Cato Institute

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Cato Institute

Das Cato Institute ist eine der einflussreichsten ökonomisch-politischen Denkfabriken der USA. Es wurde von Edward H. Crane, Murray Rothbard und Charles G. Koch 1977 in San Francisco gegründet und hat eine libertär-minimalstaatliche Ausrichtung. Das Cato Institute hat seinen Sitz in Washington, D.C.

Politische Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Podiumsdiskussion im Rayburn House Office Building (Capitol Hill), 18. August 2014

Das Cato Institute sieht sich in der Tradition eines klassischen Liberalismus. Der Selbstauftrag der Denkfabrik ist, politische Debatten zu fördern, die Werte wie individuelle Freiheit, freie Marktwirtschaft, Minimalstaat und Frieden berücksichtigen:

„The mission of the Cato Institute is to increase the understanding of public policies based on the principles of limited government, free markets, individual liberty, and peace. The Institute will use the most effective means to originate, advocate, promote, and disseminate applicable policy proposals that create free, open, and civil societies in the United States and throughout the world.“[1]

Es setzt sich für weniger Staat, geringe Steuern und mehr individuelle Freiheit ein.[2] Ideologisch steht es insbesondere Friedrich Hayek nahe, bezieht sich aber ebenfalls auf die Theorien von Ayn Rand und Robert Nozick. National vertritt das Cato Institute wirtschaftsliberale Positionen, unter anderem in Bezug auf Kindererziehung, Arbeitsrecht, nationale Sicherheit und Tabakkonsum. Von vielen Regierungen wird es als stärkster Verfechter der Privatisierung der Sozialen Sicherheit betrachtet.[3] International setzt sich die Denkfabrik stark für Freihandel ein, lehnt aber die Unterstützung von Entwicklungsländern durch Weltbank und Internationalen Währungsfonds ab.[3]

Auch gesellschaftspolitisch vertritt die Denkfabrik libertäre Positionen und stellt persönliche Freiheiten in den Vordergrund, insbesondere den Schutz vor staatlichen Eingriffen in Freiheitsrechte. Daneben setzt sich die Denkfabrik für soziale Freiheiten wie sexuelle Unabhängigkeit ein und verurteilt den "Krieg gegen Drogen". Zudem wurde der Irakkrieg abgelehnt.[3]

Staatlich verordnete Umweltschutzmaßnahmen lehnt die Denkfabrik ab, da Privatpersonen und Unternehmen in Sachen Umweltschutz automatisch das Richtige tun würden, wenn keine staatlichen Maßnahmen existieren würden. Das bei der Bekämpfung von Umweltverschmutzung geltende Verursacherprinzip lehnt das Cato Institute genauso ab wie das Prinzip der Nachhaltigen Entwicklung.[2]

Von Kritikern wird das Cato Institute als Frontgruppe betrachtet, die sich für die wirtschaftliche Interessen von Unternehmen und Stiftungen einsetzt, die von der Deregulierung profitieren wollen.[3] Laut der Amerikanistin Eva Schweitzer tritt die Denkfabrik für „weniger Steuern, weniger Wohlfahrt und weniger Umweltschutz“ ein.[4]

Umweltprobleme, insbesondere der menschengemachte Klimawandel, werden vom Cato Institute oft generell in Zweifel gezogen. Unter anderem werfen Wissenschaftler dem Cato Institute selektives Zitieren und Falschbehauptungen vor.[5] Demnach spielt das Cato Institute gemeinsam mit anderen konservativen Think Tanks wie dem Competitive Enterprise Institute, dem Heartland Institute und dem George C. Marshall Institute eine entscheidende Rolle in den Versuchen, die Existenz der menschengemachten Globalen Erwärmung durch gezielte Angriffe auf die Klimawissenschaft abzustreiten.[6][7]

Die Sozialwissenschaftler Dieter Plehwe und Bernhard Walpen führen das Cato Institute in einer Liste von 93 neoliberalen Denkfabriken mit direkter Beziehung zu Mitgliedern der Mont Pelerin Society (MPS), wobei unter „direkter Beziehung“ verstanden wird, dass mindestens ein MPS-Mitglied in einer offiziellen Funktion tätig ist oder/und die Denkfabrik (mit)gegründet hat.[8] Sowohl Edward Crane als auch Murray Rothbard und Charles Koch sind bzw. waren Mitglieder der MPS.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Geldgebern zählen laut FAIR die Tabakindustrie, die Pharmaindustrie, Energiekonzerne, Wall-Street-Banken und auch Volkswagen.[4]

Im Einzelnen nennt der Jahresbericht des Instituts für 2012/2013 als Unternehmenssponsoren außerdem AltriaGroup, BB&T, Caterpillar Inc., eBay, Facebook Inc., Google Inc., Mazda North America, Metlife, National Association of Broadcasters, Reynolds American, Southern Company Services, Verisign und Whole Foods Market [9]. Genannt werden dort Unternehmen, die mehr als 5.000 US-Dollar gespendet haben. Insgesamt machten Unternehmensspenden 493.000 USD und damit 2,23 % der Jahresgesamteinnahmen aus. Von Einzelpersonen stammen danach 82,44 % der Einnahmen.

Das Center for Global Development attestierte dem Cato Institute 2013 eine Sichtbarkeit gleich hinter Heritage Foundation und der Brookings Institution, wobei diese Denkfabriken jedoch ein beinahe viermal höheres Budget haben.[10]

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut ist nach Catos Briefen benannt, einer Reihe von John Trenchard und Thomas Gordon verfasster, anonym publizierter Essays aus dem frühen 18. Jahrhundert, die sich mit der Philosophie John Lockes beschäftigen. Die Verfasser benannten ihre Essays nach Cato dem Jüngeren, einem Verteidiger republikanischer Institutionen im antiken Rom. Die insgesamt 144 Essays wurden zunächst im London Journal, später im British Journal veröffentlicht. Sie verurteilten Tyrannei und warben für Gewissens- und Redefreiheit. Sie trugen damit wesentlich zur Verbreitung grundlegender Gedanken bei, die John Locke formuliert hatte.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Cato Institute gibt die Periodika Cato Journal, Regulation, Cato Supreme Court Review und Cato Policy Report heraus. Daneben erschienen z. B. folgende Monografien: Social Security: The Inherent Contradiction; In Defense of Global Capitalism; Voucher Wars; You Can't Say That!; Peace and Freedom: A Foreign Policy for a Constitutional Republic; Restoring the Lost Constitution oder Reclaiming the Mainstream: Individualist Feminism Reconsidered. Von 1977 bis 1984 wurde das Inquiry-Magazin herausgegeben. Bis 2013 publizierte das Cato Institute zudem mindestens fünf Bücher, deren Zweck es war, die Klimaforschung zu attackieren und gezielt Zweifel an der menschengemachten globalen Erwärmung zu säen.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cato Institute: About Cato
  2. a b Debra A. Schwartz, Cato Institute, in: Matthew Lindstrom (Hrsg.), Encyclopedia of the US Government and the Environment. History, Policy and Politics, Band 1. ABC-CLIO 2011, S. 173f.
  3. a b c d Lori Verstegen Ryan, Cato Institute, in: Robert W. Kolb (Hrsg.), Encyclopedia of Business Ethics and Society, Band 1. Sage Publications 2008, S. 269f.
  4. a b Eva C. Schweitzer: Tea Party – Die weiße Wut. Was Amerikas Neue Rechte so gefährlich macht. Deutscher Taschenbuch Verlag, 2012, S. 164.
  5. Douglas Fischer, The Daily Climate: Fake Addendum by Contrarian Group Tries to Undo U.S. Government Climate Report. In: Scientific American. 22. Oktober 2012, archiviert vom Original am 4. Februar 2015; abgerufen am 3. Februar 2015.
  6. Eric Bonds: Beyond Denialism: Think Tank Approaches to Climate Change. In: Sociology Compass. Band 10, Nr. 4, 2016, S. 306–317, hier 311, doi:10.1111/soc4.12361.
  7. Riley E. Dunlap, Aaron M. McCright: Organized Climate Change Denial, in: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg.). The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford University Press 2011, S. 144–160, insb. 149.
  8. Dieter Plehwe & Bernhard Walpen: Buena Vista Neoliberal? In: Klaus-Gerd Giesen: Ideologien in der Weltpolitik, VS-Verlag, 2004, S. 49–88.
  9. CATO Annual Report 2012. S. 37; abgerufen am 3. Februar 2015 (PDF; 11,5 MB).
  10. Cato Tops New CGD Index of Think Tank Profile. In: Internetpräsenz des Center for Global Development (cgdev.org). Abgerufen am 4. Februar 2015.
  11. Riley E. Dunlap and Peter J. Jacques: Climate Change Denial Books and Conservative Think Tanks: Exploring the Connection. In: American Behavioral Scientist. Band 57, Nr. 6, 2013, S. 699–731; hier S. 707., doi:10.1177/0002764213477096.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 38° 54′ 12″ N, 77° 1′ 35″ W