Rattelschneck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Rattelschneck ist das Pseudonym zweier Cartoonisten, die unter anderem für Titanic, Kowalski, junge Welt, die Süddeutsche Zeitung, die FAZ, 11 Freunde und Die Zeit zeichneten und zeichnen.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Rattelschneck ist eine humoristische Ableitung des englischen Rattlesnake (Klapperschlange). Von den ursprünglich fünf Mitgliedern sind heute noch Marcus Weimer und Olav Westphalen aktiv.[1] Weimer (* 1963 in München) und Westphalen (* 1963 in Hamburg) lernten sich 1986 an der Hochschule für bildende Künste Hamburg im Rahmen einer Gastprofessur von F. K. Waechter kennen.[2] Über ihr Programm sagen sie selbst: „Rattelschneck ist keine Person, sondern ein Kollektiv; gegründet als utopisches Projekt“.[3] Rattelschneck veröffentlicht Cartoons und Comicstrips mit einer sehr charakteristischen Form absurden Humors. Die Zeit schrieb 1993 über Rattelschneck:

„Die Welt von Rattelschneck ist nicht nur kindlich, abgründig und erzieherisch äußerst wertvoll. Sie ist auch schlecht gezeichnet. Da wird geschlampt und geschmiert, und es spucken die Kugelschreiber vor sich hin. Dieses ästhetische Unvermögen freilich ist Ergebnis einer gediegenen graphischen Ausbildung […] Und es ist das, was die Kunstgeschichtsschreibung einen ‚Stil‘ nennt, nämlich jener der caricature brute.“[4]

Figurenpersonal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rattelschnecks bekannteste Figur war die sprechende Fleischsalatstulle „Stulli“, die Hauptfigur des bis 2012 erschienenen Comicstrips Stulli, das Pausenbrot in der Satire-Zeitschrift Titanic. Stulli, „schön mit Margarine beschmiert und dick mit Fleischsalat belegt“, ist vom Wunsch besessen, aufgegessen zu werden, der ihm stets verwehrt bleibt. Andere Figuren sind „Rümpfchen“ (ein Männlein ohne Arme und Beine), die „Skyfuckers“, „Wonderbra Bernd“, „Trompi der Elefant“ und „Lebkuchen Jonny“. Klaus Cäsar Zehrer vergleicht „Stulli“ mit Robert Gernhardts Comicfigur „Schnuffi“:

„Ein Pausenbrot ist als Serienheld fraglos um Längen blöder als ein nilpferdartiger Humanoid [i.e. Gernhardts ‚Schnuffi‘], der gewollt grobschlächtige, kindische Zeichenstil Rattelschnecks unterstützt die intendierte Ferne an Feingeistigkeit wirkungsvoller als Gernhardts sauberer Strich, und die Rinde als Ehefrau des Pausenbrots gibt eine abwegigere, weniger vorhersehbare Pointe ab. Der gezeichnete Nonsens ist seit Gernhardts Frühzeit erheblich dreister und drastischer geworden.“[5]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marcus Weimer lebt in Berlin, wo er als Gagwriter unter anderem für Olli Dittrich arbeitet. Olav Westphalen lebte als freier Künstler in New York, dessen Skulpturen und Zeichnungen in internationalen Galerien ausgestellt und in zahlreichen Büchern veröffentlicht wurden. Westphalen ist heute Professor für Performancekunst an der Königlichen Kunstakademie in Stockholm.[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelveröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marburganderlahnbuch. Verbrecher Verlag, 2004.
  • Hier lacht der Betrachter. Lappan Verlag, 2005, ISBN 3-8303-3116-9.
  • Frankfurtmainbuch. Verbrecher Verlag, 2005.
  • Welcome to Amerika. Carlsen Verlag, 2008.

Illustrationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helden und Geschichten. Galerie Knoth & Krüger, Berlin-Kreuzberg 2010.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Porträts

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [tt_news=131&cHash=46a8d802e9b12000be8d497741d9a136 Kurzbiografien caricatura.de]
  2. Eulenspiegel, 41./49. Jg., Nr. 11/94, S. 50.
  3. Rattelschneck – Zeichnen im Doppelpack. (Memento vom 9. Juni 2010 im Internet Archive) caricatura.de
  4. caricature brute. In: Die Zeit, Nr. 17/1993
  5. Klaus Cäsar Zehrer: Dialektik der Satire. (PDF; 9,4 MB) uni-bremen.de, Dissertation
  6. Siehe dazu Westphalens künstlerischen Lebenslauf
  7. Kirsten Kumschlies: Rezension bei KinderundJugendmedien.de, Universität Bremen