Riem Spielhaus

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Riem Spielhaus (* 1974 in Berlin-Mitte) ist eine deutsche Islamwissenschaftlerin und Schatzmeisterin des Rat für Migration.[1]

Sie forscht und publiziert hauptsächlich zu muslimischen Minderheiten mit den Schwerpunkten Wissensproduktion und -verbreitung zum Thema Islam sowie islamisches Gemeindeleben, Identitätspolitiken und Institutionalisierung des Islams in Europa. Sie leitet die Abteilung Schulbuch und Gesellschaft am Georg-Eckert-Institut, Leibniz-Institut für Internationale Schulbuchforschung und ist Professorin für Islamwissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Riem Spielhaus studierte ab 1994 Islamwissenschaften und Afrikawissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und schloss 2001 mit dem Grad Magistra Artium ab. Von 2002 bis 2003 war sie Referentin für den Themenbereich Religionen Zugewanderter im Arbeitsstab von Marieluise Beck, der damaligen Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Ab 2002 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Islamwissenschaft des nichtarabischen Raumes am Institut für Asien-Afrikawissenschaften an der Humboldt-Universität tätig, wo sie Einführungskurse in Islam- und Regionalwissenschaft sowie Kurse in Arabisch und zur Situation muslimischer Minoritäten gab. Gemeinsam mit der Stadtethnologin Alexa Färber veröffentlichte sie 2006 die Studie Islamisches Gemeindeleben in Berlin.[2] Mit ihrer Dissertation zum Thema Wer ist hier Muslim? Die Entwicklung eines islamischen Bewusstseins in Deutschland zwischen Selbstidentifikation und Fremdzuschreibung wurde sie 2008 an der Humboldt-Universität promoviert. Sie erhielt dafür 2010 den Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien,[3] im folgenden Jahr wurde die Schrift in der Reihe Muslimische Welten des Ergon-Verlags veröffentlicht und auch außerhalb von Fachrezensionen besprochen.[4][5]

Von 2010 bis 2012 war sie Post-Docfellow am Centre for European Islamic Thought an der Theologischen Fakultät der Universität Kopenhagen tätig, wo sie einen Vergleich quantitativer Erhebungen unter Musliminnen und Muslimen in Westeuropa seit 2001 leitete.[6]

Von 2012 bis 2016 forschte Riem Spielhaus am Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa (EZIRE) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zur rechtlichen Anerkennung des Islams in Deutschland. Seit 2016 leitet sie die Abteilung Schulbuch und Gesellschaft am Georg-Eckert-Institut, Leibniz-Institut für Internationale Schulbuchforschung und ist Professorin an der Georg-August-Universität Göttingen.

Sie war 2004 Gründungsmitglied der Muslimischen Akademie in Deutschland. 2006 wurde sie vom Bundesministerium des Innern als beratendes Mitglied eines Gesprächskreises der Deutschen Islamkonferenz eingeladen und war bis 2009 ständiges Mitglied mehrerer Dialogforen. Seit 2008 ist Riem Spielhaus Fellow des Transatlantic Forum on Migration and Integration (TFMI), einer internationalen Plattform für junge Fachkräfte im Themenfeld Migration und Integration, koordiniert vom German Marshall Fund und der Robert Bosch Stiftung. Zusammen mit dem Rechtswissenschaftler Martin Herzog erstellte sie für die Friedrich-Ebert-Stiftung ein Gutachten zu dem Thema der rechtlichen Anerkennung des Islam als Religionsgemeinschaft in Deutschland (2015).

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Alexa Färber (Hrsg.): Islamisches Gemeindeleben in Berlin. Beauftragter des Senats von Berlin für Integration und Migration, Berlin 2006, ISBN 3-938352-14-0.
  • mit Ayfer Durdu, Anke Bentzin, Jeanine Dagyeli, Kira Kosnick (Hrsg.): Islam auf Sendung. Islamische Fernsehsendungen im Offenen Kanal Berlin. Dağyeli Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-935597-45-6.
  • mit Anke Bentzin, Henner Fürtig, Thomas Krüppner (Hrsg.): Zwischen Orient und Okzident. Studien zu Mobilität von Wissen, Konzepten und Praktiken. Herder Verlag, Freiburg 2010, ISBN 978-3-451-30296-1.
  • Neue Gemeinschaften. In: Hilal Sezgin (Hrsg.). Manifest der Vielen. Deutschland erfindet sich neu. Blumenbar Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-936738-74-2.
  • Wer ist hier Muslim? Die Entwicklung eines islamischen Bewusstseins in Deutschland zwischen Selbstidentifikation und Fremdzuschreibung. Ergon Verlag, Würzburg 2011, ISBN 978-3-89913-848-1.

Gutachten

  • mit Martin Herzog: Die rechtliche Anerkennung des Islams in Deutschland. Herausgegeben von Dietmar Molthagen für die der Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin 2015. PDF

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://rat-fuer-migration.de/ueber-uns/vorstand/
  2. Christine Schniedermann: Wissenschaftlerinnen der HU geben Studie "Islamisches Gemeindeleben in Berlin" heraus. Dezember 2006, abgerufen am 6. September 2012 (Pressemitteilung der Humboldt-Universität zu Berlin).
  3. Klaus P. Prem: Wer ist hier Muslim? Augsburger Wissenschaftspreis 2010 geht an die Berliner Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus. In: Informationsdienst Wissenschaft. 14. Juni 2010, abgerufen am 31. Mai 2012 (Pressemitteilung der Universität Augsburg).
  4. Karen Krüger: Gehen Sie eigentlich öfter in die Moschee? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 5. Oktober 2011, abgerufen am 31. Mai 2012 (Rezension von Wer ist hier Muslim?).
  5. Birgit Rommelspacher: R. Spielhaus: Wer ist hier Muslim? In: H-Soz-u-Kult. April 2012, abgerufen am 7. September 2012 (Rezension von Wer ist hier Muslim?).
  6. Andrea Dernbach: Fragen sagen mehr als Antworten. In: Berliner Tagesspiegel. 11. März 2011, abgerufen am 7. September 2012 (Kommentar von Riem Spielhaus zu einer Muslim-Studie des Bundesinnenministeriums).