Sanierung (Wirtschaft)

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In der Wirtschaft ist Sanierung der Sammelbegriff für alle Maßnahmen innerhalb einer Unternehmenskrise zur Wiederherstellung existenzerhaltender Gewinne. Der Sanierungsbegriff vereint alle betriebswirtschaftlichen, steuerlichen und rechtlichen Maßnahmen der Problembewältigung. Patentrezepte zur Unternehmenssanierung kann es angesichts der Einzigartigkeit und Komplexität der individuellen Situation nicht geben. Die Sanierung und das Sanierungsmanagement kann als Kernkompetenz des Consulting verstanden werden.

Unter Sanierung versteht man die Gesamtheit der Maßnahmen zur Gesundung eines Unternehmens. Sie sollte nur dann versucht werden, wenn begründete Aussicht auf Erfolg besteht.

Begriffsabgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Abgrenzung zum Turnaround kann nach der Krisenphase erfolgen, in welcher sich das Unternehmen zu Beginn dieser Maßnahmen befindet: Ist die Krise bereits akut, dann handelt es sich um eine Sanierung, anderenfalls spricht man vom Turnaround.

Auch Restrukturierung wird oft synonym verwendet. Eine Restrukturierung bzw. Reorganisation eines Unternehmens setzt jedoch keine Krise voraus, sondern kann auch im Rahmen des „üblichen“ strategischen Managements erfolgen, um das Unternehmen langfristig gewinnträchtiger zu machen.

Sanierungsgründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es muss eine Unternehmenskrise vorliegen, die sich auf die Existenz eines Unternehmens in vielen Formen auswirken kann. Werden dauerhaft Verluste erwirtschaftet und dadurch das Eigenkapital angegriffen, droht möglicherweise Überschuldung. Diese ist genauso Insolvenzgrund wie Zahlungsunfähigkeit, wenn fällige Verbindlichkeiten im Wesentlichen nicht mehr bedient werden können. Dann sind die eigentlichen Verlustursachen zu ermitteln, die durch verschiedene Sanierungsarten beseitigt werden müssen. Ziel einer Sanierung ist also regelmäßig die dauerhafte Beseitigung von Verlusten und die Rückkehr zu kapitalerhaltenden Gewinnen.

Sanierungsarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Portfoliosanierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fokus auf die Strategie:

  • Optimierung des Portfolios unter Wertsteigerungsgesichtspunkten (Risiko, Wachstum, Rendite)
  • Konzentration auf Kerngeschäftsfelder durch Desinvestition, Schließung, ggf. Spin Out oder Outsourcing
  • konsequente Steuerung der Strategischen Geschäftsfelder (SGF) durch Finanz-, Leistungs- und Marktziele.

Organisatorische Sanierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Disposition der Konzernarchitektur:

  • Optimierung der Aufbauorganisation
  • Optimierung der Ablauforganisation im Dialog mit der Planung der Aufbauorganisation
  • Optimierung der Systeme, Schnittstellen und soziotechnischen Infrastrukturen.

Finanzielle Sanierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wertsicherung, -generierung und -verteilung
  • Absicherung und Erschließung von Finanzierungs- und Kapitalquellen, Zuführung von neuem Kapital durch Eigenfinanzierung (Kapitalerhöhung, Verkauf nicht benötigter Güter) oder Fremdfinanzierung (Schuldenerlass, Zahlungsaufschub, neue Darlehen) oder reine Sanierung (Verrechnung von Rücklagen mit dem Jahresfehlbetrag. Das Nominalkapital ändert sich dadurch nicht).

Behavioristische Sanierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verhaltensfokus:

  • Optimierung der Führungskultur (Macht- und Opportunitätslenkung)
  • Verbesserung der Verhaltensmuster und Routinen durch Anreiz- oder Sanktionssysteme sowie symbolische Führung.

Sanierungsmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reichen innerbetriebliche Sanierungsmaßnahmen nicht aus, müssen externe Maßnahmen ergriffen werden. Häufig genutzte Sanierungsmaßnahmen erfolgen beim betroffenen Unternehmen in Kooperation mit seinen Gläubigern, insbesondere Kreditinstituten und Lieferanten. Diese können konkret zur Sanierung beitragen, indem sie ihre Forderungen stunden, umschulden oder - als radikalste Maßnahme - darauf im Rahmen eines Schuldenerlasses verzichten. Zudem ist die Bestellung eines externen Sanierungsberaters ratsam.

Andere Unterteilungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sanierungsarten können auch anders klassifiziert werden, beispielsweise im engeren und weiteren Sinne:

  • Bei einer Sanierung im engeren Sinne werden lediglich finanzwirtschaftliche Maßnahmen durchgeführt, um Überschuldung und/oder Zahlungsunfähigkeit schnell zu beseitigen bzw. abzuwenden.[1]
  • Bei einer Sanierung im weiteren Sinne wird hingegen versucht, das angeschlagene Unternehmen durch finanz- und leistungswirtschaftliche Maßnahmen auf eine solide Basis zu stellen, um seine Überlebensfähigkeit längerfristig zu ermöglichen.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Harz, Heinz-Günter Hub, Eberhard Schlarb: Sanierungs-Management. Unternehmen aus der Krise führen. 3. Auflage. Düsseldorf 2006, ISBN 3-87881-184-5.
  • Hermann Lauer: Konditionen-Management. Zahlungsbedingungen optimal gestalten und durchsetzen. ISBN 3-87881-124-1.
  • Ines Manzel, Thorsten Manzel: Wege aus der Unternehmenskrise. ISBN 3-86556-033-4.
  • Bernhard Schellberg: Sanierungsmanagement. Berlin 2008. ISBN 978-3-503-10645-5.
  • Stefan Hohberger, Hellmut Damlachi: Sanierung im Mittelstand. Expansive bis restriktive Unternehmenssanierung, Sanierungsgutachten und Insolvenzplan. 2. Auflage. Marburg 2010, ISBN 978-3-8288-2190-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Vgl. Dirk Meusel (2009): Turnaround-management: Die Rolle der Finanzpartner und Investoren, S. 10.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]