Schneeglöckchen

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„Weiße Jungfrau“ und „Galanthus“ sind Weiterleitungen auf diesen Artikel. Zum Menhir in Dänemark siehe Die weißen Jungfrauen; Zum Asteroiden siehe (1250) Galanthus.
Dieser Artikel beschreibt die Gattung Schneeglöckchen (Galanthus); regional wird auch die Frühlings-Knotenblume (Leucojum vernum) als Schneeglöckchen bezeichnet.
Schneeglöckchen
Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), Illustration

Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), Illustration

Systematik
Monokotyledonen
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Unterfamilie: Amaryllidoideae
Tribus: Galantheae
Gattung: Schneeglöckchen
Wissenschaftlicher Name
Galanthus
L.
Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis): Links die normale Form und rechts die gefülltblühende Ausleseform, Galanthus nivalis forma pleniflorus 'Flore Pleno'

Die Schneeglöckchen (Galanthus) bilden eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae).

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der botanische Name Galanthus ist abgeleitet aus den griechischen Wörtern gála für Milch und ánthos für Blüte. Der deutsche Name „Schneeglöckchen“ bezieht sich auf das, den Frühling anzeigende Herausragen von Galanthus nivalis aus dem Schnee.[1] Andere deutsche Trivialnamen sind: Frühlingsglöckchen, Hübsches Februar-Mädchen, Lichtmess-Glöckchen, Lichtmess-Glocken, Märzglöckchen, Märzveilchen, Marienkerzen, Milchblume, Schnee-Durchstecher, Schneetulpe, Weiße Jungfrau, Weißglatze.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schneeglöckchen-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Diese Geophyten bilden Zwiebeln als Überdauerungsorgane. Zwei bis – selten – drei parallelnervige Laubblätter stehen grundständig zusammen.

Dann wird der Blütenstand ausgetrieben mit einem langen Blütenschaft und nur einer Blüte. Anfangs umgibt ein Hochblatt die Blüten und schützt diese vor strenger Witterung. Bei günstigen Bedingungen durchbricht die Blüte die Scheide. Da der Stiel schwach gebaut ist, senkt sich die Blüte und nickt.

Die duftende, zwittrige, radiärsymmetrische Blüte besteht (wie bei Einkeimblättrigen üblich) aus dreizähligen Blütenblattkreisen. Die Blütenhülle besteht aus drei weißen freien äußeren Blütenhüllblättern und drei verwachsenen grünlichweißen inneren Blütenhüllblättern. Die drei inneren Blütenhüllblätter sind viel kleiner als die drei äußeren und normalerweise grün gezeichnet. Sie sind das Charakteristikum dieser Gattung. Zwei mal drei spitzkegelförmige Staubblätter stehen dicht zusammen. Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen mit einem weißen Stempel und einer kopfigen Narbe. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten.

Blütenformel:

Es werden Kapselfrüchte gebildet, die 18 bis 36 Samen enthalten. An den hellbraunen Samen, mit 3,5 mm Durchmesser, ist ein großer fleischiger Nährkörper (Elaiosom) angewachsen. Da der Stängel nach der Fruchtbildung schlaff auf den Boden fällt, können Ameisen (Myrmekochorie) an die Samen kommen. Sie haben eine Vorliebe für den am Samen festgewachsenen Nährkörper und tragen daher die Samen zu ihrem Bau. Unterwegs fressen sie den Nährkörper häufig auf und lassen den eigentlichen Samen unbeachtet liegen. So tragen sie zur weiten Ausbreitung des Schneeglöckchens bei.

Die Blütezeit der Wildarten reicht von Oktober (Königin-Olga-Schneeglöckchen) bis zum Ende des Frühjahrs (Kleines Schneeglöckchen); die Kulturarten blühen teilweise bis in den April.

Alle Wildarten stehen seit 1973 (CITES, Washingtoner Artenschutzübereinkommen) unter Artenschutz.

Zur Vermehrung der Pflanzen tragen außerdem auch Tochterzwiebeln bei, so dass sich häufig dichte Horste bilden. Diese können nach der Blüte geteilt werden, während die Pflanzen noch grün sind.[2] Eine weitere Vermehrungsmethode ist das Twin Scaling, eine Art Splitten der Zwiebel in ruhendem Zustand. Hierbei wird die Zwiebel bis auf den Zwiebelboden herunter mit vielen Schnitten „gereizt“, um sie so für die Bildung neuer Nebenzwiebeln anzuregen.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heimat der Arten ist Europa und Südwestasien, von Kleinasien, über den Kaukasus bis zur Region um das Kaspische Meer. Anderswo, zum Beispiel in Nordamerika, sind Arten nur verwildert. In England sind Schneeglöckchen außerhalb der Gärten erst ab 1770 nachgewiesen. Sie verwilderten vermutlich aus Klostergärten.[3]

Sie kommen in Waldwiesen, Auen und Laubwäldern vor und bevorzugen feuchte und schattige Standorte. Sie werden häufig als erste Frühlingsboten betrachtet und deshalb auch gerne in Grünanlagen und Gärten gepflanzt. In der Phänologie bedeutet die Erst-Blüte den Anfang des Vorfrühlings.

Galanthus gracilis
Clusius-Schneeglöckchen (Galanthus plicatus)

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt etwa 20 Arten in der Gattung Schneeglöckchen (Galanthus):[4]

Züchtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die intensivere Züchtung begann nach dem Krimkrieg (1853-1856), als Soldaten von der Halbinsel Krim Zwiebeln von G. plicatus aus ihrer Heimat mitbrachten, welche sich in England in den Gärten mit dem einheimischen G. nivalis und dem türkischen G. elwesii kreuzten. Waren über Jahrzehnte nur ein paar Sorten bekannt, ist die Sortenvielfalt durch die Arbeit erfolgreicher Züchter heute schon fast unübersichtlich groß geworden. Derzeit sind etwa 800 Sorten (davon 500 registrierte) von Schneeglöckchen bekannt, die aus mehreren Arten hervorgegangen sind.

Heilwirkung und Giftigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galantamin wird als Mittel gegen Demenz genutzt und um das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit zu bremsen. Nach der Bach-Blütentherapie fördert und unterstützt die Blütenessenz angeblich Leichtigkeit, Akzeptanz des Vergänglichen, gibt Hoffnung - auch zu einem Neuanfang - und hilft, Dinge zu tun, die Freude machen.

Alle Pflanzenteile, besonders die Zwiebel, enthalten giftige Alkaloide. In der Zwiebel befindet sich vorwiegend das Amaryllidaceen-Alkaloid, in anderen Pflanzenteilen Tazettin, Galantamin und Lycorin. Eine kritische Dosis ist nicht bekannt.

Mögliche Vergiftungssymptome: Es kommt zu vermehrtem Speichelfluss, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Gelegentlich werden Kreislaufstörungen mit Schweißausbruch und Benommenheit beobachtet.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aaron P. Davis: The Genus Galanthus. A Botanical Magazine Monograph. Royal Botanical Gardens, Kew 1999, ISBN 0-88192-431-8.
  • Gerald B. Straley, Frederick H. Utech: Galanthus. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 26: Magnoliophyta: Liliidae: Liliales and Orchidales. Oxford University Press, New York/Oxford u. a. 2002, ISBN 0-19-515208-5, S. 280 (online [abgerufen am 20. Juli 2016]).
  • Hanneke van Dijk, Gert-Jan van der Kolk: Schneeglöckchen. Über Blumen, Galantophile und andere Dinge (übersetzt von Mechthild Ragg). Landwirtschaftsverlag, Münster 2004, ISBN 3-7843-3314-1.
  • Heinz-Dieter Krausch: Kaiserkron und Päonien rot ... Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen. Dölling und Galitz, Hamburg 2003, ISBN 3-935549-23-7.
  • Clemens Heidger / Josh Westrich / Veronica Cross: For Galanthophiles: Präsentation von 50 gartenwürdigen Schneeglöckchen Edition Art & Nature, ISBN 978-3000349690.
  • Maria Mail-Brandt: Schneeglöckchen-ABC Galanthus - Snowdrops - Sneeuwklokjes - Perce-Neiges - Wildarten und über 800 Sorten BOD, Norderstedt ISBN 978-3734709777.
  • Günter Waldorf: Schneeglöckchen: Zauber in Weiß - Über dreihundert Sorten im Fotoporträt DVA, München ISBN 978-3421040206.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Richter: Das Schneeglöckchen zwischen Mariensymbolik und moderner Indikation. In: Tempora mutantur et nos? Festschrift für Walter M. Brod zum 95. Geburtstag. Mit Beiträgen von Freunden, Weggefährten und Zeitgenossen. Hrsg. von Andreas Mettenleiter, Akamedon, Pfaffenhofen 2007, ISBN 3-940072-01-X, S. 359–362, hier: S. 359 f.
  2. Ein Meer an Blüten: Schneeglöckchen vermehren
  3. Katherine Swift: The Morville Year. Bloomsbury, London 2011, ISBN 978-1-408-81109-2, S. 262, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  4. Rafael Govaerts: World Checklist of Amaryllidaceae. Galanthus. Royal Botanic Gardens, Kew 2012, Internet-Veröffentlichung, Zugriff am 15. November 2012.
  5. a b c d e f g h i j k l m n o p q r Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Springer, Spektrum Akademischer Verlag, Berlin/Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8, S. 760–764.
  6. a b c Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7, S. 1426.
  7. Dmitriy A. Zubov, Aaron P. Davis: Galanthus panjutinii sp. nov.: a new name for an invalidly published species of Galanthus (Amaryllidaceae) from the northern Colchis area of Western Transcaucasia. In: Phytotaxa. Band 50, 2012, S. 55–63, PDF-Datei.
  8. Aaron P. Davis, Neriman Özhatay: Galanthus trojanus: a new species of Galanthus (Amaryllidaceae) from north-eastern Turkey. In: Botanical Journal of the Linnean Society. Band 137, Nr. 4, 2001, S. 409–412, DOI:10.1006/bojl.2001.0480.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Galanthus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien