Rajon Neman

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Rajon
Neman
Неманский район
Wappen
Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Verwaltungszentrum Neman
(Stadt)
Fläche 698,3 km²
Oberhaupt des Rajons (des Stadtkreises)
Natalja Saizewa
Rajon gegründet 1946
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7)
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 221
OKTMO 27 714
Website neman.gov39.ru
Geographische Lage des Verwaltungszentrums
Koordinaten 55° 2′ N, 22° 2′ OKoordinaten: 55° 2′ N, 22° 2′ O
Neman (Oblast Kaliningrad)
Neman
Neman
Neman: Lage in der Oblast Kaliningrad‎
Lage innerhalb Russlands
Oblast Kaliningrad innerhalb Russlands

Der russische Rajon Neman (russisch Неманский район) befindet sich im Norden der Oblast Kaliningrad am Fluss Memel und damit an der EU-Außengrenze zu Litauen. Das Rajonsgebiet umschließt die Stadt Sowetsk, die aber selbst nicht zum Rajon gehört. Im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung besteht der (administrativ-territoriale) Rajon aus einem Stadtkreis, dessen Verwaltungssitz die Stadt Neman (früher Ragnit) ist.

Durch das Rajonsgebiet verläuft die im Personenverkehr nicht mehr betriebene Eisenbahnnebenstrecke von Tschernjachowsk nach Sowetsk, die Güterstichstrecke von Sowetsk nach Neman und die Hauptstraße von Kaliningrad über Talpaki nach Sowetsk, über die ein großer Teil des für die Oblast wichtigen Transitverkehrs durch Litauen und Lettland nach Sankt Petersburg verläuft. Die Landschaft ist von Wald und versteppten Wiesen geprägt und dünn besiedelt. In Neman befindet sich die Ruine der alten Ordensburg Ragnit.

Kommunale Selbstverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Territorium des Rajons Neman besteht die kommunale Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Neman (ru. Неманский городской округ, Nemanski gorodskoi okrug) mit der Stadt Neman und den weiteren auf dem Territorium des Rajons befindlichen 49 Siedlungen.

Partnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rajon unterhält eine Partnerschaft mit dem Kreis Plön in Schleswig-Holstein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rajon wurde am 7. April 1946 als Ragnitski rajon gegründet.[1] Er war der Nachfolger des Landkreises Tilsit-Ragnit einschließlich der Stadt Tilsit in den von 1922 bis 1939 bestehenden Grenzen. Der äußerste Osten dieses Kreises wurde allerdings dem Rajon Krasnosnamensk zugeordnet. Verwaltungssitz des Rajons wurde die Stadt Ragnit. Zuständig für den Rajon war ab Ende Mai 1946 zunächst die Verwaltung für zivile Angelegenheiten des Rajons Ragnit (ru. Управление по гражданским делам Рагнитского района, Uprawlenie po graschdanski delam Ragnitskowo rajona).

Am 7. September 1946 wurde der Rajon in Sowetski rajon umbenannt.[2] Dieser Name bezog sich auf die gleichzeitig in Sowetsk umbenannte Stadt Tilsit, die laut Erlass auch Verwaltungssitz des Rajons werden sollte. Vor Ort blieb jedoch die Stadt Ragnit weiter der Rajonsitz.[3] Nachdem die Stadt Ragnit am 17. Juni 1947 in Neman umbenannt worden war, wurde Neman am 25. Juli 1947 auch amtlich der Verwaltungssitz des Rajons.[4] Gleichzeitig wurden die Städte Sowetsk und Neman aus dem Rajon ausgegliedert und jeweils rajonfrei. Im Sommer 1947 wurde zur Verwaltung des Rajons das Exekutivkomitee des Sowetsker Rajonsowjets der Abgeordneten der Werktätigen ernannt (ru. Исполнительный комитет Советского районного Совета депутатов трудящихся, Ispolnitelny komitet Sowetskowo rajonowo Soweta deputatow trudjaschtschichsja; kurz: Советский Райисполком, Sowetski Rajispolkom).

Am 4. April 1958 wurde der Sowetsker Rajonsowjet an den Nemansker Stadtsowjet angeschlossen und damit die Verwaltung des Rajons der Stadt Neman unterstellt. Gleichzeitig wurde der Rajon in Nemanski rajon umbenannt.[5] In den Jahren 1963 bis 1965 war der Rajon während einer kurzzeitigen allgemeinen Verwaltungsreform auf die benachbarten Rajon Slawsk und Rajon Krasnosnamensk aufgeteilt.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde am 20. Januar 1992 wieder eine eigene Rajonverwaltung mit der Bezeichnung Administration des Rajons Neman (ru. Администрация Неманского района, Administrazija Nemanskowo rajona) eingerichtet. Im Jahr 1996 wurde die Stadt Neman (wieder) in den Rajon eingegliedert.[6]

Im Jahr 1997 wurde auf dem Territorium des Rajons Neman die kommunale Selbstverwaltungseinheit Rajon Neman eingerichtet.[7] Im Jahr 2004 bekam diese Verwaltungseinheit den Status eines Stadtkreises (ru. Неманский городской округ, Nemanski gorodskoi okrug).[8] Der Stadtkreis Neman wurde von der Gerichtsbarkeit jedoch verworfen. Daraufhin bekam die Verwaltungseinheit im Jahr 2008 den Status eines "munizipalen" Rajons und wurde mit Munizipaler Rajon Neman bezeichnet (ru. Неманский муниципальный район, Nemanski munizipalny rajon); darin wurde die kommunale Selbstverwaltung auf die lokale Ebene ausgeweitet und die bestehenden neun Dorfbezirke sowie der Bereich der Nemansker Stadtadministration in zwei Landgemeinden und die städtische Gemeinde Nemanskoje umgewandelt.[9] Im Jahr 2017 wurde die kommunale Selbstverwaltung (wieder) als Stadtkreis organisiert.[10]

Dorfsowjets/Dorfbezirke 1947–2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Verwaltungssitz deutscher
Name
Bemerkungen
Bolschesselski Bolschoje Selo
seit vor 1967: Garino[11]
Unter Eisseln
Ober Eisseln
von 1963 bis 1965 im Rajon Krasnosnamensk
Gudkowski Gudkowo Gudgallen (Großfelde) seit 1959, vorher Luninski, von 1963 bis 1965 im Rajon Krasnosnamensk, bis 1968, dann wieder Luninski[12]
Kanaschski Kanasch Jurgaitschen (Königskirch) bis 1954, dann zu Nowokolchosnenski, etwa 1997 wieder eingerichtet
Luninski Lunino Lengwethen (Hohensalzburg) bis 1959, dann Gudkowski, 1968 wieder eingerichtet
Malomoschaiski Malomoschaiskoje Budwethen (Altenkirch) von 1963 bis 1965 im Rajon Krasnosnamensk
Mitschurinski Mitschurinski Althof-Ragnit seit etwa 1997, vorher zu Rakitinski
Nowokolchosnenski Nowokolchosnoje Neu Argeningken (Argenbrück) von 1963 bis 1965 im Rajon Slawsk
Petrowski Petrowo
seit vor 1967: Dubki
Petratschen (Petersfelde)
Paskallwen (Schalau)
von 1963 bis 1965 im Rajon Krasnosnamensk, bis 1968, dann Rakitinski
Rakitinski Rakitino Kurschen seit 1968, vorher Petrowski
Schilinski Schilino Szillen von 1963 bis 1965 im Rajon Krasnosnamensk
Uljanowski Uljanowo Kraupischken (Breitenstein) bis 1954, dann zu Schilinski, um 1997 wieder eingerichtet

Gemeinden 2008–2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungseinteilung des Rajons Neman 2008–2016
Name Verwaltungssitz deutscher
Name
Anzahl der
Orte
Einwohner
(2010)
Fläche
[km²]
Städtische Gemeinde:
Nemanskoje Neman Ragnit 20 15.379 226
Landgemeinden:
Luninskoje Lunino Lengwethen
1938–45: Hohensalzburg
12 2.020 247
Schilinskoje Schilino Szillen
1936–47: Schillen
18 2.733 225

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner[13] Bemerkungen
1959 13.393 Bezogen auf den Gebietsbestand von 1960. Einschließlich der Stadt Neman: 22.852. Umgerechnet auf den Gebietsbestand ab 1965 einschließlich der Stadt Neman: 23,5 T.[14]
1970 11.066 Einschließlich der Stadt Neman: 22.679
1979 09.866 Einschließlich der Stadt Neman: 22.358
1989 08.904 Einschließlich der Stadt Neman: 22.725
2002 22.536
2010 20.132

Funktionsträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parteisekretäre der WKP(B)/KPdSU 1947–1958[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1947: M. A. Zereschko (М. А. Церешко)
  • 1947–1951: Iwan Semjonowitsch Derjugin (Иван Семёнович Дерюгин)
  • 1951–1953: Serafim Matwejewitsch Pissarew (Серафим Матвеевич Писарев)
  • 1953–1955: A. M. Trofimow (А. М. Трофимов)
  • 1955–1958: N. F. Korablew (Н. Ф. Кораблев)

ab 1958 gab es keine eigene Rajonverwaltung mehr

Vorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1946–1949: Piotr Iwanowitsch Afanassjew (Пётр Иванович Афанасьев)
  • 1949–1950: Je. I. Sewruk (Е. И. Севрук)
  • 1950–1951: Serafim Matwejewitsch Pissarew (Серафим Матвеевич Писарев)
  • 1951–1952: W. A. Sisow (В. А. Сизов)
  • 1952–1953: G. I. Repin (Г. И. Репин)
  • 1953–1958: G. A. Pokrowski (Г. А. Покровский)

von 1958 bis 1991 gab es keine eigene Rajonverwaltung

  • 1991–1998: Alexandr Lwowitsch Nafejew (Александр Львович Нафеев)
  • 1999–2003: Sergei Iwanowitsch Ledenew (Сергей Иванович Леденев)
  • 2003–2007: Alexandr Stepanowitsch Melnikow (Александр Степанович Мельников)
  • 2007–2011: Sinaida Pawlowna Wassiljewa (Зинаида Павловна Васильева)
  • 2011–2014: Andrei Wladimirowitsch Filanowitsch (Андрей Владимирович Филанович)
  • seit 2014: Natalja Iwanowna Saizewa (Наталья Ивановна Зайцева)

Verwaltungschefs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2008–2010: Alexandr Stepanowitsch Melnikow (Александр Степанович Мельников)
  • 2010–2017: Sergei Fjodorowitsch Woskowschtschuk (Сергей Фёдорович Восковщук)
  • seit 2017: Maxim Alexandrowitsch Budurazki (Максим Александрович Будурацкий) (i.V.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rajon Neman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Durch den Постановление Совета Министров СССР от 7 апреля 1946 г., № 783 «Об административном устройстве г. Кенигсберга и прилегающих к нему районов» (Beschluss des Ministerrats der UdSSR vom 7. April 1946, Nr. 783: Über den administrativen Aufbau der Stadt Königsberg und ihren umliegenden Rajons)
  2. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 7 сентября 1946 г. «Об административном устройстве Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 7. September 1946: Über den administrativen Aufbau der Oblast Kaliningrad)
  3. vgl. Volker Frobarth, Das Königsberger Gebiet in der Politik der Sowjetunion 1945-1990, 2001, ISBN 3-8305-0226-5, S.269
  4. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 25 июля 1947 г., № 614/7 «Об административно-территориальном устройстве Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 25. Juli 1947, Nr. 614/7: Über den administrativ-territorialen Aufbau der Oblast Kaliningrad)
  5. siehe http://www.gako.name/index.php?razd=196
  6. Durch das Закон Калининградской области от 27 марта 1996 г. № 44 «Об административно-территориальном устройстве Калининградской области Российской Федерации» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 27. März 1996, Nr. 44: Über den administrativ-territorialen Aufbau der Oblast Kaliningrad)
  7. Durch den Постановление Калининградской областной Думы от 9 октября 1997 г. № 70 «Об утверждении границы административно - территориального, муниципального образования "Неманский район"» (Beschluss der Kaliningrader Oblastduma vom 9. Oktober 1997, Nr. 70: Über die Bestätigung der Grenze des administrativ-territorialen und der munizipalen Bildung "Rajon Neman")
  8. Durch das Закон Калининградской области от 5 ноября 2004 г. № 437 «О наделении муниципального образования "Неманский район" статусом городского округа» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 5. November 2004, Nr. 437: Über das Ausstatten der munizipalen Bildung "Rajon Neman" mit dem Status eines Stadtkreises)
  9. Durch das Закон Калининградской области от 30 июня 2008 г. № 257 «Об организации местного самоуправления на территории муниципального образования "Неманский городской округ"» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, Nr. 257: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Gebiet der munizipalen Bildung "Stadtkreis Neman")
  10. Durch das Закон Калининградской области от 18 октября 2016 г. № 4 «Об объединении поселений, входящих в состав муниципального образования "Неманский муниципальный район", и организации местного самоуправления на объединённой территории» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 18. Oktober 2016, Nr. 4: Über die Vereinigung der in die munizipale Bildung "Munizipaler Rajon Neman" eingetretenen Gemeinden und die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem vereinigten Territorium) mit Wirkung zum 1. Januar 2017.
  11. heißt jetzt Gorino
  12. Der Ort Gudkowo wurde allerdings zunächst 1950 in Petrowski eingeordnet und gehörte vermutlich seit 1968 zu Rakitinski
  13. Volkszählungsdaten
  14. Volker Frobarth, Das Königsberger Gebiet in der Politik der Sowjetunion 1945-1990, 2001, ISBN 3-8305-0226-5, S.173/174