Rhodos (Stadt)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gemeindebezirk Rhodos (Rodos)
Δημοτική Ενότητα Ρόδου
(Ρόδος)
Rhodos (Stadt) (Griechenland)
Bluedot.svg
Basisdaten
Staat: Griechenland
Region: Südliche Ägäis

f6

Regionalbezirk: Rhodos
Gemeinde: Rhodos
Geographische Koordinaten: 36° 26′ N, 28° 13′ OKoordinaten: 36° 26′ N, 28° 13′ O
Höhe ü. d. M.: 26 m
(Durchschnitt)
Fläche: 19,481 km²
Einwohner: 50.636 (2011[1])
Bevölkerungsdichte: 2.599,3 Ew./km²
Code-Nr.: 690101
Gliederung: f121 Stadtbezirk
f12
Lage in der Gemeinde Rhodos und im Regionalbezirk Rhodos
Datei:DE Rodou.svg
f9

Die Stadt Rhodos (griechisch Rodos Ρόδος (f. sg.), osmanisch bis 1912 Rodos, italienisch 1912–1947 Rodi) liegt an der Nordspitze der griechischen Insel Rhodos. Sie ist seit der Verwaltungsreform 2010 Verwaltungssitz der Gemeinde Rhodos (Dimos Rodou Δήμος Ρόδου) und bildet dort den gleichnamigen Gemeindebezirk Rhodos (Dimotiki Enotita Rodou Δημοτική Ενότητα Ρόδου). Sie besteht aus einer modernen Neustadt und einer Altstadt, die vollständig von einer Stadtmauer umgeben ist. Über der Stadt finden sich auf dem Monte Smith die Reste einer antiken Akropolis. Es gibt zwei Häfen. Am Eingang des antiken Mandraki-Hafens stand angeblich der Koloss von Rhodos. Im Jahr 2011 hatte die Stadt 50.636 Einwohner.

Großmeisterpalast in der italienischen Rekonstruktion um 1939
Der Uhrturm bietet einen Stadtüberblick
Das Marientor am Hafen
Die Mühlenmole am Handelshafen
Der Apollontempel auf dem Berg
Die Süleyman-Moschee

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Rhodos wurde 408 vor Christus gegründet und nach den Prinzipien des Stadtplaners Hippodamus erbaut. Die folgenden drei Jahrhunderte gelten als goldenes Zeitalter von Rhodos. In diese Zeit des erfolgreichen Seehandels fiel auch die Erschaffung des bekanntesten Kunstwerkes der Stadt, des Koloss von Rhodos. Diese Statue stand von etwa 282 vor Christus bis 226 vor Christus am Eingang des Hafens. Das Erdbeben, das in diesem Jahr die Statue umwarf und zerstörte, beschädigte auch weite Teile der Stadt.[2]

164 vor Christus kam die bis dahin unabhängige Stadt unter römische Verwaltung. Sie galt auch in der Folgezeit noch als Zentrum der Bildung, der Wissenschaft und der Künste.[3]

Zwischen 330 und 650 nach Christus war Rhodos Teil des Byzantinischen Reiches. Die Stadt war während dieser Zeit Bischofssitz und auch ein wichtiger Militärstützpunkt. Viele Kirchen wurden in dieser Zeit gebaut, darunter mehrere Basiliken. Im siebten Jahrhundert tauchten die Araber erstmals in den Gewässern vor Rhodos auf. Sie eroberten die Stadt und beherrschten sie für mehrere Jahrzehnte. In der Folgezeit schrumpfte die Stadt und wurde aber mit Mauern befestigt. Über diese Zeit gibt es nur wenige schriftliche Berichte.[4]

1309 wurde die Stadt an den Orden der Johanniter verkauft. Der Orden verlegte sein Hauptquartier nach Rhodos und wurde zu einer der beherrschenden Kräfte des östlichen Mittelmeeres. Rhodos gedieh und wuchs unter dieser Regierung wieder. Die Ritter verstärkten und erweiterten die Befestigungsanlagen der Stadt kontinuierlich. Sie errichteten aber auch Kirchen, den Großmeisterpalast und ein Krankenhaus. Der Seehandel war trotz andauernder Konflikte mit dem Osmanischen Reich eine einträgliche Einkommensquelle für die Stadt. Das meiste Wissen über diese Zeit stammt aus dem sehr sorgfältig geführten Archiv der Ordensritter, das heute in der Nationalbibliothek von Malta aufbewahrt wird.[5]

Die Ritterzeit endete für Rhodos 1522 mit der Eroberung der Stadt durch die Osmanen nach einer langen Belagerung. Die Eroberer vertrieben die griechische Bevölkerung aus der befestigten Stadt und errichteten Moscheen, Badehäuser und großzügige Wohnhäuser. Viele Gebäude wurden aber auch erhalten und nur dem Geschmack und den Gewohnheiten der neuen Bewohner angepasst. In der Folgezeit verlor Rhodos seine Bedeutung als internationaler Handelsplatz und war vor allem Warenumschlagplatz für den Handel auf der Insel. Im 19. Jahrhundert erschütterten mehrere Erdbeben die Stadt und es kam zu Seuchen. Diese äußeren Katastrophen fielen in eine Zeit des Niedergangs des Osmanischen Reiches und die Stadt mit ihren Gebäuden litt unter Vernachlässigung.[6]

1912 übernahmen die Italiener die Regierung der Stadt und der Insel Rhodos, 1923 errichteten sie die sogenannte Kolonie Isole italiane dell'Egeo. In der Stadt Rhodos zerstörten die Italiener alle Gebäude, die in der osmanischen Zeit auf oder an die Stadtmauern gebaut worden waren. Sie restaurierten viele Gebäude aus der Ritterzeit, insbesondere den Großmeisterpalast. Auch wurde die Infrastruktur der Stadt unter italienischer Herrschaft modernisiert und erweitert. Die Stadt, insbesondere die Neustadt, wurde nach damals geltenden stadtplanerischen Gesichtspunkten wesentlich verändert.[7]

Altstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Altstadt, die seit 1988 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört, liegt zum Teil auf einem Hügel und ist von einer vier Kilometer langen Festungsmauer umgeben, die bis an den Hafen reicht. Am höchsten Punkt der Altstadt liegt der Großmeisterpalast des Johanniterordens (von 1937 bis 1940 von den Italienern wieder aufgebaut), der heute ein Museum beherbergt, in dem römische und griechische Skulpturen ausgestellt sind sowie zahlreiche Mosaiken, die unter der italienischen Besatzung ihren Weg von Kos nach Rhodos fanden. Die touristisch geprägte Odos Sokratou (Sokratesstraße) verbindet die Süleyman-Pascha-Moschee mit der Platia Ippokratou. Gegenüber der Moschee befindet sich die türkische Bibliothek. An die Platia Ippokratou, in deren Mitte sich ein Eulenbrunnen befindet, grenzt der Platz der jüdischen Märtyrer mit eine mehrsprachigen Säule zur Erinnerung an die Deportierten und dem Seepferdchenbrunnen. Südwestlich der Sokratou erstreckt sich das Türkenviertel mit schmalen Gassen, Moscheen, kleinen Plätzen und einem türkischen Bad.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Rhodos-Stadt aus führen zahlreiche Busverbindungen auf die ganze Insel. Schiffsverkehr besteht zu den Inseln Symi und Tilos sowie zum türkischen Festland.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Archäologisches Museum im ehemaligen Ordenshospital
  • Museum für dekorative Kunst im selben Gebäude
  • Byzantinisches Museum in der Marienkirche Panagia tou Kástrou
  • Museum für moderne griechische Kunst in drei auseinanderliegenden Gebäuden, aber einem Eintrittspreis

Sakrale Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Auswahl)

Kirchen:

Die Namen in Klammern entsprechen der Bezeichnung als Moschee unter osmanischer Herrschaft.

  • Agios Fandourios, aus dem 13. Jahrhundert (aktive Pfarrkirche)
  • Agios Panteleimon, zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts (aktive Pfarrkirche)
  • Panagia tou Bourgou, erste Hälfte des 14. Jahrhunderts (Ruine)
  • Panagia tis Nikis aus dem 15. Jahrhundert (Ruine)
  • Panagia tou Kastrou aus dem 11. Jahrhundert (dient heute als Ausstellungsraum)
  • Agia Triada an der Ippoton-Strasse (Khan Zade Mescidi), zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts
  • St. Johann im Chollachium (Ruine)
  • Agios Georgios (Chourmali mesjid), aus dem 14. Jahrhundert
  • Agios Nikolaos, aus dem 14. Jahrhundert
  • Agia Kyriaki (Barasani mesjid), zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts
  • Agia Ekaterini (Ilk Michrab), aus dem 14. Jahrhundert
  • Agia Triada im jüdischen Viertel (Dolapli mesjid), aus dem 15. Jahrhundert, ehemalige Metropolitenkirche von Rhodos
  • Agios Spyridon (Kavakly mesjid), aus dem 11. Jahrhundert

Moscheen:

  • Ibrahim Pascha Moschee, gebaut 1540–1541 (noch heute aktive Moschee)
  • Sultan Mustafa Moschee, gebaut 1764–1765 (noch heute aktive Moschee)
  • Süleyman-Pascha-Moschee, aus dem 16. Jahrhundert
  • Mehmet Aga Moschee, aus dem 18. Jahrhundert
  • Sindrivan Moschee, gebaut 1888
  • Retzep Pascha Moschee, gebaut 1588
  • Murat Reis Moschee, mit gut erhaltenem islamischem Friedhof und dem Mausoleum von Murat Reis dem Admiral von Süleyman I.

Synagoge:

  • Kahal Shalom gebaut 1577 (sowie fünf weitere nicht mehr erhaltene Synagogen)

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die erfolgreiche Arbeit erhielt Rhodos den „Golden Star“-Preis der Europäischen Union.

Darüber hinaus hat Rhodos formale Abkommen über Zusammenarbeit mit den Städten Athen, Olymbos und Muğla geschlossen.[8]

Sicht vom Hafen, links das Judenviertel, in der Mitte das Türkenviertel, rechts das Ritterviertel mit dem Großmeisterpalast

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anthony Luttrell: The town of Rhodes. 1306–1356. Office for the Medieval Town, Rhodos 2003, ISBN 960-214-208-1.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rhodos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ergebnisse der Volkszählung 2011, Griechisches Statistisches Amt (ΕΛ.ΣΤΑΤ) (Memento vom 27. Juni 2015 im Internet Archive) (Excel-Dokument, 2,6 MB)
  2. Classical Period. Stadt Rhodos, abgerufen am 5. Mai 2016.
  3. Roman Period. Stadt Rhodos, abgerufen am 5. Mai 2016.
  4. Byzantine Period. Stadt Rhodos, abgerufen am 5. Mai 2016.
  5. Knights' Period. Stadt Rhodos, abgerufen am 6. Mai 2016.
  6. Ottoman Period. Stadt Rhodos, abgerufen am 6. Mai 2016.
  7. Italian Period. Stadt Rhodos, abgerufen am 6. Mai 2016.
  8. Städtepartnerschaften. Stadt Rhodos, abgerufen am 9. Mai 2008 (englisch).