Reginald Farrer

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Reginald John Farrer (* 17. Februar 1880 in Marylebone, London; † 17. Oktober 1920 in Nyitadi, Burma) war ein englischer Schriftsteller, Maler und Pflanzensammler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Vater, James Anson Farrer (1849–1925), war ein wohlhabender Rechtsanwalt, Autor und Landbesitzer aus Clapham im North Riding von Yorkshire, seine Mutter Elizabeth („Bessie“) Georgina Ann Reynell-Pack Tochter eines Berufsoffiziers.

Farrer wurde mit einer Hasenscharte und einem Wolfsrachen geboren und deshalb als Kind wiederholt operiert. Durch die Missbildung des Gaumens hatte er Schwierigkeiten bei der Artikulation. Bis ins Alter von 15 Jahren verstand nur seine Mutter, was er sagte.[1] Deshalb wurde er zu Hause in Clapham und Newnham Rectory erzogen. Seine Mutter war in der Kirche und wohltätigen Organisationen tätig. Farrer interessierte sich bereits als Kind für Pflanzen. Als sein Vater 1889 das Gut Ingleborough in Yorkshire erbte, entwarf der 14-jährige Farrer den Steingarten neu. Er publizierte einen Artikel über ein örtliches Vorkommen des Sandkrautes Arenaria gothica auf dem Ingleborough Fell im Journal of Botany. Auch später pflegte er Besucher des Gutes auf die Fells zu führen, um ihnen die dortige Pflanzenwelt zu zeigen.[2] Von 1898 bis 1902 studierte er klassische Literatur „Greats“ (Literae Humaniores) am exklusiven Balliol College, Oxford, das er, vielleicht krankheitsbedingt, mit einem sehr schlechten Ergebnis (third) abschloss.[3] Während seiner Studienzeit half er dem Pfarrer H. J. Bidder, den Steingarten des St John’s Colleges einzurichten. Außerdem freundete er sich mit seinen Kommilitonen Aubrey Herbert, einem zukünftigen Diplomaten, und Raymond Asquith an und gründete den Debattierclub „Ganymede“.[4]

1901 gründete Farrer eine Gärtnerei in Clapham, die auf Steingartenpflanzen spezialisiert war. Sie gewann mehrere Preise auf der Chelsea Flower Show.[5] Sie musste jedoch 1914 bei Kriegsbeginn schließen, da die englischen Gärten nun der Selbstversorgung dienen sollten.

In Japan machte Farrer die Bekanntschaft der englischen Reiseschriftstellerin Gertrude Bell und ihres Bruders Hugo Bell.[6] Er begann hier, Pflanzen zu sammeln. Ferner studierte er die Gartenkunst Japans, die ihn begeisterte, und publizierte ein Buch über das Thema. Auf der Rückreise von Japan schrieb Farrer seinen ersten Roman, der 1906 veröffentlicht und unter anderem von Virginia Woolf im Times Literary Supplement gelobt wurde.[7] Sein nächstes Buch beruhte auf der Theorie der Seelenwanderung. Wie Orlando hatte es eine Heldin, die ihr Geschlecht wechselte. Es wurde von der Kritik jedoch ebenso wie seine folgenden Romane schlecht aufgenommen. Farrers Romane enthalten scharf und zuweilen bösartig beobachtete Einzelheiten des Lebens der Britischen Oberklasse, seine Biographin Nicola Shulman beurteilt ihre Handlung jedoch als „unnötig kompliziert“.[8]

Sein Vater hatte Farrers hohe Ausgaben auf der Japan-Reise missbilligt. Die nächsten zehn Jahre verbrachte Farrer auf dem väterlichen Gut, wo er seine Gärtnerei ausbaute und mehrere Gärten anlegte. Da ihm sein Vater nicht genügend Arbeiter zur Verfügung stellte, musste Farrer sie weitgehend selbst betreuen, damals eine Neuheit.[9] Farrers Steingarten, auf einer Klippe des Ingleborough angelegt, galt als der einzig natürliche Steingarten Englands.[10] Um ihn anzulegen, musste sich Farrer abseilen, angeblich schoss er auch von einem Boot aus Samen aus seinem Gewehr auf die steilen Felsen.[11] Von der Anlage ist heute nichts mehr erhalten. Farrer gestaltete auch eine Garten für seinen Studienfreund Aubrey Herbert in Pixton.[12]

Farrer war wie sein Vater Mitglied der Liberalen Partei und wurde Friedensrichter für West-Yorkshire. Er kandidierte 1910 als Abgeordneter für Ashford in Kent. In der Wahl sprach er sich für den Freihandel aus. Er verlor die Wahl jedoch gegen den konservativen Kandidaten Lawrence Hardy,[13] vielleicht auch, weil er angeblich die 1000 Pfund, die ihm sein Vater, liberales Mitglied des Unterhauses für Skipton, für Wahlausgaben zur Verfügung gestellt hatte, verwendete, um Cypripedien zu kaufen. Zudem hatte er wenig Gespür für Öffentlichkeitsarbeit und verließ etwa ein Benefiz-Konzert der Liberalen Partei wegen dessen mangelnder Qualität.[14]

Auf seiner Ceylon-Reise wurde Farrer 1907 zum Entsetzen seiner Familie Buddhist, wie seine Base Edith Sitwell berichtet.[15]

Farrer wurde 1916 nach seiner Rückkehr aus China für wehruntauglich erklärt und arbeitete als Journalist im britischen Informationsministerium unter John Buchan, bis dieses 1918 aufgelöst wurde. Es war das einzige Mal, dass er einer bezahlten Arbeit nachging. Der Propaganda-Journalismus ekelte ihn jedoch an.[16]

Farrer hatte angeblich eine Affäre mit einer Geisha, heiratete aber nie. In einigen seiner Werke wird der Kontrast zwischen Gattin und Konkubine beleuchtet.

Farrer verstarb 1920 in der Nähe der britischen Hill Station Nyitadi östlich des Irrawaddy im Min Shan, wo er Pflanzen sammelte und an einem neuen Roman arbeitete, laut dem nicht anwesenden Cox an Diphtherie. Dies scheint jedoch zweifelhaft, da er diese Krankheit bereits während seiner Studentenzeit in Oxford überstanden hatte. Farrer wurde in Kawngglanghpu begraben,[17] nicht, wie Cox behauptet, in Konglu. Ein kleiner Gedenkstein im Familien-Garten in Ingleborough trägt die Worte He died for love and duty in search of rare plants. Das Tagebuch seiner letzten Reise wurde von seiner Mutter zerstört, das Manuskript seines letzten Romans The empty House sowie die gesammelten Samen waren an seinem Todesort zurückgeblieben.[18] Sein detailliertes Herbarium sowie Briefe an seine Mutter und Pflanzensammler wie Edward Augustus Bowles und Isaac Bayley Balfour werden im botanischen Garten von Edinburgh aufbewahrt.[19] Seine Familie übergab dem Botanischen Garten 2005 weitere Schriftstücke und Zeichnungen. Die Fotografien sind teilweise eine Dauerleihgabe der Lakeland Horticultural Society.[20]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Farrer hatte eine Karriere als Schriftsteller geplant und veröffentlichte fünf Romane und zwei Versepen, die jedoch heute weitgehend vergessen sind.

  • Herod through the Opera Glass. A tragedy in three acts [A parody of Stephen Phillips’ “Herod”]. Oxford, B. H. Blackwell (1901)
  • The Garden of Asia, Impressions from Japan. Methuen and Co. (1904)
  • The House of Shadows. London, Edward Arnold (1906)
  • The sundered Streams. The history of a Memory that had no full stops. London, Edward Arnold (1907)
  • My Rock Garden. London, Edward Arnold (1907)
  • The Dowager of Jerusalem: a romance in four acts [Versepos]. London, Edward Arnold (1908)
  • Alpines and Bog Plants. London, Edward Arnold (1908)
  • The Ways of Rebellion. London, Edward Arnold (1908)
  • The Anne-Queen's Chronicle, being a history of the last five months, faithfully recounted, in the life of the Lady Anne, Marquis of Pembroke, Queen-Consort of England. London, Alston Rivers (1909)
  • In a Yorkshire Garden. London, Edward Arnold (1909)
  • In Old Ceylon. London, Edward Arnold (1910)
  • Among the Hills, a book of Joy in high Places (1911)
  • Through the ivory Gates. (1912)
  • The Rock Garden (1912)
  • Vasanta the beautiful, a homily in four acts. London, Bradbury, Agnew & Co. (1913).
  • The Dolomites, King Laurin's Garden (1913)
  • On the Eaves of the World, A botanical exploration of the borders of China and Tibet. London, Edward Arnold (1917)
  • The Void of War: letters from three fronts. London, Constable & Co. (1918)
  • The English Rock Garden. London, T. C. & E. C. Jack (1919)
  • The Rainbow Bridge. London, Edward Arnold (1921)
    • Artikel in „Gardener's Gazette“
    • Übersetzungen aus dem Französischen[21]

Reisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Farrer publizierte zahlreiche Erstbeschreibungen von Pflanzen aus dem tropischen Südwest-China, obwohl er in dem Gebiet mit Frank Kingdon Ward und George Forrest konkurrieren musste. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Farrer“.

Heute wird vor allem noch sein Buch über Steingärten gelesen. Die Reiseberichte enthalten sehr poetische Pflanzenbeschreibungen, vielleicht etwas schwülstig für den heutigen Geschmack. Sein Biograph Basil Morgan bezeichnet seinen Stil im English Rock Garden als „… long-winded, opinionated, and at times perverse“.[24] Nach Richard Wilford ist das Buch bekannt für „… flowery prose and strong opinions.“[25] Die Dichterin und Gärtnerin Vita Sackville-West dagegen verglich seine Prosa mit der von D. H. Lawrence und sah ihn als „halb Dichter, halb Botaniker“.[26]

Farrers oft unter schwierigen Bedingungen gemalte Landschaftsbilder aus Gansu wurden 1918 von der renommierten Fine Art Society ausgestellt.[27]

Zahlreiche Pflanzen wurden nach Farrer benannt:

Weitere Pflanzen führte er zum ersten Mal nach England aus, wie z. B.:

Dem organisierten Naturschutz stand Farrer ablehnend gegenüber, nach eigenen Aussagen umklammerte er sich immer voll Spott, wenn er Schilder sah, die zum Schutz des Edelweiß’ aufforderten, gebe es doch, wie jeder Kenner der Materie wisse, mehr als genug davon.[30]

Mitgliedschaften und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Farrer war Mitglied des exklusiven Horticultural Clubs. 1920 verlieh ihm die Royal Geographical Society die Gill Memorial-Medaille, die geographische Entdeckungen auszeichnet. Das Museum in Settle (North Yorkshire) widmete Farrer 2003 eine Ausstellung.[31]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Basil Morgan, Farrer, Reginald John (1880–1920), Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press, 2004; online edition, Sept. 2012 accessed 19. Dec 2016.
  • Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002.
  • Euan Hillhouse Methven Cox, Farrer’s Last Journey, Upper Burma 1919–1920. London, Dulau & Co. 1926.
  • W. R. Mitchell, Reginald Farrer: at home in the Yorkshire Dales. Giggleswick, Castleberg 2002.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 16
  2. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 48
  3. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 22
  4. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 20
  5. http://www.northcravenheritage.org.uk/nchtjournal/Journals/1992/J92A13.html
  6. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 24
  7. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 31
  8. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 35
  9. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 52
  10. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 52
  11. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 36
  12. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 60
  13. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 59
  14. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 59
  15. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 35-37
  16. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 101f.
  17. Abbildung in Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 22. Dezember 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kew.org
  18. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 119
  19. GB 235 RJF/1
  20. https://archiveshub.jisc.ac.uk/search/archives/911faa24-523f-34ad-bcb2-7f8648cef3f0
  21. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 23
  22. Richard Wilford, Alpines from mountain to garden. Botanical Magazine Monographs, London, Board of Trustees of Kew Gardens 2010, 170
  23. https://www.glendoick.com/Glendoick-History
  24. Basil Morgan, 'Farrer, Reginald John (1880–1920)’, Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press, 2004; online edn, Sept 2012 accessed 19/12/2016.
  25. Richard Wilford, Alpines from mountain to garden. Botanical Magazine Monographs, London, Board of Trustees of Kew Gardens 2010, 170
  26. Nicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books, 2002, 51
  27. http://www.northcravenheritage.org.uk/nchtjournal/Journals/1992/J92A13.html
  28. Richard Wilford, Alpines from mountain to garden. Botanical Magazine Monographs, London, Board of Trustees of Kew Gardens 2010, 170. Abbildung des Herbariums unter Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 22. Dezember 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kew.org
  29. Richard Wilford, Alpines from mountain to garden. Botanical Magazine Monographs, London, Board of Trustees of Kew Gardens 2010, 171
  30. Reginald Farrer, Among the Hills, Afterword (London 1978, 323)
  31. http://www.ncbpt.org.uk/folly/exhibitions/exhibitions_2003/