Rollo May

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Rollo Reece May (* 21. April 1909 in Ada, Ohio; † 22. Oktober 1994 in Tiburon, Kalifornien) war ein US-amerikanischer existenzialistischer Psychologe. In der englischsprachigen Literatur wird sein Fachgebiet als existential psychotherapy bezeichnet. Er ist ein Vertreter der humanistischen Psychologie.[1][2]

Mays bekanntestes Buch ist Love and Will aus dem Jahre 1969. Zusammen mit Viktor Frankl gilt er als bedeutendster Vertreter der Existenzpsychotherapie. May war wesentlich von Paul Tillich beeinflusst.[3][4]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

May wurde am 21. April in Ada im US-Bundesstaat Ohio geboren. Er wuchs in Michigan auf.[5][6] May machte seinen Bachelor am Oberlin College in Ohio und arbeitete anschließend an einem amerikanischen College in Griechenland.[1][5] In dieser Zeit besuchte er die Seminare des Psychologen Alfred Adler in Wien und begann, sich für Theologie zu interessieren. 1933 kehrte er in die USA zurück und begann, am Union Theological Seminary im New Yorker Stadtteil Manhattan zu studieren. 1938 schloss er sein dortiges Theologiestudium mit dem Grad Bachelor of divinity ab. Im Anschluss daran arbeitete er für zwei Jahre als kongregationalistischer Pfarrer.[1][5] Nach dieser Tätigkeit studierte er Psychologie an der Columbia University in New York.[1][5]

In den 1940er Jahren erkrankte May an Tuberkulose, als er an seiner ersten großen Arbeit schrieb. Er verbrachte eineinhalb Jahre in einem Sanatorium.[2] Seine Überlebenschancen standen 50-50. Diese Erfahrung der Auseinandersetzung mit dem eigenen Tode prägte ihn in seinen existenzialistischen Überzeugungen.[1]

1949 schloss er seine Promotion ab.[1] Die Doktorarbeit war über das Thema Angst und erschien 1950 als Buch The Meaning of Anxiety.[5]

Er ging danach an das William Alanson White Institute in New York.[1], wo er von 1958 bis 1975 blieb.[5] Dort arbeitete er unter anderem mit Erich Fromm und Frieda Fromm-Reichmann zusammen. Später war er zusammen mit anderen ein Herausgeber der von Harry Stack Sullivan gegründeten Zeitschrift für das Studium zwischenmenschlicher Beziehungen.[2] Von 1955 bis 1976 gab er Vorlesungen an der New School for Social Research, welche sich ebenfalls in New York City befindet.[1][5] Weiterhin war er als Gastprofessor in Universitäten wie Harvard, Yale und Princeton beschäftigt.[1][5]

May war zwei Mal verheiratet. Seine erste Ehe war mit Florence DeFrees, seine zweite mit Ingrid Kepler Scholl.[5] Er starb am 22. Oktober 1994 in Tiburon, Kalifornien in seinem Haus an Herzversagen.[5]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geprägt von seinen Erfahrungen mit der Tuberkulose schrieb May an seinem Buch The Meaning of Anxiety (dt. Antwort auf die Angst), welches 1950 erschien. Mays Denken war von der freudschen Psychoanalyse und der Existenzphilosophie geprägt.[2] May war einer der ersten und einflussreichsten Denker im Bereich der Psychotherapie, welche von den europäischen Existenzialisten beeinflusst wurden.[5] Eine seiner wichtigsten Ansichten über die menschlichen Natur war die Überzeugung, dass große Teile des menschlichen Verhaltens mit einer unterschwelligen, zugrundeliegenden Angst verbunden seien. Diese Angst sei daher ein wichtiger, zu beachtender Bestandteil bei der Psychotherapie.[5]

Seit 1996 verleiht die Society for Humanistic Psychology den Rollo May Award. Der Preis wird an Personen vergeben, welche auf dem Gebiet der humanistischen Psychologie unabhängige und herausragende Leistungen erbracht haben.[7]

Ansichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklungsstufen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mays Theorie gibt es vier "Entwicklungsstufen". Diese sind nicht im strikt freudschen bzw. traditionellen Sinne zu verstehen. So kann eine Person mehrere Merkmale gleichzeitig aufweisen:[8][9]

  1. Innocence (dt.: unschuldig) Der amoralische, vor-egoistische, vor-selbstbewusste Zustand des Kleinkindes. Die Person tut nur, was sie muss. Ein Wille zur Bedürfnisbefriedigung ist in Form von Trieben vorhanden.
  2. Rebellion (dt.: auflehnend) Durch Gegensätzlichkeiten mit den Erwachsenen bildet sich das Ich (ego) bzw. Selbstbewusstsein heraus. Solche Personen wollen Freiheit, aber sind sich der Verantwortung, die diese mit sich bringt, noch nicht voll bewusst.
  3. Ordinary (dt.: gewöhnlich, normal) Das normale, erwachsene Ich. Diese Personen haben die Verantwortung kennengelernt, aber finden sie zu anstrengend. Daher weichen sie auf Konformität und traditionelle Werte aus.
  4. Creative (dt.: kreativ, schöpferisch) Der authentische Erwachsene, welcher sein Schicksal (destiny) annimmt, und der Angst mit Mut (courage) begegnet. Diese Stufe wird auch als existenziell bezeichnet.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Artikel in der Encyclopedia Britannica Abgerufen am 25. Mai 2017.
  2. a b c d Rollo May: Weltoffener Tiefenpsychologe Artikel im Ärzteblatt. Veröffentlicht in PP 8, Ausgabe Mai 2009, Seite 209. Abgerufen am 25. Mai 2017.
  3. Paul Tillich as Hero: An Interview with Rollo May. Religion-online.org. Abgerufen am 13. Juni 2014.
  4. Paul Tillich Resources. People.bu.edu. Abgerufen am 13. Juni 2014.
  5. a b c d e f g h i j k l Dr. Rollo May Is Dead at 85; Was Innovator in Psychology Artikel in der New York Times, veröffentlicht am 24. Oktober 1994. Abgerufen am 25. Mai 2017.
  6. Im Artikel Rollo May: Weltoffener Tiefenpsychologe des Ärzteblattes (PP 8, Ausgabe Mai 2009, Seite 209) wird hier irrtümlich Michigan als Geburtsort genannt. Dies steht im Gegensatz zum Eintrag in der Encyclopaedia Britannica und dem Artikel der New York Times vom 24. Oktober 1994.
  7. Rollo May Award auf der Homepage der Society for Humanistic Psychology. Abgerufen am 25. Mai 2017.
  8. Porträt Rollo Mays auf der Homepage von Dr. C. George Boeree, Shippensburg University of Pennsylvania. Abgerufen am 25. Mai 2017.
  9. Stages of Development einer May-Darstellung auf Wikispaces. Abgerufen am 25. Mai 2017.
  10. Liste der Emerson-Preis-Gewinner auf der Homepage der Phi Beta Kappa Society. Abgerufen am 25. Mai 2017.
  11. Liste früherer Auszeichnungen der Society of Clinical Psychology, Abgerufen am 25. Mai 2017.
  12. American Psychologist, Vol 43(4), April 1988, Seite 260-266. Online-Artikel. Abgerufen am 25. Mai 2017.