Gutshaus Gollwitz

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Das Schloss

Das Gutshaus Gollwitz (auch Herrenhaus oder Schloss) ist das Gutshaus im 2003 nach Brandenburg an der Havel eingemeindeten Ortsteil Gollwitz. Es gehörte zum Rittergut Gollwitz und ist als Baudenkmal ausgewiesen. Zur Anlage gehören Nebengebäude und ein Gutspark. Seit April 2009 wird in dem Gebäude eine Begegnungsstätte für jüdische und nichtjüdische Jugendliche betrieben.

Gutshaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das barocke Gutshaus in Gollwitz stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es befand sich im Besitz der Familie von Rochow.[1] Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 wurde das sogenannte Schloss samt dem Rittergut mit einer landwirtschaftlichen Fläche von 1090 Hektar im Zuge der Bodenreform durch die sowjetische Verwaltung enteignet.[2] Letzte Besitzer des Herrenhauses waren Hertha und Harry von Rochow. Sie wurden im Rahmen der Bodenreform enteignet. Mit dem neuen Schuljahr 1946 zog die Dorfschule in die Räume des Schlosses. Seit 1. September 1951 war es eine Zentralschule (bis 8. Klasse), später eine POS. Zudem wurde im Mai 1953 ein Tageskindergarten für Drei- bis Sechsjährige eingerichtet.

Im Jahr 1977 wurde die Schule geschlossen, weil es im Dorf nicht genügend Schulkinder gab. Die Schulräume im Schloss wurden in ein Schulungsheim mit 21 Übernachtungsmöglichkeiten (einschließlich einer Betriebsküche mit Speiseraum) umfunktioniert. Nutzer wurde das Pädagogische Kreiskabinett (PKK). Außerdem zog die Gruppe WU des Kreises mit drei Uniformierten in das Schloss ein, die für den Wehrunterricht an den Schulen des Kreises verantwortlich war. Der Dorfkindergarten wurde weiterhin im Schloss betrieben, bis er am 31. Dezember 1993 aus Kostengründen geschlossen wurde.

Mit der Deutschen Einheit kam es zu Streitigkeiten um das Schloss. Die Erben der von Rochows meldeten ihren Anspruch darauf an, ebenso die Gemeinde Gollwitz. Am 7. Februar 1992 entschied die Oberfinanzdirektion des Landes Brandenburg, dass das Schloss mit dem dazugehörigen Grundstück dem neu entstehenden Landkreis Potsdam-Mittelmark zufallen sollte, der Gutspark mit den Nebengebäuden des ehemaligen Herrensitzes der Gemeinde Gollwitz.

Am 1. April 1992 übernahm das Volkshochschulbildungswerk GmbH Brandenburg in enger Kooperation mit dem VHS-Bildungswerk Niedersachsen das Schloss. Es sollte zu einem modernen Schulungsobjekt mit Übernachtungsmöglichkeiten ausgebaut werden. Weil die Sanierung zu teuer geworden wäre, zog sich das VHS-Bildungswerk im Frühjahr 1994 aus dem Schloss zurück. Das Gebäude stand daraufhin leer.

Im Herbst 1997 entschied die Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark 50 bis 60 jüdische Übersiedler aus Russland im Schloss unterzubringen. Das wurde durch den Gemeinderat in Gollwitz abgelehnt. Diese Entscheidung rief ein großes Medienecho und etliche Diskussionen in der Gesellschaft hervor, in deren Verlauf das Dorf Gollwitz als antisemitisch und rassistisch dargestellt wurde. Daraufhin gründete sich eine zivilgesellschaftliche Stiftungsinitiative, die mit Unterstützung des Gemeinderats und der Kreisverwaltung ein neues Nutzungskonzept für das denkmalgeschützte Gebäude plante: Die Einrichtung einer Begegnungsstätte für jüdische und nichtjüdische Menschen.

Mittlerweile ist die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Eigentümerin des ehemaligen Herrenhauses und stellt der Begegnungsstätte das Schloss mietfrei zur Verfügung.

Bauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das barocke Gutshaus ist ein neunachsiges, zweistöckiges Bauwerk. Die Hauptfassade ist nach Westen ausgerichtet. Drei Fensterachsen umfasst ein Mittelrisalit, dessen klassischer Dreiecksgiebel durch vier Pilaster, die im Quaderputz gestaltet sind, getragen wird. Im Tympanon des Giebels des Risaliten befindet sich ein flaches Rundbogenfenster. Die weiteren Fenster sind Rechteckfenster. Das zweiflügelige Portal wird über eine Freitreppe erreicht. Auf der Rückseite des Gutshauses geht ein Gebäudeflügel ab, an der Südseite befindet sich ein einstöckiger Anbau mit einem Wintergarten, der eine Terrasse trägt.

Das Mansarddach erstreckt sich ebenfalls über zwei Stockwerke. Es ist mit roten Biberschwänzen eingedeckt. Im unteren Dachgeschoss sind Giebelgauben als Fensteröffnungen eingearbeitet, während es im oberen Dachgeschoss Fledermausgauben sind.

Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gemeinnützige Stiftung Begegnungsstätte Gollwitz wurde 2001 unter Beteiligung der Gemeinde Gollwitz, des Landkreises Potsdam-Mittelmark und der Mithilfe prominenter Menschen aus Politik und Gesellschaft gegründet. Dies geschah auf Initiative einer Gruppe von Berliner und Brandenburger Bürgern. Sie hatten das Ziel Begegnungen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Jugendlichen und ihren Multiplikatoren zu organisieren und zu diesem Zweck eines der in Brandenburg vorhandenen Herrenhäuser wieder instand zu setzen. Seit April 2009 betreibt die Stiftung eine entsprechende Begegnungsstätte in dem restaurierten Schloss.

Schirmherr ist Wolfgang Schäuble, Präsident des Deutschen Bundestages.

Der Vorstand der Stiftung besteht aus Peter-Andreas Brand, Rechtsanwalt in Berlin, und Jan van Lessen.

Mitglieder des Kuratoriums sind:

  • Axel von Hoerschelmann, Ministerium für Wirtschaft und europäische Angelegenheiten des Landes Brandenburg a. D.
  • Linda Teuteberg, Mitglied des Bundestages, FDP-Fraktion
  • Martin Gorholt, Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei des Landes Brandenburg
  • Michael Schierack, Mitglied des Landtages Brandenburg, CDU-Fraktion,
  • Frank Szymanski, ehemals Oberbürgermeister der Stadt Cottbus
  • Alfred Roos, Geschäftsführer der RAA Brandenburg.

Der Beirat besteht aus:

  • Klaus-Christoph Clavée, Präsident des Brandenburgischen Oberlandesgerichts
  • Karin Weiss, ehemals Integrationsbeauftragte des Landes Brandenburg
  • Feliks Byelyenkow, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Brandenburg/Havel
  • Nicole Näther, Ortsvorsteherin von Gollwitz
  • Ulrike Liedtke, Präsidentin des Landtages
  • Joseph Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland
  • Heiner Koch, Erzbischof von Berlin
  • Markus Dröge, Bischof Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz
  • Steffen Scheller, Oberbürgermeister der Stadt Brandenburg/Havel.

Die Begegnungsstätte wird von Niels Haberlandt geleitet.

Begegnungsstätte Schloss Gollwitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Gollwitz ist ein Ort der Begegnung für jüdische und nichtjüdische Menschen. Es wurde im April 2009 nach einer Komplettsanierung eröffnet und bietet seither Raum für Bildung, Begegnungen, Übernachtungen, Tagungen und Veranstaltungen. Das Haus steht für Gruppen unterschiedlicher Kulturkreise, Religionen und Altersgruppen offen. Die Begegnungsstätte versteht sich als Jugendbildungseinrichtung, die in den vielfältigen Themenfeldern der außerschulischen Jugendbildung – speziell in der Politischen Bildung und in der Jugendbegegnungsarbeit – ihre Hauptaufgabenfelder sieht. Vordergründig geht es dabei um die Bearbeitung der Bereiche Rassismus, Antisemitismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Außerdem werden Fortbildungen für Erwachsene angeboten. Das Team der Begegnungsstätte Schloss Gollwitz organisiert alljährlich internationale Austausche mit Jugendlichen aus verschiedenen Ländern, sowie Begegnungen mit Überlebenden der Shoah. Den Kern der Begegnungsarbeit bildet der deutsch-israelische Jugend- und Fachkräfteaustausch mit mehrmaligen Angeboten im Jahr. Die Stiftung unterhält überdies regelmäßige Kontakte zu Partnerorganisationen im europäischen und nichteuropäischem Ausland.

Die 60 Betten in 21 Übernachtungszimmern sind von ein bis zu sechs Personen belegbar und jeweils mit eigenem Badezimmer mit Dusche oder Badewanne ausgestattet. Dazu zählt ebenfalls ein behindertengerechtes Zimmer im barrierefreien Erdgeschoss. Momentan wird gegenüber dem Schloss ein Erweiterungsbau errichtet, der künftig weitere Gäste- und Seminarräume vorhalten wird. Die vegetarisch-milchige Küche mit Fisch, entsprechend der jüdischen Speisevorschriften, ermöglicht es Menschen verschiedener religiöser Überzeugungen gemeinsam im Hause zu essen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter Heine (Hrsg.): 625 Jahre Gemeinde Gollwitz. Eine Chronologie der Ereignisse von der Ersterwähnung bis zur Gegenwart in Wort und Bild. Gemeinde Gollwitz, 2000.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Geschichte des Hauses in aller Kürze. Eingesehen am 12. Juli 2015.
  2. http://www.bodenreform-schwarzbuch.de/brandenburg.html (Memento vom 28. Januar 2011 im Internet Archive)

Koordinaten: 52° 25′ 19,6″ N, 12° 38′ 48″ O