Ruth Landshoff

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Ruth Landshoff (auch Ruth Landshoff-Yorck; * 7. Januar 1904 in Schöneberg als Ruth Levy; † 19. Januar 1966 in New York) war eine deutsch-amerikanische Schauspielerin und Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruth Landshoff entstammte dem jüdischen Bürgertum; sie war die Tochter des Ingenieurs Edmund Levy und der Opernsängerin Else Landshoff-Levy und die Nichte des Verlegers Samuel Fischer. Ihr Cousin ist der spätere Exil-Verleger Fritz Landshoff. Geboren wurde sie in der elterlichen Wohnung in der Würzburger Straße 1[1] in Schöneberg (heute Würzburger Straße 2–4, zum Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gehörig) und wuchs mit zwei Brüdern in Berlin-Karlshorst auf. Früh wurde sie von Oskar Kokoschka porträtiert. Sie besuchte die Schauspielschule, wirkte in Murnaus Nosferatu, eine Symphonie des Grauens von 1922 mit und trat am Theater (unter anderem im Ensemble Max Reinhardts) auf. 1924 lernte sie den Schriftsteller Karl Gustav Vollmoeller kennen, mit dem sie bis 1930 eine Liaison verband. Vollmoeller machte Ruth Landshoff 1948 testamentarisch zu seiner literarischen Nachlassverwalterin. Ein amouröses Verhältnis hatte sie auch zu Francesco von Mendelssohn. Befreundet war sie u. a. mit Doris von Schönthan.[2] Im Jahr 1930 heiratete sie David Yorck von Wartenburg, die Ehe wurde 1937 geschieden.[3]

Nach Veröffentlichungen in Zeitschriften wie der Die Dame, Querschnitt oder Tempo kam ihr erster Roman Die Vielen und der Eine 1930 bei Rowohlt heraus. Ihr zweiter Roman Leben einer Tänzerin durfte in Deutschland bereits nicht mehr erscheinen. 1933 emigrierte sie nach Frankreich, dann nach England, in die Schweiz und 1937 in die USA. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam sie zu Vortragsreisen nach Deutschland und kritisierte die Haltung der Deutschen zur NS-Vergangenheit. Bis zu ihrem überraschenden Tod im Januar 1966 lebte sie als Publizistin, Übersetzerin und Theaterautorin in New York. Der Nachlass befindet sich in der Boston University. Seit 2001 erscheint ihr Werk wieder im AvivA Verlag Berlin.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Wehrhafte Mädchen. Gedichte (Privatdruck) 1929
  • Die Vielen und der Eine. Roman. Ernst Rowohlt, Berlin 1930. 240 S. (Neuausgabe: Aviva, Berlin 2001. ISBN 3-932338-14-6)
  • Anonymus (Ruth York, D. S. Jennings, D. Malcolmson): The man who killed Hitler. Laurie, London 1939; siehe auch folgende Ausgaben:
    • (Ruth York, D. S. Jennings, D. Malcolmson): The man who killed Hitler. G. P. Putnam, Hollywood 1939. 96 S.
    • (Ruth Landshoff-York, D. S. Jennings, D. Malcolmson): L´Homme qui a tué Hitler. Les Editions de France, Paris 1939. 112 S
    • auszugsweise Übersetzung mit Kommentar in: Ruth Landshoff-Yorck, Karl Otten, Philipp Keller und andere. Literatur zwischen Wilhelminismus und Nachkriegszeit. (Hrsg.) Gregor Ackermann, Walter Fähnders, Werner Jung. Weisler, Berlin 2003. (zugleich: JUNI, Heft 35/36) ISBN 3-89693-235-7; ISSN 0931-2854
  • Sixty to go. Roman. 2. print. Messner, New York, N.Y. 1944. 215 S. (Deutsche Erstausgabe: Sixty to Go. Roman vom Widerstand an der Riviera. Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort von Doris Hermanns. AvivA, Berlin 2014, 256 S. ISBN 978-3-932338-63-2)
  • Lili Marlene, an intimate diary. Roman. 2. print. The Readers Press, New York, N.Y. 1945.
  • So cold the night. Roman. Harper, New York, N.Y. 1948.
  • Das Ungeheuer Zärtlichkeit. Sammlung von Erzählungen. Frankfurter Verlags-Anstalt, Frankfurt 1952.
  • Klatsch, Ruhm und kleine Feuer. Biographische Impressionen. Kiepenheuer & Witsch, Köln/Berlin 1963.
  • Das Mädchen mit wenig PS. Feuilletons aus den zwanziger Jahren. Hrsg. und mit einem Nachwort von Walter Fähnders. AvivA Verlag, Berlin 2015; ISBN 978-3-932338-81-6

Werke aus dem Nachlass[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roman einer Tänzerin (ca. 1933). Erstausgabe aus dem Nachlass (Hrsg.) Walter Fähnders. Aviva, Berlin 2002, 2. überarb. Aufl. 2005, ISBN 3-932338-15-4.
  • Sammlung mit Texten von und über Ruth Landshoff in: Ruth Landshoff-Yorck, Karl Otten, Philipp Keller und andere. Literatur zwischen Wilhelminismus und Nachkriegszeit. (Hrsg.) Gregor Ackermann, Walter Fähnders, Werner Jung. Weidler, Berlin 2003 (zugleich: JUNI, Heft 35/36, Jg. 2002) ISBN 3-89693-235-7; ISSN 0931-2854.
  • Die Schatzsucher von Venedig. Roman (ca. 1932). Erstausgabe aus dem Nachlass (Hrsg.) Walter Fähnders. Aviva, Berlin 2004, ISBN 3-932338-15-4; Neuausgabe 2013: ISBN 978-3-932338-56-4.
  • In den Tiefen der Hölle. Roman. (ca. 1960). Erstausgabe aus dem Nachlass (Hrsg.) Walter Fähnders. Aviva, Berlin 2010, ISBN 978-3-932338-44-1.

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mitwirkung in Carl Sternheims Stück Die Schule von Uznach (1927)

Literatur (absteigend)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dinah Rose Lensing-Sharp: Sensational internationals. Gender, Sexuality, and Foreignness in Ruth Landshoff-Yorck's "Die Vielen und der Eine". Master Thesis, Northampton 2016. (englisch)
  • Diana Mantel: Ruth Landshoff-Yorck – Schreibende Persephone zwischen Berliner Boheme und New Yorker Underground. Analysen zum Gesamtwerk. Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 2014, ISBN 978-3-631-64495-9.
  • Walter Fähnders: Ruth Landshoff-Yorck im deutschen Literaturbetrieb vor 1933 und nach 1945. In: Brigitte E. Jirku, Marion Schulz (Hrsg.): Fiktionen und Realitäten. Schriftstellerinnen im deutschsprachigen Literaturbetrieb (= INTER-LIT 14). Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-631-63546-9, S. 179–204.
  • Anke Hertling: Eroberung der Männerdomäne Automobil. Die Selbstfahrerinnen Ruth Landshoff-Yorck, Erika Mann und Annemarie Schwarzenbach. Aisthesis-Verlag, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-89528-941-5.
  • Diana Mantel: Zweisprachigkeit als Zwiespalt – Zwei- und Mehrsprachigkeit im Werk von Ruth Landshoff-Yorck als Experiment, Problem und Propaganda. In: Conceiçã Cunha, Daniel Graziadei u. a. (Hrsg.): Über Grenzen sprechen – Mehrsprachigkeit in Europa und der Welt. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2012, ISBN 978-3-8260-4753-4; ISSN 1613-1878, S. 235–251.
  • Walter Fähnders: Bibliographie der Werke von Ruth Landshoff-Yorck bis 1933. In: Gregor Ackermann und Walter Delabar (Hrsg.): Schreibende Frauen. Ein Schaubild im frühen 20. Jahrhundert (= JUNI. Magazin für Literatur und Kultur. Heft 45/46). Verlag Aisthesis, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-89528-857-9, S. 213–222.
  • Diana Mantel: Carnival and Carnivorous Plants – Gender and Humor in the Works of Ruth Landshoff-Yorck. In: Beate Neumeier (Hrsg.): Gender Forum, An Internet Hournal for Gender Studies (= Heft 35). Universität zu Köln, Köln 2011, S. 12–31, PDF, englisch, abgerufen am 4. Januar 2020.
  • Frederik D. Tunnat: Karl Vollmoeller. Dichter und Kulturmanager. Eine Biographie. Verlag tredition, Hamburg 2008, ISBN 978-3-86850-000-4. (hierin ausführlich über die Beziehung zu Vollmoeller)
  • Walter Fähnders: In Venedig und anderswo. Annemarie Schwarzenbach und Ruth Landshoff-Yorck. In: Petra Josting, Walter Fähnders (Hrsg.): „Laboratorium Vielseitigkeit“. Zur Literatur der Weimarer Republik. Aisthesis-Verlag, Bielefeld 2005, ISBN 3-89528-546-3, S. 227–252.
  • Walter Fähnders: Über zwei Romane, die 1933 nicht erscheinen durften. Mela Hartwigs „Bin ich ein überflüssiger Mensch?“ und Ruth Landshoff-Yorcks „Roman einer Tänzerin“. In: Axel E. Walter (Hrsg.): Regionaler Kulturraum und intellektuelle Kommunikation vom Humanismus bis ins Zeitalter des Internet. Verlag Rodopi, Amsterdam und New York 2004, ISBN 90-420-1715-5, S. 161–190.
  • Helga Karrenbrock: Das Alte und die Neue. Zu Ruth Landshoff-Yorcks Roman ‚Die Schatzsucher von Venedig‘. In: Gregor Ackermann, Walter Fähnders, Werner Jung (Hrsg.): Ruth Landshoff-Yorck, Karl Otten, Philipp Keller und andere. Literatur zwischen Wilhelminismus und Nachkriegszeit. Verlag Weidler, Berlin 2003, ISBN 3-89693-235-7; ISSN 0931-2854, S. 285–293.
  • Sabine Rohlf: Zwischen Benzin- und Moschusduft. Ein Buch kehrt zurück: Ruth Landshoff-Yorcks „Roman einer Tänzerin“ ist mit 70 Jahren Verspätung in Berlin erschienen. In: Berliner Zeitung vom 27. Januar 2003, S. 13.
  • Barbara Drescher: Wechsel in der Erzählperspektive als Ausdruck der kulturellen Entfremdung in der Nachkriegsprosa von Irmgard Keun, Dinah Nelken und Ruth Landshoff-Yorck. In: Christiane Caemmerer, Walter Delabar u. a. (Hrsg.): Erfahrung nach dem Krieg. Autorinnen im Literaturbetrieb 1945–1950. BRD, DDR, Österreich, Schweiz. Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 2002, ISBN 3-631-38961-2, S. 127–139.
  • Heribert Kuhn: Spiel mit der Geschwindigkeit. Ein echter Fund: Ruth Landshoff-Yorcks geschmeidiger „Roman einer Tänzerin“. In: Literaturbeilage der Frankfurter Rundschau vom 9. Oktober 2002, S. 4.
  • Christine Pendl: Der zweisprachige Zwiespalt. Das politische Exilwerk Ruth Landshoff-Yorcks. In: Julia Schöll (Hrsg.): Gender – Exil – Schreiben. Verlag Königshausen und Neumann, Würzburg 2002, ISBN 978-3-8260-2360-6, S. 91–105.
  • Walter Delabar: Die Eine und ihr Erster. In: Walter Delabar u. Carsten Würmann (Hrsg.): Literatur zum Gebrauch: Hollaender und andere. Beiträge zu einer Kulturgeschichte der Weimarer Republik (= JUNI. H. 33/34). Berlin 2001, ISBN 3-89693-182-2, S. 260–261.
  • Christiane Merkel: Ruth Landshoff-Yorck. In: John M. Spalek u. a. (Hrsg.): Deutschsprachige Exilliteratur seit 1933. Bd. 3: USA/Teil 1, Verlag de Gruyter Saur, Bern und München 2000, ISBN 978-3-908255-16-1, S. 313–322. (mit Bibliographie)
  • Claudia Schoppmann: Porträt Ruth Landshoff-Yorck. In: Claudia Schoppmann: Im Fluchtgepäck die Sprache. Deutschsprachige Schriftstellerinnen im Exil. Orlanda-Frauenverlag, Berlin 1991, ISBN 978-3-922166-78-8, S. 63–69. (wieder: Frankfurt am Main 1995)
  • Renate Wall: Ruth Landshoff-Yorck. In: Renate Wall: Deutschsprachige Schriftstellerinnen im Exil 1933–1945. Band 1, Verlag Kore, Freiburg 1995, ISBN 978-3-926023-48-3, S. 210–212.
  • Georg Zivier: Das Romanische Café. Erscheinungen und Randerscheinungen rund um die Gedächtniskirche. Verlag Haude & Spener, Berlin 1965, S. 78–80.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geburtsurkunde StA Schöneberg I Nr. 94/04.
  2. Ruth Yorck: Klatsch, Ruhm und kleine Feuer – Biographische Impressionen. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1963, S. 34.
  3. Liliane Studer: Ein Blick in die modernen 1920er-Jahre. Über Ruth Landshoff-Yorcks unterhaltsamen Roman „Die Schatzsucher von Venedig“, literaturkritik.de, abgerufen am 2. Dezember 2013