Boris Johnson

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Boris Johnson (2006)

Alexander Boris de Pfeffel Johnson (* 19. Juni 1964 in New York City, Vereinigte Staaten) ist ein britischer Publizist und Politiker der Conservative Party. Vom 4. Mai 2008 bis zum 8. Mai 2016 war er für zwei Amtszeiten Bürgermeister von London. Zur Wahl am 6. Mai 2016 trat Johnson nicht mehr an; sein Nachfolger ist der Labour-Politiker Sadiq Khan.

Johnson war von 1999 bis zum Dezember 2005 Herausgeber des konservativen Nachrichtenmagazins The Spectator. Er gab diesen Posten auf, als er als designierter Erziehungsminister in das Schattenkabinett des Oppositionsführers David Cameron berufen wurde. Von 2001 bis zu seinem Amtsantritt als Bürgermeister war er als Abgeordneter des Wahlkreises Henley Mitglied des britischen Unterhauses. Im September 2015, noch als Bürgermeister von London, wurde er zum Unterhaus-Kandidaten des Wahlkreises 'Uxbridge and South Ruislip' im Westen von Greater London gewählt.[1] Seit Februar 2016 führte er – international beachtet – die Kampagne der Brexit-Befürworter für das Referendum am 23. Juni 2016 an.[2] Er galt bis zum 30. Juni 2016 als einer der Favoriten für die Nachfolge des Premiers David Cameron, teilte dann aber mit, dass er nicht für dieses Amt kandidiere. Sein bis dahin engster Mitstreiter Michael Gove war ihm kurz zuvor 'in den Rücken gefallen'.[3]

Johnson ist einer der bekanntesten und beliebtesten, aber auch umstrittensten Politiker des Landes. Er ist bekannt für sein häufig exzentrisches Verhalten. Britische Boulevardzeitungen nennen ihn häufig Bo-Jo. Johnson ist Staatsbürger des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boris Johnson wurde 1964 als erstes von vier Kindern von Stanley Johnson und seiner ersten Frau Charlotte Johnson-Wahl in New York geboren. Sein Vater war von 1979 bis 1984 Abgeordneter der Conservative Party im Europäischen Parlament. Boris Johnsons türkischer Urgroßvater Ali Kemal war der letzte Innenminister des Osmanischen Reiches und veranlasste in dieser Funktion die Verhaftung Kemal Atatürks; er wurde später auf Befehl Nureddin Paschas gelyncht. Johnsons Großvater Osman Ali floh daraufhin nach London und nahm dort den Namen „Wilfred Johnson“ an.[4] Über seine Urururgroßeltern Adelheid Pauline Karoline von Rottenburg (1805–1872), uneheliche Tochter von Prinz Paul von Württemberg, und Karl Maximilian Freiherr von Pfeffel (1811–1890) ist er durch das Königshaus Württemberg weitläufig mit Queen Elizabeth und Prinz Charles verwandt.[5][6] Johnson hat (Stand Januar 2015) neben der britischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft inne.[7][8]

Johnson besuchte die Europäische Schule I in Brüssel und das Knabeninternat Eton College in Eton. Am Balliol College in Oxford studierte er Klassische Altertumswissenschaft. Sowohl in Eton als auch in Oxford war er als interessante Persönlichkeit bekannt. Seine beiden besten Freunde in dieser Zeit waren Abkömmlinge der Oberschicht: der später wegen Versicherungsbetrugs verurteilte Darius Guppy sowie Charles Spencer, der jüngere Bruder der Kronprinzessin Diana. In Oxford war Johnson Präsident des Debattierzirkels Oxford Union und Mitglied des Bullingdon Club, außerdem zusammen mit Guppy Herausgeber des satirischen Magazins Tributary. Johnson, Guppy und Spencer blieben auch nach der Universitätszeit befreundet.

Mit dreiundzwanzig Jahren heiratete er Allegra Mostyn-Owen; die Ehe wurde nach kurzer Zeit geschieden. Seit 1993 ist Johnson in zweiter Ehe mit der Anwältin Marina Wheeler verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und zwei Töchter hervor.

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Medien und Boulevard[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 1998 wurde Johnson erstmals einer breiteren Öffentlichkeit durch einen Auftritt in der Fernsehsendung Have I Got News For You bekannt. Es folgten weitere Auftritte in dieser Sendung. Er wurde nun auf der Straße von den Leuten erkannt und trat in der Folge auch in anderen Fernsehsendungen auf, beispielsweise in Top Gear und Question Time.

2001 veröffentlichte Johnson einen Erfahrungsbericht über den britischen Wahlkampf. Er konnte sich gelegentlich nicht an den Titel seines Buches erinnern, und so trägt der Schutzumschlag den Titel Jottings on the Stump, der Buchrücken aber den Titel Jottings from the Stump. Johnson veröffentlichte weiterhin zwei journalistisch angelegte Bücher (Johnson's Column und Lend Me Your Ears). 2004 erschien sein erster Roman Seventy-Two Virgins (deutscher Titel: 72 Jungfrauen), in dem er in satirischer Form über einen Terrorangriff auf den US-amerikanischen Präsidenten in London erzählt. Seit September 2004 verbreitet er seine Gedanken auch über ein eigenes Weblog.

Journalistische und politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Universitätsabschluss arbeitete Johnson zunächst als Management-Berater, gab diesen Job aber nach einer Woche aus Desinteresse wieder auf und erhielt ein journalistisches Praktikum bei der renommierten Tageszeitung The Times. Weil er ein Zitat seines Patenonkels Colin Lucas, später Vizepräsident der Universität Oxford, verfälscht hatte, wurde er entlassen. Er schrieb dann für das mittelenglische Lokalblatt Wolverhampton Express and Star. 1987 wechselte er zum Daily Telegraph und schrieb in der Folge häufig die Leitartikel dieser Zeitung. Von 1989 bis 1994 berichtete er als Korrespondent des Blattes aus Brüssel von den Läufen der Europäischen Gemeinschaft. Von 1994 bis 1999 war er Mitherausgeber der Zeitung und wechselte dann als Hauptherausgeber zum konservativen Wochenblatt The Spectator, für das er bereits in den Jahren 1994 und 1995 gelegentlich politische Kommentare geliefert hatte.

Am 16. Oktober 2004 löste ein Leitartikel des Spectator einen Skandal aus. Der Anlass war die Berichterstattung über die Geiselnahme und Hinrichtung des Briten Kenneth Bigley durch irakische Terroristen. In dem Artikel beklagte das Blatt den Hang der Briten zur Sentimentalität und kritisierte in harschen Worten, dass sich die Bewohner von Bigleys Heimatstadt Liverpool quasi stellvertretend für Bigley in einer Opferrolle suhlten.[9] Zwar hatte Johnson den Artikel nicht geschrieben, doch übernahm er als Herausgeber des Spectator die Verantwortung. Da er zu dieser Zeit bereits prominent für die Tories aktiv war, befürchtete seine Partei politischen Schaden. Parteichef Michael Howard beorderte Johnson nach Liverpool, um dort Abbitte zu leisten. Bei einer Live-Sendung der BBC rief Paul Bigley an, der Bruder des ermordeten Kenneth Bigley, und sagte Johnson: „Sie sind ein egozentrischer, aufgeblasener Idiot – Verschwinden Sie aus der Öffentlichkeit!“[10][11]

Vorlauf und Wahl zum Bürgermeister von London 2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johnson kündigte die Möglichkeit seiner Kandidatur für die Bürgermeisterwahl 2008 am 16. Juli 2007 an.[12] Er trat als Mitglied des Schattenkabinetts zurück, wo er bis dahin für höhere Bildung zuständig war. Am 27. September 2007 wurde er zum Kandidaten der Konservativen Partei, nachdem er bei einer öffentlichen, stadtweiten Vorwahl 75 % der Stimmen bekommen hatte.[13]

Johnson versprach neue Routemaster-ähnliche Busse, wenn er zum Bürgermeister gewählt würde

Die Konservative Partei stellte den Australier Lynton Crosby ein, um Johnsons Wahlkampf zu leiten. Wegen Johnsons Neigung, in Fettnäpfchen zu treten, sorgte Crosby dafür, dass Johnson kaum Interviews mit Druck- und Fernsehmedien bestritt und stattdessen bei Radiogesprächen und Fernsehprogrammen tagsüber auftrat, wo eher "leichte" Fragen gestellt wurden.[14][15] Crosby sorgte auch dafür, dass Johnson weniger Witze erzählte und einen einfacheren Haarschnitt bekam; so sollte er seriöser wirken.[14] Johnsons Wahlkampf richtete sich stark auf konservativ-geneigte Vororte im äußeren London und nutzte das Gefühl, dass die dortigen Einwohner sich übersehen fühlten von der Verwaltung unter Ken Livingstone, die den inneren Stadtteilen mehr Aufmerksamkeit schenkte.[15] Bei der Wahl am 1. Mai 2008 erhielt Johnson 53 Prozent der Stimmen und löste damit den für eine weitere Amtsperiode kandidierenden Amtsinhaber und Labour-Kandidaten Ken Livingstone ab. Johnson wurde am 3. Mai 2012 als Amtsinhaber mit gut 51,5 Prozent der Stimmen in der zweiten Auszählrunde für eine weitere Amtsperiode bestätigt, erneut mit Livingstone als stärkstem Gegenkandidaten.[16]

Wirken als Bürgermeister von London, 2008–2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johnson hält eine Rede anlässlich seines Sieges bei der Wahl zum Bürgermeister von London 2008 in der City Hall.

Fahrkarten für den öffentlichen Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Beginn seiner Amtszeit kündigte Johnson an, die Oyster-Card, eine Zeitkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel, für das gesamte Schienennetz einzuführen.[17] Eines der Ziele in Johnsons Wahlprogramm war, Fahrkartenschalter der Untergrundbahn zu erhalten, im Gegensatz zu Livingstones Ankündigung, 40 Verkaufsstellen zu schließen.[18] Im Juli 2008 kündigte das Büro des Bürgermeisters an, dass die Verkaufsstellen nicht geschlossen werden.[19]

Alkoholverbot im öffentlichen Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon am 7. Mai 2008, wenige Tage nach seiner Amtsübernahme, kündigte Johnson ein Alkoholverbot im Londoner öffentlichen Verkehr an, das zum 1. Juni in Kraft treten sollte.[20] Das Verbot gilt in Fahrzeugen und Stationen von London Underground, Bussen, der Docklands Light Railway und den Straßenbahnen in Croydon sowie London Overground, also auch allen Stadtbahnen und S-Bahn-ähnlichen Verkehren.

Neuer Routemaster Bus (Doppeldecker)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

New Bus for London, NB4L oder Borismaster auf Linie 38

Als Teil seiner Wahlkampagne 2008 hatte Johnson angekündigt, einen Ersatz für den populären Routemaster-Bus zu beschaffen, den typischen Londoner roten Doppeldeckerbus, eines der Wahrzeichen der Stadt. Nach einem Gestaltungswettbewerb wurde Wrightbus beauftragt, den neuen Bustyp zu bauen. Die ersten Fahrzeuge, die in Anlehnung an Johnsons Vornamen und den Namen des alten Busses auch Borismaster genannt werden, starteten im Linienbetrieb im Februar 2012, die erste komplette Linie mit den neuen Fahrzeugen im Sommer 2013. Bestellt wurden über 600 neue Busse.

Fahrradverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johnson ist überzeugter Radfahrer und erreichte seit der Amtsübernahme 2008 einige Erfolge durch Anstrengungen zur Förderung des Fahrradverkehrs in London, was teilweise auf Vorarbeiten der Verwaltung unter Ken Livingstone aufbauen konnte. Besonders Blogger kritisierten, dass diese Politik nicht weit genug gehe und dass London noch immer ein extrem gefährlicher Ort zum Radfahren sei.

Im Januar 2013 ernannte Johnson den Journalisten Andrew Gilligan als Londoner Fahrradbeauftragten, obwohl Gilligan nur wenig Qualifikation dafür vorweisen konnte. Im März 2013 kündigte Johnson an, in den nächsten Jahren mit Investitionen in Höhe von fast einer Milliarde Pfund das Radfahren zu entschärfen („to de-Lycrafy cycling“)[21], wobei diverse Fahrrad-Infrastruktur ausgebaut werden sollte. Im Programm enthalten ist auch ein „Crossrail for bikes“, eine 24 km lange Strecke mit eigenständigen Fahrradwegen, die quer durch London in Ost-West-Richtung verläuft (benannt in Anlehnung an ein großes Schienenverkehrsprojekt).[22][23][24]

Die Fahrräder im Londoner Fahrradleihsystem „Santander Cycles“ (bis März 2015 Barclays Cycle Hire) werden üblicherweise „Boris Bikes“ genannt, da Johnson zum Zeitpunkt der Einführung des Systems der Bürgermeister war und es in seiner Amtszeit deutlich ausgeweitet hat. Im September 2013 kündigte Johnson in einem Radio-Gespräch scherzhaft an, seinen Namen in „Barclays Johnson“ zu ändern, wenn die Bank weitere 100 Millionen Pfund für das System geben würde.[25][26]

Nachtverkehr der U-Bahn an Wochenenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. November 2013 kündigte Johnson größere Änderungen beim Betrieb von London Underground an, was auch eine Ausweitung des U-Bahn-Betriebs auf die Nächte an Wochenenden beinhaltet. Gleichzeitig kündigte er an, dass Räume und Personal sämtlicher Underground-Fahrscheinverkaufsstellen durch Fahrscheinautomaten oder andere Systeme ersetzt werden sollen, um über 40 Millionen Pfund pro Jahr einzusparen. [27][28]

Rückkehr ins Parlament[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterhauswahl 2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johnson hatte anfänglich bestritten, während seiner Amtszeit als Bürgermeister auf einen Wiedereinzug ins Unterhaus hinzuarbeiten. Am 26. August 2014 teilte er mit, er strebe an, als Kandidat des sicheren Wahlkreises Uxbridge and South Ruislip[29] für die Unterhauswahl am 7. Mai 2015 nominiert zu werden.[30] Am 12. September 2014 wurde er als Kandidat aufgestellt.[31][32] In einem Interview mit der BBC am 24. März 2015 nannte Premierminister Cameron Johnson einen seiner möglichen Nachfolger im Amt des Premierministers (neben George Osborne und Theresa May).[33]

Am 7. Mai 2015 wurde Johnson gewählt; er erhielt in seinem Wahlkreis 50,2 % der abgegebenen Stimmen.[34]

Führende Rolle im Brexit-Wahlkampf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Johnson sich Anfang 2016 zunächst weigerte, sich für einen Brexit auszusprechen, berichteten Medien ausführlich darüber. Johnsons Haltung zum EU-Referendum am 23. Juni 2016 wurde mit Spannung erwartet. Am 21. Februar 2016 sprach er seine Unterstützung für Vote Leave aus, eine am 8. Oktober gegründete Organisation, die vor dem Referendum eine Kampagne für den Brexit betrieb.[35] Er bezeichnete Camerons Befürchtungen als "greatly over exaggerated". Cameron habe sich in seinen Verhandlungen über eine EU-Reform sehr bemüht. Das Ergebnis derselben befriedige ihn, Johnson, aber nicht. Er wolle eine grundlegende Änderung in den Beziehungen des UK zur EU.[36] Nach seinem Statement fiel das Pfund Sterling um fast 2 Prozent auf seinen niedrigsten Stand seit März 2009.[37] Johnson stieg schnell zu einem der Anführer der Kampagne für den EU-Austritt auf.[38]

Als US-Präsident Obama dem UK riet, in der EU zu bleiben, äußerte Johnson, Obama sei getrieben von einem anti-britischen Gefühl, was an seinen kenianischen Vorfahren liege. Für diese Äußerung wurde er kritisiert, unter anderem von den Labour-Politikern John McDonnell und Diane Abbott. Der UKIP-Vorsitzende Nigel Farage und der Konservative Iain Duncan Smith verteidigten Johnson.[39][40][41]

Johnson äußerte, die EU versuche, einen „europäischen Super-Staat“ zu errichten. „Napoleon, Hitler, diverse Leute haben das versucht, und es endete tragisch. Die EU ist der Versuch, dies auf andere Weise zu erreichen“.[42] Donald Tusk (Präsident des Europäischen Rates) erwiderte, Johnson habe damit „die Grenzen einer rationalen Diskussion überschritten und politischen Gedächtnisverlust offenbart“.[43]

Am Tag nach dem Referendum, bei dem fast 60 % der abstimmenden Londoner gegen den Brexit gestimmt hatten, wurde er beim Verlassen seines Hauses im Norden von London von einer wütenden Menschenmenge und Rufen wie „Shame on you, Boris!“ („Schäm Dich, Boris!“) empfangen; er gelangte unter Polizeischutz zu seinem Wagen.[44]

Als am gleichen Tag das Ergebnis (51,9 zu 48,1 Prozent für den Brexit) feststand, kündigte Cameron seinen Rücktritt als Premierminister und als Tory-Vorsitzender an. Johnson galt als einer der Favoriten für diese Ämter,[45] bis er am 30. Juni 2016 überraschend mitteilte, dass er dafür nicht kandidiere.[46][47] Ein Grund dafür war offenbar die kurz zuvor bekanntgegebene Kandidatur des Justizministers Michael Gove.[3][48] Gove galt bis dahin als Johnsons engster Mitstreiter.[49]

Zur Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der britische Journalist Max Hastings verglich im März 2008 den damaligen Londoner Bürgermeisterkandidaten Johnson mit der P. G. Wodehouse-Figur Gussie Fink-Nottle. Johnson zeichne sich wie Gussie durch Charme, Witz und Brillanz, aber auch alarmierende Anzeichen einer gewissen Instabilität aus.[50]

Martin Kettle, ein Kommentator des Guardian, schrieb eine Woche nach dem Referendum, Johnson sei ein „Narzist“, „ein Leichtgewicht und ein Selbstdarsteller ersten Grades mit allerdings minderen intellektuellen Fähigkeiten“. Er wäre als Premierminister „ein Desaster“ gewesen.[51] Johnsons Parteifreund Michael Gove sagte in einer Rechtfertigung seiner Kandidatur, Johnson sei „nicht für den Job befähigt“ („Boris wasn’t up to the job.“).[52]
Der Tory-Abgeordnete Dominic Raab schrieb vor dem Bekanntwerden von Goves Kandidatur He [Johnson]’s got the Heineken effect that refreshes the parts that more conventional politicians cannot reach ...The Conservatives must be the party of the aspirational underdog. Boris and Michael Gove will make a formidable partnership.[53]
Berthold Kohler, einer der FAZ-Herausgeber, schrieb: Johnsons unerträgliche Leichtigkeit des politischen Seins trug ihren Teil dazu bei, dass eine knappe Mehrheit der Behauptung Glauben schenkte, Großbritannien werde es nach dem Austritt aus der EU besser gehen als bisher. Das glaubt er nun aber nicht einmal mehr selbst, falls er es jemals tat. Es ist nicht auszuschließen, dass Johnson annahm, die Woge der „Leave“-Kampagne, die er ritt, werde ihn bis in die Downing Street tragen, aber nicht so gewaltig sein, dass sie Großbritannien tatsächlich aus der EU hinaus spülen würde. Jetzt aber [...] verließen ihn sein Mut und seine Großmäuligkeit. Seine Versprechen sind nicht zu erfüllen. Spätestens seit seiner Fahnenflucht kann es keinen Zweifel mehr daran geben, dass er nicht der Richtige für das Amt des Premierministers gewesen wäre. Die Briten [..] müssen sich nach seinem Offenbarungseid [...] fragen, warum sie ihm nachliefen. [54]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Boris Johnson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Boris Johnson: Member of Parliament for Uxbridge and South Ruislip Porträt auf der Website der Konservativen Partei
  2. Mister Brexit faz.net, 5. Juni 2016
  3. a b FAZ.net / Jochen Buchsteiner 30. Juni 2016: Die Reißleine vor dem Abflug gezogen
  4. The Boris Johnson story. BBC News, 4. Mai 2008, abgerufen am 9. Mai 2011 (englisch).
  5. Ahnenforschung in Augsburg - Londons OB entdeckt berühmte Verwandtschaft
  6. BBC: Who Do You Think You Are. Boris Johnson – How We Did It. Website im Portal bbc.co.uk, 2013, abgerufen am 18. Juni 2013
  7. Haroon Siddique: New York-born London mayor Boris Johnson refuses to pay US tax bill. In: The Guardian, 20. November 2014. Abgerufen am 21. November 2014. 
  8. www.theguardian.com 25. Juni 2016: Who is Boris Johnson? The eccentric blond New Yorker set to rule the UK
  9. Bigley's Fate, Leitartikel des Spectator vom 16. Oktober 2004
  10. Paul Bigley tells Johnson to quit, BBC News, 20. Oktober 2004
  11. Boris Johnson: What I should say sorry for, The Spectator, 23. Oktober 2004
  12. George Jones: Boris Johnson to run for mayor. In: The Daily Telegraph, 16. Juli 2007. Abgerufen am 17. Februar 2013. 
  13. Johnson is Tory mayor candidate, BBC News. 27. September 2007. Abgerufen am 2. Januar 2010. 
  14. a b Glover, Julian: The Jeeves to Johnson’s Bertie Wooster: the man who may have got him elected. In: The Guardian, 2. Mai 2008. 
  15. a b Boris Johnson profile: Shambolic success story. In: The Daily Telegraph, 2. Mai 2008. Abgerufen am 8. Oktober 2008. 
  16. London mayor: Boris Johnson wins second term by tight margin. BBC, 4. Mai 2012, abgerufen am 5. Mai 2012 (englisch).
  17. Paul Waugh: Boris plans to 'Oysterise' overground rail services by next May. In: Evening Standard, 12. Mai 2008. Abgerufen am 21. November 2013. 
  18. Boris Johnson: Saying No To Ticket Office Closures. In: Getting Londoners Moving (Transport Manifesto for the 2008 Mayoral election). Back Boris campaign. Abgerufen am 21. November 2013.
  19. Dick Murray: Mayor scraps Ken plan to axe 40 Tube ticket offices. In: Evening Standard, 2. Juli 2008. Abgerufen am 21. November 2013. 
  20. Mayor unveils plan to ban alcohol on the transport network (Memento vom 13. Mai 2008 im Internet Archive)
  21. Mit de-Lycrafy meinte Johnson: „das Radfahren vom Elastan (Lycra) befreien“, also London für normale Radfahrer erschließen, die nicht in sportlicher Funktionskleidung unterwegs sind. Vgl. Boris Johnson wants to 'de-Lycrafy cycling' with £913 million plan for London, in: The Independent, 7. März 2013.
  22. Edwards, Tom: 'Crossrail for bikes' set for London, BBC News. 7. März 2013. Abgerufen am 14. April 2013. 
  23. Edwards, Tom: How London bloggers changed cycling, BBC News. 6. März 2013. Abgerufen am 14. April 2013. 
  24. Walker, Peter: Boris Johnson's bold thinking could change the future of London cycling. In: Guardian Bike blog, The Guardian, 7. März 2013. Abgerufen am 4. April 2013. 
  25. Boris: If They Pay For Bikes, I'll Call Myself Barclay's Johnson. LBC. 8. Juli 2009. Abgerufen am 1. Oktober 2013.
  26. WATCH: Boris’ Barclays Deed Poll Promise - Guy Fawkes' blog. Order-order.com. 3. September 2013. Abgerufen am 1. Oktober 2013.
  27. Every Tube ticket office to close. In: BBC News, 21. November 2013. 
  28. Matthew Beard: 950 London Underground staff to lose their jobs in Tube ticket office shake-up. In: Evening Standard, 21. November 2013. 
  29. siehe auch englische Wikipedia
  30. www.standard.co.uk
  31. www.theguardian.com
  32. Christoph Scheuermann: Showtime. In: Der Spiegel. Nr. 18 25. April 2015, ISSN 0038-7452, S. 94–97.
  33. David Cameron ‘won’t serve third term’ if re-elected. BBC News, 24. März 2015, abgerufen am 24. März 2015 (englisch).
  34. Uxbridge & Ruislip South parliamentary constituency – Election 2015. In: BBC, 7. Mai 2015. 
  35. www.bbc.com
  36. EU referendum: Time to vote for real change, says Boris Johnson. BBC News, 22. Februar 2016, abgerufen am 1. Oktober 2015 (englisch).
  37. Pound hits seven-year low after Boris Johnson's Brexit decision – as it happened
  38. Londons Bürgermeister Boris Johnson befürwortet EU-Austritt. In: Süddeutsche Zeitung, 21. Februar 2016.
  39. www.thetimes.co.uk 25. April 2016: "There's nothing worse than hurling a word like 'racist'"
  40. www.theguardian.com: Duncan Smith says almost all forecasts are 'probably wrong'
  41. www.independent.co.uk: Boris Johnson was not racist about Barack Obama, Iain Duncan Smith insists
  42. FAZ.net /Marcus Theurer 5. Juni 2016: Boris Johnson: Mister Brexit, abgerufen am gleichen Tag
  43. FAZ.net 17. Mai 2016: Tusk wirft Johnson „politischen Gedächtnisverlust“ vor
  44. EU referendum: 'Shame on you Boris', crowds yell. BBc News, 25. Juni 2016, abgerufen am 25. Juni 2016 (englisch).
  45. sueddeutsche.de / Christian Zaschke 27. Juni 2016: Boris Johnson hat den Brexit befördert - will ihn aber vielleicht gar nicht
  46. zeit.de 30. Juni 2016: Boris Johnson kandidiert nicht für Cameron-Nachfolge
  47. Boris Johnson out of Conservative leadership contest. BBC News, 30. Juni 2016, abgerufen am 30. Juni 2016 (englisch).
  48. Laura Kuenssberg: Boris, Gove and an 'act of treachery'. BBC News, 30. Juni 2016, abgerufen am 30. Juni 2016 (englisch).
  49. zeit.de: Erledigt vom höflichen Radikalen (gemeint ist Michael Gove)
  50. Max Hastings: Boris the buffoon is dead. Stand by for Boris the Mayor. In: The Guardian, 30. März 2008, aufgerufen am 26. April 2016. Im Original lautet das Zitat: Over the next few years, he developed the persona which has become famous today, a façade resembling that of PG Wodehouse’s Gussie Finknottle, allied to wit, charm, brilliance and startling flashes of instability.
  51. Martin Kettle: Boris Johnson would have been a disaster. Bring on Theresa May. The Guardian, 30. Juni 2016, abgerufen am 30. Juni 2016 (englisch, Im Original: „… Johnson is a narcissist. A lightweight, a first-degree self-publicist with a second-rate mind.“).
  52. Michael Gove: Boris Johnson wasn’t up to the job. BBC News, 30. Juni 2016, abgerufen am 30. Juni 2016 (englisch).
  53. Dominic Raab (Gastbeitrag in The Sun): BoJo's Heineken Effect
  54. FAZ.net 30. Juni 2016: Die unerträgliche Leichtigkeit des politischen Seins
Vorgänger Amt Nachfolger
Ken Livingstone Mayor of London
2008–2016
Sadiq Khan