Sasol

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Sasol

Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN ZAE000006896
Gründung 1950[1]
Sitz Johannesburg, Südafrika
Leitung Fleetwood Grobler (CEO)[2]
Mitarbeiterzahl ca. 31.000[3]
Umsatz 190,3 Mrd. Rand (11,1 Mrd. Euro)[3]
Branche Energie, Chemie
Website www.sasol.com
Stand: 30. Juni 2020

Sasol (ursprünglich in afrikaans Suid-Afrikaanse Steenkool-, Olie- en Gasmaatskappy) ist ein transnationales Unternehmen der Erdöl- und chemischen Industrie. Das Unternehmen mit Sitz in Johannesburg ist Südafrikas zweitgrößtes Industrieunternehmen. Es wurde 1950 als South African Coal, Oil and Gas Corporation Limited zur Herstellung von Kraftstoffen aus Vergasungstechnologien gegründet.[4] Das Unternehmen hat etwa 31.000 Beschäftigte weltweit.[3] Der Unternehmensname ist ein Akronym für South African Synthetic Oil Limited.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sasol wurde 1950 durch die staatliche Industrial Development Corporation gegründet, um auf Basis der Fischer-Tropsch-Synthese Benzin aus Steinkohle herzustellen. Die Technik der Kohleverflüssigung galt damals als unrentabel und wurde vor allem deshalb betrieben, da Südafrika zur Zeit der Apartheid mit umfangreichen Sanktionen belegt wurde, weshalb die Versorgung mit Rohöl schwierig war, während inländische Kohle preiswert gefördert werden konnte.[5] Die Produktion begann 1955.

Anfang 1980 kaufte Sasol für rund 43 Millionen US-Dollar etwa 180.000 Tonnen unterschlagenes Rohöl von den Eignern des Tankers Salem.

Im Jahre 1995 erfolgte ein Joint Venture der Hans-Otto Schümann GmbH & Co KG (Hamburg) und Sasol Wax Ltd. (Südafrika)[6] und machte die Schümann Sasol International AG zum weltweit bedeutendsten Anbieter synthetischer Hartwachse und Heißkleber. Im Zuge der vollständigen Übernahme aller Anteile an der Schümann Sasol International AG durch die Sasol Holding in Germany GmbH im Jahre 2003 erfolgte auch ihre Umfirmierung in die Sasol Wax International AG.[7] Im Jahr 2017 firmierte die Sasol Wax International AG in die Sasol Wax International GmbH um. Die Sasol Wax International AG fungiert heute als Muttergesellschaft der Sasol Wax GmbH (s. u.).[8] Aufbauend auf diese Entstehungsgeschichte bietet Sasol Wax heute die gesamte Bandbreite von Paraffin, Fischer-Tropsch-Hartwachsen und paraffinverwandten Produkten an.

Mit der politischen Öffnung Südafrikas begann die Internationalisierung. 2001 wurde der Vertrag für den Bau einer Gas-to-Liquid-Anlage (GtL-Anlage) in Katar unterzeichnet, die 2007 die Produktion aufnahm. Weitere Verträge für den Bau von CtL-Anlage (Coal to Liquid) oder GtL-Anlagen bestehen in Katar (2007), den USA (2012) und Usbekistan (2012).[9] Mit der Übernahme von Exel Petroleum 2004 ist Sasol auch im Tankstellengeschäft aktiv.[10]

Geschäftsaktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Sasol-Tankstelle in Boksburg, Südafrika

Das Hauptgeschäft von Sasol ist die Weiterverarbeitung von Kohle und Erdgas mittels Kohlevergasung und Fischer-Tropsch-Synthese zu Benzin und Grundstoffen für die chemische Industrie in den Anlagen Sasol 1 (Sasolburg) und Sasol 2 und 3 (beide in Secunda).[11]

Das Unternehmen besitzt Werke in 17 Ländern auf drei Kontinenten,[12] darunter drei in Deutschland. Diese Länder sind: Belgien, Brasilien, VR China, Deutschland, Dubai, Frankreich, Italien, Japan, Niederlande, Polen, Russland, Singapur, Slowakische Republik, Spanien, Südafrika, Vereinigte Staaten und das Vereinigtes Königreich.[12] Mitarbeiter von Sasol sind in 30 Ländern tätig,[3] die deutsche Zentrale befindet sich in Hamburg.[12]

Der South African energy cluster betreibt Kohlebergbau in Südafrika (sasol mining), handelt mit Erdgas aus Mosambik (sasol gas), betreibt die CtL-Anlage in Secunda (sasol synfuels), eine Erdölraffinerie und -verarbeitungsanlage, sowie verschiedene Vertriebsaktivitäten einschließlich Tankstellen (sasol oil).

Die 2012 übernommene Sasol Phenolics (Merisol) produziert Kresol und Butylhydroxytoluol.[13]

Sasolburg und Secunda[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die südafrikanische Stadt Sasolburg ist nach dem Unternehmen benannt, nachdem sie in den 1950er Jahren als Wohnstadt für Angestellte gegründet wurde. Gleiches gilt für die Stadt Secunda, die bei der Errichtung von Sasol 2 ca. 80 km östlich von Johannesburg auf gleiche Weise entstanden ist.

Sasol in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sasol ist in Deutschland mit zwei Aktivitäten vertreten, die alle ihren Hauptsitz in Hamburg haben: die Sasol Wax GmbH (s. o.)[14] und die Sasol Germany GmbH.[15]

Die Sasol Germany GmbH entstand 2001 durch Übernahme der CONDEA von RWE Dea.[16] In ihren zwei Werken in Brunsbüttel und Marl produziert Sasol Germany vor allem Tenside, Aluminiumoxide und Vorprodukte wie Fettalkohole und Ethylenoxid. Sasol Germany und die Verwaltungs-GmbH Sasol Chemical sind außerdem für den weltweiten Vertrieb der Produkte aus allen Standorten zuständig.[17] Sasol Germany beschäftigte im Geschäftsjahr 2018, das zum 30. Juni 2018 endete, 1.540 Mitarbeiter und erzielte ein Betriebsergebnis von 213,5 Millionen Euro.[18] Dr. Jens Straatmann ist seit Herbst 2020 Geschäftsführer.[19] Seit April 2019 wird am Standort Brunsbüttel ein neues Forschungszentrum gebaut[20], das u. a. zur Beschleunigung der Entwicklung von Produkten, wie z. B. Fettalkoholen, Spezialchemikalien und hochreiner Tonerde, beitragen wird. Diese kommen in der Automobil- und Luftfahrtindustrie zum Einsatz und können auch als Hochleistungsschleifmittel genutzt werden. Die Fertigstellung ist für 2021 geplant.[21] Der Standort in Brunsbüttel ist Teil des ChemCoast Parks.[22] 2020 belegte die Sasol Germany GmbH (Standort Brunsbüttel) mit ihrem Projekt zur Wassereinsparung den 1. Platz des Responsible Care-Wettbewerbs des Verbands der Chemischen Industrie Landesverband Nord (VCI Nord).[23]

Die ehemalige Sasol Solvents mit Werken in Moers und Herne wurde zum 1. Juni 2014 von der Ineos übernommen und heißt seitdem INEOS Solvents.[24]

Wachskartell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sasol war der Kartellanführer des sogenannten Wachskartells, das von 1992 bis 2005 den Preis von Paraffinwachs in Europa abgestimmt hat. Gegen Sasol wurde am 1. Oktober 2008 eine Buße von 318 Millionen Euro wegen der Beteiligung am Wachskartell verhängt.[25] Wegen der Lieferung wichtiger Informationen zu dem Kartell wurde ein Nachlass von 50 Prozent auf die Buße gewährt, sonst hätte die Strafe über 600 Millionen Euro betragen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sasol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Company Overview. Sasol, abgerufen am 27. November 2017 (englisch).
  2. Sasol Limited Board. Sasol, abgerufen am 28. April 2020 (englisch).
  3. a b c d Integrated Report 30 June 2020. (PDF; 12 MB) Sasol, 30. Juni 2020, abgerufen am 22. Februar 2021 (englisch).
  4. U.S. Department of Energy. National Energy Technology Laboratory: History of Gasification. (Memento vom 7. Juni 2013 im Internet Archive)
  5. Der heimliche Ölkonzern aus Südafrika auf handelsblatt.com vom 30. August 2006, abgerufen am 6. März 2012
  6. Beherrschung: Hans-Otto Schümann GmbH. North Data, abgerufen am 14. Mai 2021.
  7. Sasol: Annual Review 2004. (PDF; 1,8 MB) Sasol, abgerufen am 14. Mai 2021 (englisch).
  8. Formwechsel: Sasol Wax International GmbH – Rechtsform: GmbH. North Data, abgerufen am 14. Mai 2021.
  9. Shell: GTL Fuel, Synthetic Technology for Cleaner Air. (PDF; 6,1 MB) Shell, abgerufen am 14. Mai 2021.
  10. Competition Tribunal Republic of South Africa, Sasol Oil and Exel Petroleum. (PDF; 317 KB) Abgerufen am 14. Mai 2021 (englisch).
  11. Produkte. Sasol, abgerufen am 28. April 2021.
  12. a b c Operations/Locations. Sasol, abgerufen am 28. April 2021 (englisch).
  13. Merisol: About Us (Memento des Originals vom 24. Januar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.merisol.com
  14. Standorte: Hamburger Hafen. Sasol, abgerufen am 28. April 2021.
  15. Standorte: Hamburg. Sasol, abgerufen am 28. April 2021.
  16. 50 Jahre Werk Brunsbüttel. (PDF; 26KB) Sasol, abgerufen am 2. Juni 2021.
  17. Die Pulverkünstler: Sasol in Brunsbüttel auf Boyens Medien vom 24. November 2017, abgerufen am 2. Juni 2021
  18. Konzernabschluss 2017/2018. Bundesanzeiger Verlag, abgerufen am 2. Juni 2021.
  19. Geschäftsführer:Jens Straatmann. North Data, abgerufen am 2. Juni 2021.
  20. Sasol baut Forschungszentrum auf Norddeutsche Rundschau vom 10. April 2019, abgerufen am 18. August 2021
  21. Sasol: Spatenstich für Forschungszentrum. ChemCoast Park Newsletter, abgerufen am 18. August 2021.
  22. Standort. ChemCoast Park Brunsbüttel, abgerufen am 18. August 2021.
  23. Gewinner 2020. VCI Nord, abgerufen am 18. August 2021.
  24. INEOS Enterprises to acquire Sasol’s German based European Solvent Business.
  25. Kartelljäger verdonnern Wachs-Mafia zu Rekordstrafe auf spiegel.de vom 1. Oktober 2008, abgerufen am 6. März 2012