Max Delbrück (Chemiker)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Max Delbrück

Max Delbrück (* 16. Juni 1850 in Bergen auf Rügen; † 4. Mai 1919 in Berlin) war ein deutscher Agrikulturchemiker und Bakteriologe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Delbrück entstammte der in Preußen hochangesehenen Delbrück-Familie von Gelehrten und Staatsdienern und war ein jüngerer Bruder des Historikers Hans Delbrück. Der Biophysiker und Nobelpreisträger Max Delbrück war sein Neffe.

Delbrück studierte Chemie in Berlin und Greifswald. Er war Mitglied des Berliner RSC-Corps Cimbria.

Delbrück-Denkmal vor der Preussischen Spirituosen Manufaktur

Delbrück war Assistent von Max Maercker, Ordinarius für Agrikultur-Chemie an der Universität Halle und dort Leiter einer landwirtschaftlichen Versuchsanstalt, als ihm 1874 die Leitung der Versuchsanstalt des Verbandes der Spirituosenfabrikanten Deutschlands (VLSF) in Berlin übertragen wurde. 1883 übernahm er auch die Leitung der neugegründeten Versuchs- und Lehranstalt für das Brauereiwesen (VLB). Außerdem übernahm er von 1884 bis zu seinem Tod das Institut für Gärungsgewerbe. Er errichtete eigene Versuchs- und Lehranlagen der VLSF und der VLB. 1885 gründete er die Maschinentechnische Abteilung und 1903 den Studiengang zum Dipl.-Braumeister. 1899 wurde er ordentlicher Professor an der Landwirtschaftlichen Hochschule und 1892 zum Mitglied der Gelehrtengesellschaft Leopoldina gewählt.

Seit 1877 war Delbrück Mitglied des Deutschen Patentamts. Er gab mit Max Maercker[1] die Zeitschrift für Spiritusindustrie[2], mit Friedrich Hayduck[3] die Tageszeitung für Brauerei mit der wissenschaftlichen Beilage Wochenschrift für Brauerei heraus.

Delbrücks wissenschaftliche Arbeiten betreffen insbesondere die Physiologie der Hefen und deren Anwendungen, auf die seine Forschungen einen großen Einfluss ausübten. Nach ihm ist das Milchsäure-Stäbchenbakterium Lactobacillus delbrueckii benannt, das gemeinsam mit obergärigen Hefen den Gärungsverlauf der Berliner Weiße prägt (siehe dazu Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus).[4] Die zweite Spezies, die seinen Namen trägt, ist die Zuckerhefe Torulaspora delbrueckii, die ursprünglich als Saccharomyces delbrueckii benannt war.

Das Institut für Gärungsgewerbe (IfG) war ein Pionier der Biotechnologie, bewährt besonders durch die enge Zusammenarbeit von Praxis und Wissenschaft. Ab 1896 wurden dort Hefen und Milchsäurekulturen im industriellen Maßstab produziert.[5]

Delbrücks Arbeitszimmer im IfG blieb bis zur Ausbombung 1943 erhalten. Mit dessen Zerstörung ging auch die Bibliothek der Gesellschaft für Geschichte des Brauwesens verloren. Delbrücks Institut wurde 1967 durch seinen Nachfolger Hanswerner Dellweg in Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie zu Berlin (IfGB) umbenannt.[6]

1918 verlieh ihm die TH München den Dr.-Ing. E.h.

Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Wilmersdorf in Berlin.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Max Delbrück (Chemiker) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Max Delbrück – Quellen und Volltexte (englisch)

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Böhm: Maercker, Max. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 15, Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-00196-6, S. 639 f. (Digitalisat).
  2. ZDB-Eintrag
  3. Bruno Drews: Hayduck, Friedrich (Fritz). In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 150 (Digitalisat).
  4. H. Benninga (1990). A History of Lactic Acid Making: A Chapter in the History of Biotechnology.
  5. Martin Dworkin, et al., eds. (2006). The Prokaryotes: Vol. 1: Symbiotic Associations, Biotechnology, Applied Microbiology.
  6. Philippe Goujon (2001). From Biotechnology to Genomes: The Meaning of the Double Helix.