Salicylaldehyd

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Strukturformel
Strukturformel von Salicylaldehyd
Allgemeines
Name Salicylaldehyd
Andere Namen
  • 2-Hydroxybenzaldehyd
  • 2-Formylphenol
Summenformel C7H6O2
CAS-Nummer 90-02-8
PubChem 6998
Kurzbeschreibung

farblose bis gelbliche Flüssigkeit mit bittermandelartigem Geruch und brennendem Geschmack[1]

Eigenschaften
Molare Masse 122,13 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

1,17 g·cm−3 (20 °C)[2]

Schmelzpunkt

−7 °C[2]

Siedepunkt

197 °C[2]

Dampfdruck

0,77 hPa (25 °C)[3]

pKs-Wert

6,79[4]

Löslichkeit
Brechungsindex

1,5734[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
07 – Achtung 09 – Umweltgefährlich

Achtung

H- und P-Sätze H: 302​‐​411
P: 273​‐​301+312​‐​330​‐​391​‐​501 [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [5][2]
Gesundheitsschädlich
Gesundheits-
schädlich
(Xn)
R- und S-Sätze R: 21/22​‐​36/38​‐​68
S: 26​‐​36/37
Toxikologische Daten

520 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[2]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Salicylaldehyd ist eine natürlich in einigen Pflanzen und Insekten vorkommende chemische Verbindung, die heute vielfach als Duftstoff und in der pharmazeutischen und chemischen Industrie Verwendung findet. Es leitet sich sowohl vom Benzaldehyd als auch vom Phenol ab. Die Struktur besteht aus einem Benzolring mit angefügter Aldehyd- (–CHO) und Hydroxygruppe (–OH) als Substituenten. Salicylaldehyd gehört zur Gruppe der Hydroxybenzaldehyde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ungefähr um 1838 gelang es dem Schweizer Apotheker und Pharmazeuten Johann Pagenstecher, aus den Blüten von Mädesüß Salicylaldehyd zu gewinnen.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insekten (Blattkäfer) produzieren diese Verbindung in speziellen Drüsen gegen Fraßfeinde aus dem Salicin ihrer Wirtspflanzen. Es kommt weiterhin in der Sumpf-Spierstaude oder Mädesüß (Filipendula ulmaria, früher: Spiraea ulmaria) vor.

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher wurde Salicylaldehyd durch die Reimer-Tiemann-Reaktion (1876, frühe Carbenchemie) gewonnen.[6] Dabei werden Chloroform, Kaliumhydroxid und Phenol als Ausgangsstoffe benutzt. Heute wird als Verbesserung eine Phasentransferkatalyse verwendet.

Darstellung von Salicylaldehyd durch die Reimer-Tiemann-Reaktion

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salicylaldehyd besitzt gegenüber dem Phenol (9,99[4]) einen deutlich niedrigeren pKs-Werte von 6,79; die elektronenziehende Aldehydgruppe (−M-Effekt) erhöht die Acidität; die phenolische OH-Bindung wird zunehmend polarisiert.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salicylaldehyd dient als Zwischenprodukt in der Farbstoff- und Arzneimittelindustrie sowie in 10%iger alkoholischer Lösung zum Nachweis von Ketonen (z. B. Aceton im Harn) und von Fuselölen im Alkohol. Außerdem wird er zur Herstellung von Schiffschen Basen, z. B. dem Komplexbildner N,N′-Bis(salicyliden)ethylendiamin (Abkürzung: salen), dessen Cobalt(II)-komplex (Salcomin) reversibel Sauerstoff binden kann, benutzt. Weiterhin wird es als Duftstoff in Parfüms eingesetzt.

Oxidation mit Wasserstoffperoxid ergibt Brenzcatechin (Dakin-Reaktion).[7]

Brenzcatechinsynthese

Cumarin wird mit der Perkinschen Synthese aus Salicylaldehyd und Essigsäureanhydrid hergestellt.[8]

Cumarinsynthese

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Edwin A. Robinson: "The reaction of dichloromethylene with water and with phenoxide ions (Reimer–Tiemann reaction)", in: J. Chem. Soc., 1961, S. 1663–1671; doi:10.1039/JR9610001663.
  • Karl Winterfeld: Praktikum der organisch-präparativen Pharmazeutischen Chemie. 6. Auflage, Steinkopff.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Eintrag zu Salicylaldehyd. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 2. April 2014.
  2. a b c d e f g h Eintrag zu Salicylaldehyd in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 1. Februar 2016 (JavaScript erforderlich).
  3. Datenblatt Salicylaldehyd (PDF) bei Merck, abgerufen am 22. April 2011.
  4. a b CRC Handbook of Tables for Organic Compound Identification, Third Edition, 1984, ISBN 0-8493-0303-6.
  5. Für Stoffe ist seit dem 1. Dezember 2012, für Gemische seit dem 1. Juni 2015 nur noch die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung gültig. Die EU-Gefahrstoffkennzeichnung ist daher nur noch auf Gebinden zulässig, welche vor diesen Daten in Verkehr gebracht wurden.
  6. P. Rademacher: Organische Chemie IV. (PDF; 203 kB)
  7. H. D. Dakin: Catechol. In: Organic Syntheses. 3, 1923, S. 28, doi:10.15227/orgsyn.003.0028; Coll. Vol. 1, 1941, S. 159 (PDF).
  8. Erich Koepp, Fritz Vögtle: Perkin-Synthese mit Cäsiumacetat. In: Synthesis. Band 1987, Nr. 2, Januar 1987, doi:10.1055/s-1987-27880.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]