Klever Reichswald

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Sieben Quellen im Reichswald bei Nütterden

Der Klever Reichswald ist mit etwa 5.100 ha Fläche das größte zusammenhängende Waldgebiet des Niederrheins und der größte zusammenhängende öffentliche Staatsforst in Nordrhein-Westfalen. Er liegt zwischen Goch, Kleve und Kranenburg.

Naturlandschaft[Bearbeiten]

Der Reichswald liegt auf dem Niederrheinischen Höhenzug, der einst von eiszeitlichen Gletschern aufgeschoben worden war. Die Erhebungen dieses Höhenzuges ragen dabei deutlich aus der verhältnismäßig flachen Rheinebene heraus. 31 dieser Erhebungen erreichen dabei Höhen von über 50 Metern. Die höchste ist mit 95 Metern der Rupenberg an der östlichen Grenze des Reichswaldes (Jagen 225, in der Nähe des Parkplatzes am Treppkesweg). Der Reichswald ist ein geschlossenes Laubmischwaldgebiet, das überwiegend von seinem Rotbuchen-Bestand dominiert wird. Auf einigen Flächen befinden sich auch überwiegend Trauben- und Stieleichen. Auf Teilflächen stocken auch Nadelholzforste. Das Kernstück des Reichswaldes bildet das 580 ha große Naturschutzgebiet Geldenberg mit zwei Naturwaldzellen mit einer Größe von insgesamt 49 ha. In diesen Bereichen findet keine Bewirtschaftung statt, so dass sich wild lebende Pflanzen und Tiere ungestört entwickeln können.

Für den Naturschutz bedeutsam ist das Naturschutzgebiet, weil es sich hierbei um den größten, weitgehend geschlossenen, überwiegend von Laubhölzern dominierten Altholzbestand im Reichswald handelt, welcher im niederrheinischen Raum eine herausragende Bedeutung einnimmt. Im Reichswald leben der Schwarzspecht, der Pirol, der Wespenbussard und der Hirschkäfer.

Im Westen ist der Klever Reichswald an die Waldgebiete der Niederlande angeschlossen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Reichswald wird erstmals in der Mitte des 14. Jahrhunderts erwähnt, denn der aktuelle Reichswald war ursprünglich nur ein Teil des sogenannten Ketelwaldes (hochdeutsch: "Kesselwald", benannt nach der nahgelegenen Ortschaft Kessel). Der Ketelwald war ein großes zusammenhängendes Waldgebiet, das von Nimwegen nach Xanten verlief und vorwiegend aus Buchen- und Eichenbeständen bestand. Es umfasste den Niederwald, der nördliche Bereich zwischen Nimwegen im Norden bis zur Maas und den östlich daran anschließenden Teil, den Oberwald bis vor Goch. Der östliche Teil des Oberwaldes wurde auch „der Kelkt“ genannt. Als erste Spuren menschlicher Besiedlung sind Grabhügel aus der späten Bronze- und frühen Eisenzeit nachweisbar. Bis zum 13. Jahrhundert wurde dieses große Waldgebiet als Ketel- oder Kelwald bezeichnet. Danach wurde diese Bezeichnung von „Reichswald“ abgelöst und „Ketel“ wird aktuell nur noch in dem umfangreichen Gebiet, den dieser Wald einmal bedeckte, für kleiner Forstbereiche, den sogenannten Jagen, oder kleinere Wege verwendet.

Der Reichswald bzw. der Ketelwald gehörte in römischer Zeit zum staatlichen Fiskalbesitz. Mit dem Ende der Völkerwanderung kamen fränkische Siedler, die in diesen urwüchsigen Wäldern jagten und im Herbst Schweine zur Eichelmast in den Wald trieben. Im frühen Mittelalter gehörte er zum Reichsgut der Kaiserpfalz Nimwegen. 980 wurde der spätere Kaiser Otto III. im Reichswald geboren.

Spätestens gegen Ende des 12. Jahrhunderts gelangten Teile des Waldes an die Grafschaft Kleve. Mit der Verpfändung Nimwegens gelangte 1247 zwar kein Teil des Waldes an die Grafen von Geldern, jedoch hatten diese bereits unter Heinrich von Geldern 1138 die ersten Waldbereiche als Pfand erworben. Diese Verpfändungen von Teilen des Ketelwaldes durch die Deutschen Kaiser waren vermutlich der Grund, dass später in Urkunden die Namensänderung zu Reichswald erfolgte. In einer Urkunde wird 1330 der betreffende Bereich des Waldes mit „silva imperialis“ bezeichnet, der damit einen Bereich betraf, der noch dem Deutschen Reich als „Reichswald“ gehörte.[1]

Streitigkeiten zwischen den Grafen von Geldern und Kleve um die Nutzung des Reichswaldes wurden durch Schiedssprüche des Bischofs von Utrecht 1257 und 1266 geschlichtet. 1283 verzichtete Graf Rainald I. von Geldern zugunsten der Klever auf die Ansprüche der Geldener an den Teil des Reichswaldes, der den Klever gehörte.[2]

1331 kaufte Graf Rainald II. von Geldern sowohl die bisher an die Grafschaft Geldern verpfändeten Bereiche des Reichswaldes (den Ober- und den Niederwald) wie auch die noch fehlenden Dreiviertel vom „Wald Kelkt“, die bis zu diesem Zeitpunkt zur Grafschaft Kleve gehört hatten.[3][4][5]

Ende des 13. Jahrhunderts bedeckte der Reichswald noch weite Bereiche zwischen Nimwegen im Norden bis Grafenthal im Süden, im Westen begrenzt von Malden, Mook und Nergena und im Osten von Beck, Groesbeek, Frasselt und Nütterden. Er umfasste den Niederwald, den Oberwald und den Kelkt im Südosten. Erbliche „Waldgrafen“ seit dem 13. Jahrhundert waren die „Herren von Groesbeck“. 1349 ist letztmals die Bestätigung dieses Reichslehens an Johan van Groesbeek durch Karl IV. urkundlich nachweisbar. Ab 1405 sind geldrische Beamte Nachfolger der „Groesbeeks“.[4]

1418 verpfändete Herzog Reinald von Jülich-Geldern für 16.667 „Alte Schild“ weite Bereiche des Reichswaldes an das Herzogtum Kleve. Es folgten noch für den Rest des Waldes Verpfändungen und Nachzahlungen an Kleve 1429 mit 11.000 Gulden und 1440 mit weiteren 6.000 Gulden.[6]

Gegen Ende des Dreißigsjährigen Krieges 1647 erlaubte der Große Kurfürst der Stadt Goch zur Tilgung von Kriegsschulden 1000 Morgen Reichswald zu verkaufen.[7]

Im Februar und März 1945 war der Wald Schauplatz der Schlacht im Reichswald. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden beachtliche Teile des Waldes gerodet, um Platz für die Dörfer Reichswalde (heute zu Kleve) und Nierswalde (heute zu Goch) zu gewinnen, in denen vor allem Heimatvertriebene angesiedelt wurden. Eine weitere Rodung heißt Rodenwalde (auf dem Gebiet der Gemeinde Bedburg-Hau gelegen), auf der es aber keine eigene Siedlung des gleichen Namens gibt. Seit einigen Jahren erinnert ein kleines Denkmal an der Triftstraße zwischen Kleve und Goch an diese Rodungen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Gorissen: Heimat im Reichswald. Boss-Verlag, Kleve 1950.
  • Werner Kreuer: Der Reichswald. Erholungsgebiet am Niederrhein. Boss-Verlag, Kleve 1985, ISBN 3-922384-15-3.
  • Hans-Joachim Koepp: Siedlungsprojekt Reichswald 1950–2000. 50 Jahre Nierswalde, Rodenwalde und Reichswalde. Boss-Verlag, Kleve 1985, ISBN 3-89413-194-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Scholten; in: Zur Geschichte der Stadt Kleve, 1905 Cleve, S. [530]504. Onlinefassung
  2. Robert Scholten; in: Zur Geschichte der Stadt Kleve, 1905 Cleve, S. [531]505. Onlinefassung
  3. Theodor Joseph Lacomblet, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Cöln, Urkunde 256, 1853, Teil 3, 1301–1400, S. [226]206.
  4. a b Bert Thissen, in: Amt des Waldgrafen im Reichswald, 2001, Geldern, Das Goldene Zeitalter des Herzogtum Geldern, Teil 2, Verlag des Historischen Vereins für Geldern und Umgebung, S. 66/67.
  5. B. Huyskens, in: Die Geburtsstätte des Kaisers Otto III., 1879, Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 33, S. [79]73. Onlinefassung
  6. Robert Scholten; in: Zur Geschichte der Stadt Kleve, 1905 Cleve, S. [534/535]508/509. Onlinefassung
  7. Robert Scholten; in: Zur Geschichte der Stadt Kleve, 1905 Cleve, S. [528]502. Onlinefassung
 Commons: Reichswald – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma

51.7430555555566.0430555555556Koordinaten: 51° 45′ N, 6° 3′ O