Rindern

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Koordinaten: 51° 48′ 40″ N, 6° 7′ 21″ O

Rindern
Stadt Kleve
„Gespalten in Rot und Gold (Gelb), vorn ein goldener (gelber) Schlüssel, dessen Bart nach links zeigt und hinten ein rotes Krückenkreuz in wechselnden Farben.“
Höhe: 13 m
Fläche: 6,73 km²
Einwohner: 2840 (31. Dez. 2012)
Bevölkerungsdichte: 422 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1969
Postleitzahl: 47533
Vorwahl: 02821

Rindern ist ein Stadtteil von Kleve am unteren Niederrhein im Kreis Kleve.[1]

Geschichte und Archäologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Willibrord-Kirche und Johanna-Sebus-Grundschule mit Forum Arenacum
Römischer Mars-Camulus-Weihestein aus der Zeit Kaiser Neros als Altar der St.-Willibrord-Kirche
Klais-Orgel der St.-Willibrord-Kirche

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist Rindern identisch mit dem erstmals um das Jahr 70 n. Chr. bei Tacitus in seiner Beschreibung der Bataver-Aufstände erwähnten Arenacum.[2] Im 4. Jahrhundert ist die römische Siedlung als Harenatium in einem römischen Straßenverzeichnis eingetragen. Die römische Besiedlung unterstreichen zahlreiche Funde aus römischer Zeit.[3] Besonders der direkt an die Kirche St. Willibrord angrenzende Friedhof ist eine reichhaltige Fundstätte. Die Kirche selbst wurde auf römischen Fundamenten aus dem 1. Jahrhundert errichtet. Der in Rindern gefundene Mars-Camulus-Weihestein dient heute als Altar der St.-Willibrord-Kirche, in der sich auch das bei der Erweiterung der Kirche in den nördlichen Chor integrierte Grab der Johanna Sebus befindet.

Bei Ausgrabungen 1980 im Innern der Willibrord-Kirche wurden ungewöhnlich reiche Gräber der Zeit 670-740 n. Chr. entdeckt. Sie belegen, dass der Ort bereits im späten 7. Jahrhundert bestand und Mitglieder einer zeitgenössischen Oberschicht beherbergte.[4]

Die meisten römischen und frühmittelalterlichen Funde werden im Rheinischen Landesmuseum in Bonn aufbewahrt, einige auch im Museum Kurhaus Kleve. Seit 2002 hat Rindern ein eigenes Museum mit keltischen, fränkischen und römischen Exponaten, das Museum Forum Arenacum, welches in unmittelbarer Nähe zur Pfarrkirche untergebracht ist.

Im Jahr 727 n. Chr. verschenkten Graf Ebroin und seine Frau Theodelinda die basilica (Kirche) Sankt Petrus und Johannes der Täufer in loco rhinarim (im Ort Rindern) samt dem zugehörigen Besitz, zu dem unter anderem auch die Marienkirche in Millingen gehörte. Damals war Bischof Willibrord custos (Abt) der Kirche in Rindern. Daraus lässt sich ableiten, dass in dieser Zeit in Rindern eine von Willibrord geleitete Klostergemeinschaft bestand. Nach dem Tod Willibrords dürfte das Kloster irgendwann in den Jahren zwischen 752 und 777 n. Chr. aufgelöst worden sein, und der Besitz wurde an das Stammhaus Echternach übertragen.[5]

Von überregionaler Bedeutung ist die Wasserburg Rindern, die 1654 als Herrenhaus im niederländischen Barockstil erbaut wurde. 1666 wurde sie mit allen Ländereien vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm gekauft und von seinem Statthalter Fürst Johann Moritz von Nassau-Siegen in die landschaftliche Gestaltung der Anlagen um den Klever Tiergarten einbezogen.

Im nahegelegen Klever Reichswald und im Umfeld des heutigen Ortes fand im Februar 1945 die sogenannte Schlacht im Reichswald statt. Dabei wurde die Wasserburg von Rindern weitgehend zerstört. Das Bistum Münster erwarb das Gebäude und ließ es in den Jahren 1954 und 1955 neu erbauen und später erweitern. Seit 1956 befindet sich dort eine katholische Heimvolkshochschule.

Am 1. Juli 1969 wurde Rindern nach Kleve eingemeindet.[6]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Kleve, Ortsteil Rindern. Abgerufen am 5. April 2013.
  2. Tacitus Buch V: Civilis, der Führer der Aufständischen, zieht sich in die Betuwe zurück, zerstört den Drususdamm und greift die 10. römische Legion zu Arenacum an.
  3. Liste und Kartierung bei Gorissen 1985 (siehe Literatur) S. 28–35.
  4. Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1989, S. 384–389.
  5. Dazu Gorissen 1985, S. 37–48 (siehe Literatur). Gorissen bietet S. 102–108 Nr. 4 eine dem Original der Schenkungsurkunde näher kommende Fassung als die zuvor üblicherweise verwendete Abschrift.
  6. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 80.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Gorissen: Rindern (Harenatium - Rinharen). Römische Limeskastell, angloschottisches Coenobium Willibrords, feudale Grundherrschaft und Herrlichkeit, Deichschau. Bd. 1: Von den Anfängen der Besiedlung bis zum Ende der Herrlichkeit. Darstellung und Quellen, Kleve 1985. ISBN 3-924637-04-0
  • Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34, Rheinland-Verlag, Köln 1998. ISBN 3-7927-1247-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rindern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]