Preussische Spirituosen Manufaktur

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Das Biotechnologiezentrum Berlin, Sitz der Preussischen Spirituosen Manufaktur

Die Preussische Spirituosen Manufaktur (PSM) ist eine Manufaktur für Spirituosen- und Likör-Herstellung im Berliner Ortsteil Wedding und aktives Museum der Versuchs- und Lehranstalt für Spiritusfabrikation (VLSF).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1854: Entwicklung von Vereinen und Forschungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel für Ulf Stahl, Seestraße 13 in Berlin-Wedding
Denkmal für Max Delbrück vor dem aktuellen Zugang zur PSM

Am 19. Juni 1854 gründeten 127 Vertreter nord- und ostdeutscher Kartoffelbrennereien in Berlin den Verein der Spiritusfabrikanten in Deutschland. Neben der Herausgabe einer eigenen Zeitschrift wurde am 28. September 1874 eine Versuchsstation unter Leitung von Max Delbrück in Betrieb genommen, deren Räumlichkeiten ursprünglich im Bereich zwischen Invaliden- und Dorotheenstraße lagen. Hinzu kam 1874 auch die Gründung eines eigenen Forschungsinstituts, dem Institut für Gärungsgewerbe und Stärkefabrikation, an dem sich später weitere Gesellschafter wie die 1883 gegründete Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei (VLB) beteiligten. Im Jahr 1876 wurde eine Glasbläserei errichtet, um für die Versuchsstation und das Institut benötigte Laborgeräte und Gefäße selbst herstellen zu können.

Eine in Biesdorf bereits bestehende Brennerei konnte 1879 von Delbrück gepachtet und für Versuchszwecke ausgebaut werden. Hauptgegenstand der technologischen Entwicklungen waren Verbesserungen bei der Herstellung von Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs.

Ein Neubau auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Hochschule erweiterte 1884 die Laboratorien. 1888 eröffnete der Verein eine Kartoffelkulturstation und gründete 1892 eine Hefereinzuchtanstalt.

Im Gutsbezirk Plötzensee wurden 1897 Neubauten speziell für die Bedürfnisse der VLSF und der mit ihr kooperierenden Einrichtungen geschaffen. Zu diesen Einrichtungen gehörten die VLB sowie insbesondere die Versuchsanstalt für landwirtschaftliche Maschinentechnik, der Verein der Stärkeinteressenten in Deutschland, die Versuchsanstalt des Vereins Deutscher Kartoffeltrockner,[1] die Versuchsanstalt der Hefeindustrie, die Versuchsanstalt der Getreidebrennerei und die Versuchsanstalt der Essigfabrikanten.[2] Hinzu kamen auf diesem Wissenschaftscampus zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Institut für Zuckerindustrie, das Preußische Institut für Infektionskrankheiten und weitere Einrichtungen. Auf dem Gelände an der Seestraße wurden auch eine Versuchsbrennerei und eine Versuchsessigfabrik errichtet sowie 1901 ein großes Ausstellungsgebäude. Zwischen 1907 und 1909 kamen weitere Stationen für die Trinkbranntwein- und Likörfabrikation hinzu.

Am 3. September 1939 wurde der Name des Vereins auf Versuchs- und Lehranstalt für Spiritusfabrikation in Berlin (VLS) geändert.

Am 25. Juni 1971 beschloss die Mitgliederversammlung die Erweiterung des Namens auf Versuchs- und Lehranstalt für Spiritusfabrikation und Fermentationstechnologien in Berlin (VLSF). Infolge der Aufgabenerweiterung wurde ein Neubau nötig, der von 1973 bis 1976 für das von der VLSF unterhaltene Forschungsinstitut für Biotechnologie im Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie (IfGB) errichtet wurde. Das IfGB war bis 2002 als BGB-Gesellschaft der drei Gesellschafter VLB, VLSF und VH organisiert und wird seitdem allein von der VLB betrieben.

Im Hinblick auf die sich abzeichnende Aufhebung des Branntweinmonopols wurde 2001 der Brennereibetrieb des VLSF eingestellt und der Verein löste sich 2002 unter Durchführung eines Insolvenzverfahrens auf, bei dem die Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei alle Aktiva übernahm.

Versuchslikörfabrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der Dorotheenstraße wurde auch eine Versuchslikörfabrik betrieben, deren Produkte unter der Marke Preussische Spirituosen Manufaktur vertrieben wurden. Die hierfür gegründete GmbH setzte nach der Auflösung der VLSF ihre Tätigkeit fort, musste aber 2005 Konkurs anmelden. Um den Betrieb der Anlagen nicht vollständig aufzugeben, übernahm die als VLB-Dienstleister bereits bestehende Höbbel & Pukownick GmbH die Weiterführung. Die Produktion wurde von dem emeritierten TU- und IfGB-Professor Ulf Stahl und dem Diplom-Hotelier Gerald Schroff organisiert. 2009 wurde von der Höbbel & Pukownick GmbH der PSM-Bereich wieder ausgegliedert und an die Schroff & Stahl GbR übergeben.[3] Nach den Zerstörungen infolge des Zweiten Weltkriegs wurde eine neue Versuchslikörfabrik im Gebäuderest der Alten Mälzerei eingerichtet, die durch die VLSF auf der Vorder- und Rückseite auch neu verklinkert wurde.[4] Die Produktion der Versuchslikörfabrik wurde erst in den 1950er Jahren durch den Einsatz von Ernst Dobislaw (1903–1984)[5] wieder möglich.[6]

Panorama des Inneren der ersten Etage

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die neue Brennanlage

1875 war eine Brennereischule zur Ausbildung von Brennereibetriebsleitern eröffnet worden. Die Versuchsstation diente zur Ausbildung und Qualifizierung der gesamtdeutschen Brenner und Destillateure. In Kooperation mit der Landwirtschaftlichen Hochschule wurde ab 1903 ein Studiengang zum Diplom-Brennermeister eingerichtet. Seit 1908 boten beide auch einen Studiengang zum Diplom-Brennereiingenieur an;[7] ab 1933 kam das Promotionsrecht hinzu.[8]

Die Brennerausbildung erfolgte bis zur Einstellung des eigenen Brennereibetriebes im Jahr 2001, soll aber wieder aufgenommen werden.[9] Weitergeführt wird seitdem aber die Ausbildung der Destillateure; das IfGB nutzt in Kooperation mit der IHK Berlin die Räumlichkeiten der VLSF/PSM für die Prüfungen zum Destillateurmeister. Dies ist die einzige derartige Qualifizierungs­möglichkeit in Deutschland.

Im Mai 2017 schloss die VLB mit den beiden Betreibern der PSM, Ulf Stahl und Gerald Schroff, einen langfristigen Kooperationsvertrag, um die Aus- und Weiterbildung von Brennern und Destillateuren zu verbessern und zu sichern. Dazu wird auch wieder eine Brennerei eingerichtet.[9]

Die neue Brennanlage von der Firma Arnold Holstein wurde im Mai 2019 installiert.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klarer und Adler Dry Gin

Die Manufaktur beruft sich auf die erste Gründung einer Brennerei in Verantwortung von Max Delbrück und nahm dessen Likör- und Spirituosen-Marken in ihr Sortiment wieder auf.[10]

Adler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Adler Spirituosen waren die erste eigenständige Spirituosenmarke, die insbesondere durch Adler Gin[11] und Kornbrände bekannt geworden ist.

Im 20. und 21. Jahrhundert kamen mit Adler Wodka, dem Kurfürstlichen Magenbitter, Waldhimbeergeist etc. weitere Destillate sowie viele unterschiedliche Liköre wie Senf-, Ingwer-, Holunder- und Eierlikör auf den Markt.[12] Außerdem gibt es den Adler-Gin in von der KPM hergestellten[13] Porzellan-Flaschen, die von der Designerin Trude Petri in den 1950er Jahren kreiert worden war.[14]

Das Korn und Sanssouci-Liköre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sanssouci-Liköre

In Kooperation mit der PSM betreibt Theo Ligthart seit 2008 das Kunstprojekt Das Korn.

Unter der Wortmarke Sanssouci werden Rosen-, Quitten-, Holunderblüten- und andere Aromen aus der eigenen Destillerie zu Likören verarbeitet.[15] Auf den Etiketten der Likörserie sind Zeichnungen der Bachantinnen von der Fassade des Schlosses Sanssouci zu sehen.[16]

Michelberger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kooperation mit der Michelberger-Hotelkette[17] werden ein Kräutergeist und ein Kräuterlikör hergestellt und vertrieben.[18]

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panorama mit Brenn- und Destillationsanlagen aus drei Jahrhunderten

Eine Vielzahl an Gerätschaften sind noch im Originalzustand von 1874 erhalten,[19] darunter auch die Drogenduftorgel. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Duft- und Geschmacksstoffen aus Blüten, Kräutern, Wurzeln, Rinden und Samen, die für die Spirituosenherstellung genutzt werden. Weitere Originalgeräte aus der Geschichte der VLSF, wie z. B. der Vakuumdestillierapparat von 1952 kommen hinzu. Alle musealen Einrichtungsgegenstände befinden sich in einem betriebsbereiten Zustand und werden sowohl für den Manufakturbetrieb als auch für Ausbildungszwecke benutzt.

Führungen durch das Preussische Spirituosen Museum werden für Gruppen angeboten.[20]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 125 Jahre Versuchs- und Lehranstalt für Spiritusfabrikation und Fermentationstechnologie in Berlin 1857–1982 – Festschrift. Versuchs- und Lehranstalt für Spiritusfabrikation und Fermentationstechnologie: Berlin 1982[21]
  • 100 Jahre Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie zu Berlin 1874 bis 1974, Herausgeber: 1. Versuchs- und Lehranstalt für Spiritusfabrikation und Fermentationstechnologie in Berlin, 2. Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin und 3. Versuchsanstalt für Hefeindustrie e. V.; Berlin (1974)
  • Georg Foth: Handbuch der Spiritusfabrikation; Kartoffel-, Getreide- und Melassebrennerei und anderer Zweige der Spiritusindustrie – nebst Spiritus-Rektifikation. Für Brennereibesitzer, Brennerei-Ingenieure und fortgeschrittene Brennereibetriebsleiter. Verlag Paul Parey: Berlin 1929

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Preussische Spirituosen Manufaktur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe Jahrbuch des Vereins der Spiritus-Fabrikanten in Deutschland, des Vereins der Stärke-Interessenten in Deutschland und des Vereins Deutscher Kartoffeltrockner. 9. Jg. 1909, S. 208–214. Verlagsbuchhandlung Paul Parey: Berlin 1909
  2. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Ausschreibung: Neubau des Ausbildungszentrums der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei, Juli 2009 S. 36
  3. Schnapsmanufaktur – Gurus des Gärens. In: Der Tagesspiegel.
  4. 125 Jahre VLSF, S. 35.
  5. Der Destillateurmeister. Eine Informationsschrift der Vereinigung der Destillateurmeister. Nr. 36, Heilbronn April 1984.
  6. Josef Hausen: Komponisten für Zunge und Gaumen. Berliner Wissenschaftler erforschen den guten Tropfen.
  7. Ausbildungszentrum Ausschreibung
  8. Luitgard Marschall: Im Schatten der chemischen Synthese: industrielle Biotechnologie in Deutschland (1900–1970) Campus Verlag, 2000 ISBN 3-593-36585-5, S. 66.
  9. a b VLB Berlin und preussische Spirituosen-Manufaktur besiegeln langfristige Kooperation (Memento des Originals vom 25. Juni 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vlb-berlin.org
  10. Handwerk befriedigt eine Sehnsucht. In: Berliner Abendblatt, 2018.
  11. Adlergin
  12. Eierlikör aus Berlin
  13. David Metz: Preußische Spirituosen Manufaktur. Der Gin im Bauhausstil. Auf: mixology.eu
  14. Gin aus KPM-Flaschen
  15. Sanssouci-Liköre auf www.psm.berlin
  16. Sanssouci-Liköre
  17. Traumberuf Destillateur bei der Preussischen
  18. Michelberger Kräuterspirituosen
  19. [1]
  20. Museumsangebote
  21. http://www.adlerberlinspirits.de/geschichte

Koordinaten: 52° 32′ 43″ N, 13° 20′ 37″ O