Royal Mail

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Royal Mail
Logo der Royal Mail
Rechtsform Public limited company
ISIN GB00BDVZYZ77
Gründung 1516
Sitz London
Leitung Donald Brydon (Chairman)
Moya Greene (CEO)
Mitarbeiter 160.518 (2015)[1]
Umsatz 9,328 Mrd. Pfund (2014/15)[1]
Branche Logistik
Website royalmailgroup.com

Royal Mail ist der nationale Postdienst im Vereinigten Königreich. Historisch gesehen war die Royal Mail eine Regierungsbehörde, die seit 1969 ein Staatsbetrieb ist. Anders als frühere Staatsmonopole wie The Stationery Office, British Gas und die British Telecom wurde sie in den 1980er und 1990er Jahren nicht privatisiert. Sie hat den Status einer Public limited company.

Ein Tochterunternehmen der Royal Mail ist die Post Office Limited, die das landesweite Netzwerk der Postfilialen betreibt. Mit dem Rückgang der Geschäftstätigkeit der Royal Mail verkleinert diese die Anzahl der Filialen, was in der Vergangenheit zu Beschwerden der Kommunen führte, die von ihren Diensten abhängig sind.

Royal Mail bleibt verantwortlich für die alleinige Postbeförderung in Großbritannien. Briefe werden in Briefkästen geworfen, in einer Postfiliale abgegeben oder in größeren Betrieben abgeholt. Die Auslieferung erfolgt täglich (außer an Sonntagen oder an Bank Holidays) zu einer festen Zustellgebühr für alle Ziele innerhalb Großbritanniens.

Laut dem Bericht für das am 26. März 2006 endende Geschäftsjahr befördert die Royal Mail 84 Millionen Postsendungen täglich und hat ein Netz von 14.376 Postfilialen. Die Einnahmen beliefen sich auf 9,056 Milliarden Pfund und der Gewinn lag bei 312 Millionen Pfund.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sechseckiger viktorianischer Briefkasten („Pillar Box“) vor dem King’s College, Cambridge. Traditionell tragen die Briefkästen die Initialen des aktuellen Regenten bei ihrer Installation. Hier "VR" für Victoria Regina.
Lieferwagen in Briggate, Leeds.

Die Royal Mail kann ihre Geschichte bis in das Jahr 1516 zurückverfolgen, als Heinrich VIII. einen „Master of the Posts“ ernannte. Der Royal Mail Postdienst wurde 1635 durch Charles I. der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Unter Charles II. wurde 1660 das General Post Office nochmals gegründet. Es war bereits 1654/1657 von Oliver Cromwell geschaffen worden. Da die Ära der Cromwell-Republik in Großbritannien als illegal betrachtet wird, ist nach offizieller Lesart nur das Jahr 1660 als Gründungsjahr anzusehen, tatsächlich erfolgte der königliche Erlass aber gerade wegen des großen Erfolges der republikanischen Institution.

Ralph Allen, Postmaster in Bath, unterzeichnete zwischen 1719 und 1763 eine Reihe von Verträgen mit dem Post Office, um das britische Postnetz zu entwickeln und zu erweitern. Er organisierte einen Dienst mit Postkutschen, die teils von Wilson & Co. in London und teils von Williams & Co. in Bath zur Verfügung gestellt wurden. Diese frühen Kutschen der Royal Mail waren im Prinzip normale Personenkutschen mit Kutschern in einer Livree der Royal Mail.

Einheitliche Penny-Post[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. Dezember 1839 wurde die Post nach Vorschlägen von Rowland Hill einer grundlegenden Reform unterzogen, das 4-P.-Porto, bzw. innerhalb Londons 1 P., und am 10. Januar 1840 allgemein die Penny Post eingeführt. Für eine Sendung innerhalb Großbritanniens gab es nur noch eine einzige Gebühr, die vom Absender zu entrichten war. Um die Zahlung dieser Gebühr nachzuweisen, konnte der Absender ab 6. Mai 1840 die erste aufklebbare Briefmarke anbringen, die Penny Black, jedoch war noch jahrelang auch die bare Frankierung zulässig. Zusätzlich wurden ab dem 6. Mai 1840 Briefumschläge mit eingedrucktem Wert One Penny ausgegeben, die sog. Mulready-Umschläge.

1960 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das GPO wurde 1969 von einem Ministerium in einen Staatsbetrieb umgewandelt. Der Posten des Postmaster General wurde abgeschafft. Das Post Office benannte sich im Jahr 2000 in 'Consignia' um. Dieser Namenswechsel war aber sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei den eigenen Mitarbeitern sehr unpopulär. Die Organisation hieß ab 2002 dann "Royal Mail Group plc" mit folgenden operativen Bereichen:

  • Royal Mail, für den Briefversand
  • Parcelforce, für den Paketversand
  • Post Office Limited, die landesweit die Postfilialen im Stile des Einzelhandels verwalten

Die britische Regierung schuf 2001 eine Regulierungsstelle für die Post, Postcomm genannt, und bot Lizenzen zum Posttransport für private Firmen an. Im selben Jahr wurde auch das Consumer Council for Postal Service, besser bekannt als Postwatch, gegründet. Es dient dazu, dass Kunden ihren Probleme mit der Post offen Ausdruck verleihen können.

Beginnend ab dem 1. Januar 2006 verlor die Royal Mail ihr 350-jähriges Monopol und der Postmarkt in Großbritannien wurde für Konkurrenten völlig geöffnet.

Am 12. September 2013 kündigte die britische Regierung die Privatisierung der Royal Mail an. 10 % der Aktien gehen an die Beschäftigten, der restliche Anteil soll institutionellen und privaten Anlegern zum Kauf angeboten werden. Die Postfilialen, welche von dem Unternehmen "The Post Office" betrieben werden, verbleiben dagegen in staatlichem Besitz.[2]

Die Flotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Luftdrehkreuz der Royal Mail ist am Nottingham East Midlands Airport. Die Royal Mail unterhält dort eine Boeing 737-3Y0. Außerdem betreibt Royal Mail das Postschiff RMS St. Helena, das das gleichnamige britische Überseegebiet mit England und Südafrika verbindet.

Zeitachse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1516: Royal Mail durch Heinrich VIII. unter einen „Master of the Posts“ gegründet
  • 31. Juli 1635: Unter Charles I. wird der Postdienst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht
  • 1654: Oliver Cromwell vergibt das Monopol für Großbritannien an das „Office of Postage“
  • 1657: Einführung von festen Gebühren
  • 1660: Einrichtung des General Post Office durch Charles II.
  • 1661: Erste Benutzung eines Datumsstempels, Ernennung des ersten Postmaster General
  • 1784: Verkehr der ersten Postkutsche (Zwischen London und Bristol)
  • 1793: Erste uniformierte Zusteller versehen ihren Dienst. Entstehung der „Post Office Investigation Branch“, der ersten bekannten Einheit zur Untersuchung von Verbrechen.
  • 1830: Verkehr des ersten Postzuges (auf der Liverpool and Manchester Railway)
  • 1840: Einführung der ersten aufklebbaren Briefmarke (der One Penny Black).
  • 1853: Aufstellung der ersten Briefkästen auf dem britischen Festland.
  • 1854: Rowland Hill wird Sekretär im Post Office.
  • 1858: In London gibt es 10 Zustellbezirke
  • 1870: Das Post Office beginnt mit einem Telegrafendienst.
  • 1880: Die ersten Fahrräder werden für die Zustellung benutzt.
  • 1881: Es wird zum ersten Mal Geld postalisch angewiesen.
  • 1883: Die Paketpost nimmt ihren Dienst auf.
  • 1894: Die ersten Motivpostkarten kommen auf.
  • 1912: Das Post Office führt die ersten nationalen Telefondienste ein
  • 1917: Die Postdistrikte in London werden in nummerierte Zonen aufgeteilt.
  • 1919: Die erste internationale Luftpost wird zugestellt.
  • 1927: Die London Post Office Railway geht in Betrieb.
  • 1968: Die National Giro Bank wird eröffnet.
  • 1969: Das General Post Office wird von einer Behörde in einen Staatsbetrieb umgewandelt.
  • 1974: Die Postleitzahlen werden in ganz Großbritannien eingeführt
  • 1979: Das Prestel Videotex-System wird gestartet.
  • 1981: Die Telekommunikationsdienste werden zur British Telecom verlagert. Umbenennung in Post Office.
  • 1986: Trennung der Geschäftszweige Briefversand, Paketversand und Postfilialen.
  • 1990: Verkauf der Girobank an Alliance & Leicester
  • 1997: Die Verbindung zwischen der Royal Mail und den Londoner Bahnhöfen wird beendet.
  • 1999: Mit „Royal Mail ViaCode“ (auch „ViaCode Limited“ genannt) versuchte die Royal Mail in das Geschäft mit der Internet-Sicherheit und digitalen Zertifikaten einzusteigen. Das Unternehmen wurde 2002 wieder geschlossen.
  • 2000: Kurzzeitige Umbenennung in „Consignia“.
  • 2001: Neil Monk tritt in die Dienste der Royal Mail. Das Restrukturierungsprogramm „Apollo Project“ läuft an.
  • 2003: Der Betrieb des London Post Office Railway wird eingestellt.
  • 2004: Nur noch eine Auslieferung pro Tag, die Travelling Post Offices / Mail Trains (rollende Sortierstationen) werden eingestellt, Einführung von SmartStamp.
  • 2005: Die Mail Trains werden auf einigen Strecken wieder eingeführt.
  • 2006: Die Royal Mail verliert ihr Postmonopol, als die Postcomm drei Jahre vor dem Rest von Europa den Postmarkt freigibt. Einführung eines neuen Preissystems.
  • 2006: Der Postmitarbeiter Roger Annies wird vom Dienst suspendiert, weil er inoffiziell an die Bewohner von Barry, South Wales Handzettel zur Vermeidung von Werbepost verteilt hat.
  • 2006: Online Postage erlaubt es den Kunden der Royal Mail Porto über das Internet zu bezahlen und nicht Briefmarken zu erwerben (vergleichbar mit der Internetmarke der Deutschen Post).
  • 2013: Börsengang der Royal Mail.

Nicht-postalische Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Royal Mail führte 1870 Telegrafendienste und 1912 Telefondienste ein. Sie war bis zur Gründung der British Telecom für das britische Telefonnetz verantwortlich.

Die National Giro Bank wurde 1968 gegründet und 1990 an Alliance & Leicester verkauft.

Historisch wurden viele Regierungszahlungen und Staatspensionen bar durch das Netz der Postfilialen ausgezahlt. Da aber in den letzten Jahren die Auszahlung solcher Leistungen immer mehr durch Banküberweisungen erfolgte, führte das zu einem Umsatzrückgang bei der Royal Mail und zur Schließung von Filialen.

Öffentliches Interesse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Royal Mail wird durch die Postcomm reguliert. Die Interessen der Kunden werden durch Postwatch wahrgenommen. Das Verhältnis zwischen beiden Organisationen war nicht immer gut. Im Jahr 2005 ging Postwatch verfassungsrechtlich gegen Entscheidungen der Postcomm vor.

Das verantwortliche Ministerium ist das Handels- und Industrieministerium, wobei die öffentlichen Finanzinteressen vom Shareholder executive wahrgenommen werden.

Versendungen nach Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Je nach Versendungsform nutzt Royal Mail sowohl Deutsche Post DHL, als auch die eigene Tochterfirma GLS in Deutschland als Logistikpartner. Von DHL verwaltete Zustelladressen (Packstation), die von GLS nicht bedient werden, führen ggf. zur Rücksendung zum Absender. Um an GLS übergebene Sendungen zu kontrollieren, können in der Sendungsverfolgung von GLS auch Royal-Mail-Paketnummern direkt eingegeben werden, um die zugehörige GLS-Paketnummer und den Sendungsstatus einzusehen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Royal Mail – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Royal Mail: Annual Report and Financial Statements 2014-15. Abgerufen am 14. März 2016 (PDF, englisch).
  2. Royal Mail: Britische Regierung treibt Post-Börsengang voran. In: Spiegel Online. 12. September 2013, abgerufen am 6. Januar 2017.