Sadiq Khan

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Dieser Artikel behandelt den britischen Politiker Sadiq Khan. Für den gleichnamigen Schah von Persien siehe Sadiq Khan (Zand).
Sadiq Khan (2016)

Sadiq Aman Khan (* 8. Oktober 1970 in London) ist ein britischer Politiker der Labour Party. Seit dem 7. Mai 2016 ist er Bürgermeister von London, nachdem er zwei Tage zuvor in das Amt gewählt worden war. Khan ist das erste Londoner Stadtoberhaupt muslimischen Glaubens.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sadiq Khan ist britisch-pakistanischer Abstammung. Er wurde 1970 als fünftes der insgesamt acht Kinder von Amanullah Khan und dessen Ehefrau Sehrun geboren.[1] Sein Großvater war nach der Teilung Indiens im Jahre 1947 von Indien nach Pakistan ausgewandert. In den 1960er-Jahren emigrierten seine Eltern von Pakistan nach England.[2] Der Vater fand in England Arbeit als Busfahrer, einen Beruf, den er mehr als 25 Jahre ausübte. Die Mutter arbeitete als Näherin. Die vielköpfige Familie wohnte eng zusammengedrängt in einer zu kleinen Sozialwohnung in Earlsfield (Henry Prince council estate) im Süden Londons.[3][4]

Sadiq Khan ist sunnitischer[5] Muslim.[6] Seit 1994 ist er mit Saadiya Ahmed verheiratet, die als Anwältin arbeitet. Das Ehepaar hat zwei Töchter.[7]

Ausbildung und Berufstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Khan besuchte zunächst die Fircroft Primary School und ging dann zum Ernest Bevin College. In Folge studierte er zunächst Biologie, Chemie und Mathematik, bis ihn einer seiner Lehrer davon überzeugte, dass für ihn Jura die bessere Wahl wäre.[8] Khan folgte dem Rat und studierte Rechtswissenschaft an der University of North London (seit 2002: London Metropolitan University) und legte seine Anwaltsprüfung am College of Law (CoL) in Guildford ab. Anschließend arbeitete er als Anwalt für Menschenrechte mit Louise Christian zusammen. Er war auch Vorsitzender der Menschenrechtsgruppe Liberty.

Politische Betätigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1994 wurde Khan in den Stadtrat von Wandsworth gewählt und hielt den Sitz bis 2006. Nachdem der Labour-Abgeordnete für Tooting, Tom Cox, 2003 seinen Rücktritt angekündigt hatte, setzte sich Khan in parteiinternen Vorwahlen als Kandidat durch. Bei den Unterhauswahlen 2005 wurde er mit 43,1 % der Stimmen für seinen Heimatwahlkreis Tooting in London zum Abgeordneten im Unterhaus gewählt. 2008 wurde Khan Staatssekretär (Parliamentary Under-Secretary) im Ministerium für Kommunalverwaltungen, 2009 Minister of State unter Lord Adonis im Verkehrsministerium. Bei der Unterhauswahl 2010 verteidigte er seinen Wahlkreis Tooting gegenüber der konservativen Partei. Auch bei der Unterhauswahl 2015 gewann er wieder diesen Wahlkreis. Nach seiner Wahl zum Bürgermeister von London legte er sein Abgeordnetenmandat nieder.[9]

Am 11. September 2015 wurde Khan in einer parteiinternen Wahl zum Kandidaten der Labour Party bei der anstehenden Wahl zum Bürgermeister von London gewählt. Er erhielt in der fünften Wahlrunde 58,9 % der Delegiertenstimmen, seine Gegenkandidatin Tessa Jowell erhielt 41,1 %.[10] Am 5. Mai 2016 wurde er zum neuen Mayor of London gewählt. Damit wurde erstmals ein Muslim oberster Repräsentant einer EU-Hauptstadt. Er trat die Nachfolge von Boris Johnson an, der nicht mehr kandidiert hatte. Khans wichtigstes Wahlkampfthema war die Bewältigung der Wohnungsnot aufgrund der rasant gestiegenen Immobilienpreise und Mieten in der Stadt (housing crisis).[11] Während seiner Wahlkampagne wiesen Politiker der konservativen Partei, u. a. sein Gegenkandidat Zac Goldsmith und Premierminister David Cameron, immer wieder auf angebliche Verbindungen von seiner Seite aus zu islamischen Extremisten hin. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Khan als Menschenrechtsanwalt auch angeklagte islamische Extremisten und ehemalige Insassen des Internierungslagers Guantánamo Bay verteidigte. Khan wies alle Anschuldigungen zurück, dass er mit den betreffenden Personen sympathisiere oder ihre Ansichten teile. Einige Anschuldigungen stellten sich nach Befragung der betreffenden Personen als falsch heraus, etwa die Verbindung zu dem Prediger Suliman Gani.[12] Seine Schwester Farhat Khan war bis 2011 mit dem Islamisten Makbool Javaid verheiratet.[13] Sadiq Khan selbst war 2006 auf einer Kundgebung gegen die Mohammed-Karikaturen auf dem Trafalgar Square, auf der ein extremistischer Redner wörtlich mit „Feuer auf der ganzen Welt“ (fire throughout the world) gedroht hatte.[14] Khan wurde auch von islamischer bzw. islamistischer Seite angefeindet. Nachdem er sich für die gleichgeschlechtliche Ehe eingesetzt hat, wurde er durch eine Fatwa zum Nichtmuslim erklärt und er erhielt Todesdrohungen.[15]

Seine erste Amtshandlung als Bürgermeister war die Teilnahme an einer alljährlich durchgeführten Holocaust-Gedenkveranstaltung im Barnet Copthall Stadium, einem Rugbystadion im Norden Londons. Angesichts der Diskussionen über antisemitische Äußerungen einiger Labour-Parteifreunde, darunter der ehemalige Londoner Bürgermeister Ken Livingstone, wurde dies als wichtiger symbolischer Akt gewertet.[16]

Vor dem Referendum über den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union sprach sich Khan, wie auch die Mehrheit der Labour-Politiker, für die weitere EU-Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs aus.[17] Im Streit um die Führung der Labour Party, der nach dem EU-Unabhängigkeitsreferendum entstand, ergriff Khan am 21. August 2016 Partei für den Herausforderer des Vorsitzenden Jeremy Corbyn, den walisischen Abgeordneten Owen Smith. Corbyn habe es „nicht verstanden, das Vertrauen und den Respekt der britischen Bevölkerung zu gewinnen“.[18]

Abhöraffäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang Februar 2008 wurden von der Sunday Times Vorwürfe erhoben, dass ein Gespräch von Khan mit einem von Abschiebung in die Vereinigten Staaten bedrohten Freund von der Antiterrorismusabteilung (SO13) der London Metropolitan Police (Polizeibehörde)[19] abgehört worden war.[20] Eine vom Justizminister Jack Straw eingeleitete Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass die Polizei mit ihrem Vorgehen keine Regeln verletzt habe, insbesondere die Wilson-Doktrin, die zwar das Abhören von Abgeordneten auf Anordnung durch den Innenminister, jedoch nicht generell verbiete.[21]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sadiq Khan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Judy Khan QC
  2. Sadiq Khan – Homepage – My story
  3. New Statesman 11. März 2016: The pugilist: Sadiq Khan’s quest to become mayor of London
  4. Youtube: Sadiq’s Tooting roots – The Henry Prince Estate; Evening Standard 23. Februar 2015: ‘That’s the great thing about London: someone from my background can be Mayor’: Sadiq Khan on growing up on a council estate and Labour’s chances in May
  5. The Secret Life of Sadiq Khan, London’s First Muslim Mayor
  6. Tim Donovan: Sadiq Khan: Labour's choice for Mayor. BBC News, 11. September 2015, abgerufen am 11. September 2015 (englisch).
  7. George Eaton: The pugilist: Sadiq Khan’s quest to become mayor of London. The New Statesman. Abgerufen am 7. Mai 2016.
  8. New Statesman 11. März 2016: The pugilist: Sadiq Khan’s quest to become mayor of London
  9. Sadiq Khan resigns as MP for Tooting. Commons Digital Outreach Team, 10. Mai 2016, abgerufen am 23. Mai 2016.
  10. Artikel in: BBC.co.uk.
  11. Sadiq Khan wird neuer Bürgermeister von London. In: Zeit Online, 7. Mai 2016, abgerufen am 7. Mai 2016; Großbritannien: Sadiq Khan ist neuer Bürgermeister von London. In: Spiegel Online, 7. Mai 2016, abgerufen am 7. Mai 2016.
  12. [1], The Guardian, 20. April 2016, abgerufen am 8. Mai 2016
  13. Exposed: Sadiq Khan’s family links to extremist organisation. In: Evening Standard, 12. Februar 2016, abgerufen am 7. Mai 2016.
  14. „Extremist views: Labour terror error as Tories fear rout in London mayor contest“, abgerufen am 7. Mai 2016.
  15. artikel in the The Guardian
  16. Frischgebackener Bürgermeister am Holocaust-Anlass tachles, 9. Mai 2016
  17. Sadiq Khan: Labour must do more for Remain vote. BBC News, 9. Juni 2016, abgerufen am 21. August 2016 (englisch).
  18. Sadiq Khan: Jeremy Corbyn 'failed to win trust of British people'. BBC News, 21. August 2016, abgerufen am 21. August 2016 (englisch).
  19. www.met.police.uk
  20. Times Online, 3. Februar 2008: Police bugged Muslim MP Sadiq Khan
  21. Bugging of MP on prison visit did not break the rules, inquiry finds. In: The Guardian. 22. Februar 2008, abgerufen am 7. Mai 2010 (englisch).
Vorgänger Amt Nachfolger
Boris Johnson Mayor of London
seit 2016