Quendel-Seide

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Quendel-Seide

Quendel-Seide (Cuscuta epithymum)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Windengewächse (Convolvulaceae)
Gattung: Seide (Cuscuta)
Art: Quendel-Seide
Wissenschaftlicher Name
Cuscuta epithymum
(L.) L.

Die Quendel-Seide (Cuscuta epithymum) ist ein Vollschmarotzer aus der Gattung Seide (Cuscuta) in der Familie der Windengewächse (Convolvulaceae). Das Artepitheton epithymum (von griechisch epi, „auf“, und thymon, „Thymian, Quendel“) bezieht sich auf das Wachsen bzw. Schmarotzen der Pflanze auf den Wurzeln von Thymian-Arten (insbesondere von Thymus serpyllum).[1][2] Die Quendel-Seide fand früher auch Anwendung in der Heilkunde.[3]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Quendel-Seide Pflanze ist eine einjährige krautige Pflanze und wird 20 bis 60 Zentimeter lang. Die dünnen verzweigten, rötlichen Stängel der Quendel-Seide tragen kaum erkennbare Blätterreste.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Die kurzgestielten bis sitzenden Blüten stehen in unscheinbare rosafarbenen Blütenknäuel zusammen. Die Blütenkronen sind glockig. Die Kapselfrucht enthält zahlreiche Samen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14.[4]

Habitus im Habitat

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bei allen Cuscuta-Arten sucht sich schon der Keimling eine Wirtspflanze, indem sich der fadenförmige Stängel in kreisenden Bewegungen so lange dreht, bis er eine geeignete Pflanze findet, an der er sich emporwinden kann. Im Falle der Quendel-Seide geschieht dies linkswindend. Mit ihren Saugfortsätzen (Haustorien) dringt die Seide in das Leitungsgewebe (Phloem) der Wirtspflanze (insbesondere bestimmte Thymianarten und Klee) ein und entzieht ihr die zum Wachstum nötige Nährlösung.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet der Quendel-Seide reicht in Europa vom westlichen England und südlichen Norwegen, Lettland und Estland bis in den Süden ins nördliche Spanien, Italien (einschließlich Sizilien) und Griechenland. Außerhalb Europas kommt sie ursprünglich in Nordafrika und von der Türkei bis China vor.[5] In Australien, Neuseeland, Nord- und Südamerika ist sie ein Neophyt.[5] Die Klee-Seide kommt in Mitteleuropa in Gesellschaften des Verbands Violion caninae, Genistion pilosae, auch des Unterverbands Sarothamnenion, seltener im Mesobromion vor. Sie ist eine Charakterart der Klasse der Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden (Nardo-Callunetea).[4] In den Allgäuer Alpen steigt die Unterart Cuscuta epithymum subsp. epithymum im Tiroler Teil an der Wildmahdspitze bis in eine Höhenlage von 2120 Metern auf.[6]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 als Varietät Cuscuta europaea var. epithymum durch Carl von Linné. Den Rang einer Art Cuscuta epithymum (L.) L. hat Carl von Linné 1759 veröffentlicht.

Je nach Autor gibt es von Cuscuta epithymum mehrere Unterarten und Varietäten:[5]

  • Cuscuta epithymum (L.) L. subsp. epithymum
  • Cuscuta epithymum subsp. kotschyi (Des Moul.) Arcang.: Sie ist von Südeuropa bis zum Iran verbreitet.[5]
  • Cuscuta epithymum var. alba (J.Presl & C.Presl) Trab.: Sie kommt vom Mittelmeerraum bis Turkmenistan vor.[5]
  • Cuscuta epithymum var. angustissima (Engelm.) Yunck.: Sie kommt im westlichen und im zentralen Mittelmeerraum vor.[5]
  • Cuscuta epithymum var. macranthera (Heldr. & Sart. ex Boiss.) Engelm.: Sie kommt im Mittelmeerraum vor.[5]
  • Cuscuta epithymum var. rubella (Engelm.) Trab.: Sie kommt im zentralen Mittelmeerraum vor.[5]
  • Cuscuta epithymum var. sagittanthera Engelm.: Sie kommt in Tunesien vor.[5]
  • Cuscuta epithymum var. scabrella (Engelm.) Yunck.: Sie kommt von Südosteuropa bis zur Türkei vor.[5]
  • Die Klee-Seide (Cuscuta epithymum subsp. trifolii (Bab. & Gibson) Berher) wird manchmal als eigene Art angesehen, andererseits von einigen Autoren nicht einmal als Unterart anerkannt, sondern zur „Echten Quendelseide“ Cuscuta epithymum (L.) L. subsp. epithymum gestellt.[5] Die Klee-Seide schmarotzt auf Klee-Arten (Trifolium) und auf Luzerne (Medicago sativa).[4]

Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Quendel-Seide (lateinisch früher auch epithymum, epithimum[7] und epitimum[8]) bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen wie Quendelflachsseide, Fasen auf dem Cleen (bereits 1485 erwähnt), Filzkraut, Quendelwolle, Kleine Seide, Thymdotterkraut, (kleine) Thymseide,[9] Thymseiden und Kretisches Thymseidenkraut.[10]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Quendel-Seide (Cuscuta epithymum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Birkhäuser, Basel/Stuttgart 1976, ISBN 3-7643-0755-2, S. 157.
  2. Vgl. auch Walther Ryff: Confect Büchlin und Hausz Apoteck. Frankfurt am Main 1544, c<1> recto (übersetzt „Zugewächs des edlen wohlriechenden Thymians oder Welschen Quendels; bei den Alten Quendelblüte oder Thymianblüte“).
  3. Vagn J. Brøndegaard. Ethnobotanik. Pflanzen im Brauchtum, in der Geschichte und Volksmedizin. Mensch und Leben, Berlin 1985, S. 256–264.
  4. a b c Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 773.
  5. a b c d e f g h i j k Rafaël Govaerts (Hrsg.): Cuscuta epithymum. In: World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) – The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew, abgerufen am 22. November 2017.
  6. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 361.
  7. Vgl. auch Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 142 (Epithymus).
  8. Vgl. Ute Obhof: Rezeptionszeugnisse des „Gart der Gesundheit“ von Johann Wonnecke in der Martinus-Bibliothek in Mainz – ein wegweisender Druck von Peter Schöffer. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018, S. 25–38, hier: S. 31 (Epitimum „die fasen au[…]“).
  9. B. Lagrange: Vollständige Apothekerwissenschaft. Zweiter Theil: Materia medica. Aus dem Französischen übersetzt. Friedrich Gotthelf Baumgärtner, Leipzig 1796, S. 92.
  10. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 123 (online).