Salvador-Allende-Brücke

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Koordinaten: 52° 26′ 58″ N, 13° 35′ 37″ O

Salvador-Allende-Brücke
{{{BEZEICHNUNG}}}
Untersicht der Brücke in Richtung Süden
Nutzung Straßenverkehr
Überführt Salvador-Allende-Straße
Querung von Spree
Ort Berlin-Köpenick
Konstruktion fünffeldrige Spannbetonbalkenbrücke
Gesamtlänge 136, 0 m
Breite 29,9 m
Längste Stützweite etwa 28 m
Lichte Höhe 4,55[1]
Baubeginn 1979
Fertigstellung 1981
Lage
Salvador-Allende-Brücke (Berlin)
Salvador-Allende-Brücke

Die Salvador-Allende-Brücke ist eine seit 1981 bestehende Brücke im Berliner Ortsteil Köpenick. Neben der Wilhelm-Spindler-Brücke ist sie eine der meistbefahrenen und damit wichtigsten Brücken über die Spree in Köpenick. Wegen starker Bauwerkssschäden, die im Jahr 2015 bei Kontrollen zutage traten, wurde die Überfahrt zunächst beschränkt, ab Beginn 2019 jedoch vollständig unterbrochen. Ein kompletter Neubau hat gleichzeitig begonnen und soll spätestens 2021 fertiggestellt sein.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstbau in den 1970er Jahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wohnungsbauaktivitäten in Ost-Berlin führten in den 1960er Jahren zur Anlage kompletter neuer Wohngebiete in Köpenick und Umgebung mit dem Zuzug von Tausenden neuer Bewohner. Die Versorgung der Kaufeinrichtungen als auch der zunehmende individuelle Kraftfahrzeugverkehr erforderten den Bau einer großzügig bemessenen Brücke über die Spree. Die bis 1981 fertiggestellte schmucklose Brücke erhielt den Namen Salvador-Allende-Brücke nach dem chilenischen Präsidenten Salvador Allende, der auch Namensgeber eines neuen Wohnviertels in Köpenick war. Es handelt sich um eine über fünf Felder durchlaufende Spannbetonkonstruktion, die aus zwei Richtungsfahrbahnen besteht und auf Hohlkastenträgern liegt. Die drei mittleren Felder werden von je drei Strompfeilern getragen, die übrigen stützen sich nördlich und südlich auf Land-Widerlager. Die beiden jeweils nebeneinander stehenden Strompfeiler haben ein gemeinsames Fundament.

In den 2010er Jahren: Reparaturarbeiten nötig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Kontrollen des Bauwerkes ergaben neben mangelhaften Abdichtungen stark zunehmende Schäden am Beton, deren Ursache in dem zur Bauzeit verwendeten Zement-Kies-Gemisch mit einem zu hohen Alkalianteil gesehen wird. Zusammen mit der vorhandenen Feuchtigkeit führte dies zur Alkali-Kieselsäure-Reaktion (AKR), die den Beton zerfallen und dadurch den Stahl verwittern ließ. Die Standsicherheit der Brücke und weitere uneingeschränkte Nutzung der Brücke waren seit Beginn der 2010er Jahre nicht mehr gewährleistet. Nach einem im Auftrag der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung angefertigten Statik-Gutachten[2] erfolgte am 21. Februar 2014 die Sperrung der westlichen Brückenhälfte für den Fahrzeugverkehr. Der gesamte Verkehr fließt seitdem nur noch über die östliche Brückenseite mit jeweils einem Fahrstreifen pro Fahrtrichtung. Noch im gleichen Jahr schrieb der Senat einen Wettbewerb für einen Neubau aus mit folgenden Vorgaben: „Gegenstand des Auftrags ist die Planung des Abbruchs einer ca. 136 m langen 4-feldrigen Spannbetonbrücke mit zwei getrennten Überbauten (jeder etwa 14,35 m breit) und nördlich anschließenden Stützwänden von ca. 113 m und 60 m Länge sowie die Planung der Ersatzneubauten.“[3]

Nach den eingereichten Konzepten wurde beschlossen, im Frühjahr 2015 mit den entsprechenden Neubauarbeiten zu beginnen. Allerdings zeigte sich in den Vorplanungen, dass die ursprünglich veranschlagten Kosten von 15,7 Millionen Euro auf 31 Millionen steigen werden. Dadurch musste der Finanzbedarf neu verhandelt und der Beginn der Bauarbeiten verschoben werden. Es wird eine Dreifelder-Brücke mit zwei getrennten Brückenhälften aus Stahl errichtet. Mit der Inbetriebnahme der neuen Brücke ist im Jahr 2021 zu rechnen. Von den voraussichtlichen Baukosten in Höhe von 31,6 Millionen Euro werden 90  Prozent im Rahmen des Programms Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur gefördert.[4]

Seit dem 23. Mai 2017 war die Brücke auf Grund der Tragwerksschäden nur noch mit 10 km/h und für Fahrzeuge bis 18 Tonnen befahrbar.

Konzept für eine neue Brücke an gleicher Stelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bauarbeiten konnten im September 2017 mit der Verlegung einer Trinkwasserleitung unter dem Flussbett beginnen. Danach wird zuerst die bereits gesperrte westliche Brückenhälfte abgerissen, der nach deren Erneuerung die Osthälfte folgt. Für die Abrissarbeiten hatte es ein zweimaliges Ausschreibungsverfahren gegeben. Während der Umbauarbeiten sollte der Verkehr weiter wie bisher auf einer Spur je Fahrtrichtung möglich bleiben. Das neue Brückenbauwerk soll eine Länge von 129 Metern besitzen, fast dreißig Meter breit und im zweiten Quartal 2021 eingeweiht werden.[5]

Vollsperrung im Jahr 2019[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2019 stellten Fachleute weitere Risse im Bauwerk fest, die zu einer sofortigen Vollsperrung der gesamten Brücke für den Fahrzeugverkehr führte. Nur die Passage von Fußgängern und Radfahrern ist weiterhin möglich. Auch eine Sondernutzung durch Rettungsfahrzeuge wird von den Baufachleuten abgelehnt.[6]

Stromausfall im Februar 2019[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 19. Februar 2019 führten Bauarbeiten an der Brücke zu einem 31-stündigen Stromausfall in Teilen Köpenicks. Durch gleichzeitige Beschädigung beider Hochspannungsleitungen eines Umspannwerkes kam es in den Ortsteilen Köpenick, Bohnsdorf, Grünau, Müggelheim und Schmöckwitz zu einem Stromausfall, betroffen waren rund 31.500 Haushalte und 1.920 Gewerbekunden.[7] Infolge des Ausfalls mussten die Blockheizkraftwerke Köpenick und Friedrichshagen abgeschaltet werden, dadurch waren rund 5.000 Haushalte ohne Wärmeversorgung. In 19 Schulen fiel der Unterricht aus, einige Straßenbahnlinien der BVG hatten keinen Fahrstrom.[8] Aufgrund ausgefallener Telefon- und Mobilfunknetze wurden die Anwohner aufgerufen, sich im Notfall an die nächste Feuerwehr- oder Polizeiwache zu wenden, oder BVG-Personal um Absetzen von Notrufen über ihren Betriebsfunk zu bitten.[9] Das Krankenhaus Köpenick war wegen einer eigenen Notstromversorgung nicht betroffen, ließ jedoch vorsorglich 23 Intensivpatienten in andere Krankenhäuser verlegen.[10]

Am Abend des 20. Februars konnte die Stromversorgung wiederhergestellt werden, die ersten Abnehmer waren gegen 19 Uhr wieder am Netz.

Die Beschädigungen entstanden bei einer horizontalen Bohrung an der nordöstlichen Zufahrtsrampe: um 14:07 Uhr und 14:10 Uhr wurden zwei 110-kV-Leitungen des Berliner Stromnetzes durchtrennt.[11] Bei den Leitungen handelte es sich um die redundanten Anbindungen des Umspannwerkes Landjägerstraße an die Umspannwerke Gelnitzstraße und Laufenerstraße. Eine üblicherweise räumlich getrennte Verlegung von redundanten Stromtrassen (bei Ausfall einer Leitung übernimmt die zweite Leitung die Stromversorgung) besteht im vorliegenden Fall nicht. Aufgrund der Überführung beider Leitungen über die Spree, sind beide Leitungen in nur einem Meter Abstand über die Salvador-Allende-Brücke verlegt worden. Für eine räumlich getrennte Leitungsverlegung wäre eine zweite Brückenüberführung erforderlich gewesen, die aus Kostengründen ausschied.[12]

Laut Aussage des Verteilnetzbetreibers Stromnetz Berlin, einer Tochter der Vattenfall, hatte das Tiefbauunternehmen keine Trassenauskunft eingeholt, dies sei regelwidrig. Bei dem Stromausfall handele es sich um den größten Berlins, vor allem hinsichtlich der Anzahl der betroffenen Abnehmer und der Dauer.[7]

Aufgrund des Umfangs der Beschädigung – alle drei Einzelleiter beider Leitungen waren betroffen – dauerte die Störungsbehebung bis zum Abend des 20. Februars. Nach Ausheben einer Baugrube konnten ab Mitternacht zwei Teams sechs Muffen anbringen. Pro reparierter Muffe waren sechs Stunden Arbeit notwendig.[7]

Auf und an der Brücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In jede Fahrtrichtung existier(t)en zwei durch einen breiten Mittelstreifen getrennte Fahrstreifen. Die Omnibuslinien 169, 269 und X69 der Berliner Verkehrsbetriebe führ(t)en über die Brücke. Am Nordufer des hier Müggelspree genannten Flussabschnitts, 50 Meter stromaufwärts der Salvador-Allende-Brücke, mündet das Neuenhagener Mühlenfließ, auch als Erpe bekannt. Im näheren Umfeld haben sich einige Wassersportvereine etabliert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thiemann, Deszyk, Metzing: Berlin und seine Brücken, Jaron Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-89773-073-1, S. 108

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wasserstraßenamt mit der Angabe von Durchfahrtshöhen (PDF; 65 kB)
  2. Homepage ABR Ingenieurgesellschaft (Memento des Originals vom 5. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.abr-ing.de
  3. Ausschreibungsverfahren für den Neubau der Salvador-Allende-Brücke auf www.competitiononline.de; abgerufen am 7. April 2016.
  4. Termin für den Neubau kann nicht gehalten werden. auf Berliner Woche, 24. Juni 2015; abgerufen am 7. April 2016.
  5. Peter Neumann: Die bröselnde Brücke von Köpenick wird abgerissen. In: Berliner Zeitung, 19. September 2017, S. 14 (Printausgabe).
  6. Sperrung in Köpenick. Allende-Brücke weg, Stau da. Berliner Zeitung (online), 25. Januar 2019. Abgerufen am 26. Januar 2019.
  7. a b c WELT-DOKUMENT: Reparaturen unter Hochdruck – Pressekonferenz zum Stromausfall in Berlin. In: Youtube. Die Welt, 20. Februar 2019, abgerufen am 20. Februar 2019.
  8. Kathrin Michulla, Dorothea Nitzsche, Norbert Koch-Klaucke, Katrin Bischoff, Olga Bobileva: Newsblog Stromausfall: In Köpenick brennt wieder Licht. In: berliner-zeitung.de. Berliner Zeitung, 20. Februar 2019, abgerufen am 20. Februar 2019 (deutsch).
  9. Stromausfall: Hinweise zum Verhalten sowie mobile Anlaufstellen. In: Pressemitteilung. Bezirksamt Treptow-Köpenick, 19. Februar 2019, abgerufen am 20. Februar 2019.
  10. Der größte und längste Stromausfall in Berlin seit Jahrzehnten. In: tagesspiegel.de. Der Tagesspiegel, 21. Februar 2019, abgerufen am 21. Februar 2019.
  11. Stefan Jacobs: Stromausfall in Berlin-Köpenick: Baufirma soll grob regelwidrig gehandelt haben. In: tagesspiegel.de. Der Tagesspiegel, 20. Februar 2019, abgerufen am 20. Februar 2019.
  12. D. Wetzel: Der Blackout in Berlin-Köpenick wirft Fragen nach der Versorgungssicherheit auf. Experten sagen, ein solcher Vorfall könne sich schnell wiederholen. Die Welt, 21. Februar 2019.