Rajon Gwardeisk

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Rajon
Gwardeisk
Гвардейский административный район
Гвардейский муниципальный округ
Wappen
Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Verwaltungszentrum Gwardeisk
(Stadt)
Fläche 784,2 km²
Oberhaupt des Rajons (des Munizipalkreises)
Igor Schaplow
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40159
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 206
OKTMO 27 706
Website gvardeysk.gov39.ru
Geographische Lage des Verwaltungszentrums
Koordinaten 54° 39′ N, 21° 4′ OKoordinaten: 54° 39′ N, 21° 4′ O
Gwardeisk (Oblast Kaliningrad)
Gwardeisk
Gwardeisk
Gwardeisk: Lage in der Oblast Kaliningrad
Lage innerhalb Russlands
Oblast Kaliningrad innerhalb Russlands

Vorlage:Infobox Rajon in Russland/Wartung/Meta

Der Rajon Gwardeisk ist eine Verwaltungseinheit in der russischen Oblast Kaliningrad. Er liegt im Zentrum des Gebietes östlich dessen Hauptstadt Kaliningrad und gehört zu den dichter besiedelten Rajonen in der Oblast.

Seit 2015 besteht der Rajon nur noch administrativ-territorial und wird mit Administrativer Rajon Gwardeisk (russisch Гвардейский административный район) bezeichnet. Die kommunale Selbstverwaltung wird als Munizipalkreis organisiert, dessen Verwaltungssitz die Stadt Gwardeisk (Tapiau) ist.

Der Rajon wird vom Fluss Pregel und seinem Nebenarm Dejma (Deime) durchflossen. Parallel zum Pregel verläuft die Eisenbahnstrecke Kaliningrad–Moskau und die autobahnähnlich ausgebaute Straße Kaliningrad–Talpaki–Moskau / Sankt Petersburg. Haupterwerbszweig der Bevölkerung ist die Landwirtschaft, die – wie meistens in der Oblast – genossenschaftlich organisiert ist.

Kommunale Selbstverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Territorium des Rajons Gwardeisk besteht seit 2021 die kommunale Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Gwardeisk (ru. Гвардейский муниципальный округ, Gwardeiski munizipalny okrug) mit der Stadt Gwardeisk und 61 weiteren Siedlungen (ru. possjolok).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rajon wurde am 7. April 1946 als Tapiauski rajon gegründet.[1] Der Name bezog sich auf die Kleinstadt Tapiau, die bis 1945 im Kreis Wehlau lag, dessen Nachfolge dieser Rajon antrat. Die Kreisstadt Wehlau, ab 1947 russisch Snamensk, war im Zweiten Weltkrieg stark zerstört worden, so dass man es vorzog, die Rajonverwaltung im weniger zerstörten Tapiau zu installieren. Zuständig für den Rajon war ab Ende Mai 1946 zunächst die Verwaltung für zivile Angelegenheiten des Rajons Tapiau (ru. Управление по гражданским делам Тапиауского района, Uprawlenie po graschdanski delam Tapiauskowo rajona). Am 7. September 1946 wurde die Stadt Tapiau in Gwardeisk umbenannt und der Rajon in Gwardeiski rajon.[2]

Am 21. Juni 1947 wurde zur Verwaltung des Rajons das Exekutivkomitee des Gwardeisker Rajonsowjets der Abgeordneten der Werktätigen ernannt (ru. Исполнительный комитет Гвардейского районного Совета депутатов трудящихся, Ispolnitelny komitet Gwardeiskowo rajonowo Soweta deputatow trudjaschtschichsja; kurz: Гвардейский Райисполком, Gwardeiski Rajispolkom). Bei der Einrichtung der Dorfsowjets im Juni/Juli 1947 wurde die nun Druschba genannte ehemalige Kleinstadt Allenburg dem Rajon Prawdinsk zugeteilt. Der Ort Snamensk hatte nun nurmehr den Status einer Arbeitersiedlung.

Im Jahr 1959 kam aus dem aufgelösten Rajon Kaliningrad der Ort Komsomolsk (Löwenhagen) mit Umgebung hinzu. Von 1963 bis 1965 waren während einer kurzzeitigen allgemeinen Verwaltungsreform die Stadt Gwardeisk rajonfrei und die ländlichen Gebiete des Rajons an den Rajon Polessk angeschlossen. Im Jahr 1977 wurde in der Bezeichnung der Rajonverwaltung der Begriff „der Abgeordneten der Werktätigen“ durch „der Volksabgeordneten“ ersetzt (ru. народных депутатов, narodnych deputatow).

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde im Jahr 1992 die Rajonverwaltung in Administration des Rajons Gwardeisk (ru. Администрация Гвардейского района, Administrazija Gwardeiskowo rajona) umbenannt. Im Jahr 1998 wurde auf dem Territorium des Rajons Gwardeisk die (gleichnamige) kommunale Selbstverwaltungseinheit Rajon Gwardeisk eingerichtet.[3] Im Jahr 2005 wurde diese Verwaltungseinheit mit dem Status eines "munizipalen" Rajons versehen; darin wurde die kommunale Selbstverwaltung auf die lokale Ebene ausgeweitet und die bestehenden fünf Dorfbezirke in vier Landgemeinden umgewandelt.[4] Dabei verlor der Ort Snamensk seinen Status als Siedlung städtischen Typs und wurde Sitz einer Landgemeinde. Im Jahr 2014 wurde die kommunale Selbstverwaltung als Stadtkreis organisiert.[5] Im Jahr 2021 wurde der Stadtkreis in einen Munizipalkreis umgewandelt.[6]

Dorfsowjets/Dorfbezirke 1947–2005[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Verwaltungssitz deutscher Name Bemerkungen
Bolschepoljanski Bolschaja Poljana Paterswalde wurde 1960 aufgelöst, 1963 im Rajon Polessk wieder eingerichtet, seit 1965 wieder im Rajon Gwardeisk, bis 1991, ab dann wurden die Orte von der Siedlung städtischen Typs Snamensk verwaltet
Borski Borskoje
seit vor 1968 bis vor 1988: Swenjewoje
Schiewenau
Popehnen
von 1963 bis 1965 im Rajon Polessk
Golowenski Golowenskoje Willkühnen bis 1954, dann zu Borski; der Ort Golowenskoje gehört heute zu Roschtschino
Kuibyschewski Kuibyschewskoje
seit vor 1988: Talpaki
Petersdorf
Taplacken
seit 1954, vorher Talpakenski, von 1963 bis 1965 im Rajon Polessk
Oserski Oserki Groß Lindenau von 1963 bis 1965 im Rajon Polessk
Saretschenski[7] Saretschje Pregelswalde von 1963 bis 1965 im Rajon Polessk, bis etwa 1994, dann zu Oserski
Slawinski Slawinsk Goldbach von 1963 bis 1965 im Rajon Polessk
Sorinski Sorino Poppendorf von 1963 bis 1965 im Rajon Polessk
Talpakenski Talpaki Taplacken bis 1954, dann Kuibyschewski

Gemeinden 2005–2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungseinteilung des Rajons Gwardeisk von 2005 bis 2014

Von 2005 bis 2014 bestand auf dem Territorium des Rajons Gwardeisk die kommunale Selbstverwaltungseinheit Rajon Gwardeisk, ein sog. "munizipaler" Rajon, zu dem die städtische Gemeinde Gwardeiskoje selskoje posselenije mit der Stadt Gwardeisk und der weiteren Siedlung Prigorodnoje sowie vier Landgemeinden mit insgesamt 60 Siedlungen gehörten:

Name Verwaltungssitz deutscher
Name
Anzahl der
Orte
Städtische Gemeinde:
Gwardeiskoje Gwardeisk Tapiau 2
Landgemeinden:
Oserkowskoje Oserki Groß Lindenau 14
Slawinskoje Slawinsk Goldbach 20
Snamenskoje Snamensk Wehlau 10
Sorinskoje Talpaki Taplacken 16

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner[8] Bemerkungen
1959 26.675 Bezogen auf den Gebietsbestand von 1960. Umgerechnet auf den Gebietsbestand ab 1965: 26,5 T.[9]
1970 27.527
1979 27.108
1989 27.299
2002 32.101
2010 29.926

Funktionsträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parteisekretäre der WKP(B)/KPdSU 1947–1991[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1947–1948: P. I. Selenski (П. И. Зеленский)
  • 1948–1951: Nikolai Sidorowitsch Kowalenko (Николай Сидорович Коваленко)
  • 1951–1955: W. F. Nikolajew (В. Ф. Николаев)
  • 1955–1958: Wassili Iwanowitsch Maschin (Василий Иванович Машин)
  • 1958–1963: Iwan Iwanowitsch Petuschkow (Иван Иванович Петушков)
  • 1965–1976: Juri Wiktorowitsch Dschordschewitsch (Юрий Викторович Джорджевич)
  • 1976–1985: M. S. Timonenko (М. С. Тимоненко)
  • 1985–1990: Wiktor Iwanowitsch Salmin (Виктор Иванович Салмин)
  • 1990–1991: S. M. Janotschkin (С. М. Яночкин)

Vorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1946–1947: Semjon Nikolajewitsch Alexandrow (Семён Николаевич Александров)
  • 1947–1949: Alexandr Afanassjewitsch Michailow (Александр Афанасьевич Михайлов)
  • 1949–1954: G. D. Kaljuschny (Г. Д. Калюжный)
  • 1954–1955: Wassili Iwanowitsch Maschin (Василий Иванович Машин)
  • 1955–1958: A. A. Krylow (А. А. Крылов)
  • 1958–1961: B. N. Fomin (Б. Н. Фомин)
  • 1961–1962: K. S. Zepelew (К. С. Цепелев)
  • 1965–1967: A. A. Owsjannikow (А. А. Овсянников)
  • 1967–1976: M. S. Timoschenko (М. С. Тимошенко)
  • 1976–1988: G. S. Litwinow (Г. С. Литвинов)
  • 1988–1994: Alexei Alexandrowitsch Peretjagin (Алексей Александрович Перетягин)
  • 1994–2004: Anatoli Iwanowitsch Tschaplew (Анатолий Иванович Чаплев)
  • 2004–2010: Natalja Fjodorowna Waluikina (Наталья Фёдоровна Валуйкина)
  • 2010–2013: Iwan Iwanowitsch Kawun (Иван Иванович Кавун)
  • 2013–2015: Wladimir Anatoljewitsch Solomatin (Владимир Анатольевич Соломатин)
  • seit 2015: Igor Gennadjewitsch Schaplow (Игорь Геннадьевич Шаплов)

Verwaltungschefs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

sofern nicht gleichzeitig Vorsitzende

  • 2013–2017: Alexandr Wassiljewitsch Torba (Александр Васильевич Торба)
  • seit 2017: Maxim Jurjewitsch Kolomijez (Максим Юрьевич Коломиец)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Durch den Постановление Совета Министров СССР от 7 апреля 1946 г., № 783 «Об административном устройстве г. Кенигсберга и прилегающих к нему районов» (Beschluss des Ministerrats der UdSSR vom 7. April 1946, Nr. 783: Über den administrativen Aufbau der Stadt Königsberg und ihren umliegenden Rajons)
  2. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 7 сентября 1946 г. «Об административном устройстве Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 7. September 1946: Über den administrativen Aufbau der Oblast Kaliningrad)
  3. Durch den Постановление Калининградской областной Думы от 4 июня 1998 г. № 41 «Об утверждении границы административно-территориального, муниципального образования "Гвардейский район"» (Beschluss der Kaliningrader Oblastduma vom 4. Juni 1998, Nr. 41: Über die Bestätigung der Grenze des administrativ-territorialen und der munizipalen Bildung "Rajon Gwardeisk")
  4. Durch das Закон Калининградской области от 24 февраля 2005 г. № 502 «О наделении муниципального образования «Гвардейский район» статусом муниципального района и об установлении границ и наделении соответствующим статусом муниципальных образований, находящихся на его территории» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 24. Februar 2005, Nr. 502: Über das Ausstatten der munizipalen Bildung "Rajon Gwardeisk" mit dem Status eines munizipalen Rajons und über das Festlegen der Grenzen und das Ausstatten mit dem entsprechenden Status der munizipalen Bildungen, die sich auf seinem Gebiet befinden)
  5. Durch das Закон Калининградской области от 10 июня 2014 г. № 319 «Об объединении поселений, входящих в состав муниципального образования "Гвардейский район", и организации местного самоуправления на объединенной территории» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 10. Juni 2014, Nr. 319: Über die Vereinigung der in den Bestand der munizipalen Bildung "Rajon Gwardeisk" eingetretenen Gemeinden und die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem vereinigten Territorium)
  6. Durch das Закон Калининградской Области от 27 декабря 2019 г., № 378 «О регулировании отдельных вопросов, связанных с наделением статусом муниципального округа отдельных городских округов Калининградской области» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 27. Dezember 2019, Nr. 378 "Über die Regelung einzelner Fragen im Zusammenhang mit der Ausstattung einzelner Stadtkreise der Oblast Kaliningrad mit dem Status eines Munizipalkreises") mit Wirkung zum 1. Januar 2021
  7. auch Saretschinski
  8. Volkszählungsdaten
  9. Volker Frobarth, Das Königsberger Gebiet in der Politik der Sowjetunion 1945-1990, 2001, ISBN 3-8305-0226-5, S.173/174