner Honduras wärst mit einem Einkommen von $1.300 im Jahr, einem mittleres Risiko ermordet zu werden, und einer Regierung die manchmal dein Land nimmt und dich tötet wenn es dir nicht gefällt - wolltest du nicht die Option haben nach Prospera auszuwandern? (...) Die Menschen, die Statismus, Ultra-Nationalismus und den Status Quo mögen haben eine ganze Welt (...) Die Prosperaner wollen 58 Acres Land um etwas anderes auszuprobieren."[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Sonderwirtschaftszonen in Honduras - Die Neuerfindung der Bananenrepublik. Abgerufen am 18. April 2021 (deutsch).
  2. A Private Tech City Opens for Business in Honduras. In: Bloomberg.com. 27. März 2021 (bloomberg.com [abgerufen am 18. April 2021]).
  3. Current Affairs, Economics, Law: A new charter city effort, Pronomos Capital, with venture capital. 20. Dezember 2019, abgerufen am 18. April 2021 (amerikanisches Englisch).
  4. a b c d e Scott Alexander: Prospectus On Próspera. Abgerufen am 18. April 2021.
  5. A Private Government in Honduras Moves Forward. Abgerufen am 15. Oktober 2022 (englisch).
  6. amerika21: Honduras: Privates Paradies. 6. Januar 2021, abgerufen am 15. Oktober 2022.
  7. Beth Geglia - A Munich University partner withdraws from the Próspera ZEDE. Abgerufen am 18. April 2021.