Projekt Kuiper

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Das Projekt Kuiper ist eine geplante Konstellation von Kommunikationssatelliten des Amazon-Konzerns. Das Projekt ist noch in einem frühen Stadium. Langfristig soll es mittels 3236 Satelliten weltweiten Breitband-Internetzugang bereitstellen. Amazon möchte mehrere Milliarden US-Dollar in die Satellitenkonstellation investieren.[1][2]

Namensgeber des Projekts ist der nach dem Astronom Gerard Peter Kuiper benannte Kuipergürtel,[3] ein Bereich des Sonnensystems jenseits der Neptunbahn, in dem zahlreiche Asteroiden um die Sonne kreisen.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Entwicklung und den späteren Betrieb des Systems ist das Amazon-Tochterunternehmen Kuiper Systems LLC in Washington, D.C. verantwortlich.[4] Das Topmanagement des Unternehmens rekrutierte Amazon aus ehemaligen Mitarbeitern des Konkurrenten SpaceX, der selbst an der großen Internet-Satellitenkonstellation Starlink arbeitet. Dessen CEO Elon Musk hatte im Oktober 2018 das Starlink-Management ausgetauscht, weil er mit der Fortschrittsgeschwindigkeit des Projekts unzufrieden war.[5][6]

Geplanter Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publik wurde das Projekt Kuiper erst durch die Pflichtveröffentlichung von drei Anträgen für internationale Funkfrequenzen im März 2019.[2][7][8][9] Weitere Details sind dem entsprechenden Antrag für US-Funkfrequenzen vom Juli 2019 zu entnehmen.[10] Die Anträge umfassen drei Gruppen von geplanten Satelliten in drei verschiedenen Umlaufbahnkategorien:[2][11]

  • 784 Satelliten in Höhen um 590 km, Bahnneigung 33°
  • 1296 Satelliten in Höhen um 610 km, Bahnneigung 52°
  • 1156 Satelliten in Höhen um 630 km, Bahnneigung 42°

Hiermit ließe sich die Erdoberfläche zwischen etwa 56 Grad nördlicher und südlicher Breite abdecken. In diesem Bereich leben zirka 95 % der Weltbevölkerung.[2]

Der Aufbau der Konstellation soll in fünf Phasen erfolgen, beginnend mit 578 Satelliten um 630 km Höhe und einem Netzwerk aus Bodenstationen („Gateway earth stations“). Bereits nach dieser ersten Phase kann das System in Betrieb gehen, allerdings nur mit einer Abdeckung im Bereich von 39–56° nördlicher und südlicher Breite.[11]

Ein Zeitplan für den Start der Satelliten wurde nicht genannt. Die Lizenzbedingungen für die genehmigten Funkfrequenzen verpflichten Amazon allerdings dazu, die Hälfte der Satelliten bis 2026 in Betrieb zu nehmen und die übrigen bis 2029.[12]

Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es war zunächst nicht bekannt, ob Amazon die Satelliten so wie SpaceX selbst bauen oder – wie der zweite Hauptkonkurrent OneWeb – extern fertigen lassen wird.[2] Für den Start der Satelliten möchte Amazon die Dienste verschiedener Raumfahrtunternehmen nutzen.[13] Die ersten neun Starts wurden im April 2021 bei der United Launch Alliance gebucht; zum Einsatz kommt deren bewährte Rakete Atlas V.[14][15] Amazon hofft auch, die Rakete New Glenn des Schwesterunternehmens Blue Origin nutzen zu können;[13] diese wird aber nicht vor dem 4. Quartal 2022 verfügbar sein.[16]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alan Boyle: Jeff Bezos explains Amazon’s bet on Project Kuiper satellites — and copes with an onstage protest. In: Geekwire. 6. Juni 2019, abgerufen am 10. Juni 2019.
  2. a b c d e John Porter: Amazon will launch thousands of satellites to provide internet around the world. In: The Verge. 4. April 2019, abgerufen am 14. April 2019.
  3. Jeff Bezos and Elon Musk join the satellite space race. Financial Times, 2. Juni 2019.
  4. Jose Albuquerque: Coordination Request Information for a new NGSO/FSS satellite system, USASAT-NGSO-8C. (docx) In: itu.int. Kuiper Systems LLC, 26. März 2019, abgerufen am 14. April 2019.
  5. Michael Sheetz: Bezos hired a SpaceX vice president to run Amazon’s satellite internet project after Musk fired him. In: cnbc.com. 7. April 2019, abgerufen am 14. April 2019.
  6. Eric M. Johnson und Joey Roulette: Musk reportedly fired seven senior managers at SpaceX in hopes of getting his Starlink satellite internet project operational by 2020. In: Business Insider. Reuters, 31. Oktober 2018, abgerufen am 15. April 2019.
  7. USA2019-12909. In: itu.int. 26. März 2019, abgerufen am 14. April 2019.
  8. USA2019-12905. In: itu.int. 26. März 2019, abgerufen am 14. April 2019.
  9. USA2019-13020. In: itu.int. 28. März 2019, abgerufen am 14. April 2019.
  10. Application for Fixed Satellite Service by Kuiper Systems LLC. In: fcc.report. Kuiper Systems LLC, 4. Juli 2019, abgerufen am 28. Juli 2019.
  11. a b Technical Appendix – Application of Kuiper Systems LLC for Authority to Launch and Operate a Non-Geostationary Satellite Orbit System in Ka-band Frequencies. In: fcc.report. Kuiper Systems LLC, 4. Juli 2019, S. 3–6, abgerufen am 28. Juli 2019.
  12. Amazon contracts nine Atlas 5 missions for Kuiper broadband satellites. In: Spacenews. 19. April 2022, abgerufen am 22. April 2021.
  13. a b Twitter-Nachricht von Jeff Foust, 16. Dezember 2020.
  14. Amazon Secures United Launch Alliance’s Proven Atlas V Rocket for Nine Project Kuiper Launches. ULA-Pressemeldung vom 19. April 2021.
  15. Amazon secures United Launch Alliance Atlas V rockets for Project Kuiper. Amazon-Pressemeldung vom 19. April 2021.
  16. Jeff Foust, Sandra Erwin: Blue Origin delays first launch of New Glenn to late 2022. In: Spacenews. 25. Februar 2021, abgerufen am 19. April 2021.