Primorje (Kaliningrad)

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Siedlung städtischen Typs
Primorje
Groß Kuhren

Приморье
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Swetlogorsk
Gegründet vor 1400
Frühere Namen Kuwrendorf (1404),
Couhren (vor 1563),
Groß Kuhren (bis 1947)
Bevölkerung 954 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Höhe des Zentrums 10 m
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 401532
Postleitzahl 238575
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 420 000 007
Geographische Lage
Koordinaten 54° 56′ N, 20° 2′ OKoordinaten: 54° 56′ 28″ N, 20° 2′ 24″ O
Primorje (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Primorje (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Primorje (russisch Приморье, deutsch Groß Kuhren, litauisch Didieji Kuršiai) ist eine Siedlung städtischen Typs in der Oblast Kaliningrad der Russischen Föderation. Diese liegt im Rajon Swetlogorsk und ist Amtssitz und namensgebend für die Gorodskoje posselenije Primorje (Städtische Gemeinde Primorje).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Primorje liegt an der Ostsee im Nordwesten der samländischen Halbinsel und ist 39 Kilometer von der Oblasthauptstadt Kaliningrad (Königsberg) und acht Kilometer von der Kreisstadt Swetlogorsk (Rauschen) entfernt. Durch den Ort verläuft die russische Fernstraße A 192, die das Dorf in beiden Richtungen mit dem im Bau begriffenen Primorskoje Kolzo (Küstenautobahnring) verbindet. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges war Primorje auch Bahnstation an der bis Groß Dirschkeim verlängerten Bahnstrecke der damaligen Samlandbahn.

Der Ort Groß Kuhren/Primorje[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Groß Kuhren, zwischen Kurischer Nehrung und Frischer Nehrung am Ostseestrand nordwestlich von Königsberg, auf einer Landkarte von 1910

Bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung des bis 1947 Groß Kuhren[2] genannten Ortes liegt vor dem Jahre 1400. Das Dorf[3] beeindruckt bis heute durch seine reizvolle landschaftliche Lage mit der im Westen gelegenen früheren Rosenschlucht und der mehr östlich gelegenen Morgenschlucht. Auffallend sind die Zinnen und Zacken der umliegenden Berge, unter ihnen der früher so genannte Zipfelberg und der Kahle Zipfelberg, der mit seinen 60 Metern die höchste Erhebung an der Küste ist. Der Sand am Strand ist gelbbraun gefärbt. Es handelt sich um eisenhaltigen Diluvialsandstein.

Am 13. Juni 1874 wurde Groß Kuhren Amtssitz und namensgebender Ort eines Amtsbezirkes,[4] der bis 1945 bestand und zum Kreis Fischhausen, 1939 bis 1945 zum Landkreis Samland im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Im Jahre 1910 zählte das Dorf 575 Einwohner.[5] Ihre Zahl stieg bis 1933 auf 705 und betrug 1939 bereits 844.[6]

Infolge des Zweiten Weltkrieges kam Groß Kuhren mit dem gesamten nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion.

Amtsbezirk Groß Kuhren (1874–1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Amtsbezirk Groß Kuhren gehörten anfänglich fünf Landgemeinden:[4]

Name Russischer Name Bemerkungen
Alt Katzkeim Tolbuchino
Groß Kuhren Primorje
Mandtkeim Maiski 1928 in die Landgemeinde Schalben eingegliedert
Neu Katzkeim Barkassowo 1928 in die Landgemeinde Alt Katzkeim eingegliedert
Schalben Orechowo

Am 1. Januar 1945 bildeten nur noch die drei Gemeinden Alt Katzkeim, Groß Kuhren und Schalben den Amtsbezirk Groß Kuhren.

Seit 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Ort Groß Kuhren am 17. November 1947 in den Dorfsowjet Jantarski (Palmnicken) innerhalb des Rajon Primorsk eingeordnet und dabei in Primorje umbenannt.[7] Am 28. Juni 1951 wurde Primorje mit dem Status einer Arbeitersiedlung versehen.[8] Nach der Auflösung des Rajon Primorsk wurde Primorje am 1. Februar 1963 dem Stadtsowjet von Selenogradsk unterstellt.[9] Am 15. Januar 1965 wurde Primorje in die sog. Swetlogorsker Kurort-Industrie-Zone (den ersten Vorläufer des heutigen Rajon Swetlogorsk) eingebunden.[10] Am 19. November 2004 verlor Primorje seinen Status als Siedlung städtischen Typs.[11] Im Zusammenhang mit der Gründung des (munizipalen) Rajons Swetlogorsk am 2. November 2007 wurde Primorje Verwaltungssitz der städtischen Gemeinde Primorje, der auch noch die Siedlung Lesnoje (Warnicken) angehört. Seit 2010 hat Primorje wieder den Status als Siedlung städtischen Typs.[12] In dem heute stark vom Tourismus geprägten Ort leben 954 Einwohner (Stand: 14. Oktober 2010).[1]

Siedlungssowjet Primorjewski/Administration der Siedlung Primorje 1951–1997[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1951 bis 1991 war Primorje Verwaltungssitz des Siedlungssowjet Primorjewski (ru. Приморьевский поселковый Совет, Primorjewski posselkowy Sowet). Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde der Sowjet aufgelöst und eine Verwaltungs-Administration eingerichtet. Nach 1997 wurden die Siedlung Primorje und die von ihr verwalteten Orte in die kommunale Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Swetlogorsk eingegliedert.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Donskoje Groß Dirschkeim Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Jantarski eingeordnet.
Lesnoje Warnicken Der Ort gehörte vermutlich zunächst zur Stadt Swetlogorsk; der genaue Zeitpunkt der Umbenennung sowie seit wann der Ort von Primorje aus verwaltet wurde, muss zunächst offenbleiben.[13]
Marjinskoje Marscheiten Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Jantarski eingeordnet.
Majak Brüsterort Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Jantarski eingeordnet.
Molodogwardeiskoje Finken Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Jantarski eingeordnet.
Primorje Groß Kuhren Verwaltungssitz

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. Juli 1913 erhielt Groß Kuhren die im neugotischen Stil neu errichtete Kirche.[14] Sie steht nördlich der Fernstraße A 192, und ihr Bau wurde ermöglicht durch das Vermächtnis der Kaufmannswitwe Fischer-Joppien.[3] Das Gotteshaus überstand den Krieg unbeschadet[15] wurde danach vernachlässigt, diente in den 1990er Jahren als Tanzsaal und wurde dann zu einem Kulturhaus hergerichtet. Das Dach wurde mit Asbestplatten neu eingedeckt, der bauliche Zustand ist stabil. Anders erging es der nahegelegenen Baptistenkapelle, die – wie zahlreiche umliegende Wohnhäuser auch – abgerissen werden musste.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Groß Kuhren lebte vor 1945 eine fast ausnahmslos evangelische Bevölkerung. Das Dorf war in das Kirchspiel der Pfarrkirche in Heiligenkreutz (heute russisch: Krasnotorowka) eingegliedert und blieb auch nach dem Kirchbau als Filialgemeinde mit der Muttergemeinde pfarramtlich verbunden. Sie gehörte zum Kirchenkreis Fischhausen (Primorsk) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Primorje im Einzugsgebiet der in den 1990er Jahren neu entstandenen Auferstehungskirchengemeinde in Kaliningrad (Königsberg) innerhalb der Propstei Kaliningrad[16] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Die städtische Gemeinde Primorje[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lage der Städtischen Gemeinde Primorje innerhalb der Stadtkreise und Rajonsgebiete im Nordwesten des Samlandes

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gorodskoje posselenije Primorje (Städtische Gemeinde Primorje) gibt es seit 2007. Sie gehört zu dem seinerzeit neu errichteten Rajon Swetlogorsk (Kreis Rauschen). Ihr Gebiet grenzt im Norden an die Ostsee, im Osten an die Gorodskoje posselenije Swetlogorsk (Städtische Gemeinde Swetlogorsk), im Westen an die Gorodskoje posselenije Donskoje (Städtische Gemeinde Donskoje) und im Süden an den Rajon Selenogradsk. In der Städtischen Gemeinde Primorje leben 1150 Menschen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Städtischen Gemeinde Primorje gehören lediglich zwei einzelne Siedlungen:

Name Deutscher Name
Lesnoje Warnicken
Primorje Groß Kuhren

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden Ortssiedlungen Primorje und Lesnoje sind durch die russische Fernstraße A 192 untereinander und mit dem Umland verbunden. In 14 Kilometern östlicher Richtung trifft die Fernstraße bei Aralskoje (Alexwangen) auf den Primorskoje Kolzo (Küstenautobahnring). In Lesnoje zweigt außerdem eine Nebenstraße in südliche Richtung ab, die nach Kljukwennoje (Klycken) und Schatrowo (Weidehnen) im Rajon Selenogradsk (Kreis Cranz) führt.

Schienen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg endete in der heutigen Siedlung Lesjoje (Warnicken) die aus Königsberg (Preußen) (heute russisch: Kaliningrad) kommende Samlandbahn. Sie wurde in den Folgejahren bis nach Groß Dirschkeim (Donskoje) verlängert, wo sie in die Zweigbahn der Ostpreußischen Südbahn bis nach Fischhausen (Primorsk) überging. An dieser Bahnstrecke liegen im Gebiet der Städtischen Siedlung Primorje zwei Bahnstationen – augenblicklich verwaist, da die Strecke nicht betrieben wird.

Luft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über den Primorskoje Kolzo ist der Flughafen Kaliningrad bei Chrabrowo (Powunden) in einer Stunde gut zu erreichen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Emil Gebauer: Die Seefischerei m Samlande. (Ueber Mittel, dem Gefahrvollen der Fischerei zu begegnen.) In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 2, Königsberg 1846, S. 37–44..

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Ortsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Groß Kuhren
  3. a b Filino - Klein Kuhren + Primorje - Groß Kuhren bei ostpreussen.net
  4. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Groß Kuhren
  5. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Fischhausen
  6. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Samland
  7. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjet der RSFSR vom 17. November 1947: Über die Umbenennungen der Ortschaften in der Oblast Kaliningrad)
  8. КРАТКАЯ ХАРАКТЕРИСТИКА АДМИНИСТРАТИВНО-ТЕРРИТОРИАЛЬНОГО ДЕЛЕНИЯ КАЛИНИНГРАДСКОЙ ОБЛАСТИ (Kleine Kennzeichnung der administrativ-territorialen Einteilung der Oblast Kaliningrad), Artikel auf guides.rusarchives.ru
  9. Ekkehard Buchhofer: Zur räumlichen Verwaltungsgliederung des nördlichen Ostpreussens von 1955-1967 in Berichte zur deutschen Landeskunde, 1968 (41), S. 129–134
  10. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 12 января 1965 г. «Об изменениях в административно-территориальном делении Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 12. Januar 1965: Über die Änderungen in der administrativ-territorialen Einteilung der Oblast Kaliningrad)
  11. Durch das Закон Калининградской области от 19 ноября 2004 г. № 453 «Об отнесении поселения Приморье Калининградской области к сельским населенным пунктам» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 19. November 2004, Nr. 453: Über das Hinzufügen der Siedlung Primorje In der Oblast Kaliningrad zu den ländlichen Wohnorten)
  12. Durch das Закон Калининградской области от 10 июня 2010 r. № 463 «Об административно-территориальном устройстве Калининградской области» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 10. Juni 2010, Nr. 463: Über den administrativ-territorialen Aufbau der Oblast Kaliningrad)
  13. Auf den verfügbaren Karten wurde er stets als zu Swetlogorsk gehörig dargestellt, im amtlichen Ortsverzeichnis der Oblast Kaliningrad von 1976 wird er dagegen als vom Siedlungssowjet in Primorje verwaltet bezeichnet.
  14. Fotografie der ehemaligen Kirche in Primorje
  15. Helga und Reinhold Gutsch: Neues aus Groß Kuhren und Umgebung. Unser schönes Samland, 2011, S. 20.
  16. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]