Primorje (Kaliningrad)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Siedlung
Primorje
Groß Kuhren

Приморье
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Stadtkreis Swetlogorsk
Gegründet vor 1400
Frühere Namen Kuwrendorf (1404),
Couhren (vor 1563),
Groß Kuhren (bis 1947)
Bevölkerung 954 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Höhe des Zentrums 10 m
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 401532
Postleitzahl 238575
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 420 000 007
Geographische Lage
Koordinaten 54° 56′ N, 20° 2′ OKoordinaten: 54° 56′ 28″ N, 20° 2′ 24″ O
Primorje (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
(54° 56′ 28″ N, 20° 2′ 24″O)
Lage im Westteil Russlands
Primorje (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
(54° 56′ 28″ N, 20° 2′ 24″O)
Lage in der Oblast Kaliningrad

Primorje (russisch Приморье, deutsch Groß Kuhren) ist eine Siedlung in der russischen Oblast Kaliningrad. Der Ort gehört zum Stadtkreis Swetlogorsk.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Primorje liegt an der Ostsee im Nordwesten der samländischen Halbinsel und ist 39 Kilometer von der Oblasthauptstadt Kaliningrad (Königsberg) und acht Kilometer von der Stadt Swetlogorsk (Rauschen) entfernt. Durch den Ort verläuft die Regionalstraße 27A-013 (ex A192). In den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges war Primorje auch Bahnstation an der bis Groß Dirschkeim verlängerten Bahnstrecke der damaligen Samlandbahn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Groß Kuhren, zwischen Kurischer Nehrung und Frischer Nehrung am Ostseestrand nordwestlich von Königsberg, auf einer Landkarte von 1910

Die Gründung des bis 1947 Groß Kuhren[2] genannten Ortes liegt vor dem Jahre 1400. Das Dorf[3] beeindruckt bis heute durch seine reizvolle landschaftliche Lage mit der im Westen gelegenen früheren Rosenschlucht und der mehr östlich gelegenen Morgenschlucht. Auffallend sind die Zinnen und Zacken der umliegenden Berge, unter ihnen der früher so genannte Zipfelberg und der Kahle Zipfelberg, der mit seinen 60 Metern die höchste Erhebung an der Küste ist. Der Sand am Strand ist gelbbraun gefärbt. Es handelt sich um eisenhaltigen Diluvialsandstein.

Am 13. Juni 1874 wurde Groß Kuhren Amtssitz und namensgebender Ort eines Amtsbezirkes,[4] der bis 1945 bestand und zum Kreis Fischhausen, 1939 bis 1945 zum Landkreis Samland im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Im Jahre 1910 zählte das Dorf 575 Einwohner.[5] Ihre Zahl stieg bis 1933 auf 705 und betrug 1939 bereits 844.[6]

Infolge des Zweiten Weltkrieges kam Groß Kuhren mit dem gesamten nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion. Im Jahr 1947 wurde der Ort in den Dorfsowjet Jantarski selski Sowet innerhalb des Rajons Primorsk eingeordnet und dabei in Primorje umbenannt.[7] Am 28. Juni 1951 wurde Primorje mit dem Status einer Arbeitersiedlung versehen.[8] Nach der Auflösung des Rajons Primorsk wurde Primorje am 1. Februar 1963 dem Stadtsowjet von Selenogradsk unterstellt.[9] Am 15. Januar 1965 wurde Primorje in die sog. Swetlogorsker Kurort-Industrie-Zone (die erste Vorläuferin des heutigen Stadtkreises Swetlogorsk) eingebunden.[10] Am 19. November 2004 verlor Primorje seinen Status als Siedlung städtischen Typs.[11] Im Jahr 2007 wurde Primorje Sitz einer städtischen Gemeinde im Rajon Swetlogorsk. Von 2010 bis 2018 hatte der Ort wiederum den Status einer Siedlung städtischen Typs. Seit 2018 gehört Primorje zum Stadtkreis Swetlogorsk.

Amtsbezirk Groß Kuhren (1874–1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Amtsbezirk Groß Kuhren gehörten anfänglich fünf Landgemeinden:[4]

Name Russischer Name Bemerkungen
Alt Katzkeim Tolbuchino
Groß Kuhren Primorje
Mandtkeim Maiski 1928 in die Landgemeinde Schalben eingegliedert
Neu Katzkeim Barkassowo 1928 in die Landgemeinde Alt Katzkeim eingegliedert
Schalben Orechowo

Am 1. Januar 1945 bildeten nur noch die drei Gemeinden Alt Katzkeim, Groß Kuhren und Schalben den Amtsbezirk Groß Kuhren.

Primorjewski posselkowy Sowet/Administration der Siedlung Primorje 1951–1997[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1951 bis 1991 war Primorje Verwaltungssitz des Siedlungssowjets Primorjewski posselkowy Sowet (ru. Приморьевский поселковый Совет). Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde der Sowjet aufgelöst und eine Verwaltungs-Administration eingerichtet. Nach 1997 wurden die Siedlung Primorje und die von ihr verwalteten Orte in die kommunale Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Swetlogorsk eingegliedert.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Donskoje Groß Dirschkeim Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Jantarski eingeordnet.
Lesnoje Warnicken Der Ort gehörte vermutlich zunächst zur Stadt Swetlogorsk; der genaue Zeitpunkt der Umbenennung sowie seit wann der Ort von Primorje aus verwaltet wurde, muss zunächst offenbleiben.[12]
Marjinskoje Marscheiten Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Jantarski eingeordnet.
Majak Brüsterort Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Jantarski eingeordnet.
Molodogwardeiskoje Finken Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Jantarski eingeordnet.
Primorje Groß Kuhren Verwaltungssitz

Gorodskoje posselenije Primorje 2007–2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lage der städtischen Gemeinde Gorodskoje posselenije Primorje innerhalb der Stadtkreise und Rajonsgebiete im Nordwesten des Samlandes

Die städtische Gemeinde Gorodskoje posselenije Primorje (ru. Городское поселение Приморье) wurde im Jahr 2007 im Rajon Swetlogorsk eingerichtet[13] Im Jahr 2010 wurden dort 1150 Bewohner gezählt. Im Jahr 2018 wurde die Gemeinde aufgelöst und in den neu gebildeten Stadtkreis Swetlogorsk einbezogen.

Zur Städtischen Gemeinde Primorje gehörten zwei Orte:

Name Deutscher Name
Lesnoje Warnicken
Primorje Groß Kuhren

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. Juli 1913 erhielt Groß Kuhren die im neugotischen Stil neu errichtete Kirche.[14] Sie steht nördlich der Fernstraße A 192, und ihr Bau wurde ermöglicht durch das Vermächtnis der Kaufmannswitwe Fischer-Joppien.[3] Das Gotteshaus überstand den Krieg unbeschadet[15] wurde danach vernachlässigt, diente in den 1990er Jahren als Tanzsaal und wurde dann zu einem Kulturhaus hergerichtet. Das Dach wurde mit Asbestplatten neu eingedeckt, der bauliche Zustand ist stabil. Anders erging es der nahegelegenen Baptistenkapelle, die – wie zahlreiche umliegende Wohnhäuser auch – abgerissen werden musste.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Groß Kuhren lebte vor 1945 eine fast ausnahmslos evangelische Bevölkerung. Das Dorf war in das Kirchspiel der Pfarrkirche in Heiligenkreutz (heute russisch: Krasnotorowka) eingegliedert und blieb auch nach dem Kirchbau als Filialgemeinde mit der Muttergemeinde pfarramtlich verbunden. Sie gehörte zum Kirchenkreis Fischhausen (Primorsk) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Primorje im Einzugsgebiet der in den 1990er Jahren neu entstandenen Auferstehungskirchengemeinde in Kaliningrad (Königsberg) innerhalb der Propstei Kaliningrad[16] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Emil Gebauer: Die Seefischerei m Samlande. (Ueber Mittel, dem Gefahrvollen der Fischerei zu begegnen.) In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 2, Königsberg 1846, S. 37–44..

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Ortsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Groß Kuhren
  3. a b Filino - Klein Kuhren + Primorje - Groß Kuhren bei ostpreussen.net
  4. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Groß Kuhren
  5. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Fischhausen
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Samland. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjet der RSFSR vom 17. November 1947: Über die Umbenennungen der Ortschaften in der Oblast Kaliningrad)
  8. КРАТКАЯ ХАРАКТЕРИСТИКА АДМИНИСТРАТИВНО-ТЕРРИТОРИАЛЬНОГО ДЕЛЕНИЯ КАЛИНИНГРАДСКОЙ ОБЛАСТИ (Kleine Kennzeichnung der administrativ-territorialen Einteilung der Oblast Kaliningrad), Artikel auf guides.rusarchives.ru (Memento des Originals vom 5. Februar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/guides.rusarchives.ru
  9. Ekkehard Buchhofer: Zur räumlichen Verwaltungsgliederung des nördlichen Ostpreussens von 1955-1967 in Berichte zur deutschen Landeskunde, 1968 (41), S. 129–134
  10. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 12 января 1965 г. «Об изменениях в административно-территориальном делении Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 12. Januar 1965: Über die Änderungen in der administrativ-territorialen Einteilung der Oblast Kaliningrad)
  11. Durch das Закон Калининградской области от 19 ноября 2004 г. № 453 «Об отнесении поселения Приморье Калининградской области к сельским населенным пунктам» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 19. November 2004, Nr. 453: Über das Hinzufügen der Siedlung Primorje In der Oblast Kaliningrad zu den ländlichen Wohnorten)
  12. Auf den verfügbaren Karten wurde er stets als zu Swetlogorsk gehörig dargestellt, in den administrativ-territoriale Einteilungen der Oblast Kaliningrad von 1975 und von 1989 wurde er dagegen als vom Siedlungssowjet in Primorje verwaltet bezeichnet.
  13. Durch das Закон Калининградской области от 2 ноября 2007 г. № 182 «Об организации местного самоуправления на территории Светлогорского городского округа» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 2. November 2007, Nr. 182: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Territorium des Stadtkreises Swetlogorsk)
  14. Fotografie der ehemaligen Kirche in Primorje
  15. Helga und Reinhold Gutsch: Neues aus Groß Kuhren und Umgebung. Unser schönes Samland, 2011, S. 20.
  16. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]