Quetta

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Dieser Artikel behandelt die Stadt in Pakistan; für das gleichnamige britische Passagierschiff siehe RMS Quetta, für den Krater auf dem Asteroiden (253) Mathilde siehe Quetta (Krater).
Quetta
کوئٹہ
Staat: Pakistan Pakistan
Provinz: Belutschistan
Koordinaten: 30° 11′ N, 67° 0′ OKoordinaten: 30° 10′ 48″ N, 67° 0′ 0″ O
Höhe: 1676 m
 
Einwohner: 896.090 (2010)
Zeitzone: PST (UTC+5)
Telefonvorwahl: (+92) 081
Postleitzahl: 87300
Kfz-Kennzeichen: PK
Nazim (Bürgermeister) : Mir Maqbool Ahmed Lehri
Quetta (Pakistan)
Quetta
Quetta

Quetta (Urdu: کوئٹہ‎, Paschtu: کوټه‎, persisch/belutschisch: کویته‎) ist eine Stadt im Westen Pakistans mit etwa 900.000 Einwohnern.[1] In der Stadt leben mehrere Völker, bzw. werden mehrere Sprachen gesprochen. Die größte Bevölkerungsgruppe bilden die Paschtunen. Quetta ist die Hauptstadt der Provinz Belutschistan.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt nahe der Grenze zu Afghanistan in einer Höhe von 1680 Metern. Die Ausdehnung beträgt 2653 Quadratkilometer. Obwohl sie an der westlichen Grenze Pakistans liegt, ist sie mit dem Rest des Landes verkehrstechnisch gut verbunden.

Klimatabelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Quetta herrscht ein halbtrocken-heißes, relativ kontinentales Klima. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten Pakistans ist das Klima nicht wesentlich durch den Monsun beeinflusst. In den Wintermonaten können die Temperaturen auf bis unter 0 °C abfallen und Schneefall kommt gelegentlich vor.[2]

Quetta
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Quetta
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 10,8 12,9 18,7 24,8 30,4 35,3 35,9 34,8 31,4 25,5 19,2 13,3 Ø 24,5
Min. Temperatur (°C) -3,4 -0,9 3,4 8,3 11,5 15,9 19,9 17,9 10,9 3,8 -0,9 -3,2 Ø 7
Niederschlag (mm) 57 49 55 28 6 1 13 12 0 4 5 31 Σ 261
Luftfeuchtigkeit (%) 63 59 54 50 43 36 43 42 39 40 47 56 Ø 47,6
T
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Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprachen in Quetta (Zensus 1998)[3]
Sprache Anteil (%)
Belutschisch 25,0
Paschtunisch 23,7
Panjabi/Saraiki 21,7
Andere oder unspezifiziert 29,6

Die Stadt Quetta ist ebenso wie der umgebende Distrikt multiethnisch und vielsprachig. Obwohl die Stadt Verwaltungssitz der Provinz Belutschistan ist, bilden die namensgebenden Belutschen nur eine Minderheit der Bevölkerung. Die Zahlen der letzten Volkszählung aus dem Jahr 1998 hinsichtlich der ethnischen und sprachlichen Zugehörigkeit werden als unzuverlässiger als für andere pakistanische Großstädte beurteilt. Das hängt auch mit den Flüchtlingsströmen und Bevölkerungsbewegungen, stark verstärkt vor allem nach 2001 aus Afghanistan und den Stammesgebieten sowie der ehemaligen Nordwestlichen Grenzprovinz zusammen. Nach dem Zensus von 1998 sprach grob etwa je ein Viertel der Bevölkerung Belutschisch, Paschtunisch und Panjabi/Saraiki. Andere Sprachen, wie Brahui waren nicht im Einzelnen erfasst. Manche Statistiken gehen auch schon für 1998 von einer relativen Mehrheit für die Paschtunen aus, deren Anteil inzwischen, bedingt durch die Flüchtlingsbewegungen sicherlich vergrößert ist.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Quetta (2008)

Ein bronzezeitliches Grab mit reichen Beigaben, der Schatz von Quetta, wurde beim Bau eines Hotels 1985 in der Stadt gefunden. Der Name Quetta kommt von kwatta, dem Namen einer legendären Festung auf Paschtu. Im Kontext der anglo-afghanischen Kriege wurde die Stadt 1876 an Britisch-Indien angeschlossen. Aufgrund ihrer strategisch wichtigen Grenzlage war hier eine große Garnison von 12.000 Mann (1935) stationiert. Am 31. Mai 1935 erlebte die Stadt ein verheerendes Erdbeben von etwa 7.5 Magnituden auf der Richterskala, das große Teile der Stadt zerstörte und etwa 30–40.000 Todesopfer forderte.[4] Nach dem Abzug der Briten und der Teilung Indiens kam Quetta an Pakistan und wurde Hauptstadt der Provinz Belutschistan.

Sicherheitslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aktuelle Sicherheitslage in Quetta ist seit Jahren äußerst prekär. Dies ist wesentlich bedingt durch die Lage der Stadt im Grenzgebiet zu Afghanistan und in der Randzone des paschtunischen Siedlungsgebietes, das zum Hauptaktions-, Rekrutierungs- und Rückzugsgebiet der Taliban und anderer islamistischer Gruppen gehört, die wiederholt Terroranschläge verübten. Hauptziel der Terroristen sind Repräsentanten der Staatsgewalt und staatliche Einrichtungen jedweder Art, sowie Angehörige der schiitischen Minderheit, die überwiegend der Volksgruppe der Hasara angehören. Die Anschläge erfolgen meist mit Bomben und häufig als Selbstmordattentate.

Am 10. Dezember 2004 wurde in der Stadt ein Bombenanschlag mit einer Autobombe verübt, bei dem mindestens sieben Personen getötet und mehr als fünf verletzt wurden. Am 9. Februar 2008 wurde gemeldet, dass sich Osama bin Laden in der Stadt aufhalte.[5]

Am 3. September 2010 starben mindestens 50 Teilnehmer einer schiitischen Demonstration in Quetta bei einer Bombenexplosion. Die pakistanischen Taliban übernahmen die Verantwortung für den Anschlag.[6]

Am Fest des Fastenbrechens, Ende August 2011, sprengte sich auf dem Parkplatz einer schiitischen Moschee ein Selbstmordattentäter mit seinem Auto in die Luft. Dabei wurden mindestens zehn Menschen getötet und 22 verletzt.[7]

Am 7. September 2011 tötete ein Doppelanschlag auf das Haus von Farrukh Shehzad, einem Brigadegeneral und Vizekommandanten der Grenztruppen, zwischen 18 und 24 Menschen, darunter Shehzads Frau und mindestens eines seiner Kinder,[8] und verletzte 80 weitere, darunter auch den General. Zuerst sprengte sich ein Selbstmordattentäter mit einem Auto vor dem Haus und danach drang ein weiterer in das Haus ein und zündete einen Sprengstoffgürtel.[9] Über die Täter ist nichts bekannt. Allerdings war Shezad an der Festnahme von Yunis al-Mauretani, einem ranghohen Mitglied von al-Qaida, am 5. September beteiligt.[10] Die Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP) bekannten sich zu dem Anschlag.[11]

Am 4. Oktober 2011 wurden bei einem Überfall auf einen vorwiegend mit Angehörigen der Minderheit der Hazara besetzten Bus in Quetta 15 Menschen getötet. Zwölf davon waren Angehörige der Hazara. In der Folge demonstrierten 400 Angehörige vor dem Krankenhaus, in dem die Verletzten behandelt wurden, gegen Diskriminierung ihres Volkes und beschuldigten die pakistanische Regierung, nicht für ihren Schutz zu sorgen.[12]

Am 16. Februar 2013 starben mindestens 83 Menschen, als in einem überwiegend von schiitischen Hasara bewohnten Vorort von Quetta eine Bombe auf einem Markt explodierte. Zum Anschlag bekannte sich die al-Qaida-assoziierte sunnitisch-islamistische Terror-Gruppierung Lashkar-e-Jhangvi.[13][14]

Am 8. August 2013 sprengte sich ein Selbstmordattentäter bei einer Beerdigungsfeier für einen getöteten Polizisten in Quetta in die Luft. Dabei starben mindestens 28 Anwesende. Die Tehrik-i-Taliban übernahmen die Verantwortung für das Attentat.[15]

Am 13. Januar 2016 sprengte sich ein Selbstmordattentäter nahe einem Poliomyelitis-Impfzentrum in Quetta in die Luft. Dabei starben mindestens 14 Personen, 13 davon Polizisten, die zum Schutz des medizinischen Personals vor islamistischen Anschlägen abgestellt worden waren.[16]

Am 8. August 2016 wurden bei einem Anschlag auf dem Gelände eines Krankenhauses mindestens 66 Menschen getötet und etwa 200 verletzt; bei vielen der Opfern handelt es sich um Rechtsanwälte.[17] Zu dem Anschlag bekannte sich die Jamaat-ul-Ahrar, eine Splittergruppe der TTP.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Obstanbau ist verbreitet. Der bedeutende Militärstandort ist auch ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Die Stadt ist wegen ihrer verkehrstechnisch guten Anbindung im dünn besiedelten Belutschistan ein wichtiger Knotenpunkt bei der Versorgung der westlichen Truppen in Afghanistan im Rahmen des Krieges in Afghanistan und der Operation Enduring Freedom.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Quetta

Quetta ist ein Eisenbahnknotenpunkt. Es ist in Pakistan mit Lahore durch eine 1170 km lange Strecke verbunden, mit Peschawar (1558 km) und Karatschi (863 km). Weiter endet hier die Bahnstrecke Zahedan–Quetta (722 km) aus dem Iran und eine Verlängerung der Eisenbahn über die Grenze hinweg nach Afghanistan (15 km) ist im Bau.[18]

Luftverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flughafen Quetta

Es gibt in Quetta einen Verkehrsflughafen. Dieser wird aufgrund der zurzeit unsicheren politischen Situation nur national angeflogen.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quetta ist neben Kandahar und Peschawar das dritte wichtige Zentrum der Paschtunen. Gesprochen werden in Quetta die Sprachen Paschtu, Belutschi, Brahui, Sindhi, Panjabi, Urdu und Persisch.

1970 wurde in Quetta die Universität von Belutschistan (University of Balochistan)[19] gegründet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Quetta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. World Gatetteer: Quetta
  2. District Development profile: Quetta. Planungs- und Entwicklungsabteilung der Regierung Belutschistans in Zusammenarbeit mit UNICEF, 2011, abgerufen am 9. August 2016 (PDF, englisch).
  3. a b Jonah Blank, Christopher Clary, Brian Nichiporuk: Drivers of Long-Term Insecurity and Instability in Pakistan: Urbanization. Rand National Defense Institute, 2014, ISBN 978-0-8330-8750-8, S. 29.
  4. Glynn Brown: The Great Quetta Earthquake 31st May 1935. 2000, abgerufen am 9. August 2016 (englisch).
  5. n-tv Meldung vom 9. Februar 2008
  6. Quetta rally suicide bomb kills dozens. In: BBC News. 3. September 2010, abgerufen am 9. August 2016 (englisch).
  7. Tote bei Selbstmordanschlag in Pakistan. In: ORF. 31. August 2011, abgerufen am 31. August 2011 (deutsch).
  8. 24 Tote bei Doppelanschlag in Pakistan. In: ORF. 7. September 2011, abgerufen am 7. September 2011 (deutsch).
  9. Tote bei Anschlag in Quetta. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 7. September 2011, abgerufen am 7. September 2011 (deutsch).
  10. Doppelanschlag in Pakistan. In: Neue Zürcher Zeitung. 7. September 2011, abgerufen am 7. September 2011 (deutsch).
  11. Doppelanschlag in Pakistan. In: Frankfurter Rundschau. 7. September 2011, abgerufen am 7. September 2011.
  12. Extremisten erschießen Busfahrgäste. In: Frankfurter Rundschau. 4. Oktober 2011, abgerufen am 4. Oktober 2011.
  13. Scores dead in Pakistan sectarian attack. al Jazeera, 17. Februar 2013, abgerufen am 9. August 2016 (englisch).
  14. Pakistan: Dozens dead in bomb attack on Quetta market. In: BBC News. 17. Februar 2013, abgerufen am 9. August 2016 (englisch).
  15. Suicide attack on Quetta funeral kills at least 30. In: dawn.com. 28. Dezember 2013, abgerufen am 9. August 2016 (englisch).
  16. Syed Ali Shah: Blast near Quetta polio centre kills 14; TTP claims responsibility. In: dawn.com. 13. Januar 2016, abgerufen am 9. August 2016 (englisch).
  17. Mindestens 66 Tote bei Anschlag in Klinik. In: Deutschlandfunk. 8. August 2016, abgerufen am 8. August 2016.
  18. Siehe: hier.
  19. Homepage der University of Balochistan.