St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha

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St. Helena, Ascension und
Tristan da Cunha
Flagge St. Helenas
Wappen St. Helenas
Flagge Wappen
Wahlspruch: Loyal and Unshakeable (Treu und unerschütterlich)
Amtssprache Englisch
Hauptstadt Jamestown (auf St. Helena)
Staatsform Britisches Überseegebiet
Staatsoberhaupt Königin Elisabeth II.
Regierungschef Lisa Phillips (Gouverneurin)
Fläche 420 km²
Einwohnerzahl 5.663
Bevölkerungsdichte 16 Einwohner pro km²
Währung St.-Helena-Pfund (SHP, verwendet auf St. Helena und Ascension), Pfund Sterling (GBP, verwendet auf Tristan da Cunha)
Nationalhymne God Save the Queen
Zeitzone UTC±0
Internet-TLD .sh (St. Helena)
.ac (Ascension)
Telefonvorwahl +290 (St. Helena)
+247 (Ascension)
+290 8 (Tristan da Cunha)
+27 (Gough Island)
Saint Helena, Ascension, Tristan da Cunha in Africa.svg
Karte des Überseeterritoriums St. Helena

St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha (englisch St Helena, Ascension and Tristan da Cunha[1]) ist ein britisches Überseegebiet im südlichen Atlantischen Ozean. Bis zum Inkrafttreten einer neuen Verfassung am 1. September 2009 hieß das Gebiet St. Helena und Nebengebiete (englisch Saint Helena and Dependencies).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Territorium besteht aus der gleichnamigen Insel St. Helena, der nördlich von ihr gelegenen Insel Ascension sowie der südlich von ihr gelegenen Inselgruppe Tristan da Cunha mit der Gough-Insel. Die neue Verfassung gab diesen drei Teilen gleichen Status innerhalb des Territoriums.[2] Das Überseegebiet hat eine Fläche von 420 km² und eine Bevölkerung von 5663 Einwohnern.

Geographische und geopolitische Zuordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Inseln liegen im Südatlantik in unmittelbarer Nähe des Mittelatlantischen Rücken. St. Helena und die Inselgruppe Tristan da Cunha liegen auf der Afrikanischen Platte, Ascension hingegen etwa 80 Kilometer westlich des Zentralgrabens des Mittelatlantischen Rückens[3] auf der Südamerikanischen Platte. Politisch wird das Gebiet zu Europa, aufgrund der Zugehörigkeit zum Vereinigten Königreich gezählt, wirtschaftlich ist es stark von Südafrika abhängig. Laut den Vereinten Nationen ist St. Helena der Region Westafrika zugehörig.[4] Die Afrikanische Union sieht die Inseln als Teil Afrikas an.[5][6]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedes Klima der drei gleichberechtigten Teile des Überseegebietes muss für sich betrachtet werden, da sie sich stark unterscheiden.

Auf St. Helena herrscht ein gemäßigtes feuchtes Klima mit wenig ausgeprägten Jahreszeiten vor. Niederschlag kann in allen Monaten, mit Höhepunkten im Herbst und Winter, fallen. Die Temperaturen sinken selten unter 17 Grad Celsius am Tag und 13 Grad in der Nacht und übersteigen selten 23 Grad. Die Luftfeuchtigkeit liegt das ganze Jahr hindurch bei mehr als 80 Prozent.

Auf Ascension ist das Klima warm bis heiß und trocken. Niederschläge fallen kaum, die Temperaturen liegen im Sommer bei mehr als 31 Grad, im Winter um 22 Grad.

Tristan da Cunha ist von einem sehr feuchten und kühlen Wetter geprägt. Die Niederschlage liegen im Jahresmittel bei mehr als 1600 Millimeter. An zwei von drei Tagen im Jahr regnet es. Die Temperaturen übersteigen selten 20 Grad.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle drei Inselgebiete hatten aufgrund ihrer Abgeschiedenheit nie eine indigene Bevölkerung und blieben bis ins 16. Jahrhundert unbewohnt. Am 25. März 1501 wurde die Insel Ascension vom galicischen Seefahrer João da Nova entdeckt, der rund ein Jahr später am 21. Mai 1502 auch die Insel St. Helena entdeckte. Die südlichste Inselgruppe des Territoriums wurde im März 1506 vom portugiesischen Seefahrer Tristão da Cunha entdeckt und nach ihm selbst benannt.

1815 wählte die britische Regierung die Insel St. Helena als Verbannungsort Napoléons aus, der im Oktober 1815 deportiert wurde und bis zu seinem Tod am 5. Mai 1821 in Longwood residierte. Während dieser Zeit, am 14. August 1816, wurde auch Tristan da Cunha von Großbritannien offiziell annektiert, nachdem zuvor schon Ascension besetzt und zu einer Festung ausgebaut wurde. 1834 wurde St. Helena eine britische Kronkolonie, 1981 ein „Britisches abhängiges Gebiet“ und 2002 schließlich, basierend auf der Overseas Territories Act, ein „Britisches Überseegebiet“.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die drei Teile von St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha werden zentral von St. Helena aus verwaltet. Zudem sieht die Verfassung eine gewisse Selbstverwaltung der Inseln Ascension und Tristan da Cunha vor (Kapitel 2, 3).

Legislative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha hat, basierend auf der Verfassung von 2009,[7] eine Einkammer-Legislative (englisch Legislative Council) mit 15 Abgeordneten: zwölf Abgeordnete werden durch Wahlen, spätestens alle vier Jahre, bestimmt und drei Sitze von ex officio-Mitgliedern eingenommen. Zudem werden bei der ersten Sitzung ein Sprecher und Stellvertreter aus den nicht gewählten Mitgliedern gewählt. Der Legislative gehört auch der britische Monarch an (Kapitel 1, Abschnitt 5, Absatz 47).

Exekutive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Exekutiv-Gewalt geht vom britischen Monarchen aus. Dieser wird von dem von ihm ernannten Gouverneur vertreten.[8] Gouverneurin von St. Helena ist seit April 2016 Lisa Phillips.[9] Der Gouverneur residiert im Plantation House.

Fünf der acht Mitglieder der Regierung (englisch Executive Council) werden aus den Mitgliedern der Legislative für jeweils zwei Jahre gewählt (Kapitel 1, Abschnitt 4, Absatz 36). Drei weitere Mitglieder sind ex officio. Zudem kann der Gouverneur jedes andere Mitglied, in Vertretung eines verhinderten Mitglieds, ernennen.

Judikative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Helena verfügt laut Verfassung über ein Obergericht (englisch Supreme Court) und Berufungsgericht (englisch Court of Appeal). Untergeordnete Gerichte können durch Verordnung errichtet werden.

Ascension und Tristan da Cunha[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gouverneur von St. Helena ist auch der Gouverneur von Ascension und Tristan da Cunha. Die Exekutive auf beiden Inseln bildet jeweils ein, auf drei Jahre direkt gewählter, Inselrat (englisch Island Council), der individuell durch Gesetze erlassene Rechte hat. Die jeweilige Legislative der beiden Inseln wird durch den Gouverneur und den Inselrat gebildet. Die Judikative wird durch die Gerichte von St. Helena wahrgenommen. (Kapitel 2, 3; Abschnitt 3–6) Der Verwaltung der beiden Teilgebiete steht jeweils ein vom Mutterland ernannter Verwalter (englisch Administrator) vor.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Territorium besteht aus drei gleichberechtigten Teilen. Jeder Teil verfügt über eine eigene Verwaltung. Jamestown ist faktisch die Hauptstadt des gesamten Überseegebietes, da hier der Gouverneur seinen Sitz hat.

Einheit Fläche
(km²)
Bevölkerung
Zensus 2008
Verwaltungssitz
St. Helena 122 4.255 Jamestown
Ascension 91 1.122 Georgetown
Tristan da Cunha 207 284 Edinburgh of the Seven Seas
Gesamt 420 5.663 Jamestown (faktisch)

Das Teilgebiet der Hauptinsel St. Helena wird weiter in acht Distrikte untergliedert.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Finanziell ist das Gebiet vor allem auch auf die Unterstützung Großbritanniens angewiesen. Die Zuwendungen machen bis zu 200 Prozent der Staatseinnahmen aus. Ausgaben von 26,45 Millionen US-Dollar standen Einnahmen von lediglich 10,8 Millionen US-Dollar gegenüber (Stand unbekannt).[10]

Das Bruttoinlandsprodukt beträgt etwa 31,1 Millionen US-Dollar (Stand 2009/10). Die Arbeitslosenquote lag 1998 bei 14 Prozent.[10]

Hauptindustriezweige sind der Fischfang und -verarbeitung, Hummerfang, die Landwirtschaft und der Tourismus inklusive dem Verkauf von Briefmarken.[10]

Währung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Inseln Ascension und St. Helena verwenden als Währung das St.-Helena-Pfund (ISO 4217-Code SHP). Dieses ist eine formal eigenständige Währung mit eigenem Bargeld. Sie steht jedoch zum britischen Pfund in Wechselkursparität.[11]

Auf Tristan da Cunha, das auch zu dem Überseegebiet gehört, wird allerdings das Pfund Sterling verwendet. Die dortigen Inselbewohner betrieben ursprünglich vorwiegend Tauschhandel. Nachdem die gesamte Bevölkerung von 1961 bis 1963 wegen eines Vulkanausbruchs nach Großbritannien evakuiert werden musste, wurde bei der Rückkehr die dortige Währung üblich.[12]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikimedia-Atlas: St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha – geographische und historische Karten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Constitution of St. Helena, Ascension and Tristan da Cunha. St. Helena, 1. September 2009, S. 2. (PDF)
  2. St Helena Government. New Constitution. Archiviert vom Original am 12. Dezember 2011, abgerufen am 1. November 2015 (englisch).
  3. Vulkanologie Ascensions (engl.), abgerufen am 10. Mai 2016
  4. Composition of macro geographical (continental) regions, geographical sub-regions, and selected economic and other groupings. United Nations Statistics Division, 31. Oktober 2013
  5. Gertjan Dijking, Hand Knippenberg (Hrsg.): The Territorial Factor – Political Geography in a Globalising World. Vossiuspers uVa, Amsterdam 2001, ISBN 90-5629-188-2, S. 182.
  6. Le Plan Strategique de la Commission de l'Union Africaine. Afrikanische Union, Mai 2004, S. 44. (Memento vom 24. April 2014 im Internet Archive)
  7. Constitution of St Helena, Ascension and Tristan da Cunha. Government of St Helena, 1. September 2009, Kapitel 1, Abschnitt 5. (PDF)
  8. Constitution of St Helena, Ascension and Tristan da Cunha. Government of St Helena, 1. September 2009, Kapitel 1, Abschnitt 4. (PDF)
  9. Change of Governor of St Helena, Ascension Island and Tristan da Cunha. Government of the United Kingdom, 20. Januar 2016
  10. a b c Saint Helena, Ascension and Tristan da Cunha: Economy. CIA World Factbook, 2016. Abgerufen am 10. Februar 2016
  11. www.welt.de
  12. www.tristandc.com

Koordinaten: 16° S, 6° W