Sausenheim

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Sausenheim
Wappen von Sausenheim
Koordinaten: 49° 32′ 55″ N, 8° 9′ 25″ O
Höhe: 190 m ü. NHN
Einwohner: 1675 (30. Jun. 2007)
Eingemeindung: 7. Juni 1969
Postleitzahl: 67269
Vorwahl: 06359
Ortsbild
Ortsbild

Sausenheim ist ein Stadtteil von Grünstadt im Landkreis Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz mit etwa 1675 Einwohnern. Bis 1969 war er eine selbständige Gemeinde.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sausenheim liegt am nordöstlichen Ende des Pfälzerwaldes an den nördlichen Ausläufern der Haardt, zur Rheinebene hin. Die Entfernung zum östlich gelegenen Rhein-Neckar-Ballungsgebiet mit Ludwigshafen am Rhein und Mannheim beträgt etwa 30 Kilometer, die Entfernung zur nächstgrößeren Stadt in westlicher Richtung, Kaiserslautern, beträgt ungefähr 35 Kilometer. Am nordöstlichen Siedlungsrand entspringt der Sausenheimer Graben. Die Landschaft ist geprägt von Weinbergen und den Hügeln des Haardtrandes mit Blick auf das Burgdorf Neuleiningen. Mit Eine Linde am Denkmal und Eine Linde an der Kirche existieren vor Ort zwei Naturdenkmale.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals erwähnt wurde Sausenheim (von Heim des Suso) 772 im Lorscher Codex.[1] Das Patronatsrecht über den Ort oblag dem in Worms ansässigen Kloster Maria Münster.

Bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zu Leiningen-Westerburg. Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Saussenheim - so die damalige Schreibweise - in den Kanton Grünstadt eingegliedert und war Sitz einer eigenen Mairie. 1815 hatte der Ort 500 Einwohner. Im selben Jahr wurde er Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte der Ort wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte er dem Landkommissariat Frankenthal an; aus diesem ging das Bezirksamt Frankenthal hervor.

Ab 1939 war Sausenheim Bestandteil des Landkreises Frankenthal (Pfalz). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde der Ort am 7. Juni 1969 nach Grünstadt eingemeindet.[2] Zeitgleich wechselte er in den neu geschaffenen Landkreis Bad Dürkheim. Neben dem historischen Dorfkern gibt es drei Baugebiete, die im 20. Jahrhundert erschlossen wurden. In den 1950er Jahren entstanden neue Wohnhäuser westlich des Dorfkerns in Richtung des Nachbardorfes Neuleiningen. Ende der 1970er Jahre entstand das Baugebiet Kalkerde östlich des alten Dorfes und schließlich in den 1990er Jahren das Baugebiet Kaiserhecke nördlich des Dorfes. Insgesamt hat sich das bebaute Dorfgebiet dadurch mehr als verdoppelt. Die Einwohnerzahl stieg auf rund 2.300.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Sausenheim
Blasonierung: „In Gold der heilige Petrus wachsend, mit silbernem Nimbus und blauem Mantel, in der Rechten ein aufgerichteter silberner Schlüssel, in der Linken ein rotes Buch mit goldenen Beschlägen“

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der von Domherr Martin Augsthaler gestiftete Hochaltar in der kath. Stephanskirche

Vor Ort befinden sich insgesamt 17 Objekte, die unter Denkmalschutz stehen, darunter die beiden Kirchen.

In der evangelischen Peterskirche befindet sich unter anderem ein außergewöhnlicher Taufstein aus dem 15. Jahrhundert, in der katholischen Kirche St. Stephan ein barocker Sandstein-Hochaltar aus dem Jahr 1728, der von dem Wormser Domherrn Martin Augsthaler gestiftet wurde.

Eine Weinkerwe mit der größten Kutschenparade der Pfalz findet jedes dritte Wochenende im September statt. Die Route des seit 1998 ausgetragenen Marathon Deutsche Weinstraße führt unter anderem durch Sausenheim.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sausenheim liegt im „Speckgürtel“ des Rhein-Neckar-Dreiecks. Viele Einwohner sind Pendler, die täglich ihre Arbeitsplätze in Ludwigshafen am Rhein, Mannheim, Frankenthal (Pfalz) oder Worms per Automobil aufsuchen. Der größte Arbeitgeber im Ort ist die Sausenheimer Wellpappenfabrik. Seit über 1200 Jahren wird in Sausenheim Wein angebaut. Es existieren mittlerweile etwa fünfzehn mittelständische Weingüter und mehrere Hobby-Winzer. Seit 2013 ist mit der BrauArt Sausenheim außerdem eine Brauerei im Ort ansässig.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sausenheim besaß einen Bahnhof an der 1903 eröffneten Bahnstrecke Grünstadt–Altleiningen, auf der der Personenverkehr 1967 zum Erliegen kam. Der Ort liegt an der Bundesautobahn 6 und in unmittelbarer Nähe zur Deutschen Weinstraße. Durch den Ort selbst verläuft die Landesstraße 453.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Seiblin (1529–1591), Jurist und Diplomat im Dienste des Fürstbistums Worms, bekam Korn- und Weingülten vor Ort verliehen
  • Martin Augsthaler (vor 1711–~1749), Geistlicher, ließ in der katholischen Kirche einen Altar errichten
  • Johann Schlesinger (1768–1840), Porträt- und Stilllebenmaler in Mannheim und Heidelberg, lebte im Alter hier und starb auch in Sausenheim.
  • Emil Müller (1864–1918), Pfarrer, Heimatkundler, Historiker und Buchautor, übernahm 1901 die örtliche Pfarrei
  • Ludwig Kern (1902–1942), Bildhauer, schuf das örtliche Kriegerdenkmal
  • Lisa Ryzih (Geburtsname russ. Елизавета Владимировна Рыжих, Jelisaweta Wladimirowna Ryschich; * 27. September 1988 in Omsk, Sowjetunion) ist eine deutsche Stabhochspringerin russischer Herkunft, die vor Ort wohnt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 3), Urkunde 1310, 22. Juli 772 – Reg. 786. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 192, abgerufen am 6. April 2016.
  2. Amtliches Gemeindeverzeichnis (= Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz [Hrsg.]: Statistische Bände. Band 407). Bad Ems Februar 2016, S. 165 (PDF; 2,8 MB).